
Es kotzt mich an, dieses Geheuchel beim Eurovision Song Contest (ESC). Man sitzt da, das Licht gedimmt, der Bildschirm flimmert – und plötzlich erstrahlt das Wohnzimmer im Glanz eines goldenen Flügels, der aussieht, als hätte ihn Midas persönlich mit Pailletten überzogen. Eine Sängerin (oder auch ein Sänger, keine Ahnung…) in einem Kleid, das mehr wie ein funkelnder Wasserfall wirkt, beugt sich über die Tasten, ihr Haar weht in der künstlichen Wind der Windmaschine, das Mikrofon funkelt wie ein Kronleuchter. Das Publikum im Saal hält Tausende Handys hoch, ein Meer aus Lichtpunkten, das an Sternbilder erinnern soll – oder an die Lichter einer Stadt, die gerade bombardiert wird. Und man denkt: Ach, Eurovision! Die große Familienfeier Europas! Nur, dass die Familie inzwischen zerstritten ist wie nie.
Früher, in den unschuldigen Fünfzigern, sollte der Wettbewerb nach dem Krieg Brücken bauen. Ein bisschen Gesang, ein bisschen Völkerverständigung, ein bisschen kitschiger Glamour. Heute ist er zum symbolpolitischen Schlachtfeld mutiert, auf dem nicht mehr nur Noten, sondern Narrative zählen. Spanien boykottiert, weil Israel dabei ist; fünf, sechs andere Länder ebenfalls. „Aus Solidarität“, heißt es. Man könnte auch sagen: aus purer Heuchelei. Denn dieselben Stimmen, die 2022 noch frenetisch für einen ukrainischen Beitrag jubelten, während russische Künstler ausgeschlossen wurden, entdecken plötzlich, dass Musik und Moral untrennbar sind – solange die Moral der eigenen Seite passt.
Kein Liederkrieg, sondern Hochfest der Zerrissenheit
Wo war die Boykottwut, als andere Kriege tobten? Wo blieb die Empörung über Diktaturen, die jahrelang fröhlich mitgesungen haben? Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Es geht beim ESC nicht um Prinzipien. Es geht um die richtige Seite. Und dazwischen, als wäre das alles noch nicht genug, um die Gender-Phase. Die Zeit, in der jeder zweite Beitrag wie ein Manifest für Vielfalt klang, nur dass Vielfalt plötzlich sehr einseitig definiert wurde. Dragqueens, non-binäre Hymnen, Regenbogen-Overkill.
Man konnte fast die Uhr danach stellen: Kaum hatte ein Land einen politisch passenden Song mit echter Melodie geschickt, kam der Kommentar der Moderatoren: „Wie mutig, wie wichtig, wie historisch!“ Als wäre Gesang nur noch dann legitim, wenn er vorher den identitätspolitischen Check bestanden hat.
Die gleichen Moderatoren übrigens, die heute mit ihrem Lächeln und ihren perfekt sitzenden Outfits dastehen, als wären sie die Hohepriesterinnen der Einheit. Ein Blick in ihre Gesichter reicht oft schon, um zu wissen, wohin die Reise geht: nicht zum Herzen der Musik, sondern zum nächsten moralischen Statement. Und genau das ist der Kern der Sache: Der ESC ist nicht mehr nur ein Liederkrieg. Sie ist ein Spiegel der europäischen Seele – und der sieht derzeit ziemlich zerrissen aus. Statt dass die Musik verbindet, wird sie zur Bühne für das, was uns trennt.
Spaltungen mit Glitzer übertüncht
Die Abstimmung erfolgt nicht nach Ohr, sondern nach Pass. Man stimmt für den Nachbarn, gegen den Feind, für die eigene Blase. Die Lieder werden zur Kulisse, die Inszenierung zum eigentlichen Star. Und das Publikum? Es jubelt, es leuchtet, es filmt.
Aber ob es wirklich noch zuhört, ist eine andere Frage. Man könnte zynisch werden und unken: Solange das Goldene Klavier glänzt und die Pyrotechnik kracht, ist alles gut. Doch genau darin liegt die bittere Ironie. Je funkelnder der Glanz, desto mehr verbirgt er die Risse darunter. Ob Sarah Engels für Deutschland den letzten oder drittletzten Platz holte, ist unwichtig. Es geht nicht mehr um den eigentlichen Contest.
Der ESC zeigt uns nicht, was Europa vereint. Sie zeigt uns, wie meisterhaft wir es schaffen, unsere Spaltungen mit Glitzer zu übertünchen. Und während die Sängerin am Flügel ihre letzten Töne singt, die Menge tobt und die Lichter flackern, bleibt nur eine leise, fast poetische Erkenntnis: Selbst die schönste Melodie Europas ist derzeit nicht zu hören, weil sie übertönt wird – von Politik, von Pose, von jenem feinen, aber unüberhörbaren Knirschen, wenn eine Institution, die einst für Musik stand, zur Bühne der eigenen Zerissenheit wird. Es widert einen an. Und genau diese Anwiderung ist vermutlich die ehrlichste Emotion, die dieser Gesangswettbewerb 2026 noch auslösen kann.
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19 Kommentare
„Spanien boykottiert, weil Israel dabei ist“
Dafür habe ich Verständnis, denn es heißt schließlich European Song Contest.
Seit wann liegt Israel in Europa?
Und wenn Israel teilnehmen darf, warum dann nicht auch Indien, China und Venezuela?
😜
Das gehört abgeschafft, aber das sage ich seit 30 Jahren bestimmt schon – die Kerneuropäer zahlen, und sie verlieren jedesmal, nicht weil ihre Lieder schlecht sind, sondern weil es darum nicht mehr geht, weil alles eh angesprochen ist – ein Politkum . Mit Europa hat das am wenigsten zu tun – da sind Länder die zu Asien gehören, aber nicht zu Europa – Australien ebenso. Die Moderatoren – Wichtigtuer ohne Klasse – dann am Schluß, wo sich für jedes Land irgendjemand mit Glitter meldet, der dieses miese Spiel auch noch beweihräuchert – all das ist so überflüssig wie ein Kropf. Tafel, Punkte anzeigen würde reichen 🙂 Was es noch ist – billig, – die Klamotten, die fürchterliche Show kostet viel Geld, das man anderweitig besser anlegen könnte, aber billig ist die ganze Inszenierung. Schrecklich – und es war einmal eine schöne Idee. P.S.: Ich wollte es mir nicht ansehen, aber leider war der Fernseher (Schwiemu) dort an, wo ich am Computer arbeitete – und so bekam ich es ungewollt mit.
Wer um Gottes Willen schaut sich sowas an?
Wer verplempert seine kostbare Zeit mit so ein Müll?
Das können nur aus dem Nordosten bis Südosten die vor Langeweile nicht wissen was sie machen sollen 😭
Von keinen einzigen dieser Möchtegern wird spätestens ab morgen nie wieder jemanden hören…..🤢🤮
Dieser sog. Eurovision song contest zeigt inzwischen nur noch
die kulturelle Selbstkastration und den Untergang des woken Westeuropas …
s. short
ESC freakshow
Genau deswegen verstehe ich nicht, weshalb Israel an so einem Scheiß unbedingt teilnehmen wollte. Mal ganz abgesehen davon, daß Israel gar kein europäisches Land ist
@Jürgen R. 17. Mai 2026 um 14:17 Uhr
So viel ich weiß nimmt Israel seit vielen Jahren auch an vielen europäischen Sportwettberwerben teil.
Zum Beispiel bei Sportarten wie Basketball oder Fussball (Israel ist Mitglied der UEFA). Und Israel wird trotz zahlreicher Kriegsverbrechen nirgendwo ausgeschlossen. Russland dagegen wird wegen des Ukrainekrieges überall ausgeschlosen. Und dort, wo RUssland teilnehmen darf, gibt es sogar das Verbot für die eigene russ. Nation antreten zu dürfen. D.h. die russ. Athleten dürfen nur unter neutraler Flagge bei den SPortwettberwerben antreten.Und das betrifft viele Sportveranstaltungen weltweit.
Um diese ultra-schwachsinnige Doppelmoral des Westens noch einmal zu verdeutlichen:
Ich erinnere an dieser Stelle noch an den völkerrechtswidrigen US-Krieg ohne UN-Mandat
den US-amerikanischen Angriffskrieg gegen den Irak ab 2003 . Die USA durften trotz der vielen Kriegsverbrechen im Irakkrieg überall in allen Sportarten bei allen Sportveranstaltungen teilnehmen und wurden nirgendwo ausgeschlossen oder boykottiert.
Die EU hatte damals nicht einmal die Verhängung von EU-Sanktionen gegen die USA damals in Erwägung gezogen.
Während sie ab 2022 im Falle von Russland wegen des Ukrainekrieges sofort bereit war viele tausende von Sanktionen gegen Russland zu verhängen.
EUROvision Song Contest…was haben da Australien, Marokko und Israel verloren?? Nennt es dann doch lieber: Eine-Tüte-voller-Mücken-Contest.
Kranke Gesellschaften können auch nur unbeseelten musikalischen Müll hervor bringen.
Eigentlich war das schon immer so. Man höre sich nur mal z.B. „Im Sommer einundsechzig“ von Heinz Kahlau an. Nicht weniger schlimm ist das osmanische Gebrüll, welches immer öfter in Radios läuft.
Das gehirngewaschene, woke Publikum, welches sich diesen Rotz für viel Geld live reinzieht, ist auch nicht besser. Ein Normalo war dort garantiert nicht dabei. 360 Euro kostete ein Stehplatz im Golden Circle während des großen Live-Finales.
Soeben habe ich gelesen, daß sogar Australien am ESC teilgenommen hat.
Das finde ich völlig bescheuert.
Was hat Australien mit Europa zu tun?
Beim Eurovision Song Contest geht es nicht um Geografie, sondern um die Mitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion (EBU), einem Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Medien. Jedes Land mit einem EBU-Mitgliedssender darf teilnehmen.
Hier sind die spezifischen Gründe für diese drei Länder:
Israel: Der israelische Sender ist seit 1957 volles EBU-Mitglied und nimmt seit 1973 am Wettbewerb teil. Der ESC gilt im Land als wichtige kulturelle Brücke nach Europa.
Australien: Wegen der enormen Popularität des ESC in Australien erhielt das Land 2015 eine einmalige Einladung. Da der Sender SBS assoziiertes EBU-Mitglied ist, wurde die Teilnahme danach zu einer festen Tradition.
Marokko: Das nordafrikanische Land nahm 1980 einmalig teil. Der dortige EBU-Sender wollte ein Zeichen für kulturelle Offenheit setzen, blieb aber aufgrund der damaligen Teilnahme Israels ein einmaliger Gast.
Kann da nicht mitreden, habe den Rülps nicht gesehen. Weil…
Interessiert mich alles seit etlichen Jahren schon nicht mehr.
Mein TV ist nur noch ein Anhängsel vom BluRay-Player und als eigenständige
Daten/Informationsquelle (z.B. ARTE-Dokus od. Spielfilme) kaum noch in Benutzung.
panem et circensis, mehr ist nicht zu sagen und somit wird sich nichts ändern
Es ist allgemein schon traurig dass wenige Darbietungen in der Muttersprache des jeweiligen Landes aufgeführt werden sondern meistens in englischer Sprache. Abgesehen davon wäre der diesjährige, deutsche Beitrag wäre wohl eher was als Pausenfüller den lokalen Puff gewesen.
Man sollte dieses heuchlerisches Schmierentheater einfach abschaffen, es wird wohl keiner vermissen!
Wenn ein europäisches Volk einem „Lied“, das aus der Schmiede der „weltberühmten Ballermann-Hitfabrik „stammen könnte, ihre Stimme gibt, sagt das eigentlich schon alles über den derzeitigen Zustand von Europa aus. Je blöder, desto besser. Dass eines der schlimmsten Ergüsse, die jemals vorgetragen wurden, nâmlich aus Griechenland, und selbst im Suff nicht zu ertragen ist, letztlich mehr Punkte bekommen hat wie wir, passt da wie die Faust aufs Auge. 220 Punkte gegenüber unseren 12, eigentlich unfassbar. Aber gut, solange wir den Dreck auch noch mitmachen, dürfen wir uns auch nicht beklagen.
Ich kann mich nicht erinnern, das jemals geschaut zu haben.
So wie Europa nichts mit der EU zu tun hat und so wie Europa kein eigener Kontinent ist und so wie die natürliche nationale Kultur, für eine unnatürliche, internationale und aufgezwungende Kultur weichen soll, so logisch ist ein ESC für alle Anhänger der kommunistischen internationalen, die von den Raubtier Kapitalisten benutzt wird, um Völker zu spalten und ihnen durch Parteien – Demokratien die Eigenständigkeit und Mündigkeit zu nehmen, auf das niemals natürliche Gemeinschaften aufgrund ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten zur gefährlichen Konkurrenz werden können, die den Welthandel und die Welt – Finanz – Strukturen stören könnten und vor allem die Umverteilung von ungeheuren Mengen an Steuergeldern in ihre Kreise behindern oder sogar beenden könnten.
Jede Ablenkung, egal welcher Qualität (auch gerne ganz ohne solche) sind dabei willkommen diese Ziele zu erreichen. Ein ESC reiht sich da in etliche Veranstaltungen ein, die seit langer Zeit nur diesem Zweck dienen und Bevölkerungen spalten bis hin zu offenen Feindschaften oder eben ablenken von viel wichtigerem, wie die Beschaffenheit des eigenen Landes und des eigenen Staates. Um nur die wichtigsten zu nennen: Profi – Sport; LGBT Kundgebungen; Empörungsdemos durch Zivilgesellschaftliche Gruppen; politisierte Kirchenveranstaltungen; zweifelhafte und teilweise abartige Kunst; Netflix Abo; E – Sport; Angst machende Meldungen und so weiter. Stabile und natürlich gewachsene Gemeinschaften müssen um jeden Preis verhindert werden um Gewinne aus ihnen abschöpfen zu können und dazu wurden die größten Medien Konzerne von Angehörigen der Raubtier Kapitalisten erschaffen, gekauft und/oder korrumpiert und haben somit das mächtigste Propaganda Werkzeug in ihren Händen. Deshalb berichten ARD/ZDF und Konsorten öfter mal Dinge die gar nicht zur Wirklichkeit passen wollen. Vor allem aber berichten sie Dinge die im Endeffekt den Raubtierkapitalisten Nutzen bringen, unabhängig von den Regierungen die im Land regieren.
und im Puiblikum sitzt das Blödvolk das uns diese Regierung eingebrockt hat.
Und wenn Israel teilnehmen klann dann auch Palästina
da die Entscheidungsträger mittlerweile dem Grün Bildungsstand entsprechen können die natürlich nicht wissen das Israel im Nahen Osten liegt