Fall al-Hassan: Linke Kulturschaffende und ihre Solidarität mit Antisemiten

Suhlt sich in der Opferrolle: Nemi El-Hassan (hier mit Younes Al-Amayra von der Plattform i,SLAM) (Foto:Imago)

Der Fall Nemi al-Hassan geht in die nächste kuriose Runde – und folgt dabei nahezu eins zu eins der Verteidigungsstrategie, die auch Annalena Baerbocks Fehltritte begleitet hat: Es wird die Frauenkarte ausgespielt – wobei Frau el Hassan noch eine Zusatzqualifikation mitbringt, die der grünen Kanzlerkandidatin nicht zur Verfügung steht: Sie stammt aus einer muslimisch-palästinensischen Familie und kann so zugleich das Narrativ von der in Deutschland diskriminierten Muslima bedienen. Wohlgemerkt sind hier nicht durch ihre Familie oder deren Tradition unterdrückte junge Frauen gemeint, sondern jene, die Toleranz für eben jene Unterdrückung in Form des Kopftuchs fordern. Das praktiziert Sawsan Chebli schon seit Jahren – aber die hatte wenigstens den Anstand, sich – wenn auch mit säuerlichem Gesicht – auf der Gegendemo zum al-Quds-Marsch blicken zu lassen.

Etwa 500 „Kulturschaffende“ haben sich jetzt mit Nemi al-Hassan solidarisiert, um ihr doch noch ihren Platz an der Sonne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verschaffen. Es ist von „Cancel Culture“ gegen junge muslimische Frauen die Rede – sogar diese bisher angeblich nicht existente Form des Mobbings wird nun für die eigene Sache bemüht. Seit Jahrzehnten bereits versucht die Linke, den Holocaust für die Sache der Palästinenser zu instrumentalisieren – jetzt setzen sie noch das Sahnehäubchen oben auf, man wolle junge Musliminnen zum Schweigen bringen:

(Screenshot:Twitter)

Einmal abgesehen davon, dass die jungen (und nicht mehr ganz jungen) Damen trotz dieses angeblichen Redeverbots sehr präsent in den Medien vertreten sind – man denke nur an Kübra Gümüsay, die uns mit ihrem letzten Buch das achtsame Sprechen beibringen will – lohnt sich generell ein Blick auf die Liste von al-Hassans Unterstützern. Neben dem „woke“ gewordenen Cartoonisten Ralph Ruthe tummeln sich dort andere Prominente, die längst nicht so naiv daherkommen. Als ich las, dass Jakob Augstein und Malcolm Ohanwe dort als Leumundszeugen für sie auftreten, wusste ich nicht, ob ich wütend werden oder vor Lachen vom Sofa fallen sollte. Letzteres erwies sich als weitaus befreiender.

Das ist ungefähr so glaubwürdig, als hätte Heinrich VIII. von England einen Ratgeber über stabile Ehen geschrieben. Oder Claudia Roth sich zur Stilikone für dezente Kleidung erklären. Ohanwe relativiert politisch korrekt den Holocaust – als BLM-Vordenker darf man das – und Jakob Augstein hat es immerhin schon einmal in die Top Ten der international berüchtigsten Antisemiten geschafft. Da fehlen eigentlich nur noch Inge Höger von der Linken sowie Grünen-Urgestein Christian Ströbele. Es scheint, als kämpften Augstein & Co. nicht nur für Nemi al-Hassan, sondern gleichzeitig auch um die eigene Reputation: Immerhin gehören sie zur Crème de la Crème der deutschen Israelhasser. Gleich und gleich gesellt sich gern, sagt der Volksmund, und auch wenn Ohanwe durch seine Herkunft über einen gewissen Freifahrtschein verfügt, muss zumindest der Schein gewahrt werden.

Seitdem der Historiker und Vorurteilsforscher Wolfgang Benz zur Gleichsetzung von Antisemitismus und Islamophobie seinen akademischen Segen erteilt hat und dies auch durch „Antisemitismusbeauftragte“ wie Michael Blume – der sich mehr für den christlich-islamischen Dialog zu interessieren scheint als für die Nöte der deutschen Juden – eifrig umgesetzt wird, wird es immer schwieriger, muslimischen und linken Antisemitismus, der im Gewand der „Israelkritik“ einhergeht, auch als solchen zu benennen. Die Situation in Deutschland gestaltet sich diesbezüglich immer absurder.

Flexibles Weltbürgertum linker Aktivisten

Das Juste Milieu sichert die Themen, die ihm selbst am Herzen liegen, durch einen Wall aus Vorwürfen des „latenten Antisemitismus“ ab. Wer die zunehmende Globalisierung kritisiert, muss nach dieser These auch an eine jüdische Weltverschwörung glauben, als ob niemand anderes außer den Juden auf die Idee kommen könnte, sich international zu vernetzen (die Chinesen natürlich am allerwenigsten). Es ist auch gefährlich, sich auf das Werk des britischen Journalisten David Goodhart zu beziehen, der von den „Somewheres“ und „Anywheres“ spricht, von der Kluft zwischen Menschen, die an ihrer Heimat hängen und sich nicht verpflanzen lassen wollen und den schicken „Weltbürgern“, die den Traum jedes linken Aktivisten darstellen: Überall flexibel einsetzbar, heute in Hongkong und morgen in Buenos Aires. Denn: Auch Hitler hat den Juden einmal vorgeworfen, an kein Vaterland gebunden zu sein. Jetzt sind sie es, und es ist schon wieder niemandem recht. Man blickt nicht mehr so recht durch, was erwünscht ist und was nicht, vielleicht weiß es das Juste Milieu selbst nicht und gönnt einem Volk nur eine Heimat so lange es keine hat. Man möchte schreien: Ja, was wollt ihr denn jetzt? Was wollt ihr von den Israelis? Was von den Deutschen? Was von den jüdischen Deutschen?

Die Erwartungen scheinen jeden Tag neu ausgewürfelt zu werden. Und vor allem die linken und muslimischen Israelhasser rücken immer näher zusammen. Unterstützt werden sie dabei von naiven Weltverbesserern, die sich reflexhaft schützend vor jeden werfen, der den Ausdruck „unterdrückte Minderheit“ einigermaßen fehlerfrei aussprechen kann. Und so kommen sie zustande, solche Bündnisse aus den Augsteins und den Ruthes. Sogar der Pianist Igor Levitt mischt dabei mit, der sich sonst in Empörung über „Menschenverachtung, Hass und Hetze“ bei der AfD suhlt. Was gibt es Menschenverachtenderes als den al-Quds-Marsch, auf dem Parolen gerufen werden, die man sonst nur von strammen Nazis kennt?

Und sage mir niemand, Nemi al-Hassan habe sich inzwischen glaubwürdig distanziert. Die junge Dame hat nur die Spielregeln gelernt: Sie gibt sich mittlerweile modern und vernetzt sich mit den richtigen Leuten – für die sie die ideale Projektionsfläche der unterdrückten Palästinenserin und Muslima darstellt. An ihrem Denken hat sich dadurch nichts Entscheidendes geändert.

4 KOMMENTARE

  1. „Was gibt es Menschenverachtenderes als den al-Quds-Marsch, auf dem Parolen gerufen werden, die man sonst nur von strammen Nazis kennt?“

    Die über Vernichtung und Rettung von Existenzen bestimmende Selektion der Kulturschaffenden:

    „Wir, Film­schaf­fende aus allen Bereichen und Regionen Deutsch­lands, miss­bil­ligen das Treffen zwischen Hans Joachim Mendig, Geschäfts­führer der Hessen Film, und dem AfD-Bundes­vor­sit­zenden Jörg Meuthen… Joachim Mendig hat mit seinem Verhalten den Ruf der Hessen Film, der durch seine auto­ritäre Amts­füh­rung bereits vorher belastet war, weiter schwer beschä­digt. Eine weitere Zusam­men­ar­beit mit ihm und der Hessen Film ist für uns unter diesen Bedin­gungen nicht vorstellbar. Wir rufen ihn daher zum Rücktritt auf, um einen Neuanfang zu ermög­li­chen.“ – Erklärung von über 600 Filmschaffenden vom 15.09.2019

    https://www.artechock.de/film/text/artikel/2019/09_15_meuthen_mendig_erklaerung_50filmschaffende.html

    Man darf bei einer „Scheiß Jude brenn“ und „Juden ins Gas“-Demonstration dabei sein, nicht aber bei einem Essen mit jemandem, der sein Menschsein verwirkt hat.

    „Die AfD besteht aus Menschen, die ihr Menschsein verwirkt haben.“ – Pianist Igor Levit am 01.11.2015

  2. Tut mir leid aber die Hitler Aussage stimmte haargenau, etwas welches von unzähligen jüdischen Quellen belegt wurde. Ich empfehle das Lesen von jüdischen Autoren wie Benjamin Freedman, zugänglich auf dem Internet – und das ist lediglich einer von vielen. Henry Kissinger ist auch interessant.

    • Sehr gutes Buch dazu und auch in Deutsch erschienen: Author ist Israel Shahak, der fuer dieses Buch sogar in Israel angefeindet wurde.“Juedische Geschichte,juedische Religion-Der Einfluss von 3000 Jahren“.
      Auch interessant im Netz nach Thorajuden suchen, die keinen israelischen Staat wollten, keinen israelischen Ausweis und Israel als geistiges Himmelsreich wieder kommen sehen.Deren Angehoerige waren sowohl in Palestina, als auch im Iran in der Regierung und sie protestieren jedesmal vor der Uno, wenn der israelische Ministerpraesident dort spricht.
      Es gibt als, sehr unterschiedliche Gruppierungen und Glaubensrichtungen, sehr fanatische und sehr liberale Juden, die mit dem Judentum nichts zu tun haben, ausser, dass sie als Juden geboren wurden.. Glaubensrichtungen in dieser Religion, wollennicht mal auf dem selben Friedhof beerdigt sein .Es gibt sehr arme Juden, vor allen iden ehemaligen Sowjetrepubliken und sehr reiche Juden, die das federal Bankensystem, die Wallstreet und den Congressund Senat ca. 2/3 mit Doppelpass und Hollywood beherrschen.

  3. Noch eine Buchempfehlung: Das Islamisierungskomplott von Wolfgang Eggert‘
    zu meinen vorherigen Posts: Es wuerde mich nicht wunder, when einige Politiker, vor allen Gruene und SPD zum Islam uebergetreten und in der Uebernahme involviert sind.
    Welche Politiker es sind, sollte leicht herauszufinden sein. Einfach nur mal schauen , wer mit einer Tuerkin, Araberin,Iranerin oder Nordafrikanerin verherheiratet ist, z.B.Joschka Fischer.
    Um eine Muslimin heiraten zu koennen, muss man zum Islam uebertreten. In meinem Bekanntenkreis, musste ein Mann, dass tun, um seine indonesische Freundin heiraten zu koennen.

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