
Mit Frankfurt habe ich lediglich die erste Silbe des Wortes gemein, da ich gelernter Franke bin. Und dennoch zieht mich die Metropole an wie Mütter ihre Babys, was jedoch kaum an den Charme Mainhattans Bürger liegen kann, darf man doch den Hessen als gemeinhin unterkühlt verstehen. Als meine Mutter und ich Gast einer Veranstaltung der jüdischen Gemeinde zum Jom Hashoah am Museumsufer waren, durften wir die geballte, bewirtete Abwesenheit von Freundlichkeit erleben. Zum Absacker ging es eher aus Versehen in eine Eintracht-Kneipe, in der einer der wohl epischsten, weil filmreifen Dialoge der Menschheit stattfand.
Wirt: „Was wollt ihr dann?“
Ich: „Pils.“
Wirt zu meiner Mutter: „Und du?“
Mutter: „Haben Sie einen Aperol Spritz?“
Das Gesicht des Wirtes wandelte sich von unfreundlich in angewidert: „Ähhh, des is’ ’ne Pilskneip‘ hier!“
Mutter: „Oh, okay. Haben Sie auch Wein?“
Wirt: „Ähäh, joa, was fer een? Weißwein, Rosé???“
Mutter: „Haben Sie auch einen trockenen Rotwein?“
Das Gesicht des Wirtes wandelte sich von angewidert in empört: „Äh, des is’ hier ’ne Pilskneip, mir ham nur een Rotwein.“
Meine Mutter (zu konsterniert, um empört zu sein): „Dann ein alkoholfreies Hefeweizen.“
Das meine ich, wenn ich schreibe, dass die liebenswerten Momente und Menschen Orte zu zauberhaften Orten machen.
Vergesst Dachau?
Ich muss dazu sagen, dass mir dieser Abschluss eines Abends über tote Juden lieber ist als eine erneute Trauerstunde zwischen beruflich Betroffenen, deutschen Apparatschiks und einer Zeitzeugin. Ich weiß, wie ungerecht diese Zeilen für manche wirken mögen, aber das ist nun mal meine Wahrnehmung. Und auch wenn ich zu diesem Thema immer wieder das Gleiche sage, so wie Helene Fischer immer dasselbe singt, bleibt eine bedrückende Angelegenheit nichts weiter als eine bedrückende Angelegenheit. Und wie es kein richtiges Leben im Falschen gibt, gibt es auch kein positives Leben auf Leichenbergen. Und dennoch lud man im Deutschen Filminstitut in Frankfurt ein, einen Film über den Friedensnobelpreisträger und Shoah-Überlebenden Elie Wiesel zu zeigen. „Soul on Fire“ war gut, sehr sogar, durchaus mit einem künstlerischen Anspruch. Gerade die wenigen, aber unfassbar starken Graphic-Novel-Szenen zu Beginn gehen unter die Haut. Elie Wiesel wird in dem Film als ein Mensch gezeichnet, dessen Leben zutiefst von der Erfahrung der Shoah geprägt wurde, der sich jedoch nicht in der Rolle des Opfers verlor. Vielmehr wird deutlich, wie er aus dem Grauen eine moralische Verpflichtung ableitete: zu erinnern, zu erzählen und für Menschlichkeit einzustehen. Seine Stimme wurde zu einer der eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen, getragen von einer stillen, aber unerschütterlichen Würde.
So gut der Film war, so blutleer, selbstbeweihräuchernd und routiniert bedeutungsschwanger war die anschließende Podiumsdiskussion: Ein Vorstand der jüdischen Gemeinde Frankfurts, eine Filmwissenschaftlerin und ein philosemitischer Religionslehrer, der bei Wiesel studiert hat, waren sich einig: Nie wieder bleibt ein Jetzt, und die heutige Jugend weiß ja fast nichts mehr über die Shoah. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte „Vergesst Dachau!“ hineingeschrien, was angesichts des nekrophil gestrickten Lehrplans jedoch kaum möglich ist. Jeder Deutsche ab mittlerem Bildungsabschluss weiß, was Zyklon B ist, muss aber gleichzeitig ChatGPT bemühen, wenn er im Film über Wiesel „Latkes“ hört, was das sei – als die Witwe von Elie in einer Originalaufnahme gar nicht glauben kann, dass diese dunkle Masse ein Kartoffelpuffer sein soll. Heißt übersetzt: Die Lehre der toten Juden findet den Weg in den Geschichtsunterricht, während das lebende Judentum nicht stattfindet.
Ein bisschen Judentum und ganz schön viel Islam
Ein ganzer Abend in der größten Stadt Hessens am Tag des jüdischen Holocaustgedenktags – und man schafft es, in keiner Silbe über linken oder muslimischen Antisemitismus zu verlieren. Mazel tov, denn keine zwölf Monate zuvor hatten hier grünbürgerliche terrorists by proxy am Grüneburgpark jüdische Aktivisten attackiert, die an die damals noch immer verschleppten Geiseln in Gaza erinnern wollten; und ebenfalls keine zwölf Monate zuvor hatten Moslems und Pali-Versteher zu Tausenden bei einer Demo durch die Stadt implizit zur Hatz auf jüdische Stätten aufgerufen und eine proisraelische Aktivistin tätlich angegriffen. All das war an Jom Hashoah in Frankfurt kein Thema, dafür aber die angeblich mangelnden Kenntnise 14-Jähriger über die Verhältnisse der Rampe in Auschwitz.
Verstehen Sie mich richtig: Ich habe größten Respekt vor der Lebensleidensleistung eines Elie Wiesel, eines Salomon Perel oder auch einer Charlotte Knobloch. Aber sie sind alle eben kein Ralph Giordano, der auch dann das Wort ergriff, wenn der Judenhass die Meinung des Juste Milieu verlässt, wenn er nicht von rechts ist (auch diesen gibt es!), sondern von links, von der Mitte und vom Islam. Immerhin tat mir das Podium diesen Missgefallen nicht, den Holocaustgedenktag als Anlass zum politisch korrekten, dummen Hetzen gegen die AfD aufzurufen, wo man bei Nachfrage konkreter Vorwürfe doch nur vorgefertigte und unbegründete Allgemeinplätze wiederfindet. Dabei gäbe es genug Gründe, die AfD zu kritisieren – doch auf diesem ÖRR-Schmalspur-Niveau der Erwartbarkeiten gelingt das freilich nicht. Die Tiefe des Gedenkens erreichen diese Leute ohnehin nicht. Jom Hashoah erinnert nämlich nicht nur an die toten Juden, sondern auch an den Widerstand, ganz explizit an den Widerstand der Juden im Warschauer Ghetto. Der Veranstaltung in Frankfurt war dieses Heldentum dieser unfassbar mutigen Menschen, die mit diesem Mut ihren Tod besiegelten, gerade einmal einen Satz in einer Rede wert.
Und trotzdem zieht mich diese Stadt, die zwischen Palmen und Stahlbeton, Yuppies und Kanax, ein bisschen Judentum und ganz schön viel Islam oszilliert, weiterhin an wie Babys ihre Mütter. Wo das Herz einmal war, da bleibt es nun mal. Doch möglicherweise wird der Tag wird kommen, wenn auch dieser Puls endet und es ein anderes Land sein wird, in dem freies Leben unmöglich ist.
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6 Kommentare
Kommt ein Russe ins Souveniergeschäft in dem ausschließlich Stalin Büsten stehen.
Kommt der Verkaufer und fragt: „Haben Sie schon gewählt“? Das ist wie mit den Brandmauerverbrecherparteien
habe 32 Jahre dort mit kurzen Urlaubsunterbrechungen , inkl. Schul und Ausbildungsjahre, verbracht.
Macht weiter so, mit Eurer Vergangenheitsbewaeltigung.
Es wird schon werden, wenn mal der Buergermeister ein Sunni-Muslim ist,
aber was soll’s ich werde ehe nicht mehr dort auftauchen…
Nicht jeder, der den Zionismus aus gutem Grund kritisiert, ist deshalb antisemitisch. Die Rechte tut sich keinen Gefallen damit, Israels „Expansionspolitik“ auf Biegen und Brechen zu verteidigen. Der Rest der Welt sieht das anderst. Jungen Deutschen vorzuwerfen, sie wüssten nichts vom Holocaust, greift nicht mehr. Sie haben andere Sorgen. Und nach dem was die Israelis in Gaza verbrochen haben, das Bildmaterial spricht für sich, kann man sie auch nicht mehr mit den Schandtaten der Nazis an den Juden zu ewiger Schuld und Betroffenheit „verdonnern“. „Der Drops is gelutscht“, würde ein Frankfurter vielleicht sagen in seiner kaltherzigen Art.
Meine Heimat ist dort, wo es mir gut geht und nicht „wo das Herz einmal war“.
Krankfurt, Köln und Berlin (das ich vor 1989 liebte), ja ganz Deutschland gehören nicht mehr dazu.
Und Respekt habe ich vor einer Hannah Arendt.
Die Verblödung schreitet voran, soweit richtig aber auch wieder falsch denn um zu verblöden müsste erst Verstand vorhanden gewesen sein was ich bei den Linksgrünrotwoken und die Schwarzen als Komplizen stark bezweifle. Ich bezweifle auch, ob wir genügend Kapazitäten wie Baufirmen/Technik und die nötigen Fachkräfte haben um KKWs zu bauen. Wo nehmen wir die Physiker, Ingenieure, technischen Planer her. Baugenehmigung 15 Jahre Wartezeit( wenn nicht zufällig ein 3 beiniger Laubfrosch dort ansässig ist????), 20 Jahre Bauzeit bis wir damit ferig sind ist die Kernfusion gebändigt.
Wer soll die AKW`s planen, wer bauen, wer dann betreiben? Das know how, in dem wir mal führend waren, ist gnadenlos veraltet oder ausgewandert. „Es ist nicht Putin, nicht Trump, es sind nicht die Rechten, die Deutschland ruinieren.“…..Es sind nachweislich die Roten und vor allem die Grünen die dieses Land ruinieren. Und die CDU/CSU hat nicht nur tatenlos und widerstandslos zugesehen, sondern macht in „KOMPLIZENSCHAFT“ auch noch eifrig mit. Immer die gleichen Altparteien an die Regierung zu wählen ist die Definition von „Wahnsinn“.
Allen nur möglichen Schutz den Juden, welche bei uns in Europa leben, aber den Wahnsinn Israels und des Herrn Trump sollten wir nicht beistehen