„Fiume O Morte“: Ein neues Magazin für Reinkultur

„Fiume O Morte“: Ein neues Magazin für Reinkultur

Kristina Ballova, Chefredakteurin von “Fiume O Morte” (Foto:ScreenshotFiumeOMorte)

Der Castrum Verlag, im Jahre 2020 in Wien gegründet, legt im Frühjahr dieses Jahres die erste gedruckte Ausgabe eines ansprechenden Magazins vor. “Fiume O Morte” ist nicht nur der Titel dieser ersten Ausgabe, sondern eine programmatische Formel zur Hervorhebung der fundamentalen Bestrebung dieser Publikation. Ohne ein bestimmtes literarisches Genre anzusprechen, sollen Gedanken und Texte in der Tradition des George-Kreises zu klassischer, deutscher Literatur und Philosophie in diesem Veröffentlichungsorgan dargeboten werden. Es ist geplant, vier Ausgaben im Jahr vorzulegen.

Der Name “Fiume”” wurde ganz bewusst in Anlehnung an die nationalistisch-avantgardistische Stadtkommune der Jahre 1920 bis 1924 benannt, die im heutigen kroatischen Rieka von dem italienischen Dichter Gabriel D’Annunzio zusammen mit Freischärlern und Angehörigen des Militärs gegründet wurde. Ledio Albani, Gründer des Castrum Verlages, schreibt im Editorial: „In Fiume lag etwas Improvisiertes, Schillerndes, Exzessives, eine seltsame Mischung aus Nationalismus, Avantgarde, Revolte und Karneval in der Luft. Diese Stadt zog nicht nur Patrioten an, sondern auch Abenteurer, Literaten, ehemalige Frontoffiziere, Futuristen, Exzentriker und politisch Suchende aller Colours.“ Die Zeitschrift stellt sich in diese Tradition, ohne Historisches wiederholen zu wollen; vielmehr geht es um Verdichtung – „den Punkt, an dem Haltung, Stil, Denken und Werk in eine höhere Spannung treten“ –, um damit dem Gegenwärtigen wieder einen Sinn für Ursprung und Form zu vermitteln und eine kultische Mitte freizulegen.

Erschöpfung Europas und die Grenzen seiner Selbsttäuschungen

Auf 95 Hochglanzseiten finden sich hier 18 Essays und Texte, die in fünf Bereiche gegliedert sind. Jeder Bereich eröffnet mit kurzer inhaltlicher Vorstellung der angehefteten Texte. In „Kairos“ nimmt der Soziologe und Politikwissenschaftler Simon P. Wehmeyer eine Bestimmung des Begriffs  „Konservatismus“ vor und leitet ihn historisch aus dem Reichsgedanken ab, der sich gegen das westliche Ideal des Nationalstaates stellte. Er versucht Begriffe wie Staat, Volk und Nation in historische Ursprünge einzuordnen. Martin Anderson wirft den Blick nach Osten auf den Krieg zwischen Russen und Ukrainern, dies jedoch nicht als ein Empörungsritual, sondern vielmehr blickt er auf das wirkliche Geschehen, an dem sich die Erschöpfung Europas und die Grenzen seiner Selbsttäuschungen ablesen lassen.

Der deutsch-israelische Historiker Yotam Givoli richtet den Blick nach Westen auf den amerikanischen MAGA-Konservatismus. Es geht dabei nicht um Folklore, sondern um machtpolitische Fragen wie man den vergangenen amerikanischen Traum für den einfachen Bürger wiederherstellen kann, wie Familie, sichere und gut bezahlbare Arbeitsplätze, Eigentum, Gemeinschaft und sozialer Zusammenhalt.

Gegenentwurf zu Bürgerlich-Konservativen wie auch zur Neuen Rechten

Im zweiten Abschnitt „LOGOS“ wird die Frage nach den Wandlungsmustern von Tradition und Progressivität untersucht. „Was bleibt von einer Welt, wenn sie sich fortwährend erneuert?” Der in der Baubranche im Bereich Projektsteuerung tätige Architekt Daniel Yakubovich richtet den Blick auf die Stadt – hier: Berlin – als Sediment vergangener Ordnung und gegenwärtiger Eingriffe. Patrick Goehl führt diese Diagnose weiter, indem er die Erfahrung der Entwurzelung in den Mittelpunkt rückt. Was am Stadtbild sichtbar wird, erscheint als anthropologische und kulturelle Grundbefindlichkeit der Moderne. Demgegenüber eröffnet Yasin Yilmaz die Perspektive auf eine mögliche neue Renaissance.

Weiter findet sich im Heft einiges Literarisches, etwa eine Prosaskizze des Romanautors Sebastian Schwärzel oder drei Gedichte von Barbara Steemann. Das revolutionäre Wirken und Denken des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima sowie des ruandisch-französischen Schriftstellers Gael Faye mit Blick auf seine beiden Romane „Kleines Land“ und „Jacaranda“, wird in zwei Beiträgen behandelt. Besonders informativ ist das Interview mit der Chefredakteurin Kristina Ballova, in dem sie erklärt, dass das Magazin einen Gegenentwurf zu den Bürgerlich-Konservativen als auch zur Neuen Rechten bilden soll. „Mich stört an den verschiedenen Kreisen, das sie sich selbst außerhalb der Realität stellen, wie sie nun mal ist. Wir müssen in ihr wirken”, so Ballova, und weiter: „Ich glaube, dass eine Bewegung, die nicht auch durch ihre Erscheinung und ihren Auftritt überzeugt, letztlich immer ein Randphänomen bleibt.” “Fiume” hat einen respektablen und sehr guten Start hingelegt. Man kann den folgenden Ausgaben nur viel Erfolg wünschen!

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Das Magazin ist im Jahresabonnement für 70 Euro, die Erstausgabe für 20 Euro hier erhältlich.

3 Kommentare

  1. Da halte ich es lieber mit Vierteljahres-Zeitschrift ‚Tumult, die sich selbst die Zusatzbezeichnung ‚Vielteljahreszeitschrift für Konsensstörung‘ gegeben hat. Den scharfzüngigen Artikeln nach kann ich das als Abonnent nur bestätigen. Wir werden sie sicherlich nochmal auf der alternativen Büchermesse ‚SeitenWechsel‘ in Halle (Saale), die 2025 zum ersten mal stattfand, auch diesjährig erleben, voraussichtlich SA/SO 7. und 8. November 2026.

  2. Ich muss da widersprechen. Der Zusatz „“Konsensstörung“ hat mal gepasst. Tumult hat sich inzwischen mehr und mehr einer Liberalität verschrieben, die in den USA ein Schimpfwort ist. Genau das ist passend, mir tut es mitteilen weh und kann nur wenig Unterschiede zum Mainstream sehen, nur dass bei Tumult in einer Blase bleibt. In Verkehrung von Sarah Wagenknecht könnte man sagen, rechts blinken und linksliberal leben.
    Da spricht der Hang zum avantgardistischen Duktus der Fiume schon mehr an.