Fußball ohne Tore, Schule ohne Noten: Unsere Kinder werden zu Memmen erzogen

Bloß kein Wettbewerb: Kinderfußball (Symbolbild)

In einer Gesellschaft, in der sich Leistung immer weniger lohnt und das Naturprinzip, wonach der Bessere Feind des Guten ist, nicht mehr fortbestehen darf, wächst eine Generation von Soziopathen und Wettbewerbsverächtern der frühesten Stunde heran. Schüler sollen durch schlechte Noten nicht mehr „traumatisiert” werden – weshalb man letztere gleich ganz abschafft; „Elitenbildung“ gilt als diskriminierende Provokation für Mittelmäßige und Unterqualifizierte. Diese Geisteshaltung hält zunehmend auch in den Lebensbereichen Einzug, wo Kräftemessen und Konkurrenz, Ehrgeiz und Erfolgsstreben eigentlich nur in spielerischer Form vorkommen und rundum positiv konnotiert sein sollten – darunter, vor allem, im Sport.

Nun ist auch der Deutsche Fußball Bund (DFB) massiv über das Ziel hinausgeschossen: In seinem eigentlich vernünftigen Bestreben, den Kinderfußball zu reformieren, hat er die Einführung umfangreicher Neuerungen beschlossen – unter dem Motto: „Mehr Begeisterung. Mehr Ballkontakte. Mehr Erfolgserlebnisse. Mehr Kreativität. Dazu eine breitere Basis für die Zukunft“. Fortan soll es weder Punkte, noch Torhüter, noch ein Spiel auf zwei Tore mehr geben. Für Bambini, F-Junioren und E-Junioren werden die Meisterschaften abgeschafft. Fußball wird sozusagen „frühamputiert“ und zu einer Therapiestunde für hypersensible Heranwachsende mit Befindlichkeitsstörungen gemacht. Helikoptereltern können frohlocken.

Trainer finden Reformen dufte

Besonders verstörend: Nicht nur Funktionäre, auch die Übungsleiter auf dem Platz finden diese Reformen ganz großartig. So erklärt etwa der C-Jugendtrainer Alexander Balz, er halte die Neuerungen für „sinnvoll”; im bisherigen System hätten „Ergebnisse und Tabellen“ und damit auch „Sieg oder Niederlage… einen viel zu hohen Stellenwert” bekommen. Die neuen Spieltage in Form von Spielefesten beinhalteten nun „…mehrere Spielformen, wo man auch mal was ausprobieren kann und jedem Spieler genügend Spielzeit gibt”, so Balz verzückt. Der Fokus müsse „mehr auf die vielen kleinen positiven Erlebnisse während eines Spieltags gelenkt werden. Und das sind viele Tore, viele Dribblings und Zweikämpfe, insgesamt viele Ballaktionen jedes einzelnen Kindes.

Wo da noch der Zweck sportlichen Wettbewerbs, die Emotionalität von Sieg und Niederlage und die sozialisierenden Lerneffekte durch Mannschaftssport fürs spätere Erwachsenenleben bleiben, die nicht nur für körperliche, sondern auch charakterliche Ertüchtigung über Generationen als wertvoll und unverzichtbar erachtet wurden, ist die Frage. Vordergründig mag es zwar sinnvoll erscheinen, Kindern – gerade in einem besonders jungen Alter – erst einmal die Freude am respektive das Verständnis für den Sport zu vermitteln, damit sie ein individuelles und instinktives Verständnis für Konkurrenz und siegorientierte Taktik entwickeln. In den wenigen Fällen, in denen es dem einen oder anderen geltungssüchtigen Trainer oder auch  überehrgeizigen Eltern bislang vor allem darauf angekommen sein mag, sich irgendwelche sinnlosen Pokale in den Schrank zu stellen und die Kinder einzig auf das Ziel deren Erringung um jeden Preis hin zu dressieren, mag dieser Aspekt vielleicht zu kurz gekommen sein – und dann könnte es vielleicht plausibel erscheinen, die Kinder erst einmal ohne übergroßen Ergebnisdruck an den Fußball heranzuführen.

Gegner des Leistungsprinzips frohlocken

Doch das ist eine Ausnahmesituation, die natürlich von linken Gesellschaftsumformern und Gegnern des Leistungsprinzips zum Problem hochgejazzt wird, um ihre egalitären Gleichmachereiphantasmen nun auch im Sport umzusetzen. Die Pädagogen, Psychologen und Sportwissenschaftler, die den DFB zu den Reformen brachten, griffen dabei seit Jahren kursierende Vorwürfe gegenüber dessen Nachwuchsleistungszentren auf, wonach Kinder-und Jugendliche viel zu früh in ein taktisches Korsett gezwängt würden und deshalb keine eigenen Ideen zur Lösung von Spielsituationen entwickeln können, die außerhalb dessen lägen, was ihnen eingeschärft wurde.

Hier mag es durchaus einige Fehlentwicklungen gegeben haben; auch Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl hatte bereits kritisiert: „Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“ Auch der Ex-Spieler Stefan Reinartz hatte bestätigt: „Es ist tatsächlich so, dass das Spiel in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr taktisch geprägt ist, von sogenannten Konzepttrainern. Was für den Profibereich durchaus Sinn macht, um auch taktisch das Letzte rauszuholen. Ich glaube aber auch, dass das sehr stark auf den Juniorenbereich abgefärbt hat, wo man auch schon sehr viel taktisch trainiert. Und da leidet wiederum die individuelle Ausbildung drunter.“

In Watte gepackte Kids

Wenn es nur um diesen Hintergrund ginge, dann könnten die Reformen des DFB also theoretisch vernünftig sein. Doch darum geht es nicht; in Wahrheit wird eine neurotische Jugend noch neurotischer gemacht. Während es einerseits kein Problem darstellt, Kinder unter Masken zu knechten, ihnen die Schule und Freundeskreise vorzuenthalten, sie zwei Jahre zu vereinsamen und zu geist- und seelenlosen Tests und Kontaktverboten zu nötigen, sollen sie hier, wo einige Härten pädagogisch mehr als sinnvoll wären, auf dem Fußballplatz in Watte gepackt werden und systematisch verweichlicht werden. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Kindern statt Toren und Triumphen billige und unechte Surrogat-Erfolgserlebnisse zu verschaffen, die vor allem durch eine zumindest teilweise und künstliche Aussetzung des im Sport und anderen Lebensbereichen unvermeidlichen Wettbewerbsdrucks erzielt werden.

Tatsächlich ist dies nur ein weiterer Ausdruck einer „Erziehungsmentalität”, die niemandem mehr etwas zumuten, nur noch positive Gefühle als Selbstzweck schaffen will und Kinder dadurch am Leben vorbei ausbildet. Wie es sich auswirkt, wenn man nun auch noch im Fußball (und demnächst vielleicht noch weiteren Sportarten) nur noch übersensible zartbesaitete Heulsusen heranzüchtet, die nicht mehr belastbar, konzentrationsfähig und frustrationstolerant sind – so wie man es in vielen Aspekten des deutschen Bildungssystems beobachten kann -, wird die Zukunft zeigen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Journalistenwatch.

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5 Kommentare

  1. In solchen und manch anderen Fragen, wie zum Beispiel Kinder, wünsche ich mir etwas was genauso unerfüllt bleiben wird wie mein Traum von einer besseren Gesellschaft. Ob Gesundheit oder Kinder und Jugendsport und Bildung. Ich habe schon besseres erlebt als dieses Deutschland. Auch hier auf diesem Gebiet der Deutschen. Deshalb weiß ich das es besseres gibt und das es möglich ist. Doch machen müssen wir das schon selber. Wir dürfen nichts mehr der Politik überlassen. Es liegt an uns.

  2. Fußball ohne Tore sind nicht das Problem , sondern die zuschauenden Väter
    Schaut euch heute mal den bunten Jugenfußball an . Je nachdem welche Mannschaften spielen , trauen sich Schiedsrichter kaum aufs Spielfeld . Väter sehen Faul`s wo keine sind und gehen aufeinander los

  3. Hmmm… Überrascht bin ich nicht, passt es doch absolut in die Entwicklung der letzten Jahre.

    Ernsthaft, guckt doch mal in die Politik, was da heute schon für Traumtänzer unterwegs sind. BLM, FfF, Gender, oder das was sich heute „Feministin“ schimpft

  4. Fußball als Charakterschulung. Denn genau diese Sorte Charakter ist es, deren unsere Spaßgesellschaft bedarf: Mitdribbler ohne Ehrgeiz, dressiert auf das schnelle, anstrengungsfreie Erfolgserlebnis: Jeder Kick ein „Kick“. Scheitern, Misserfolg, Niederlagen werden aus dieser schönen neuen Welt einfach gecancelt. Über kurz oder lang züchten wir Generationen von Monstern, die nicht einmal mehr fähig sind zu heulen.

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