Falscher Prophet „Don Carlo“ Lauterbach: Der Mythos der hochqualifizierten Experten

Solche Figuren bestimmen in Deutschland die „Pandemie“: Wirrologe Lauterbach (Screenshot:Netzfund)

„Kommen Sie näher, kommen Sie ran! Tauchen Sie ein in die mystische Welt von Don Carlo, Deutschlands berühmtesten Wahrsager, bekannt aus Funk und Fernsehen! Für eine bescheidene Gebühr von 18,36 € monatlich sagt Don Carlo auch Ihnen eine düstere Zukunft voraus. Don Carlo – der Magier mit der Standleitung zur Geisterwelt der Viren und Keime – immer verlässlich, immer gut für Gänsehaut!“

Manche Menschen können das Wetter vorhersagen, sie wissen, wenn es in den Waden zwickt, kommt eine Regenfront. Mir selbst wird stets etwas unruhig zumute, wenn sich in den nächsten Tagen ein Gewitter zusammenbraut, dann fühle ich mich wie ein aufgescheuchtes Huhn und fange an zu flattern. Es gibt aber auch Aktienspezialisten, die recht treffsicher die Entwicklung der Börsenkurse zu prognostizieren vermögen oder Hobbyheimwerker, die eine Ahnung haben, dass die selbstgezimmerte Regalwand beim leichtesten Durchzug zusammenbrechen wird. Das ist der „ich habe es ja gleich gesagt„-Effekt, der mit einem angenehmen Triumphgefühl verbunden ist – außer im Falle des Regals natürlich.

Wer klug ist, hört auf sein Bauchgefühl – hält aber auch einen Plan B für den Notfall bereit. Das Zwicken in der Wade ist eventuell nur Muskelkater, das Gewitter findet weit entfernt statt oder Godzilla tritt beim Frühsport versehentlich auf die Tokyoter Börse. Schon ist alle Planung für die Katz. Nur unsere regierungskonformen Corona-Experten wissen stets mit traumwandlerischer Sicherheit Bescheid, was sich in den nächsten Wochen und Monaten ereignen wird. Und ihre Prognosen folgen stets dem Muster, das uns als Jugendlichen von Eltern vertraut ist, welche uns grundsätzlich keinerlei eigene Entscheidungskompetenz zubilligten: „Wenn du nicht auf mich hörst, wird es noch übel enden mit dir! Und ich muss dich dann wieder aus der Patsche holen!

Bauchgefühl und Plan B

In den letzten Jahren ist mir immer häufiger aufgefallen, wie viel einfacher auch die kompliziertesten politischen Sachverhalte zu analysieren sind, wenn man sie durch die Augen alltäglicher psychologischer Abläufe (und Macken) betrachtet. Das nimmt ihnen oft den Mythos der nur von hochqualifizierten Experten zu durchschauenden Krise. So wie man auch bei überbehütenden Eltern genau hinschauen muss, ob ihre Einwände gegen eine Beziehung der Tochter tatsächlich aus uneigennütziger Sorge geäußert werden, oder aber viel mehr allein dem Zweck dienen, das Mädchen daran zu hindern, sich auf eigene Beine zu stellen und normale Lebenserfahrungen zu sammeln. Selbst hier kann sich das Motiv noch einmal aufspalten in aus eigener Erfahrung gewonnener Skepsis und schlichter Eifersucht auf das persönliche Glück des anderen.

Aber woher nehmen Unheilspropheten wie Karl Lauterbach ihre Erfahrungen und empirisch ermittelten Daten, wenn die uns erschütternde Pandemie doch neu und einzigartig ist? Haben sie Zugriff auf ein Multiversum künftiger Zeitstränge, in dem alles recht hübsch und adrett in klare Ursache-Wirkungs-Szenarien gegliedert ist? Oder orientieren sie sich – die Frage ist schon ketzerisch – etwa doch an den jahreszeitlichen Verläufen vergangener Grippewellen, die doch mit dem chinesischen Killervirus so gar nichts zu tun haben sollen?
Auch wenn ich „Don Carlo“ im Gegensatz zu Jens Spahn für einen wahren Gläubigen halte – oder gerade deshalb – lässt er sich diesbezüglich nicht von Fakten irritieren.

Kürzlich machte das Video des Informatikers Marcel Barz, der sich selbst „den Erbsenzähler“ nennt, im Internet Furore – so sehr, dass es sogleich von YouTube blockiert wurde. Hätte man sich in Wittenberg entschlossen, den dicksten Mönch vor die Kirchentür mit Luthers Thesen zu stellen, der Effekt wäre ähnlich ausgefallen: Zwar hätte man die Ketzerei der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht – aber die Neugier der Bürger erst recht geweckt. YouTube-Blockaden und dicke Mönche lassen Interessantes erahnen.

In der Rolle der Zeugen Jehovas

Im Gegensatz zu „Don Carlo“ ist Marcel Barz nämlich ein Apostat, ein Abgefallener, den die Analyse der Corona-Daten zur Abkehr von der einzig wahren Seuche verführte: Die – ganz offiziellen, öffentlich zugänglichen Zahlen von RKI, PEI und Statistischem Bundesamt, für jedermann nachlesbar und nachprüfbar, verrieten ihm das, was Lauterbach uns verschweigt: Es ist im letzten Jahr einfach NICHTS Ungewöhnliches passiert, von dem man den Weltuntergang ableiten könnte. Die Inquisition von „Correctiv“ schlug gleich in Form einer peinlichen Befragung mit verbalen Daumenschrauben zu; vergebens: Barz blieb unbeeindruckt und bot weiterhin an, man möge sein Werk doch verbreiten, auf dass es sorgfältigst von der Schwarmintelligenz geprüft werde. Noch jemand, der zumindest den optimistischen Glauben an die Überzeugungskraft der Fakten nicht verloren hat. Heute ist das schon fast so mutig wie Galileis „Und sie bewegt sich doch!„.

Während Karl Lauterbach sich immer häufiger in der Rolle der Zeugen Jehovas wiederfinden wird, die an unseren Haustüren erklären müssen, warum Armageddon einmal wieder ausgeblieben ist, spielen sich rund herum die kleineren und nicht ganz so kleinen Katastrophen unseres Corona-Alltags ab. Und das alles ebenfalls aus alltagspsychologischen Gründen: Weil die Lauterbachs nicht mehr ohne Gesichtsverlust aus ihrer Rolle herauskommen – und wer will das schon? Und dann haben wir schließlich noch diese „Mutti“, die statt eines demokratischen Erziehungsstils lieber einen autoritären Führungsstil pflegt, weil es für sie bequemer ist. Wenn man doch nur den Bürgern, welche dies alles für einen durchdachten Plan „zu ihrem Besten“ halten, verdeutlichen könnte, welche klammernden Geister hier am Werke sind! Dann könnten wir alle – im wahrsten Sinne des Wortes – endlich wieder frei durchatmen.

5 KOMMENTARE

  1. Volle Zustimmung zum Text mit einer Ausnahme: Es ist bei Merkel genau anders herum – statt eines demokratischen Führungsstils (Richtlinienkompetenz der Politik steht ihr zu) pflegt sie einen autoritären Erziehungsstil (und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt, denn es gibt keine Alternative).

    • @so brauch ich Gewalt,
      Das heißt nicht Gewalt, sondern im Duktus der Kanzlerin der Herzen spricht man von „Gegenwind“ !
      Das kann sich dann auch gelegentlich durch ein Entglasen der Wohnung oder ein Umstellen der Möbel ausdrücken!
      Was den Propheten angeht – das gab es früher schon. Nannte man Auguren oder Kaffeesatzleser, manchmal lasen sie auch den Vogelflug oder im Gedärme von Tieren.
      Allerdings gab es auch einen leider inzwischen aus der Mode gekommenen Unterschied : wenn sie allzu qualifiziert waren, durften sie in den eigenen Gedärmen lesen – soll, so erzählt man, immer geholfen haben.
      Aber ich will schon zufrieden sein, wenn alle, die für „pandemische Lage“ gestimmt haben, am 26.09. ihren unwiderruflichen Abschied nehmen – gerne auch in Handschellen!

  2. Aber ich will schon zufrieden sein, wenn alle, die für „pandemische Lage“ gestimmt haben, am 26.09. ihren unwiderruflichen Abschied nehmen – gerne auch in Handschellen!
    Ich bin dafür.

  3. Habt ihr alle, jetzt so kurz vor der Bundestagswahl, mal darüber nachgedacht, wenn ihr den Olaf als Kanzler ermöglicht, wen ihr dann höchstwahrscheinlich als eueren neuen Gesundheitsminister begrüssen dürft?? na, na…..was denkt ihr??? ja, der gute Klabauti hat schon mehrfach die Hoffnung geäussert, doch einmal Gesundheitsminister spielen zu dürfen. Dann viel Spass….. oder einfach verhindern!!!!

    • Ich denke mal, so dumm wird der Olaf nicht sein. Karlchen Überall will doch schon seit Ewigkeiten Gesundheitsminister werden, als Berater von Ulla hatte er wohl damals Blut geleckt. Aber als die Ulla weg war, war auch das Karlchen weg. Auch wenn ihn die Medien ständig präsentieren, denke ich nicht, dass er in der SPD tatsächlich mehrheitsfähig ist. Einen gewissen Unterhaltungswert hat er ja, fachlich allerdings steckt da nichts dahinter. Und ein Fachmann ist nach Jensi dringend nötig um die von diesem ausgesessen Probleme anzugehen und die dank seiner Lobbyarbeit aus dem Ruder laufenden zusätzlichen Ausgaben in den Griff zu bekommen.
      Aber ich denke auch, dass der Olaf nicht Kanzler werden wird. Die öffentliche Meinung stimmt m. E. mit der veröffentlichten Meinung der Institute wohl eher nicht überein – siehe Fehlprognosen Sachsen-Anhalt.

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