Franziska Brantner und der wohlklingende Satz

Franziska Brantner und der wohlklingende Satz

Grüner Totalitarismus im „Wir“ à la Franziska Brantner (Collage:KI)

Niemand ist frei allein. Frei sind wir nur im Wir.“ Kaum ein politischer Satz der letzten Zeit wurde von den Anhängern der Grünen so selbstverständlich als Ausdruck von Solidarität, Zusammenhalt und gesellschaftlicher Verantwortung verstanden wie dieser Leitspruch von Grünen-Chefin Franziska Brantner, gesprochen Ende Mai beim neuen Debattenkongress „Impuls – Forum für die Zukunft„, der bewusst kein Parteitag sein sollte, sondern ein “Raum für Austausch und kontroverse Diskussionen”. Die Idee: Mit der politisch gescheiterten Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf, dem jüdischen Vorzeigemoralisten Michel Friedman, dem Wirtschaftsastrologen Marcel Fratzscher und anderen zweifelhaften Figuren auf verschiedenen Bühnen ausloten, wie die Grünen den Herausforderungen unserer Zeit begegnen können. Brantners Formel, verkündet in roter Robe, klingt warm, integrativ und menschenfreundlich. Sie verspricht Geborgenheit in einer Zeit der Vereinzelung und des verlorenen Halts in einer Gesellschaft, die zunehmend atomisiert erscheint.

Doch politische Ideen sollten wir nicht nach ihrem Klang, sondern nach ihrer Struktur beurteilen. Und betrachten wir die geistige Architektur dieser zwei Sätze genauer, offenbart sich etwas Bemerkenswertes: Das darin enthaltene Freiheitsverständnis steht nicht in der Tradition des Liberalismus, sondern in einer Denktradition, die Freiheit grundsätzlich dem Kollektiv unterordnet. Damit berührt die Formel einen Gedanken, der für den Nationalsozialismus ebenso zentral war wie für zahlreiche andere kollektivistische Ideologien des 20. Jahrhunderts: als BDM-Mitglied zu NS-Zeiten wie auch Pioniermitglied zu SED-Zeiten wäre sie für diese Zumutung bejubelt worden. Ein “Bekenntnis zum Totalitarismus” sieht denn auch Klaus-Rüdiger Mai bei “Tichys Einblick”. Der Gegensatz beginnt bei der Frage, was Freiheit überhaupt ist.

Die Logik der Volksgemeinschaft

Für die liberale Tradition von Locke über Kant bis Hayek existiert Freiheit zunächst beim Individuum. Der einzelne Mensch besitzt Würde, Rechte und Eigenständigkeit. Gemeinschaften entstehen aus freien Individuen. Der Staat dient ihnen, nicht umgekehrt. Freiheit bedeutet in diesem Denken vor allem Schutz vor fremden Zugriffen. Sie ist kein Geschenk der Gemeinschaft, sondern ein Recht, das dem Menschen bereits zukommt. Der Satz „Frei sind wir nur im Wir“ kehrt diese Ordnung um. Hier entsteht Freiheit nicht aus dem Individuum, sondern aus seiner Einbindung in ein Kollektiv. Das „Wir“ wird zur Voraussetzung des „Ich“.

Der Einzelne besitzt seine Freiheit nicht mehr ursprünglich, sondern nur vermittelt durch die Gemeinschaft. Genau an diesem Punkt beginnt die geistige Nähe zu den großen kollektivistischen Bewegungen der Moderne. Der Nationalsozialismus definierte den Menschen nicht als autonomes Individuum, sondern als Teil eines größeren Volkskörpers. Die Person erhielt ihren Sinn erst durch ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Das berühmte Schlagwort von der „Volksgemeinschaft“ zielte genau auf diese Verschiebung: Nicht das Individuum war Träger der Freiheit, sondern das Kollektiv.

Die Umkehrung des freiheitlichen Prinzips

Natürlich bestehen Unterschiede zwischen den Grünen und den Nationalsozialisten. Doch Ideengeschichte funktioniert nicht über Identität, sondern über Struktur. Wenn Freiheit nicht mehr als Abwehrrecht gegen gesellschaftliche Ansprüche verstanden wird, sondern als Produkt gesellschaftlicher Einbindung, dann verlässt man den Boden liberalen Denkens. Der entscheidende Satz des Liberalismus lautet: Der Mensch ist frei und deshalb kann er Gemeinschaften bilden. Der entscheidende Satz des Kollektivismus lautet: Der Mensch wird erst durch die Gemeinschaft frei. Genau diese Umkehrung findet sich in Brantners Formel.

Die Freiheit wird nicht mehr als Ausgangspunkt verstanden, sondern als Ergebnis eines kollektiven Prozesses. Das Individuum verliert seine Priorität gegenüber dem Ganzen. Das mag harmlos erscheinen. Tatsächlich handelt es sich um eine der wichtigsten ideengeschichtlichen Grenzlinien der Moderne. “Man könnte bitter spottend hinzusetzen, dass dann die größte Fürsorglichkeit des Staates im Gulag bestünde”, bilanziert Mai. “Brantners Diktum ist nicht neu, es ist lediglich die Confessio des Totalitarismus konzentriert in einem Satz.”

Warum Kollektivismus immer autoritär wird

Dabei handelt es sich keineswegs um einen Zufall. Der moderne Progressivismus hat sich längst von der klassischen liberalen Vorstellung individueller Selbstbestimmung entfernt. An ihre Stelle tritt zunehmend die Idee gesellschaftlicher Steuerung. Klimapolitik, Sprachpolitik, Gesundheitspolitik oder Identitätspolitik werden häufig mit dem Hinweis begründet, dass individuelle Wünsche hinter kollektive Ziele zurückzutreten hätten.
Der Bürger soll weniger fliegen. Er soll anders essen. Er soll anders sprechen. Er soll anders heizen. Er soll anders denken. Stets erfolgt die Legitimation im Namen eines höheren Ganzen. Früher hieß dieses Ganze „Volksgemeinschaft“. Heute heißt es „gesellschaftlicher Zusammenhalt“, „Transformation“ oder „Verantwortung für das Klima“. Die Begriffe ändern sich. Die Struktur bleibt erstaunlich ähnlich.

Genau hierin liegt die eigentliche Gefahr solcher Formeln. Denn jedes politische System, das das Kollektiv über das Individuum stellt, neigt früher oder später dazu, abweichende Positionen als Bedrohung zu betrachten. Wer gegen “Gemeinschaft” argumentiert, erscheint dann nicht mehr als legitimer Andersdenkender, sondern als Störer eines höheren Zwecks. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial. Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus unterschieden sich natürlich in ihren Zielen erheblich. Gemeinsam war ihnen jedoch die Vorstellung, dass der Einzelne seinen Wert aus der Zugehörigkeit zu einem größeren Kollektiv bezieht. Der Mensch wird nicht mehr als Zweck an sich betrachtet. Er wird Mittel für ein höheres Ganzes. Mai erkennt eine Machtfrage: “Wer kann was als Notwendigkeit per ordre de mufti für alle verbindlich definieren, über das dann nicht mehr diskutiert werden darf, was brav hinzunehmen ist, mehr noch, dessen Diskussion bereits ein Verbrechen am Wir bedeutet und als menschen- oder staatsfeindlich deklariert wird, wie man es im Klimatotalitarismus oder in Merkels Pandemie-Diktatur erleben musste.

Das Primat des Ich

Die liberale Demokratie entstand gerade als Gegenmodell zu diesem Denken. Sie geht davon aus, dass Menschen unterschiedliche Interessen, Überzeugungen und Lebensentwürfe besitzen dürfen. Ihr Zusammenleben wird nicht durch ein vorgegebenes „Wir“ organisiert, sondern durch Regeln, die individuelle Freiheit schützen.
Der Staat soll nicht bestimmen, was das gute Leben ist. Er soll die Freiheit garantieren, unterschiedliche Vorstellungen vom guten Leben zu verwirklichen. Deshalb wäre die wirklich liberale Formel das genaue Gegenteil von Brantners Slogan. Nicht: „Frei sind wir nur im Wir.“ Sondern: „Weil wir frei sind, können wir ein Wir bilden.“

Der Unterschied mag sprachlich gering erscheinen. Politisch trennt er zwei Welten. Die eine betrachtet den Menschen als eigenständige Persönlichkeit, die Gemeinschaften freiwillig eingeht. Die andere betrachtet ihn als Teil eines größeren Ganzen, aus dem er Sinn, Identität und Freiheit erst beziehen soll. Die erste Tradition hat die freiheitlichen Demokratien des Westens hervorgebracht. Die zweite hat die großen kollektivistischen Experimente des vergangenen Jahrhunderts hervorgebracht. Alle totalitären Bewegungen meinten, “die Zukunft zu besitzen”, so Mai, “von der sie ihren Herrschaftsanspruch in der Gegenwart herleiten, und der ihr einziges Argument unter den wechselnden Phrasen ist.” Wer Freiheit ernst nimmt, sollte deshalb misstrauisch werden, wenn Politiker behaupten, sie existiere nur im Kollektiv. Denn die Freiheit des Menschen beginnt nicht im „Wir“.
Sie beginnt beim „Ich“.

12 Kommentare

  1. „Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ergibt. Wenn das gewährt ist, folgt alles andere.“

    „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“

    -George Orwell in seinem dystopischen Zukunftsroman 1984

  2. Niemals vergessen: Gründungsmitglieder der Grünen waren überzeugte Nazis (z.B. Baldur Springmann). Viele Grüne haben oder hatten Nazis in höheren Rängen als Väter. Es ist also nicht verwunderlich, wenn Grüne so denkem.
    Auch Adolf kam vorwiegend durch die Wahlstimmen von Frauen an die Macht

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    1. Wenn die Grünen eines nicht sind und waren, dann Nazis.

      Nationalsozialisten waren NATIONAL.
      Die haben die bekämpft, die „Deutschland verrecke“, gerufen haben. Oder „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“.

      Beide Parolen kommen von den INTERNATIONALISTEN, unter anderem von den Grünen.

      Die Anhänger der Ideologie und Partei Adolf Hitlers nannten sich selbst Nationalsozialisten. Ihre Organisation trug den Namen Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (abgekürzt NSDAP).
      Die Bezeichnung „Nazi“ war hingegen eine von politischen Gegnern geprägte spöttische Abkürzung, die von der Partei selbst vermieden und als Beleidigung empfunden wurde.
      Im nationalen Sprachgebrauch bezeichneten sie sich außerdem oft selbst als:

      Volksgenossen: Ein zentraler Begriff der Propaganda, um eine scheinbare rassische und klassenlose Einheit der Anhänger auszudrücken.
      Parteigenossen: Zur internen Kennzeichnung der Parteimitgliedschaft in der NSDAP.

  3. Brandner ist nicht alleine – die ganze rotgrünlinke ( RGL) Politiker- dazu gehören alle Parteien außer AFD – sind auch für Ökosozialismus- Kollektivismus- wie die meisten EU Politiker -besonders vdL- die wollen Wahllemminge. Gehorsame Zombies- nur schuftende Sklaven die alles bezahlen mit den Steuergeldern – aber- die meisten machen mit- es gibt keine nennenswerte Demos gegen die Regierung sondern gegen rechts-gegen die Opposition- die Parteien die für das Elend in D und in der EU verantwortlich sind , werden immer wieder gewählt – die Sklaven wählen ihre Bossen selber –
    Hauptsache WM, Talkshows, Kochshows, Kino, Konzerte, Bierchen, Currywurst, usw, usw- was für ein armseliges Volk das ihre Freiheit kampflos aufgibt- lieber gefährliche Freiheit als „sichere“ Sklaverei

  4. Ich denke, da braucht man gar nicht lange zu fachsimpeln oder philosophieren.
    Die Freiheit fängt immer beim Selbst an und prägt sich nach außen in der Akzeptanz anderer und deren Freiheit
    Nur so kann sich eine freiheitliche Gruppierung, sprich ein Volk (Bevölkerung ), wiederum nach außen hin, nämlich anderen Gruppierungen, sprich Völkern (Bevölkerungen), gegenüber darstellen.
    Immer nur in der eigenen Freiheit gegenüber der der anderen, was letztlich auch wieder zu Zusammenhalt und Akzeptanz gegenüber anderen Ländern /Völkern( führt.
    Ganz weit weg von dem Modell der BRiD und seinen Auswüchsen …

  5. Homo sapiens ist eine soziale Säugetierart. Der Satz „Der Mensch wird erst durch die Gemeinschaft frei“ ist nicht ganz falsch. Gefährlich wird er da, wo die Freiheit des Einzelnen als Voraussetzung einer Gemeinschaft locker miteinander verbundener Individuen wegfällt und als Angriff auf die von oben verfügte Zwangsgemeinschaft verstanden wird. Alle totalitären Systeme verneinen die Selbstverantwortung des Einzelnen; ihre Verbrechen werden zweifellos damit erleichtert, dass nicht konkrete Täter für konkrete Taten verantwortlich sind, sondern bestenfalls ein abstraktes Wir. Nach dem Ende eines solchen Systems fühlen sich allenfalls diejenigen verantwortlich, die selbst nie die totalitären „Werte“ voll übernommen haben, sondern bei der Verantwortlichkeit des Einzelnen geblieben sind, ob bewusst oder nicht. Und gerade diese Menschen weigern sich zu Recht, die volle Verantwortung für Verbrechen zu übernehmen, an denen sie nicht beteiligt waren. Totalitarismus funktioniert nur, solange er außer seinen Parolen auch materielle Produkte verteilen kann, die im besten Fall von den internen Leistungsträgern erarbeitet worden sind. Sehr oft sind totalitäre Gemeinschaften auf externe Leistungen angewiesen. Weniger höflich gesagt: sie verhalten sich parasitär.

    Genaue, neuere Beobachtung zeigen, dass „die Gemeinschaft“ sogar der staatenbildenden Insekten immer wieder ein Produkt der miteinander zusammenarbeitenden Individuen ist. Eine menschliche Gemeinschaft ist natürlicherweise weniger strikt gefügt. Sie passt sich viel stärker als ein Insektenstaat an äußere und innere Veränderungen und Instabilitäten an. Ohne die Rechte des einzelnen Menschen ist sie unmöglich. Jeder, der Gesellschaften am Reißbrett entwirft und anhand ideologischer Grundsätze formt, endet als totalitärer Diktator.

    Die Grünen sind die totalitärste Partei in Deutschland. Sogar Boris Palmer, der lange als selbstgeleiteter Dissident auftrat und sich zweifellos selbst dafür hielt, ist zu 100% gekippt, als mit dem Corona-Regime die totalitäre Versuchung auf ihn zukam.

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    1. „Der Satz „Der Mensch wird erst durch die Gemeinschaft frei“ ist nicht ganz falsch.“

      Der ist vollkommen falsch.
      Die Gemeinschaft unterdrückt das Individuum. Sie zwingt dem Individuum seinen Willen auf.
      Bestes Beispiel ist doch Corona. Als die dumme Gemeinschaft dem klugen Individuum ihren Willen aufdrängte und es terrorisierte. Wer nicht mitmachte, sollte erschossen werden, war asozial, in Lager gesperrt werden, aus dem öffentlichem Leben geworfen werden.

      Schon vergessen oder selber daran beteiligt gewesen?

  6. „Niemand ist frei allein. Frei sind wir nur im Wir.“

    Ich bin frei allein. Frei bin ich nur im Ich.

    Und seit Corona gibt es für mich auch keinerlei Wir mehr. Das Wir hat mich terrorisiert. Das Wir war erbärmlich und ekelhaft.
    Der Einzelne steht bei mir über der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft setzt sich aus einzelnen zusammen.
    Jeder Mensch lebt selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Da hat ein Wir keinen Platz.