
Gestern war der „Tag gegen Gewalt gegen Frauen„. Und genau an diesem Tag widmete sich der „Spiegel“ mal wieder, na wem wohl, Donald Trump. Die Feministin Alexandra Zykunov durfte sich an einer Verbalattacke des US-Präsidenten abarbeiten. Dieser hatte eine kritische Reporterin mit den Worten „Quiet, Piggy!“ (Ruhig, Schweinchen!) zum Schweigen gebracht. Und das war natürlich nicht der erste Fall seiner Art; Zykunov zählt weitere Fälle auf, in denen Trump Journalistinnen abkanzelte. Das alles stimmt natürlich; aber es fehlt eben der Hinweis darauf, dass Trump Journalisten generell – also auch Männern gegenüber – oftmals unfreundlich wird. Auch hier ließen sich ähnlich viele Beispiele aufzählen; an diese Stelle sei nur an ein tatsächlich besonders unschönes Beispiel erinnert: Den körperlich behinderten „New York Times“-Reporter Serge Kovaleski demütigte er, indem er auf einer öffentlichen Bühne dessen Zuckungen imitierte.
Das alles spricht natürlich nicht für Trump – aber es spricht gegen die These, dass dieser es nur auf Frauen abgesehen hätte oder das Geschlecht irgendeine Rolle spielen würde bei seiner schonungslos gezeigten Abneigung gegen Personen, von denen er sich unfair behandelt fühlt. Und vor allem spricht es definitiv nicht für Zykunov, dass sie Trump einen „verurteilten Sexualstraftäter“ nennt: Es gab tatsächlich einen strafrechtlichen Prozess, aber in diesem ging es um Dokumentenfälschung im Zusammenhang mit einer Schweigegeldzahlung an Pornostar Stormy Daniels, und ein zivilrechtliches Verfahren wegen sexueller Gewalt, in dem Trump zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt wurde. Letzteres ist allerdings erstens noch nicht rechtskräftig, es befindet sich gerade in der Revision; und zweitens sind im Zivilprozess die Hürden für die Beweisbarkeit deutlich niedriger als in einem strafrechtlichen Verfahren, und eine Gefängnisstrafe kann hier ebenfalls nicht verhängt werden. Das hätte zur Wahrheit dazugehört.
Wieso Beweise, wenn’s auch Behauptungen tun?
Zykunov fährt fort: Dass keiner der anwesenden männlichen Reporter dem Präsidenten Paroli geboten hatte, spreche dafür, dass Männer eben kein Problem mit Frauenhass hätten. Und das muss sie auch gar nicht erst beweisen, wenn man es doch einfach behaupten kann! Jegliche Argumente, die diese These untermauern könnten, fehlen. Es bleibt bei einigen einzelnen Anekdoten. Es wird sicher stimmen, dass eine Mehrheit der Männer – ganz wie Zykunov es behauptet – einen sexistischen Spruch tatsächlich nur mit einem Achselzucken quittieren. Aber die Interpretation, bei einem saloppen Spruch handele es sich bereits um „sexuelle Gewalt„, ist mehr als fragwürdig. Wirkliche sexuelle Gewalt werden wohl die meisten Männer wohl kaum hinnehmen. Die Feministin spricht von „Not All Men“, wenn es um die reinen Täter geht, aber von „All Men“, wenn es um das Beschönigen der Taten geht. Das ist pauschalisierend, und in diesem Punkt unterscheidet sich Zykunov auch nicht von anderen Feministinnen, die immerzu zwischen den Polen „All Men“ und „Not All Men – but always a man“ hin- und herspringen. Und immer dann, wenn ein Mann solche Aussagen zu pauschal findet, heißt es hinterher, dass es ja nicht so gemeint sei und die Männer sich nicht so anstellen sollen. Außerdem seien gerade die Männer, die sich über eine solche Pauschalisierung aufregten, insgeheim doch selbst Täter, die eine Frau entweder schlagen oder begrapschen.
Natürlich sind aus Zykunovs Sicht die Täter meist weiße, heterosexuelle Männer – als ob nicht-weiße Männer das nicht viel häufiger wären! –, die zudem meist keine Diskriminierungserfahrungen machten. Das kann Zykunov aber nur deswegen behaupten, weil sie selbst kein Mann ist. Natürlich erleben auch weiße Männer immer wieder Diskriminierung und auch Rassismus. Dies wird aber von linker Seite gern rundheraus geleugnet oder einfach wegdefiniert, à la „Weiße können grundsätzlich keinen Rassismus erfahren”. Wie wäre es denn, wenn Männer ihren Artikel auf Social Media teilten, um zu einer Sensibilisierung beizutragen? Frauen würden sich dies oft nicht trauen, weil sie „digitale Gewalt“ (sprich: keine Gewalt) fürchteten – meint die Feministin.
Das falsche Dilemma
Sie schließt mit: „Entweder Mann ist laut gegen Frauenhass. Oder Mann ist leise dafür. Es gibt kein Dazwischen.“ Das ist derart plump formuliert, dass es dafür sogar einen eigenen Namen gibt: Der bewusste Argumentationsfehler heißt “falsches Dilemma”. Wenig überraschend, ist Zykunov nicht ansatzweise zu Differenzierungen fähig. Denn zum Einen verwischen bei ihr die Grenzen zwischen anständigen und übergriffigen Männern und zum Anderen die Grenzen zwischen deutschen und ausländischen Männern. Das wurde erst vor wenigen Wochen in der „Stadtbild-Debatte“ um Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich. Zykunov dazu: „Wenn eine Horde Besoffener, ‚Ey, Süße, Bock zu ficken‘ quer über die Straße brüllt, ist es für uns Frauen völlig egal, ob sie Ahmad oder Achim heißen.“ Zunächst einmal stimmt das. Genau in dieser Situation ist das für Frauen gleichermaßen unangenehm. Nun ist es aber so, dass derartige Vorfälle häufiger von einem Ahmad als von einem Achim ausgehen.
Helfen, meint sie, würden übrigens Gesetze gegen Catcalling (also lautes Pfeifen oder Anflirten), damit sich Frauen nachts wieder sicher fühlten. Wie genau solch ein Gesetz in einer konkreten Bedrohungslage aber helfen soll, verrät Zykunov leider nicht. Auch in einer Messerverbotszone ist man schließlich nicht vor einer Messerattacke sicher. Aber vor Abschiebungen, die das Problem tatsächlich nachhaltig lösen könnten, schreckt sie dann doch zurück: „Denn was genau wird passieren, wenn Merz, Dobrindt und Co. alle angeblichen ‚Störfaktoren‘ aus dem Stadtbild abgeschoben haben – wohin wollen sie danach die deutschen Sexualstraftäter und Schläger abschieben?“
Masseneinbürgerung macht Deutsche statistisch krimineller
Ohnehin seien zwei Drittel aller Täter Deutsch. Und um diesen Punkt noch einmal zu betonen, schreibt sie es sogar in Majuskeln: „DEUTSCH“. Man könnte es fast schon als Manipulation bezeichnen, wenn es nicht so plump wäre. Denn gerade weil sie es so eindrücklich betont, muss man ja skeptisch werden. Und tatsächlich: Es geht eben nicht um deutsche Täter, sondern um Täter mit deutscher Staatsbürgerschaft. Und diese können ja auch arabisch und afrikanisch sein. Daher geht ihre Forderung, dass „wir uns zuerst mit der Tätergruppe mit den größten absoluten Zahlen beschäftigen müssten“, auch völlig ins Leere. Die Einbürgerung importierter Gewalt zur statistischen Beschönigung und Verleugnung offensichtlicher Probleme wurde von der Politik inzwischen hierzulande so übertrieben, dass baldmniemand mehr an Deutsche denkt, wenn er „deutsch“ liest.
Die „Spiegel“-Autorin lässt sich davon nicht beirren: Es sei außerdem „rassistisch“, behauptet sie, generell in Migranten das Problem zu sehen. Wieso es aber nicht „sexistisch“ sein soll, wenn man sich generell auf Männer versteift, erfahren wir nicht. Außerdem würden viele Männer aus dem islamischen Kulturkreis fliehen und auch ihre Frauen und Töchter mitnehmen, eben um sie vor patriarchalen Wertevorstellungen zu schützen. Das wird im Einzelfall auch stimmen, dass es sich dabei um einen nennenswerten Anteil der muslimischen Zuwanderer handelt, kann in Anbetracht der vielen Kopftücher im „Stadtbild“ getrost ins Reich der Legende verwiesen werden.
Diskriminierung und kein Ende
Diskriminierung kann es für Zykunov gar nicht genug geben. Das jedenfalls könnte man denken, wenn sie alle möglichen Gaps aufzählt. Würde sich jede dieser Lücken schließen, wäre ihre Rolle als mutige Feministin ja überflüssig: „Frauen leiden unter dem Gender-Pay-Gap, dem Gender-Care-Gap, dem Gender-Pension-Gap, dem Gender-Leisure-Gap, Stress-Gap, Sleep-Gap, Investment-Gap, Erbe-Gap, Health-Gap, Diagnosis-Gap, Pain-Gap. Soll ich wirklich weitermachen?“ Nein, nicht nötig. In dieser Opferolympiade gibt es keinen Gipfel. Auch würden, so Zykunov, Männer dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Die Kosten für die (mehrheitlich männlichen) Gefängnisinsassen liegen bei 3 Milliarden Euro jährlich. Aber die Gefangenen freizulassen, nur um Geld zu sparen, kann ja niemand fordern. Und wie man die männliche Kriminalität wegzaubern kann, erklärt Zykunov ebenso wenig. Und natürlich, konzediert sie, würden Männer häufiger durch Selbstmord und auf dem Schlachtfeld sterben als Frauen; aber daran sei ja das Patriarchat schuld – also wieder irgendwie ein bisschen die Männer selbst.
Im Sommer berichtete Zykunov über einen Vorfall auf einem französischen Festival: „Landesweit haben sich offenbar Männer auf Social Media öffentlich verabredet und andere Männer dazu aufgerufen, beim Musikfest mit benutzten Spritzen so viele Frauen und Mädchen wie möglich zu stechen, zu verletzen und ihnen eine unbekannte Substanz zu injizieren. Beim Tanzen verspürten viele Frauen, und auch ein paar junge Männer, plötzlich einen stechenden Schmerz in einem Körperteil. Dass ‚Spritzenattacke‘ bei einer sommerlichen ‚Open Air Party‘ erst mal mehr nach Wasserpistolen klingt und weniger nach mehrmaligem Einstechen in Arme und Hals – geschenkt. Und was soll das alberne Überrascht-Getue? Nach dem Motto: ‚Oh nein! Frauen wurden einfach so im öffentlichen Raum angegriffen? Von Männern?? Das ist ja total ungewöhnlich! Und dazu wurde sogar im Internet aufgerufen?! Mysteriös!! Wie, oh wie, kann so was in unserer sonst so vollkommen diskriminierungsfreien und für Frauen völlig ungefährlichen Welt nur passieren?!‘“
Freies Relotieren über nie stattgefundene Spritzenangriffe
Wenn sich diese Begebenheit wirklich so zugetragen hätte, wäre ihre Empörung auch absolut gerechtfertigt gewesen. Nur gab es diese Spritzenangriffe einfach nicht. Es gab im Vorfeld Gerüchte, dass derartige Attacken geplant wurden und nach dem Festival sahen sich viele Frauen als Opfer einer solchen Tat – vielleicht weil sie einen Mückenstich oder Sonnenbrand hatten und keine andere Erklärung wussten. Aber keine der Frauen konnte auf Nachfrage bestätigen, bemerkt zu haben, gestochen worden zu sein. Diese Relotiade verwundert im „Spiegel“ nicht weiter, doch die feministische Voreingenommenheit der Autorin erinnert an den Skandal um Rammstein-Sänger Till Lindemann, der am Ende gar keiner war. Auch hier lautet die Devise offenbar: Erst empören, dann recherchieren. Der gar nicht recherchieren.
Auch glaubt Zykunov, dass Attraktivität nur eine Erfindung von Patriarchat und Kapitalismus sei: „Hier gaben sich Patriarchat und Kapitalismus schon immer ein High Five, denn was würde passieren, wenn Millionen Frauen weltweit plötzlich aufwachen und zufrieden mit ihren Körpern wären? Richtig: eine Weltwirtschaftskrise, weil milliardenschwere Unternehmen sofort bankrottgehen würden. Heißt: Den weiblichen Körper als ständige B-Ware zu deklarieren, ist sowohl patriarchal (Kontrolle) als auch kapitalistisch (Geld) total gewollt.“ Zykunov verwendet den Begriff „normschön“ und will damit sagen: Wir nehmen eine Frau nicht als schön wahr, weil sie schön ist, sondern weil wir sie als schön annehmen. Hätte das Patriarchat also zum Beispiel Cindy aus Marzahn zur Norm für Schönheit erhoben, würden diese Cindys sich nun nicht mehr von Verehrern retten können. Aber sicher doch.
Wer hat’s gewusst? Mal wieder keiner!
Weiter weiß die Autorin: „Auch der Rechtsruck ist schuld am neuen alten Abnehmwahn. Rückt eine Gesellschaft nach rechts, geht das häufig mit einem Schlankheitsdruck für Frauen (und einem Muskelwahn für Männer, aber anderes Thema) einher. […] Mit anderen Worten: Wenn die Rechte gegen alles Diverse vorgeht, gilt das natürlich auch für diverse Körper: bitte nicht dick, dafür weiß, bitte ‚weiblich‘, langhaarig, vollbusig und bitte keine Behinderung. Und ja, hier darf man sich gern an die Nazizeit erinnert fühlen.“ Überhaupt sei der „Schlankheitswahn“ rassistisch, weil er nur ins Leben gerufen wurde, damit sich Europäerinnen Afrikanerinnen überlegen fühlen könnten. Auf so etwas muss man erst mal kommen.
Aber keine Angst, es gibt ein Heilmittel, wie uns Zykunov aufklärt: „Ist es wirklich sinnvoll, einerseits irgendwo links der Mitte zu wählen, andererseits aber mit dem eigenen Beauty-Schlankheits-Fitnesswahn ein Stück weit den Rechtsruck noch salonfähiger zu machen? Während man lieber ins Freibad gehen könnte oder so. Schwimmbäder helfen besonders gut gegen das Fatshaming im eigenen Kopf. Denn nirgendwo sonst sieht man ungefiltert so viele wahrhaftig unterschiedliche Körper.“ Immerhin räumt Zykunov ein, dass es aus gesundheitlichen Gründen dann doch besser sei, schlank zu sein. Genau das hatte erst kürzlich eine Philosophin im „Spiegel“ bestritten…
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