Gesundheitsminister günstig abzugeben – kaum Gebrauchsspuren vorhanden

Der ukrainische -Moment: deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf „Frontbesuch“ (Foto:Imago)

Ist es nicht schön? Unser Bundesgesundheitsminister sorgt sich um das Klinikwesen in der Ukraine. Ergreifend berichtete er von seinen schrecklichen Erlebnissen in einem Krankenhaus des Kriegslandes, dem er die Ehre seiner Anwesenheit hatte zuteil werden lassen. Was erlebte Karl Lauterbach dort? Apokalyptische Szenen wie in den Lazaretten von Bürgerkriegsländern der Dritten Welt? Ärztliches Arbeit am Limit, ohne Material, Strom und in ständiger Bedrohung durch Artillerieangriffe? Hatte in dem von ihm besuchten Hospital vielleicht etwa eine russische Bombe eingeschlagen? Mitnichten: Nein, Herr Lauterbach saß in einem defekten Aufzug fest.

(Screenshot:Twitter)

So etwas würde in deutschen Kliniken natürlich niemals vorkommen! Denn diese sind allesamt in einem hervorragenden Zustand: Helle Zweibettzimmer mit eigenem Bad, köstliche, gesunde Mahlzeiten und stets verfügbares Pflegepersonal sind Standard. Zumindest glaubt das wohl Karl Lauterbach. Im „besten Deutschland aller Zeiten“ müsste doch auch die medizinische Versorgung hervorragend funktionieren, oder? Die Realität sieht leider anders aus, denn auch deutsche Krankenhäuser könnten dringend etwas Zuwendung gebrauchen. Wir erinnern uns: Trotz Corona-Panikmache wurden die Kliniken weiter durch Prämien ermuntert, Intensivbetten abzubauen – mehrere Tausend fielen dem Sparprogramm zum Opfer, während Maßnahmen-Kritikern ein schlechtes Gewissen eingepflanzt wurde: Ihr seid schuld, wenn Patienten abgewiesen werden müssen! Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Intensivpflegern blieben aus.

Dann beglückte uns die Bundesregierung – ebenfalls auf Betreiben von Lauterbach und seinem Panik-Orchester – mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, begründet mit dem Schutz der Patienten, was angesichts der trotzdem noch vorhandenen Übertragbarkeit des Corona-Virus eine einigermaßen sinnfreie Vorschrift darstellt. Schon wieder wurde Pflegepersonal, das teilweise schon jahrzehntelange Diensterfahrung hatte, vor den Kopf gestoßen oder gleich vor die Tür gesetzt. Wer es geschafft hat, seinen Job auch ohne Impfung zu behalten, darf nun auch noch mit Bußgeldern rechnen.

Hat man jemals von einer Besuchstour des Ministers in deutschen Krankenhäusern gehört? Vielleicht habe ich die Meldung nur übersehen, aber besonderes Interesse scheint mir Herr Lauterbach nicht an den hiesigen Zuständen zu haben. Er fürchtet sich wohl vor der Realität. Wenn er in den letzten Monaten eine Klinik betrat, dann ausschließlich für Impfwerbung – auch für Kinder. Die mussten tapfer in die Kamera lächeln, während Lauterbach die Impfnadel in ihrem Arm versenkte.

Bald wieder Schlafsäle für Kassenpatienten?

Es gilt als unfein, eine Neiddebatte anzufachen – aber ist es wirklich so unverständlich, dem Minister erst einmal die Instandhaltung unseres eigenen Gesundheitswesens in Deutschland abzuverlangen? Es geht dabei nicht nur um den Pflegenotstand, sondern auch um den Zustand der Gebäude im allgemeinen. Mich würde es nicht wundern, wenn für Kassenpatienten bald wieder große Schlafsäle eingerichtet werden, wie ich sie als Kind noch bei Krankenhausbesuchen gesehen habe – und dann bringt am besten noch die Verwandtschaft das Essen mit und wäscht die Bettlägerigen. Sogar das kommt schon vor, weil es an Pflegepersonal fehlt: Älteren, eventuell schon dementen Menschen stellt man rasch das Essenstablett hin und holt es voll wieder ab – die Schwestern haben einfach keine Zeit, sich zu den Kranken zu setzen und sie zu füttern. Notwendige Medikamente werden dann oft ebenfalls nicht eingenommen. In meinem Erwachsenenleben hatte ich zum Glück nur zwei etwas größere Operationen: Einmal 1998, dann noch einmal 2019. Zwischen beiden Eingriffen war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

1998 gingen meine Schilddrüse und ich getrennte Wege, weil sich darin Unheil zusammenbraute. Operationen sind natürlich nie ein Vergnügen, aber der Chirurg machte seine Sache gut, es blieb keine Heiserkeit zurück. Weil bei der OP der Hals überstreckt wird, um die Narbe kleinzuhalten, kam an den Folgetagen täglich eine Physiotherapeutin vorbei, um sich um die Schultern meiner Mitpatientin und mir zu kümmern. Auch an die Nachtschwestern habe ich eine gute Erinnerung: Sie hatten immer ein offenes Ohr, wenn wir uns Sorgen um unsere Laborergebnisse machten.

Binnen 20 Jahren gravierender Standardverlust

2019 dann – in einem anderen Krankenhaus – wurde ich einen Teil meiner Ohrspeicheldrüse los – wieder ein Tumor, und ich dachte nur, wenn das so weitergeht, müssen die meinen Hals bald mit Holzwolle ausstopfen… Der Chirurg leistete auch in diesem Fall gute Arbeit – bis auf ein leichtes Taubheitsgefühl ist nichts zurückgeblieben. Diesmal allerdings gab es keine Physiotherapie – stattdessen einen Zettel mit Übungen zur Mundgymnastik. Das Pflegepersonal musste man mit dem Lasso einfangen; nicht, weil es nicht arbeitete, sondern unter enormem Stress stand. Für die gesamte Station standen lediglich vier Toiletten zur Verfügung – und das Essen schmeckte nicht nur schlecht, sondern bestand in winzigen Portionen. Früher gab es noch die Möglichkeit, sich etwas mehr zu bestellen; heute dient die Verpflegung wohl nur noch dazu, den Patienten gerade so lange am Leben zu erhalten, bis man ihn entlassen kann. Da ich nach dieser OP am Kopf aussah wie eine Mischung aus dem „Fluch der Mumie” und etwas von Viktor Frankenstein Zusammengebasteltes, verzichtete ich dann auch auf den Gang in die Cafeteria, um keine allgemeine Panik auszulösen. Kurzum: Die Situation hatte sich gegenüber 1998 deutlich verschlechtert.

Hätte ich doch mal ein Selfie davon gemacht, mit mir im Ramses-Mumien-Look – dann könnte ich es heute an Lauterbach weitersenden. Um ihm einen ordentlichen Schrecken einzujagen. Denn: Die stationäre Versorgung hat seither nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern sie ist gezielt kaputt gespart worden. Und das nicht erst seit Corona. Es könnte Karl Lauterbach durchaus auch in Deutschland passieren, in einem Aufzug steckenzubleiben – wenn er denn einen gefunden hat, der funktioniert. „Seht her, euch geht’s doch noch gut!„, scheint er uns mit seinen ukrainischen Reiseanekdoten sagen zu wollen. So wie Eltern, die ihren Kindern das Eis verweigern, weil „die Kinder in Afrika auch kein Eis essen können.” Nur dass wir für diese Versorgung alljährlich mehr bezahlen; es ist ein Geschäft, bei dem wir ordentlich über den Tisch gezogen werden. Vielleicht denkt unser Gesundheitsminister ja darüber einmal nach, wenn er das nächste Mal irgendwo im Fahrstuhl (oder sonst wo) festsitzt.

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7 Kommentare

  1. Zu diesen Beitrag passt doch diese Video, von dem einen ganz übel wird, ganz ausgezeichnet https://www.ardmediathek.de/video/betrifft/operiert-und-abkassiert-wenn-aerzte-rendite-bringen-sollen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0OTQ5NDg Frage mich, wieviele die durch ihren Beatmungswahn des schnöden Mammons wegen während der „Pandemie“ auf dem Gewissen haben. Hier noch etwas über Coronakalle https://jacobin.de/artikel/karl-lauterbach-der-privatisierer-corona-gesundheitsminister-ampel-pflegekrise-pflegenotstand-ulla-schmidt-fallpauschale-lipobay/ Das lässt doch tief blicken.

  2. Wer würde den auch nur geschenkt nehmen? In der Ukraine,wäre er dort „Gesundheitsminister“ und würde seine Hirngespinste so wie hier öffentlich verbreiten, ja dann wäre er wahrscheinlich per Eilzustellung schon in Sibirien und würde dort im Bergwerk Steine rund lutschen. Ist auch schon sehr bemerkenswert, wie unsere Clowns nacheinander alle in die Ukraine reisen,um auch nur ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen.Scheint im Moment auch wirklich „In“ zu sein, auch unter den sogenannten Prominenten. Detlef Steves, seines Zeichens kranker Choleriker bei „Hot oder Schrott“ bekommt eine Sendung, weil er den Ballermann mit seinem Gejaule beglücken möchte Gabalier plötzlich erkennt seine Ader für die gleichgeschlechtlichen Liebenden, den Text könnte glatt Wowereit gedichtet haben!
    „.Jeden Tag im Morgenrot
    Vom Sonnenaufgang bis zum Untergang
    Wird eine fremde Hand aus einem fremden Land
    Zu einem untrennbaren Liebesband
    Am Nordpol, am Südpol
    Vom Kaukasus bis nach Südtirol
    Kanada oder Afrika
    Honolulu, Ipanema
    Weil das Feuer der Liebe irgendwo brennt
    Wenn man weiter als bis zu seinem Tellerrand rennt
    Lass dich antreiben von deiner Zeit
    Liebe ist was von uns bleibt
    Ob Frau und Mann
    Oder Mann und Mann
    Oder zwei Mädchen dann
    Irgendwann
    Wenn der Forrest Gump
    Nicht mehr laufen kann
    Ist es Liebe, ist es Leben
    Dann ist das die Liebe
    Und am Schluss noch Herr Mälzer, wahrscheinlich bringen die ewigen Wiederholungen seiner Kochsendungen mit sich ewig wiederholender Fäkalsprache nicht mehr die richtige Kohle.
    „RTL-Variante von „The Masked Singer“?
    Demnach werden mehrere prominente Männer in der Show „ein spektakuläres Drag-Over“ erhalten und sich in „atemberaubende Queens“ verwandeln. Jorge González, Jana Ina Zarrella, Olivia Jones und Tahnee rätseln dann in zwei getrennten Teams, wer sich unter den Drag-Kostümen verbergen könnte. Damit erinnert die Sendung vom Kostümcharakter und dem Rateprinzip sehr an die ProSieben-Produktion „The Masked Singer“.

    Na dann, weiter in den Untergang, Eisberg voran!

  3. Der Sparwahn ist derart ausgeartet, dass heutzutage das Krankenhausessen nicht nur längst nicht mehr im KH zubereitet wird, es wird kalt angeliefert und dann auf dem Weg zum Patienten im Wägelchen erwärmt, unpersönlicher geht es nicht. Natürlich ist die Wärmvorrichtung recht effektiv, da manche Wege kürzer als andere sind und es ist ein wunderbares Gefühl, gesagt zu bekommen, dass das Essen etwas heiß sein könnte, kurz nachdem die Kartoffel ein Loch in die Speiseröhre gebrannt hat. Gerade einem Bekannten nach einer schweren OP passiert, nur das Loch ist ihm glücklicherweis erspart geblieben.
    Der Unterschied zwischen einer Kfz-Werkstatt und einem Krankenhaus wird immer kleiner, schöne neue Welt.

  4. „GÜNSTIG ABZUGEBEN – KAUM GEBRAUCHSSPUREN“
    Ein Totalausfall in Tateinheit mit Totalschaden auf ganzer Linie
    ist nicht mehr unter das Volk zu bringen.
    Kein Wunder, wo das Element auftrat, riefen sie:
    „Hau ab, hau ab“.
    Tja, das Volk hat absolut ein bestes Gespür für solche, die ihnen
    nichts gutes antun und Steuergelder verbrennen.

  5. Wenn etwas/jemand so ohne jeglichen Qualitätsanspruch wie Karle hergestellt wurde, schaden auch ein paar Gebrauchsspuren nichts!

  6. Habe eine Whatsapp von einem guten Freund erhalten . Darauf zusehen ein Rollator und die Schrift “ Ab 67 gibt es diesen Firmenwagen gratis

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