Erdbeeren für die Tonne: Wenn sich die Ernte nicht mehr lohnt

Held vom Erdbeerfeld? Das war einmal (Symbolbild:Imago)

Aufgrund des sonnigen Wetters der letzten Wochen können sich die deutschen Bauern eigentlich auf eine hervorragende Erdbeerernte freuen. Allerdings führen die galoppierende Inflation und Billigimporte aus dem Ausland dazu, dass viele Menschen sich beim Kauf der einheimischen Früchte zurückhalten und unter anderem auf den Kauf von deutschen Erdbeeren verzichten. Hier zeigt sich die „Lebensmittelkrise“ quasi unter umgekehrten Vorzeichen: Es gibt es ein massives Überangebot, aber eine geringe Nachfrage. Deshalb sind viele Landwirte bereits dazu übergegangen, ihre Erdbeerernte zu vernichten; dies auch aus Protest gegen die niedrigen Preise, die vom Lebensmitteleinzelhandel diktiert werden.

So beklagt beispielsweise ein Bauer aus Coesfeld,  dass er derzeit knapp 1,01 Euro für eine 500-Gramm-Schale Erdbeeren vom Einzelhandel bekäme, wobei er de facto noch draufzahle: Würde er die Schale selbst direkt verkaufen, bekäme er dafür 4,50 Euro – womit er auch problemlos den Lohn für seine rumänischen Erntehelfer zahlen könnte. Doch das Preisdiktat des Handels verhindere eine faire Bezahlung. „Man könnte weinen – das ist die Arbeit eines Jahres oder sogar mehrerer Jahre. Wenn man das dann kaputtmacht, ohne den Nutzen zu haben, ist das schon sehr ärgerlich”, so der Landwirt. Weitere Erdbeer- und auch Spargelbauern erklären, dass sie mittlerweile bis zu einem Drittel ihrer angebauten Feldfrüchte gar nicht mehr ernten würden oder die Produktion abgebrochen hätten, weil die ihnen für die Produkte gezahlten Preise nicht einmal mehr die laufenden Kosten deckten. Ein weiteres Problem stellt die Bevorzugung von ausländischen Billig-Importerdbeeren durch den Lebensmittelgroß- und einzelhandel dar, die aus Spanien oder den Niederlanden stammen.

Deutschland gerät in zunehmende Abhängigkeit vom Ausland

Nicht minder zu schaffen machen den Bauern zudem die explodierenden Düngerpreise, gestiegene Löhne und verteuertes Verpackungsmaterial: Die Produktionskosten seien heute extrem, so der Coesfelder Landwirt. Dazu trage auch der Mindestlohn von 9,82 Euro pro Stunde erheblich bei. Dazu erklärt der Erdbeer-Bauer Ekhard Wolter aus Brandenburg gegenüber „Bild”: „Wir deutschen Bauern haben einen schweren Markt, weil wir mit ganz anderen Stundenlöhnen rechnen müssen als Bauern in Spanien oder Griechenland. Wir machen dann wieder Getreide und Raps.“ Bald müsse Deutschland als größtes Agrarland sich seine anderen Lebensmittel „von sonst woher holen.” Ein Sprecher der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen erklärt: „In den vergangenen zwei Jahren sind viele Stadtbewohner aufs Land gefahren, um dort in Hofläden oder auf dem Markt Erdbeeren zu kaufen.“ Weil viele Menschen ihr Auto, gerade auch wegen der hohen Spritpreise, möglichst wenig nutzen wollten, sei es damit aber längst vorbei.

Vielerorts in Deutschland sei ein Punkt erreicht, an dem eine Erntevernichtung „die betriebswirtschaftlich bessere Entscheidung” sei: Lebensmittelvernichtung, weil die Erzeuger von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können. Das strukturelle Dilemma dahinter wird von der Bundesregierung weder erkannt noch angegangen. Der Landwirtschafts-Experte und CDU-Abgeordnete Albert Stegemann erklärte gegenüber „Bild”, es sei fatal, wenn die Bauern aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen seien, ihre Ernte zu vernichten. Eine Mitschuld daran gibt er auch Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, der bei alldem untätig zuschaue. Zur heimischen Produktion gebe es von dem Grünen „nur Lippenbekenntnisse.“ Es sei höchste Zeit, dass Özdemir sich endlich vor die Landwirte stelle und zugleich den Handel in die Pflicht nehme, „dass die hohen deutschen Standards und die regionale Produktion finanziell honoriert werden”. Sonst gebe es nämlich bald nur noch Obst und Gemüse aus dem Ausland.

8 Kommentare

  1. Ob die Bauern bei der nächsten Wahl anders abstimmen? Irgendwie glaube ich es nicht…

  2. Ich verstehe ja die Bauern, aber ich verstehe auch die Supermärkte. Wieso sollten sie teure Erdbeeren einkaufen, die keiner sich leisten kann. Da würde der Supermarkt die dann wegschmeißen. Die Bauern sollten nicht gegen die Supermärkte schimpfen, sondern sich gegen den ganzen Öko-Mist, der Energiepolitik, der Sanktionspolitik, die Steuerpolitik u.a. mit einem mächtigen Protest an die Regierung wenden, der aber nicht einmalig sein darf. Sollen sie doch vor das Kanzleramt die Erdbeeren schütten. Schließlich kauft kein Kaufmann unverkäufliche Ware ein. Wen haben denn z.B. die Bauern gewählt? Wahrscheinlich irgendeine Blockpartei und nun haben sie den Salat. Es geht auch nicht an, dass die Verbraucher die Bauern immer wieder subventionieren sollen.

  3. Die anderen sind natürlich Schuld . Nur die Überproduktion der Bauern nicht !

    Das war bei der Milch so , ist beim Tierwohl der keiner ist so und wie zusehen , auch beim Obst so . Masse statt Klasse mit möglichst geringem Aufwand ! Sowas funktionierte in der Industrie vor Habeck und Scholz .
    Ich kann mich an kein Jahr erinnern wo die Bauern nicht gejammert haben , aber meistens danach Rekordernten einfuhren . Das Problem der Verbraucher ist , das sie garnicht mehr wissen wie natürlich sonnengereifte Erdbeeren schmecken . Ich hatte das Glück vor einigen Jahren auf einem türkischen Basar in Kap Anamur die leckersten Erdbeeren seit meiner Kindheit essen zu können . Als Käseesser der Camembert und Gauda liebte , ist mir der Appetit an den heutigen eher Kunstkäse vergangen . Gerne gebe ich etwas mehr aber diese echten gereiften Käsesorten sind kaum in Supermärkten zubekommen und die Milchläden wie zu meiner Kindheit gibt es schon Jahrzehte nicht mehr . Auch kenne ich Koteletts die aromatisch schmecken und nicht in der Pfanne zusammenschnurren , diese Schweine wurden auch älter und waren keine Massenproduktion auch für den Ostasienmarkt , den Tönnjes auch beliefert . Tierwohl ist sowohl bei den Züchtern wie in den Schlachtfabriken ein Fremdwort geblieben .

  4. Ich habe früher immer ca. 5 kg Erdbeeren als Selberpflückerin vom Feld geholt und Marmelade gemacht und natürlich auch zum gleich essen und für Erdbeerkuchen. Das war für mich bezahlbar und die pflückenden Frauen haben auch auf die Pflanzen geachtet, denn wir wollten ja im nächsten Jahr wiederkommen. Bei uns müssen die Minister keine Ahnung vom Fach haben und nichts tun, die Hauptsache, sie sind in der richtigen Partei.

  5. Ganz allgemein, wenn in einem Land eine hohe Inflation herrscht, dann wird natürlich dort teurer produziert als in einem Land mit niedrigerer Inflation.

    Und wenn es im Beitrag heißt:
    „Würde er (der Bauer) die Schale selbst direkt verkaufen würde, bekäme er dafür 4,50 Euro …“ Aber dann soll er es doch tun. Es hindert ihn doch niemand daran.

    Und faire Preise sind das vielleicht für den Bauern, aber nicht für die normale Bevölkerung. Das sind Preise für das grüne Gesindel, das hinter den Schreibtischen im Öffentlichen Dienst hockt und den ganzen Tag überlegt, wie es die Bevölkerung noch mehr schröpfen und drangsalieren kann.

  6. Den letzten Kommentar kann ich mich nur anschließen. Ich besitze selbst einen großen Garten und esse auch Erdbeeren und andere selbst angebaute Sorten, die eine ganz andere geschmackliche Qualität besitzen. Aber die wichtigste Frage, die ich mal einigen Politikern verschiedener Parteien gestellt habe und hört bitte genau hin wir müssen in der Landwirtschaft immer effektiver werden also immer größere Flächen bebauen und immer mehr Massentierhaltung betreiben, um die Menschheit satt zu bekommen. Mein Vorschlag war, die Kleinbäuerliche Wirtschaft wieder einzuführen. Es hätten wieder viel mehr Erdenbewohner Arbeit aber das geht nur in Frieden und Eintracht aber wir machen genau das Gegenteil führen Kriege und ein politisch gekaufter Idiot wirft den anderen Versagen vor. Um viele Menschen satt zu bekommen, geht es momentan leider nicht anders. Aber man arbeitet ja fieberhaft momentan an einer die Allgemeinheit befriedigende Endlösung.

  7. Die Preisspanne die ich beobachtet habe …für 1 Schale Erdbeeren (500g ?)3,90-4,90 € auf dem Wochenmarkt !
    In den Supermärkten sollen sie billiger sein. Auf dem Wochenmarkt werden dann …kurz vor Feierabend – die Preise gesenkt (um 1€). Bei frischen Spargel aus der Region …am Morgen noch 6-8€/kg…kurz vor Feierabend 2,5kg für 10€. Und wie oben beschrieben…werden Erdbeeren u. Spargel schon untergepflügt.
    Trotz fehlender Arbeitskräfte aus Osteuropa …solche Überbestände ?
    Haben unsere türk. Mitbewohner andere Lieferketten… da sah dieser Tage reife Mangos 45 cent/Stück
    auch das Gemüse ist dort wesentlich billiger …gelegentlich verirre ich mich in solche Läden …wenn die Rente sich dem Ende neigt.
    Um nochmal zu den Düngemitteln zu kommen …das größte ,,Stickstoffwerk“ in D,in Piesteritz hat wegen überhöhtter Energiekosten Hilfen von der Regierung eingefordert …sonst müsste Insolvens beantagt u. 900 Mitarbeiter ,,freigesetzt“ entlassen werden. D ist zu einem Saftladen verkommen.

  8. Das Dilemma wird wohl erkannt. Nur ist es so, dass man genau das will, dass wir unsere Lebensmittel von sonst woher bekommen. Genau diese Abhängigkeit ist gewollt von den Globalisten. Die machen schön ihre Geschäfte und niemand wagt mehr irgendwie aufzumucken, weil er in voller Linie abhängig ist. Dann noch Bargeld weg und der Sack ist zu.

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