
Es ist ein seltener Moment deutscher Mediengeschichte, wenn eine Organisation der Presse davor warnt, staatliche Stellen könnten Journalisten mit zu vielen Fakten versorgen. Genau das aber geschieht: Seit dem 1. Oktober nennt die bayerische Polizei in ihren Mitteilungen „grundsätzlich aktiv“ die Nationalität von Verdächtigen und Opfern – und der Deutsche Presserat äußert prompt „Sorge“ und mahnt Redaktionen zur Zurückhaltung. In welcher Demokratie, könnte man fragen, ist es Aufgabe der Presseaufsicht, die Informationsflut zu drosseln, statt die Urteilskraft der Leser zu stärken? Die Pointe hat Peter Grimm auf “Achgut” auf den Punkt gebracht: Ausgerechnet ein Gremium der Selbstkontrolle beargwöhnt die Rohware des Journalismus: ungefilterte Information. Dass die Polizei auf Transparenz umstellt, bedeutet einen Kurswechsel. Mit Ausnahmen zwar, aber eben ein Kurswechsel. Und der Presserat antwortet mit einem warnenden Zeigefinger und dem Verweis auf Ziffer 12, Richtlinie 12.1 des Kodex. Man spürt den Reflex: Vorsicht, der Bürger könnte etwas „falsch verstehen”!
Doch die vielbeschworene Richtlinie 12.1 ist, nüchtern gelesen, kein Tabu, sondern ein Balancegebot: Sie fordert Abwägung, kein Verschweigen; sie kennt Gründe für und gegen die Herkunftsnennung, vom Terrorismus bis zur Fahndungsrelevanz. Es ist dieses „sofern es begründet ist“, das den Journalismus erwachsen macht – nicht das pädagogische Weglassen. Wer den Text liest, erkennt: Der Presserat selbst schreibt, es gebe „kein Verbot“ der Herkunftsnennung; gefordert ist die nachvollziehbare Begründung. Der Alarmismus entsteht erst, wenn aus einer Einzelfallnorm ein politisches Dogma wird. Dann kippt Ethik in Schonpädagogik.
„Schritt in die falsche Richtung“
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sekundiert seit Jahren, zuletzt prominent in Nordrhein-Westfalen: Generelle Nennung sei der Nationalität sei „ein Schritt in die falsche Richtung“, Transparenz gebe es ja schon über Nachfragen und Statistik. Das klingt vernünftig – und verwechselt doch Verfahren mit Wirkung. Denn Lückenkommunikation produziert nicht weniger, sondern mehr Spekulation, nährt Misstrauen, lässt das Publikum Stereotype in die weiße Stelle schreiben. Das Problem sind nicht Daten, sondern Deutung. Bereits entsprechend gegenkonditionierte Bürger, die zumeist im linksgrünen Lager verortet werden können, protestieren prompt gegen die neue Transparenz. So vermeldete die Polizei Mittelfranken am 6. Oktober auf X: „Ein syrischer Pkw-Fahrer wurde mit 200 km/h bei erlaubten 80 km/h auf dem Frankenschnellweg gestoppt. Sein Führerschein war gefälscht und er besaß keine gültige Fahrerlaubnis. Die Weiterfahrt wurde ihm untersagt, es erfolgte Anzeige.“ Der X-Account „PaViAn aufgebloostert“ monierte „Wozu genau war die Angabe der Staatsangehörigkeit wichtig? Um mal flott die Temperatur in der Gesellschaft zu erhöhen?“ Und eine „Maria Sattelschmied“ kommentierte: „Wie leichtsinnig. Aber was tut die Staatsangehörigkeit dazu? Eigentliches Tätermerkmal ist ‚Mann, jung‘.“
Damit prallen zwei Verständnisse von Öffentlichkeit aufeinander: das aufklärerische – Information ist der Rohstoff demokratischer Urteilsbildung – und das fürsorgerische – Information ist riskant, weil sie Vorurteile schüren könnte. Der professionelle Ausweg heißt Kontext statt Kaschierung: nennen, wenn relevant; begründen, wenn weggelassen wird. Alles andere lädt die Timeline der Gerüchte ein, die Arbeit der Zeitung zu erledigen. Der Blick über den Ärmelkanal entkleidet die Debatte des deutschen Sonderwegs: Der britische IPSO-Code schützt Individuen vor diskriminierenden Bezugnahmen – und verlangt, Merkmale nur zu erwähnen, wenn sie „genuinely relevant“ sind. Das ist die simple, robuste Formel liberaler Öffentlichkeit: Relevanz schlägt Ritual. Sie schützt Minderheiten klüger als ein pauschales Schweigegebot, weil sie den Maßstab begründet statt die Wirklichkeit zu drapieren. Und sie nimmt Redaktionen in die Pflicht: Wer nennt, muss sagen, warum. Wer schweigt, erst recht.
Information ist Material, nicht Gefahr
Die Wissenschaft kennt den paradoxen Effekt der Tabuisierung seit Langem. Herczeg und Pöttker zeichneten schon 2018 auf “Journalistik online” die Spruchpraxis zur genannten Kodex-Richtlinie 12.1 nach – einschließlich jener Inkonsistenzen, die eine klare Lehre nahelegen: Nicht-Nennung kann ebenso verzerren wie unreflektierte Nennung. Ein Kodex, der die Relevanzprüfung verlangt, ist sinnvoll; eine Kultur, die daraus ein Nicht-wissen-wollen macht, ist demokratieschwach. Gerade deshalb ist der bayerische Schritt kein „Dammbruch“, sondern ein Vertrauensangebot: Die Behörde liefert, die Redaktion prüft, der Bürger urteilt. Man kann den Presserat verteidigen: Er will vor “gruppenbezogener Diskriminierung” bewahren; geschenkt. Aber er verfehlt den Punkt, wenn er Transparenz zum Risiko erklärt. Journalistische Ethik kennt zwei Sätze, die sich nur gemeinsam sprechen lassen: „Seek truth and report it“ und „Minimize harm“. Wahrheitspflicht und Schadensminimierung sind eine Doppelhelix, keine Entscheidungsbaum-Ausfahrt. Wer den ersten Strang kappt, um den zweiten zu retten, tötet die DNA der Presse.
Der professionelle Weg ist schwieriger: Fakten prüfen, Proportion wahren, Muster belegen, Sprache entgiftet wählen – und die Herkunft nennen, wenn sie zur Sache gehört. Dass der Presserat ausgerechnet vor zu viel Information warnt, hat darum etwas Realsatirisches: Information ist Material, nicht Gefahr; Gefahr entsteht durch schlechten Umgang mit Material. Grimm verweist auf zwei jüngste Beispiele von (abdruckpflichtigen) Rügen des Presserats wegen einer „falsch“ ausgelegten Ziffer 12: So erhielt “Bild.de” eine Rüge wegen des Prozessberichts über einen Mann, der im Streit einem Jugendlichen in die Brust gebissen hatte. Unter der Überschrift „HIV-infizierter Syrer verbeißt sich in Schüler (17)” zeigte die Redaktion ein lediglich mit Augenbalken versehenes Foto des Angeklagten.
Wer darf Deutscher sein?
Nach Ansicht des Presserats war die identifizierbare Darstellung nicht vom öffentlichen Interesse gedeckt und verstieß insbesondere in Verbindung mit der Information über die HIV-Infektion gegen dessen Persönlichkeitsschutz nach Ziffer 8, Richtlinien 8.1 und 8.6 des Pressekodex. Auch an der Nennung der Nationalität des Angeklagten bestand gemäß Ziffer 12, Richtlinie 12.1 kein begründetes öffentliches Interesse, da hier keine in ihrer Art oder Dimension außergewöhnliche Straftat vorlag. “Entweder der Presserat oder ich muss die eigenen Maßstäbe ein wenig neu justieren, denn ich finde es bislang – ehrlich gesagt – nicht gewöhnlich, jemandem im Streit in die Brust zu beißen”, lästert Grimm – zumal mit einer HIV-Infektion, möchte man ergänzen.
Auch der “Südkurier” und die “Augsburger Allgemeine” wurden jeweils wegen identischer Artikel gerügt, die in beiden Zeitungen unter der Überschrift „Männer machen Angst“ bzw. „Frauen haben massive Angst vor Männern” erschienen. Beide Blätter berichteten über eine Umfrage des Augsburger Instituts für Generationenforschung. Im Text hieß es: „Auffällig ist, dass sich junge deutsche Männer im Vergleich deutlich mehr vor arabischen und schwarzen fürchten als vor deutschen oder asiatischen Geschlechtsgenossen.“ Der Presserat wertete dies als Verstoß gegen Ziffer 12 (Diskriminierung) des Pressekodex, da die Aussage impliziere, “Menschen mit schwarzer Hautfarbe sowie arabischem oder asiatischem Aussehen könnten keine Deutschen sein.“ Grimm feixt: „Da ist der Presserat also schon recht genau.“
Lackmustest auf Mündigkeit
Was bleibt? Die Debatte ist kein Beleg für „rechte“ oder „linke“ Medienfeindschaft, sondern ein Lackmustest auf Mündigkeit. Entweder wir trauen dem Leser das Zumuten von Wirklichkeit zu – oder wir kuratieren ihm Welt wie eine pädagogische Speisekarte: bitte mild, frei von allem, was schwer im Magen liegen könnte. Bayerns Neuerung kehrt den Behörden-Default von Zurückhaltung zu Offenheit. Der Presserat erinnert zu Recht an die Abwägungspflicht – aber seine „Sorge“ verfehlt das Ziel. Die Presse verliert nicht, wenn sie mehr weiß. Sie verliert, wenn sie weniger sagen will, als sie weiß. Am Ende muss gelten, was Journalismus groß macht: Relevanz statt Reflex, Begründung statt Bevormundung, Vertrauen statt Tabu. Dann putzt Transparenz nicht „Menschenbilder“, sondern nur den Staub aus der Debatte.
Wer Herkunftsdaten grundsätzlich verschweigt, betreibt nicht Antirassismus, sondern eine Rhetorik der Schonung. Der verwechselt den Bürger mit einem Schutzbefohlenen – mit dem Nebeneffekt, dass die Wirklichkeit anderswo ungefiltert durchbricht. Wer sie hingegen, wo relevant, nennt, übernimmt Verantwortung: für Vollständigkeit, und für Kontext. Nennung, wenn sachlich nötig, Begründung, wenn man weglässt: Das schützt Minderheiten effizienter und klüger als Tabus – und es schützt die Presse vor dem schleichenden Vertrauensverzehr, der entsteht, wenn das Publikum Lücken als Botschaften liest.
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9 Kommentare
@Presserat und DJV klagen über Nennung von Täternationalitäten
Wissen ist macht, und wer die Informationen lenkt, manipuliert den Menschen.
Wenn man ein perfider Terrorist ist, dann verschweigt man seine Helfer und hypt seine Widersacher !
Immer nach den alten Prinzipien der Kriegspropaganda
1 Wir wollen keinen Krieg!
2 Der Gegner ist allein für den Krieg verantwortlich!
3 Der Führer des feindlichen Lagers wird dämonisiert
4 Wir verteidigen ein edles Ziel und keine besonderen Interessen!
5 Der Feind begeht wissentlich Grausamkeiten, wenn wir Fehler machen, geschieht dies unbeabsichtigt
6 Der Feind benutzt unerlaubte Waffen
7 Wir erleiden geringe Verluste, die Verluste des Feindes sind erheblich
8 Anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler unterstützen unser Anliegen
9 Unser Anliegen hat etwas Heiliges
10 Wer unsere Propaganda in Zweifel zieht, arbeitet für den Feind und ist damit ein Verräter
Wer Ähnlichkeiten findet, darf sie behalten !
Die beiden Organisationen üben Linke Politik aus !
( wir wissen Alle W E R zu über 90 % im Bevölkerungs-Anteil hier zu Lande am meisten kriminell sind)
Und was sagen die 2 sog. Presseorganisationen dazu,
das Apollo-news von Linken bedroht wird?
Youtube:
Linke bedroht apollo-news Pressefreiheit in Gefahr
Wie hoch ist eigentlich der Migrantenanteil bei unseren linksextremen Hofberichterstattern?? Astronomisch ist zu befürchten..!
WAS IMMER DABEI RUM KOMMT,VERGESST NICHT DIE SCHLANGE VON DER LINKEN BRÜSSEL SAITE.DIE WIRD ZU_RÄCHT DANN ALLES KASSIEREN WAS LINKS NICHT GEFÄLLT.
Polizeistaat, instrumentalisiert und forciert durch über griffige Politik?
https://deutschlandkurier.de/2025/10/gastkommentar-von-einar-koch-friedrich-merz-ist-ein-volksverarschungskanzler
08.10.2025
„Gastkommentar von Einar Koch: Merz ist ein Volksverarschungskanzler.
„Lügenkanzler“ war gestern, meint DK-Gastautor Einar Koch. Für den früheren „Bild“-Politikchef ist Friedrich Merz (CDU) inzwischen ein „Volksverarschungskanzler“. Seit seinem Auftritt in der ARD in dieser Woche sprenge der CDU-Wahlbetrug alle Dimensionen, meint der Autor. Die Wähler würden „nach Strich und Faden verarscht“.“
VON EINAR KOCH*
Sehen, hören, denken und an ihren Taten sollst Du Politiker/Politikerinnen erkennen !
Möge sich ein/e jede/r seine eigenen Gedanken über ihn und die Politik machen und eine Einordnung bzw. Zuordnung finden !
Minderheitenschutz??? Mit einem Bevölkerungsanteil von über 20% sind Migranten KEINE Minderheit mehr. Und in etlichen deutschen Städten mit über 50% Anteil schon gar nicht, Da sind sie schon die MEHRHEIT!!
Tochter griff SPD-Politikerin an Staatsanwalt: Kein Haftbefehl gegen mutmaßliche Täterin
Nach dem Messerangriff auf Herdeckes Bürgermeisterin Stalzer ist zunächst von einem Überfall die Rede. Ermittler legen nun jedoch erste Erkenntnisse vor, wonach wohl Stalzers 17-jährige Tochter die Tat begangen hat.
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Staatsanwalt-Kein-Haftbefehl-gegen-mutmassliche-Taeterin-article26083469.html
Das wird ja immer besser. Warum nicht gleich Haftbefehle, die Polizei, die Staatsanwaltschaft undüberhaupt die Gefängnisstrafen komplett abschaffen? So wie es die Grünen-Extremisten und einige ZEIT-Online-Journalisten seit Jahren fordern ???
Machen wir es einfach.
Täter: Junger Mann mit
Deutscher Staatsbürgerschaft.
Mir ist dann bekannt, wer
damit gemeint ist.
Ob der Deutsche Presserat sich auch Sorgen machen und zur Zurückhaltung mahnen würde, wenn es sich nicht um Ausländer, sondern um, sagen wir einmal, Mitglieder einer bestimmten Partei handeln würde, die mit einem gefälschten Führerschein und erhöhter Geschwindigkeit … Äh, wohl eher nicht.