Faszinierend oder unheimlich? „I, Robot“ kommt jetzt aus China

Faszinierend oder unheimlich? „I, Robot“ kommt jetzt aus China

Kung-Fu-Parade mit Robotern und echten Tänzern in China (Foto:ScreenshotYoutube)

KI bringen wir in Deutschland meist mit Chat-Bots wie ChatGPT, Gemini oder Grok in Verbindung, oder aber mit KI-generierten Videos. Dunja Hayali und das ZDF sind bekanntlich gerade ertappt worden, solche Videos verbreitet zu haben, um die ICE-Politik Donald Trumps in Misskredit zu bringen – was wäre dafür geeigneter als ein Film mit weinenden Kindern? Nur stellte sich dieser eben als gefälscht heraus und war auch als am PC erstellt gekennzeichnet; doch dieses Wasserzeichen verschwand angeblich wie von Geisterhand. Und das bei einem Sender, der nicht müde wird, vor “Fake-News” in den sozialen Medien zu warnen. Nun ist guter Rat teuer; gerade reden sich die Verantwortlichen um Kopf und Kragen, zumal so ein “Unfall” nicht zum ersten Mal aufgedeckt wurde.

Als ich gestern den Auftritt einer Kung-Fu-Roboter-Garde bei der Neujahrsgala des chinesischen Staatsfernsehens bei YouTube sah, glaubte ich zunächst einmal ebenfalls an ein Fake. Uns im Ruhrgebiet aufgewachsenen Menschen entfährt in Augenblicken visueller Überwältigung gern ein beeindrucktes “Boah!”, das je nach Ereignis beliebig in die Länge gezogen werden kann. Was dort auf der Bühne geboten wurde, war mehr als beeindruckend: Junge Kung-Fu-Schüler boten gemeinsam mit humanoiden Robotern spielerisch ihre Kampfkunst dar, letztere mit einer Gelenkigkeit, bei der mancher Kunstturner neidisch werden könnte. Die Bewegungen der Humanoiden wirkten absolut menschlich, bis hin zu den kleinen “Wacklern”, wenn sie nach einem Salto auf der Stelle ihr Gleichgewicht wiederfinden mussten. Eine beeindruckende Choreografie. Konnte das echt sein? Anfang der Neunziger galt noch das Dogma, humanoide Roboter würden nie die Fähigkeit erlernen können, sich wie Menschen auf zwei Beinen fortzubewegen. Allerdings glaubte man damals auch, ein PC-Prozessor wäre auf höchstens ein Gigahertz Leistung limitiert – was sich mittlerweile ebenso als falsch erwiesen hat, ebenso wie die Gewissheit, es gäbe keine Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Prognosen oder sogar vermeintliche Gewissheiten bezüglich technischer Entwicklungen oder naturwissenschaftlicher Erkenntnisse überschreiten offensichtlich irgendwann ihr Haltbarkeitsdatum.

Coming soon: Roboter für den Hausgebrauch

Die chinesische Bühnenshow erwies sich allerdings sehr rasch als echt – was auch in der Fachwelt einiges Aufsehen hervorrief; ein Amerikaner kommentierte: “US-KI-Containment failed” und meinte damit, man habe den Kampf um die Robotik gegen die Chinesen verloren. Ganz so viel Pessimismus ist nicht angebracht, denn amerikanische Entwickler wie Tesla oder Boston Dynamics verfolgen teilweise vollkommen andere Ansätze und arbeiten an robusten Modellen für Routinearbeiten in der Industrie oder im Servicebereich, an klassischen KI-Dienern sozusagen, auch für den wohlhabenden Haushalt, wie etwa der “Optimus von Tesla. Allerdings hat der es noch nicht zur Serienreife gebracht und soll etwa 30.000 Dollar kosten – in seiner einfachsten Ausführung. Den chinesischen “Unitree G1” hingegen, der bei der Gala vorgestellt wurde, kann man bereits auch als Privatperson – bestellen für “nur” 13.500 Dollar beim Basismodell. Er ist als “Avatar-Roboter” gedacht, welchen junge Entwickler also selbst noch verbessern können. Denn auch für den G1 heißt es – wie auch für jede KI – “üben, üben, üben!”, bevor er auf die Gala-Bühne darf. Was dort so spielerisch wirkt, ist meist das Ergebnis unzähliger Fehlschläge und Verbesserungen an Soft- und Hardware.

Einen Unitree-Roboterhund zur täglichen Begleitung gibt es übrigens “schon” ab 2.800 Dollar, mittlerweile schafft er Treppen bis 16 Zentimeter und trägt 7 Kilo – das konnte er vor drei Jahren noch nicht. Ich gestehe: So ein Robo-Dog würde mich reizen, schon wegen der zu erwartenden Unruhe im Supermarkt! Für körperlich eingeschränkte Menschen kann so ein Begleiter eine große Hilfe sein und sieht auch allemal aufregender aus als ein gängiger “Hackenporsche”. Von anderen Firmen werden Miniroboter als lernende “Haustiere” bereits für etwa 80 Euro angeboten – sogar KI-gesteuerte Blumentöpfe gibt es, auf denen ein animiertes Gesicht die Befindlichkeit der Pflanze anzeigt. Ob man das unbedingt haben muss, sei dahingestellt, auch, wie lange der Reiz des Neuen anhält. Doch auch das ist Teil des Geschäftsmodells, ebenso, wie sich viele Menschen ständig ein neues Handy kaufen, obwohl das alte noch vollkommen funktionstüchtig ist.

Vom Roboterhund zum RoboCop

So faszinierend das alles ist: Man darf durchaus berechtigte Ängste vor der Entwicklung haben. Damit meine ich noch nicht einmal die Furcht vor der berühmten “Singularität”, bei der die KI sich ihrer selbst bewusst wird und im “Matrix”- oder “Colossus”-Stil die Menschheit zu unterjochen beginnt. Noch geht diese Gefahr allein von den Menschen aus, die sich die Technologie für weniger unterhaltsame und hilfreiche Zwecke zunutze machen könnten. So machen auch die Chinesen natürlich keinen Hehl daraus, die Roboter auch für polizeiliche und militärische Zwecke einsetzen zu wollen. Bereits bei den Corona-Lockdowns kamen die Roboterhunde zum Einsatz, wenn auch erst einmal nur zur Einschüchterung, indem sie der Polizei mit einem Megaphon vorausliefen. Dieser Abschreckungseffekt wird auch von amerikanischen Entwicklern mitbedacht. Man stelle sich nur vor, in einem Stadtviertel kämen zur Durchsetzung von Ausgangssperren Robotertruppen zum Einsatz, die weder Empathie kennen noch menschliche Kompromissbereitschaft; wer würde sich da nicht beugen? Bei der chinesischen Feuerwehr sind die Vierbeiner schon Teil der Mannschaft, und man darf auch ihren Einsatz bei der Überwachung von Industrieanlagen nicht vergessen. Was dort funktioniert, funktioniert auch im öffentlichen Raum zur Überwachung der Bürger.

China versteht es, seine Bürger diesbezüglich bei ihrem “sense of wonder” zu packen und auch über den Spieltrieb der Menschen Hemmungen abzubauen. In Deutschland sei das schon datenschutzrechtlich alles nicht möglich, äußerte sich dazu ein vielreisender Videoblogger fast bedauernd, denn bei Drohnen- und Roboterdienstleistungen muss per App bezahlt werden, woraus sich ohne weiteres ein Bewegungsprofil ableiten lässt. Der junge Mann nutzte nicht nur eine Drohnenstation, um sich Eiscréme liefern zu lassen, sondern auch einen Kaffeeautomaten mit Roboterarm. Der verwandelte das beim Zahlen übermittelte Selfie dann in eine Kakaoverzierung auf dem Schaum des Milchkaffees – und schon befand sich das Bild des jungen Mannes in einer Datenbank. Wird es nach Abschluss des Kaufvorgangs wirklich gelöscht? Auch darauf würde ich mich nicht verlassen. Bei uns in Europa erfassen Algorithmen ebenfalls längst alles, was wir im Internet bestellen, um uns anschließend mit entsprechender personalisierter Werbung zu bombardieren. Und diese Art von “KI” ist verglichen mit dem, was die Chinesen entwickeln, sehr, sehr dumm.

Wofür zahlen wir noch mal Entwicklungshilfe an China?

Der Auftritt des “Unitree-Flaggschiffs” bei der chinesischen Neujahrsgala erfolgt nach einem ganz ähnlichen Muster: Er ist unterhaltsam und fesselt nicht nur jene, die grundsätzlich technikaffin sind oder Science-Fiction mögen und ihre Träume dabei umgesetzt sehen. Indem man Kinder mit den Robotern auf die Bühne schickt, auch wenn es im Rahmen einer Kampf-Choreographie geschieht, vermittelt man einen Eindruck der Harmlosigkeit: Hier stehen keine mordenden Terminatoren, sondern tapfere Beschützer! Ein weiterer geschickter Schachzug ist es, das Video zugleich mit Einladungen zu Seminaren an junge Entwickler zu verbinden. Denen wird so das Gefühl verliehen, an etwas Großartigem mitzuwirken. So bindet man Talente an sich, die dankbar mitarbeiten, anstatt exorbitante Gehälter zu verlangen. Das hat Deutschland – bis vielleicht auf wenige Ausnahmen in der Raumfahrttechnik – nicht zu bieten und auch das ist ein Grund, warum uns “echte” Fachkräfte mittlerweile wie saures Bier meiden.

Die Entwicklung ist also faszinierend und erschreckend zugleich. Bleibt am Ende nur eine Frage: Wozu zahlen wir eigentlich noch immer Entwicklungshilfe an China, wenn wir technologisch neben dem Reich der Mitte dermaßen alt aussehen? Man kann einerseits nur ehrfürchtig den Hut ziehen, wie schnell dort in allen Bereichen – sei es die Robotik oder das Verkehrs- und Energiewesen – Innovationen und Erfolge erzielt werden, während in Deutschland scheinbar nur noch über Geschlechteridentitäten oder das nächste Wokeness-Projekt geforscht wird; allerdings kann man auch nicht wissen, wofür die chinesische Regierung dies alles noch einsetzen wird, wenn es ihr zur Durchsetzung politischer Ziele nützt. Wobei… das könnte man bei unserer Regierung ja dann auch nicht. Und das macht tatsächlich Angst.

13 Kommentare

  1. KI ist etwas für die Technik.
    Ansonsten muss ich sagen.
    Solange wir unsere natürliche
    und oft vorkommende Blödheit
    nicht im Griff haben, sollten wir
    auf KI verzichten.

  2. I Robot, sind die Chinesen bald soweit?
    engl. Promotionsvideo zum Film von 2004!
    ::

    https://digitaldomain.com/work/i-robot/

    Was auch denkbar wäre:
    Missbrauch eines Roboters und dessen folgende Selbstermächtigung.
    Interessantes Sujet.

    COMPANION – DIE PERFEKTE BEGLEITUNG – Trailer #1 Deutsch German (2025)

  3. Heute laufen 99 Prozent mit einem Smartphone herum. Meine Prognose: die Menschen werden sich weiter schwachsinnigen Technologien zuwenden und in weniger als zehn Jahren mit einem Roboter in der Öffentlichkeit zeigen – und dabei weiter verdummen!!!

    Carpe diem.

  4. Angst!
    Angst allein reicht nicht. Darum mehr Angst!
    Wenn die doppelte Angst nicht reicht, dann noch viel mehr Angst!
    Egal wovor, Hauptsache ANGST!
    😂😂😂, 🤣🤣🤣, (Hust!)
    😜

  5. Ist erstaunlich und erschreckend, was China bezüglich Digitalisierung so realisiert hat. In meiner Ex-Firma wurde erst die „EDV“ komplett in Etappen nach China ausgelagert. Im Anschluß kamen Teile der Entwicklung und Produktion dazu, wobei die Produktion nun weltweit in kompletten selbsständigen Produktionsstätten verteilt ist entsprechend Marktanteilen. China hat vollautomatische Produktionslinien ohne Menschen. Die Überwachung / Verfolgung der Menschen ist für uns hier erschreckend. Meine netten chinesischen Kollegen haben mich ziemlich intensiv instruiert, wie ich mich „unauffällig / unangreifbar“ zu bewegen und zu verhalten habe. Subjektive persönliche Meinung – für Deutschland ist der Zug abgefahren ohne Anschlußmöglichkeit.

    1. Na, so ganz abgefahren ist der Zug vielleicht doch noch nicht. ‚Wir‘ könnten ja in Zukunft vielleicht Döner- und Messermänner, sowie debil grinsende IQ-60 „Ich-nehm-dich-mit-auf-die-Reise-vor-den-einfahrenden-Zug-spring „-Somalier durch einsprechende Roboter ersetzen. Zumindest damit wären wir wohl weltweit einmalig…

  6. Das 21. Jahrhundert ist das asiatische, so wie das 20. das amerikanische war und das 19. das europäische war.

  7. „Wozu zahlen wir eigentlich noch immer Entwicklungshilfe an China, wenn wir technologisch neben dem Reich der Mitte dermaßen alt aussehen?“

    Na das ist denkbar einfach beantwortet:
    China ist einer von im Grunde nur wirklich drei WK-II Gewinnern und wer die weltweiten Verlierer sind dürfte auch bekannt sein.

    3 deswegen weil das oft genannte Frankreich nicht „gewonnen“ hat sondern nach 5 Jahren deutscher Besatzung befreit wurde und weil Kleinbritanien bekanntermaßen seit dem auch nichts mehr wirklich zu melden hat und im Grunde sein einstiges Weltimperium durch eigene Dummheit in den Orcus schickte.

    Bleiben natürlich noch Russland/Sowjetunion sowie die Verunreinigten Staaten von A. 😑

  8. Das für mich Interessanteste an den in dem chinesischen Video gezeigten Robotern ist nicht die möglicherweise verwendetet KI. Es ist die ungeheure Effizienz der Maschinen. Ich frage mich, wie z.B. die Leistungsdaten der eingebauten Akkus aussehen. Die Maschine hat ja eine Masse, und um die zu bewegen benötigt man Energie. Die Muskeläquivalente müssen außerordentlich leistungsfähig, kompakt und hocheffizient sein. Der Körperbau der Roboter wirkt nicht plump sondern filigran. Die Körper dann per Software tanzen zu lassen ist dann „nur“ noch die „Kür“. Die „Pflicht“ ist die Erschaffung der Antriebe, mit denen diese Kraftentfaltung und Beweglichkeit in dieser Bauform/Körperform überhaupt möglich ist. Dort verorte ich die eigentliche Sensation.