Feuersturm Gomorrha: Der Hölle entkommen

Feuersturm Gomorrha: Der Hölle entkommen

Ausgebombt und mit dem Leben davongekommen: Überlebende des Hamburger Feuersturms 1943 (Symbolbild:KI)

Ich nehme euch heute mit in eine andere Zeit. Wir schreiben den Juli 1943. Darf ich mich vorstellen: Ich heiße Giesela, Giesela mit langem „i“. Mutti sagt immer, ich sei etwas Besonderes. Ich habe dunkle Haare und braune Kulleraugen, und manchmal, wenn ich in den Spiegel sehe, glaube ich ihr das sogar. Ich bin jetzt sieben Jahre alt, also ein richtiges Schulkind. Meine kleine Schwester heißt Lotti. Sie ist vier Jahre alt und wird im September fünf. Ich bin die Große von uns beiden, und das bedeutet, dass ich manchmal schon helfen muss, auch wenn ich eigentlich selbst noch ein Kind bin.

Unsere Mutti heißt Frida. Sie kümmert sich ganz allein um uns, denn Vati ist im Krieg. Er musste als Soldat fortgehen. Ich weiß das, auch wenn ich nicht genau verstehe, was Krieg eigentlich ist. Vati heißt Kurt, aber ich habe ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen. Manchmal kommt ein Brief von ihm. Dann setzt sich Mutti an den Tisch, streicht das Papier glatt und liest uns vor. Ich höre ganz genau zu und stelle mir dabei vor, wie Papa aussieht, wenn er schreibt. Ich wünsche mir so sehr, dass er endlich wieder nach Hause kommt.

Sommerferien 1943

Es sind Sommerferien, aber es sind keine richtigen Ferien. Ich darf nicht oft draußen spielen. Nicht nur, weil wir in Hamburg wohnen, sondern weil es zu gefährlich ist. Jederzeit kann ein Fliegeralarm ausgelöst werden. Dann heulen die Sirenen so laut, dass mir das Herz bis in den Hals schlägt.

Wir leben in einem großen Eckhaus in der Zimmerstraße 56, oben im vierten Stock. Auf unserer Etage gibt es drei Wohnungen. Wenn man aus dem Fenster schaut, sind es nur wenige Meter bis zum Uhlenhorster Kanal. Auch der Feenteich, der in die Außenalster mündet, ist ganz nah. Eigentlich ist es eine schöne Gegend im Norden von Hamburg. Aber die Schönheit geht unter, wenn die Sirenen anfangen zu heulen. Jedes Mal bekomme ich einen Schreck, als würde mir jemand von hinten an die Schulter fassen.

Das Heulen der Sirenen

Am schlimmsten ist es nachts. Wenn wir schlafen und plötzlich das Heulen losgeht, reißt Mutti uns aus den Betten. Sie nimmt Lotti auf den Arm, weil sie ja die Kleine ist, und dann rennen wir los. Vier Stockwerke Treppen hinunter. Ich muss sehen, dass ich nicht zurückbleibe. Schnell schnappe ich meine Puppe, ziehe mir im Laufen noch eine Jacke über und versuche, so schnell zu sein wie Mutti. Aber ich kann nicht so schnell. Trotzdem weiß ich: Ich bin die Große, ich muss das schaffen!

Wir müssen immer nach draußen. Der Zugang zum Luftschutzkeller führt durch eine andere Wohnung. Dort sitzen wir dann, im Keller, dicht an dicht mit unseren Nachbarn. Es ist dunkel, nur ein paar Kerzen brennen. Die Schatten tanzen an den Wänden. Wir haben Angst. Über uns hören wir das Kreischen der Flugzeuge, das Donnern der Explosionen aus der Innenstadt und vom Hafen. Mutti sagt, es seien die Engländer und die Amerikaner. Ich weiß nicht, warum sie das tun. Ich weiß nur: Es ist Krieg, und Vati ist nicht da. Immer wieder denke ich: Hoffentlich fällt keine Bombe auf unser Haus.

Das Bild von Vati

Manchmal weine ich leise. Ich halte meine Puppe ganz fest und denke, dass wir uns selbst beschützen müssen. Das geht fast jede Nacht so. Immer dieselbe Angst. Was, wenn doch eine Bombe unser Haus trifft? Dann bin ich vielleicht tot, und alles ist kaputt. Ganz bestimmt auch meine Puppe. Dieser Tage sagt Mutti, dass wir wegmüssen. Weg aus Hamburg. Wir sollen nach Jerchel, ein kleines Dorf in die Altmark, dorthin, wo sie geboren ist. Zu Tante Hedwig und Tante Emmi, ihren beiden Schwestern. Dort, sagt Mutti, gibt es keine Flieger und keine Bomben.

Es ist der 27. Juli 1943. Wir packen ein paar Habseligkeiten zusammen. Nicht viel, nur das Nötigste. Meine Puppe darf mit, das ist ganz klar. Heimlich nehme ich noch das Bild von Vati von der Anrichte. Er trägt darauf seine Uniform, mit drei Abzeichen an der Jacke. Vielleicht, denke ich, schenkt er mir eines davon, wenn er wiederkommt. Dann geht es los. Mutti schließt die Wohnungstür ab. Wir gehen ein letztes Mal die Treppen hinunter. Es fühlt sich komisch an. So lange haben wir hier gewohnt. Ich frage mich, ob wir jemals zurückkommen werden. Mutti sagt, in Jerchel sei alles ruhig.

Großalarm

Wir gehen zu Fuß zum Bahnhof. Für mich ist der Weg sehr weit, bestimmt drei Kilometer. Gerade als wir ankommen, wird Großalarm ausgelöst. Es fahren keine Züge mehr. Die Menschen rennen durcheinander, schreien, stoßen sich an. Alles ist Chaos. Schnell müssen wir zu einem Hochbunker aus Stahl und Beton. Dort gibt es riesige Luftschutzräume für Zehntausende Menschen. Wir rennen, so schnell wir können. Schließlich werden wir zusammen mit vielen anderen in den Bunker geleitet. Gott sei Dank. Ich bin völlig außer Atem. Ich drücke meine Puppe ganz fest an meine Brust, gebe ihr einen Kuss und flüstere: „Wir haben es geschafft.

Doch draußen hört man die Flugzeuge und die Explosionen. So laut und so lange habe ich es noch nie erlebt. Die Menschen im Bunker weinen, beten, halten sich fest. Die Luft ist stickig, es ist unheimlich. Nach etwa zwei Stunden müssen wir hinaus. Der Feuersturm macht das Atmen fast unmöglich. Wenn wir nicht ersticken wollen, müssen wir den Bunker verlassen.

Hamburg brennt

Die Flugzeuge sind weg, aber Hamburg brennt. Überall Feuer, überall Rauch. Mutti hält Lotti an der Hand und rennt, wie so viele andere, Richtung Elbe. Ich versuche, nicht den Anschluss zu verlieren. Ich weiß kaum, wo ich hintreten soll. Der Asphalt brennt, Funken fliegen, der Qualm beißt in den Augen. Ich laufe um mein Leben. „Wir müssen zur Elbe, wir müssen zur Elbe“, ruft Mutti immer wieder.

Und dann sind wir da. An der Elbe. Hinter uns liegen die brennenden Straßen. Vor uns nur noch der Wunsch, wegzukommen. Also laufen wir weiter, eine der Ausfallstraßen aus der Stadt hinaus. Wir haben unser nacktes Leben gerettet.

Das Polizeiauto

Plötzlich kommt ein Polizeiauto von hinten. Mutti winkt. Der Wagen hält. „Wo wollen Sie hin?“, fragt der Polizist. „In die Altmark“, sagt Mutti. Und welch ein Zufall: Wir werden bis nach Celle mitgenommen. 120 Kilometer weit.

So sind wir der Hölle entkommen.


Der obige Beitrag ist authentische Schilderung aus dem Leben der Mutter des Autors.

10 Antworten

  1. Dank “ unserer schönen , neuen Welt Demokratie “ dürften bald Millionen von hiesigen Kindern und Müttern Ähnliches erleben …Nur dass es keine Bunker geben wird , in die sie sich flüchten könnten…..

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  2. Wie sagte ein Politiker vor vielen Jahren, als das Thema erörtert wurde? „Es ist nicht opportun, die Leiden der deutschen Bevölkerung anzusprechen“.

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  3. Das Moralbombing wurde von Harris schon seit Mitte der 20er entworfen gegen zivile Siedlungen was auch erprobt wurde in britischen Kolonien sowie die Lager von Kitchner im Burenkrieg. 1939 da wurde Berlin dreimal bombardiert und dann gab es als Gegenschlag mit der Luftwaffe Angriffe auf England wo aber nur Industrie, Flugplätze und Häfen das Ziel waren und keine Zivilisten. Bis zur Kapitulation 1945 wurden unzählige Städte im Reiche so zerstört um einfach den deutschen Geiste und Willen in Europa und der Welt auszulöschen. Berlin selbst wurde von alliierten Bombern eingeebnet bevor die Rote Armee es einnahm als Trümmerhaufen. Mit den Rheinwiesenlagern wurde Kitchners Plan mit noch diabolischeren Mitteln umgesetzt bis dann das Nürnberger Rachetribunal kam. Von da an wurde unser Grund& Boden fremdbesetzt von der internationalen Hochfinanz. Kaum als der Kalte Krieg ausbrach da äußerte Churchill ich glaube wir haben das falsche Schwein geschlachtet. Der Westen die BRD wurde schön verwöhnt mit Konsummaterialismus, Unterhaltungsindustrie, Schuldkult und Umerziehungslüge während dann in der DDR deutsche Geschichte mit Kultur weiterhin bestand bis zur Scheineinheit. Der glückliche Westen bekam schnell Migrationspolitik mit Gastarbeitern die ein Jahrzehnt später Passgeburten wurden mit Problemvierteln während in der DDR jeder fremde Gastarbeiter und Student sich benehmen musste ansonsten wurde er ausgewiesen. War in Mitteldeutschland die Ausbildung zu Ende ging der Gast zurück in seine Heimat. Nach der Scheineinheit wurde alles nur für die NATO und Großkonzerne erweitert damit es mehr Absatz gibt und auch Truppen gegen Moskau stationiert werden können. Ziel war definitiv der grenzenlose Einweltstaat der etwas später den Namen Agenda 2030 bekam. So nun nochmal zum Thema Moralbombing: dieses wurde gegen Japan, Korea, Vietnam, Kosovo, Irak, Libyen und Afghanistanweiter beibehalten. Na wo war denn da die UNO??? Genauso wie die WHO beim C19-Märchen. mfg

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  4. Man darf nur nicht vergessen, alle die Ex-Allierten-Mordtaten werden im deutschen Geschichts-Unterricht seit 1948 ausgeblendet.
    Das darf kein deutscher Jugendlicher lernen!!!

    Aber ueber den Hollow-Cause laeuft jeden zweiten Tag was im Fernsehen und jedes Dreck-Blatt hat etwas davon auch dreimadie Woche drauf.

    Na dann macht mal, Ihr Flaschen

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    1. Das kleine Mädchen ist meine Mutter. sie wird im April 90 Jahre alt. Sie kann bis heute diese Kriegsereignisse nicht vergessen. Als ich die Geschichte aufgeschrieben habe, musste ich selbst mehrmals weinen.

    1. Das grosse deutsche Problem sind diese Ignoranten (wie dieser hier), der Ablauf des 2ten Weltkrieges war 1938schon in groben Zuegen ausgehandelt, zwischen FDR, Stalin und auch Chruchill sowie den Maechten hinter diesen Frontfiguren.
      Aber der deutsche Michel wills ja nicht wahr haben, also wird er genauso dusselig bleiben, wie er halt ist…

    2. „ein Größerer“: Ach Gottchen, die Klemmschwester, die vom angeheirateten jüdischen Gelde lebte und später zum Exil- Enddarmbewohner mutierte? Der ist also eine moralische Autorität? Was würde uns Klaus M. wohl dazu sagen wollen?
      Mann kann ein Schriftsteller und ein Arschloch sein. Manche hingegen sind nicht mal Schriftsteller.
      Wenn ich Sie richtig verstehe, finden Sie es ganz okay, wenn siebenjährige Kinder bombardiert werden? Weil wegen Schuld und so? Gratulation.