Es geht nicht um Sprache, sondern um Kommunikation!

Incommunicado in einer Ära der gewollten Missverständnisse (Symbolbild:Pixabay)

Es ist sicherlich richtig: Über die Sprache kann man Menschen kontrollieren; damit hat sich bereits George Orwell ausführlich beschäftigt. Eine verarmte, eingeengte Sprache lässt nicht nur die Kreativität versiegen, sondern erlaubt auch keine gut durchdachte Kritik mehr. „Ungut” hört sich weniger negativ an als „schlecht”, das wussten schon die Erfinder des Neusprech. Allerdings: Sprache ist nur ein Teil der Kommunikation. Indem uns Ideologen zwingen, uns nur auf das gesprochene Wort zu konzentrieren, verarmt auch das Gefühlsleben darum herum und alles, was der Sprache Leben einhaucht: Man stelle sich ein Gedicht vor, das von einer kalten Maschinenstimme ohne jede Betonung gelesen wird – das verdirbt den schönsten Text.

Es kommt eben nicht nur auf den Gebrauch der Worte an, sondern auch auf ihre Betonung und die Gesten, die sie begleiten. Wenn sich Sprachkontrolleure auf einzelne Worte oder Formulierungen stürzen, die sie am liebsten aus unserem Wortschatz ausradieren wollen, ignorieren sie vollkommen, wie man einen „anrüchigen Begriff” durch Ironie ins genaue Gegenteil verkehren kann. Aber da schon das Konzept der Ironie ihnen verdächtig erscheint, wollen sie sicherstellen, dass nur niemand mit den „falschen“ Worten spielt. In jemandem mit rebellischem Geist muss das geradezu Trotz hervorrufen – was verboten ist, macht bekanntlich doppelt Spaß. Kommt mir jemand besonders pathetisch daher, benutze ich gern Propagandabegriffe wie „heldisch” oder „er setzte ein Fanal”, um denjenigen damit aufzuziehen.

Einfache Sätze werden Stolperfallen

Kommunikation ist oft schon abseits der Worte schwierig; die Maskenpflicht etwa nahm uns in den letzten zwei Jahren bereits die Möglichkeit, anderen etwas durch unsere Mimik mitzuteilen. Ein zustimmendes Lächeln könnte keiner sehen, man galt also im Zweifelsfall als Muffelkopf. Aber auch einfache Sätze können zu Stolperfallen werden, denn bekanntlich kommt es auch dabei zu allerhand Missverständnissen, die sich auch aus der Beziehung von Sprecher und Zuhörer zueinander ergeben (das berühmte „4-Ohren-Modell”). Ein harmloser Satz wie „Es ist kalt hier!” kann demnach leicht als der Vorwurf verstanden werden, jemand sei nur zu geizig zum Heizen. In Zeiten der Ukraine-Krise wird vielleicht sogar ein politisches Statement daraus: „Bist du gegen Putin?”, denn auch Frieren ist jetzt Haltung. Linke hören zudem besonders gern auf dem „Alles ist wörtlich gemeint”-Ohr. Daher vermeide man es als Anhänger der AfD tunlichst, sich selbstironisch als „Nazi” zu bezeichnen, darauf wird man sich stürzen wie auf ein Glaubensbekenntnis. Aber auch wenn man etwas Negatives über den Nationalsozialismus sagt, muss man streng innerhalb des vorgegebenen Wortkorsetts bleiben, sonst wird einem die Ablehnung nicht geglaubt. Es empfiehlt sich, stets die Worte „menschenverachtend” und „hasserfüllt” zu verwenden – damit ist man immer auf der richtigen Seite, auch wenn man dabei nur Formeln abspult.

Wieder bleibt das Nonverbale hier komplett außen vor, es zählen weder der Tonfall noch der individuelle Hintergrund des Sprechers. Ist er generell für eine lockere Sprache bekannt? Kommt er aus einer Region wie dem Ruhrpott, wo man zu herzhafter Ausdrucksweise neigt? Wie hat er geguckt, als er seine Aussage tätigte? Stattdessen sollen wir wie am Reißbrett geplant sprechen, keinen Humor zeigen und uns keiner anderen als den von Böhmermann & Co. lizenzierten und uns gnädig genehmigten Formulierungen bedienen. Überall lauern Fällen, das politisch korrekte Milieu funktioniert wie ein Abhör-Algorithmus des NSA und wirft sein Alarmsystem bei bestimmten Wortkombinationen an. Die Tabu-Liste wird dabei immer länger und beinhaltet auch längst nicht mehr nur in Ungnade gefallene Worte für Schaumküsse oder Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund.

Auch Bildsprache hilft nicht unbedingt weiter

Durch eine Folge von „Star Trek – die nächste Generation“ begriff ich Mitte der Neunziger endlich, was Ludwig Wittgenstein der Menschheit über Kommunikation mitteilen wollte: „Gehe niemals davon aus, dass jemand, der aus einem anderen Umfeld kommt als du, grundsätzlich versteht, was du mit deinen Beispielen mitteilen willst.” Kommunikation kann nämlich schon verdammt schwierig sein, wenn man sich nicht feindselig gegenübersteht. In der oben erwähnten Folge von Star Trek ging es um den Erstkontakt zu einer Zivilisation, deren Sprache noch nicht entschlüsselt war, jeder Übersetzungsfehler konnte zu einem Wutausbruch der Gegenseite führen. Die Erstkontakt-Spezialistin erklärte Captain Picard anhand einer Tasse Kaffee (dem Äquivalent zu Wittgensteins rotem Stift), dass auch Bildsprache nicht unbedingt weiterhilft, der andere weiß schließlich nicht, ob ich über die Farbe des Getränks oder das Trinken an sich sprechen will. Einem ähnlichen Ansatz folgt der Film „Arrival”, in dem eine Linguistin die Bildsprache außerirdischer Besucher entschlüsseln muss: Ihre chinesischen Kollegen, welche die – zugegebenermaßen nicht sehr niedlichen – Aliens als Feinde betrachten, kommen dabei zu vollkommen anderen Interpretationen als sie.

Als Freundin solcher Serien und Filme fand ich die Frage, wie wir wohl mit Außerirdischen kommunizieren würden, immer spannend. Ein Missverständnis könnte schließlich einen interstellaren Krieg auslösen. Wissenschaftler sind aber zuversichtlich, über die universelle Sprache der Mathematik einen Weg finden zu können. Langsam zweifele ich daran, ist es doch schon innerhalb unseres Landes immer schwieriger, mit Menschen anderer Meinung in einen Dialog zu treten.
Sie benutzen zwar teilweise das gleiche Vokabular wie wir, verknüpfen es allerdings mit ganz anderen Vorstellungen – man muss sich nur den inflationären Gebrauch des Wortes „Faschismus“ ansehen – man kann kaum noch dabei mithalten, für was er mittlerweile benutzt wird. Hinzu kommen Eigenkreationen der verschiedenen Aktivistengruppen, unter denen sich Außenstehende kaum noch etwas vorstellen können – da muss man erst einmal googeln, was eine „TERF“ ist oder die Vorsilbe „cis” bedeutet. Als Frau ist man plötzlich eine „Gebärende”, damit sich Transmenschen nicht zurückgesetzt fühlen müssen. Bei allem Verständnis für dieses Bedürfnis: Das ist eine ausgrenzende Szenesprache, bei der ein Normalbürger nicht mehr mitkommt. Schließlich können wir nicht alle einen Exolinguisten als Übersetzer im Alltag engagieren, der uns woke Sprache beibringt, wenn gerade mal keine Außerirdischen gelandet sind. Vielleicht könnte man diesen doch einfach einen Kaffee anbieten – während man bei bestimmten Menschen damit schon vorsichtig sein muss.

7 Kommentare

  1. @Das ist eine ausgrenzende Szenesprache
    genau das ist die Absicht – genau wie bei verschiedenen Fachsprachen, wo man bewußt allgemeine Begriffe mit gleichem Sinn übergeht und möglichst seltsame spezifische Begriffe benutzt, deren Sinn nur in eingeweihten kreisen bekannt ist.
    Damit kann man sich selbst erhöhen – zumal, wenn man Autorität beansprucht,

    Wer zum Beispiel würde sich für „vulnerable Bevölkerungsgruppen“ interessieren, wenn dieser begriff nicht von minderbemittelten Politikern zur Legitimierung ihres Corona-Terrors benutzt würde ?

    Wie ist das bei Menschen mit mehr Lebenserfahrung ? Haben sie in den letzten 20/30 Jahren, bevor Merkel ihr politisches Projekt „Pandemie“ ausrief, jemals von solchen Gruppen gehört ?
    Ich nicht – und ich bin 66 inzwischen !

  2. Hach, ja, Sprache – mein Lieblingsthema. Umso verstörender der Fauxpas an dieser Textstelle:
    „Überall lauern Fällen, das politisch korrekte Milieu …“, der nun sicherlich bald behoben sein wird. Danke 🙂

  3. Sollte es mal einen Kontakt mit Außerirdischen geben, die ernsthaft an Kommunikation interessiert sind, dann werden sich diese Außerirdischen auch entsprechend viel Mühe geben. So wurde das ja auch in der Star-Trek-Folge „Darmok“ vorgespielt. Ein Volk mit einer völlig anderen Denkweise ist sich der Kommunikationsprobleme und seiner eigenen Exotik bewusst und versucht mit entsprechend hohem Einsatz eine Brücke zu schlagen. Der Captain des anderen Volkes riskiert und verliert am Ende sein Leben für einen ersten Schritt hin zu einer erfolgreichen Kommunikation.

    Das Szenario im Film „Arrival“ halte ich für unsinnig. Das ist ein feuchter Traum der Menschheit. Rational denkende Außerirdische würden nicht so handeln. Ansonsten wären sie aufgrund ihrer Naivität schon ausgestorben.

    Wenn man im All auf solche Typen wie unsere Linken und Grünen trifft, dann kann man die Phaser getrost auf Dauerfeuer schalten.

  4. Na ja, nach Wittgenstein ist Kommunikation ein Sprachspiel, an dem nur jemand teilnehmen kann, der die Regeln dafür kennt.

    Um Menschen auszuschließen, muss man also nur permanent die Regeln ändern und Sprache zur Privatsprache für Eingeweihte machen.

    Das Verfahren ist so raffiniert, dass man sogar Wahlen damit gewinnen kann, etwa, indem man ausschließlich Idioten anspricht – denn Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen (Schiller, Demetrius).

    „Dass wir einen neuen Aufschlung auslösen… beginnen klimaneutralen Stahl zu prodizieren,.. es braucht dafür ein Dreikleid… bessere und seibere Alternativen… wie hoch der Benzinkreis ist… Kinder kennen selber mitbestimmen… eine Chance zu geben bedeutlich auch Investitionen… das Große und Ganze im Klick zu halten… zu nachvollziehen Kompromissen…… erstmals seit Jahrzehnten liegt Extrawechsel in der Luft…“ – Annalena Baerbock (GRÜNE), Parteitags-Rede am 12.06.2021

    „Wie Chewegewara sagte, Solidari-di-tät ist die Zärtlichkeit unter den Völkern.“ – Annalena Baerbock (GRÜNE) zitiert „Che“ Guevara am 14.05.2021

    „Lasst uns dieses Europa gemeinsam verenden!“ – Annalena Baerbock am 26.05.2019

    Etc., etc., …

  5. In meinem Alter ist es leicht, all diejenigen zu ignorieren, die meinen ihre „Erkenntnisse“ in jedweder Art von modernem Sprachgebrauch verpacken zu müssen. Wer kein althergebrachtes Deutsch spricht, hat nichts von Belang zu sagen. So einfach ist das.

  6. Neger. Negerküsse. Zigeuner. Eskimos. Indianer.

    Ich liebe alle.
    Was ist daran „böse“?
    Nix.
    Ebenso das Gendergedröns mit dem „…*:In“-Anhängsel.

    Es ist nur eine Erfindung Dummer ex-Schwafelstudium-Teilnehmer, die sonst nix auf die Reihe kriegen, als sich für fremde Menschen ungefragt einzusetzen, um deren vermeintliche Menschenrechte als ungewollter Stellvertreter zu vertreten, oft mit Gewalt. Und natürlich mit lohnender Unterstützung fehlgleiteter Steuergelder der etwa 20% die überhauipt noch (EInkommens- oder Lohn-) Steuern zahlen, weil sie einen sinnvollen Beruf ausüben.

    Solch irre Ideologie gibt’s in keinem anderen noch „normalen“ Land.

  7. Ich glaube, wir können nur mit gutem Beispiel voran gehen, Deutsch sprechen und schreiben, wie wir es gelernt haben. Nur so lässt sich verhindern, dass derlei sprachliche Beschneidungen weiteren Eingang in unsere Sprache finden. Wenn die Jugend plötzlich feststellt, wie schön Sprache klingen kann… ist sie gerettet. (die Sprache)

    Diverse Rechtschreibreformen, Vorgaben über politisch korrekte Formulierungen, und natürlich das unsägliche Gendern haben natürlich auch dazu geführt, dass man jetzt nicht mehr weiß, wie „richtig“ zu schreiben ist. Und so melden sich viele Menschen einfach nicht mehr zu Wort. Weil sie sich nicht angreifbar machen wollen oder einfach nicht mitmachen wollen, bei der unerquicklichen Kommunikation der heutigen Zeit.
    Vielleicht werden deshalb auch keine alten Filme mehr gesendet. Die Menschen könnten feststellen, wie wunderbar die Menschen früher gesprochen haben. Mir wird dies immer wieder deutlich, wenn ich die Österreicher sprechen höre. So wunderbar haben unsere Vorfahren auch gesprochen. Da konnte man sich noch herrlich aufregen und seinem Unmut Luft machen, so dass es dem Angesprochenen ganz mulmig wurde, ob der vorgetragenen Rede.
    Wie oft fehlen den Menschen heutzutage die passenden Worte, um das ganze Ausmaß dessen zum Ausdruck zu bringen, was in ihnen vorgeht. Ein schlichtes „Das kotzt mich alles an.“ bringt es oftmals eben doch nicht auf den Punkt.

    Es gibt ein „Projekt der verlorenen Worte“, das uns Worte, die bereits im Laufe der Zeit erfolgreich aus unserem Gedächtnis verdrängt wurden, wieder zurückholen möchte.
    Ich finde, man muss sich nicht schämen, Deutsch zu sprechen. Ganz im Gegenteil!
    Wir haben (oder hatten) eine so reiche Sprache. Es liegt an jedem Einzelnen, sich nicht in immer wiederkehrenden Satzbausteinen auszudrücken, sondern die Gedanken in Worte zu fassen, ganz nach Gusto. Dazu muss man aber erstmal Gedanken haben. Und ich glaube, dass heutzutage eher hier das Problem zu suchen ist. Betreutes Denken führt natürlich nicht dazu, dass man die richtigen Worte findet, um sich auszudrücken.

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