
Ein Staat, der jungen Menschen das Wählen erlaubt, ihnen aber den Konsum von Bier verwehren will, hat entweder den Kompass verloren oder ein anderes Ziel im Sinn. Die aktuelle Forderung, das Mindestalter für den Erwerb von Bier und Wein von 16 auf 18 Jahre anzuheben, erscheint oberflächlich betrachtet wie eine vernünftige gesundheitspolitische Maßnahme. Doch sie ist in Wahrheit Ausdruck eines umfassenderen, tiefgreifenden Wandels im Verhältnis von Staat, Jugend und Kultur: ein Schritt weg von der Freiheit und Eigenverantwortung hin zu einer moralpädagogischen Kontrollgesellschaft, in der der Bürger nicht mehr Subjekt politischer Willensbildung, sondern Objekt verhaltensbiopolitischer Optimierung ist. Wenn der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis in der “Rheinischen Post” behauptet, der Alkoholkonsum im Jugendalter sei „aus medizinischer Sicht hochproblematisch“, dann liegt er sachlich nicht völlig falsch. Und wenn die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt, derselben Zeitung sagt, dass ein generelles Verbot aller alkoholischen Getränke bis 18 „Charme“ berge, beweist das: „Beim Verbieten sind sich unsere politischen Verantwortungsträger immer noch vergleichsweise schnell einig, zumindest wenn es sich um den Alltag der gemeinen Bürger handelt“, so Peter Grimm auf “achgut”.
Aber beide Koalitionspolitiker offenbaren dabei einen entlarvenden Tunnelblick: Denn nicht objektive Gesundheitsrisiken sind das Kriterium der politischen Eingriffe, sondern ideologische Passfähigkeit. Dieselben Kreise, die 16-Jährige zur Bundestagswahl rufen, ihnen das Wahlrecht bei Europawahlen ermöglichen und sie zu Demonstrationen für globale Fragen wie Klima, Migration oder Impfpolitik animieren, sprechen ihnen gleichzeitig die Reife ab, ein Glas Bier verantwortungsvoll zu trinken. Hier geht es nicht um Schutz, sondern um Kontrolle – nicht um Fürsorge, sondern um Erziehung zur Konformität. Die kulturelle Rolle von Alkohol – insbesondere von Bier und Wein – wird in der Debatte vollständig ausgeblendet. Bier ist nicht nur ein Getränk; es ist Symbol, Brauchtum, Teil eines gewachsenen sozialen Zusammenhangs. In Wirtshaus, Fußballverein, Dorffest oder Vatertagstradition ist das erste Bier ein Übergangsritus ins Erwachsenenleben, eingebettet in Gemeinschaft und Konvention. Wer daraus ein Problem macht, weil der Alkoholgehalt messbar sei, demonstriert nicht medizinische Expertise, sondern kulturelle Entfremdung.
Die Infantilisierung des Wählers
Ivan Illich hatte einst diagnostiziert: „Eine Gesellschaft, die nicht weiß, wie man eine Grenze zieht, ist dem Wuchern ihrer eigenen Systeme ausgeliefert.“ Was wir heute erleben, ist ein solcher Kontrollwucher: Eine Politik, die das kulturelle Maß nicht mehr kennt, weil sie jede Form des Körperlichen, Traditionsgebundenen und Unverfügbaren als verdächtig markiert. Der Mensch wird nicht mehr als Gewachsener verstanden, sondern als zu optimierender Organismus. Die kulturelle Form – ob es das Ritual des Biertrinkens ist, das katholische Fasten oder die ländliche Festkultur – wird ersetzt durch eine hygienische Norm. Es ist eine absurde Doppelmoral: Dieselbe Regierung, die Jugendliche zu politischen Akteuren stilisiert, traut ihnen nicht zu, mit einem halben Liter Bier verantwortungsvoll umzugehen. Man darf über Verteidigungshaushalte abstimmen, aber kein Weizen trinken. Das ist nicht nur widersprüchlich – es ist ein autoritärer Reflex. Denn die Herabsetzung der Genussmündigkeit dient nicht dem Schutz der Jugend, sondern der Erhaltung eines kulturell entleerten Menschenbilds, in dem Freiheit nur noch als Sicherheitsrisiko erscheint.
Hinter dieser Entwicklung steht ein tiefes Misstrauen gegenüber allem Konkreten. Der konkrete Körper – mit seinen Gelüsten, Grenzen, Riten – ist ein Problem für eine Politik, die sich lieber mit Zahlen, Emissionen und Präventionskampagnen beschäftigt. Der konkrete Mensch, in seiner Einbindung in Herkunft, Milieu und Geschmack, passt nicht ins Raster des entgrenzten Weltbürgers, den man heranerziehen möchte. Deshalb wird er entwirklicht – und entmündigt. Es ist kein Zufall, dass dieselben Stimmen, die nun ein Alkoholverbot für 16- und 17-Jährige fordern, zugleich das Wahlalter absenken wollen: Das Idealbild der politischen Klasse ist ein junger Mensch, der nicht aus Tradition lebt, sondern aus Erzählung. Nicht in der Gemeinschaft wurzelt, sondern im Narrativ. Der nicht aus eigener Erfahrung handelt, sondern aus Projektunterricht, Influencerethik und politischem Frühkonsum.
Der perfekte Jungwähler ist also nicht der junge Erwachsene – sondern das gehorsam pädagogisierte Subjekt. Deshalb sind Genussmittel suspekt. Genuss bedeutet Selbstbezug. Alkohol, Tabak, Fleisch, Körperlichkeit – sie verweisen auf ein Eigenleben, das der Kontrolle entgleitet. Der pädagogische Staat misstraut dem Körper, weil er seine Moral nicht garantieren kann. Er traut dem Gefühl nicht, weil es keine Evaluation kennt. Er hasst das Maß, weil es keine Regel ist, sondern Urteil. Was sich hier ankündigt, ist nicht bloß ein Eingriff in Altersgrenzen, sondern in Kulturgrenzen. Der Verlust des Maßes führt zur Maßlosigkeit staatlicher Intervention. In der Absicht, alles zu schützen, wird am Ende alles gleichgeschaltet. Das ländliche Fest wird zum Gefahrenraum, der Jugendliche zum Risikokörper, der Bürger zum Lernfall. Die Regel ersetzt den Ritus. Was einst gesellschaftlich eingebettet war, wird nun juristisch geregelt. Die staatliche Anmaßung kennt keine Mitte mehr. Und während in Shisha-Bars und Partyszene reale Missstände toleriert werden, trifft die Maßregel die Dorfdisko, den Stammtisch, die Familie. Die politische Botschaft lautet: „Vertraut dem Staat, nicht euch selbst.“ Das Glas Bier wird zum Prüfstein, ob man ein Recht auf Mündigkeit besitzt. Und wie es scheint, ist politisches Verhalten erwünscht – kulturelles Verhalten dagegen verdächtig.
Die regressiven Utopien der Gesundheitsgesellschaft
Der moderne Staat versteht sich nicht mehr als Hüter der Ordnung, sondern als Kurator der Lebensführung. Der Sozialstaat wird zum Erziehungsstaat. Der Körper wird vermessen, die Risiken verwaltet, der Genuss moralisch bewertet. Die „Gesundheit“ ersetzt die Freiheit. Und weil „gesund“ immer auch „gut“ meint, wird die Unterscheidung zwischen Vorschlag und Vorschrift aufgehoben. Wer sich gegen diese Fürsorge wehrt, gilt als irrational, uneinsichtig, gefährlich. Doch der Preis dieser Entpolitisierung des Lebens ist hoch: Wenn das eigene Verhalten unter Generalverdacht steht, verschwindet die Verantwortung. Die Folge ist nicht mündigerer Konsum, sondern entfremdetes Funktionieren.
Ein konservatives Menschenbild hält dagegen: Der Mensch wird nicht zur Mündigkeit erzogen, er wächst hinein. Und er braucht Formen, um diese Reifung zu vollziehen. Die Maß Bier mit dem Vater, das Glas Wein bei der Konfirmation, der erste Rausch mit Freunden – das alles sind keine Jugendsünden, sondern Lernfelder. Der Mensch wächst nicht im Labor, sondern im Leben. Die politische Reife beginnt nicht im Wahlstudio, sondern im Alltagsurteil. Wer dem jungen Menschen die eine Form erlaubt, aber die andere verweigert, betreibt Selektion, keine Bildung. Der freie Bürger ist nicht derjenige, der alles darf – sondern derjenige, der etwas nicht tun muss. Und das lernt er nicht durch Verbote, sondern durch Maß. Ein Staat, der ihm dieses Maß verweigert, traut ihm nichts zu. Wer heute Jugendlichen das Recht auf Bier verweigert, aber das Wahlrecht gewährt, spielt ein gefährliches Spiel. Er delegitimiert nicht nur kulturelle Normalität, sondern politisiert seine eigene Pädagogik. Es geht nicht um Alkohol – es geht um das Menschenbild. Und um die Frage: Was darf der junge Mensch selbst entscheiden? Und was wird ihm als gefährlich, schädlich, toxisch verboten? Die Antwort der Regierung lautet: Wähle mit 16, aber trink mit 18. Sie verwechselt die Urne mit der Freiheit. Und sie offenbart dabei: Das eigentliche Ziel ist nicht Schutz – es ist Gestaltung des Menschen nach Maßgabe einer ideologischen Agenda. Der Bürger aber, so wusste schon der alte Schmitt, ist nicht Objekt der Moral – sondern Subjekt der Entscheidung. Auch der jungen. Auch mit einem Bier in der Hand.
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7 Antworten
@„Gesundheitsschutz“ vor Freiheit
Sklaven können nur dann maximal verwertet werden, wenn sie gesund und willig sind – davon überzeugt, das die rechtens nur Sklaven sind.
„Doch sie ist in Wahrheit Ausdruck eines umfassenderen, tiefgreifenden Wandels im Verhältnis von Staat, Jugend und Kultur: ein Schritt weg von der Freiheit und Eigenverantwortung hin zu einer moralpädagogischen Kontrollgesellschaft, in der der Bürger nicht mehr Subjekt politischer Willensbildung, sondern Objekt verhaltensbiopolitischer Optimierung ist. “
Genau so ist es.
Der Reiz des „Verbotenen“ hat uns als Kinder und Jugendliche genau dazu veranlasst, immer genau das zu tun
was uns verboten wurde.
Gut, es sind einige dabei auf der Strecke geblieben. Aber die, die es überlebt haben, sind heute um so stärker.
Bei uns galt immer der Spruch:
„Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“ 🙂
Das hat sich bewahrheitet.
Ach bitte, als in Österreich im Jahr 2006 unter Jugendlichen das Komasaufen immer populärer wurde, hat die österreichische Politik schnell reagiert: Bereits am 14.03.2007 wurde im Ministerrat die Senkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre beschlossen.
Politiker haben schon lange begriffen, dass es wenig Sinn macht, Jugendliche mit Verboten kontrollieren zu wollen – viel leichter ist es, sie durch Verführung zu beeinflussen.
„Schützt unsere Jugend! Legalisiert Cannabis!“ – Cem Özdemir (GRÜNE) in der WELT am 19.10.2016
https://report24.news/wie-uns-papiertrinkhalme-als-umweltschutz-verkauft-werden-und-heimlich-vergiften
„Wie uns Papiertrinkhalme als Umweltschutz verkauft werden – und heimlich vergiften.
Papiertrinkhalme statt jener aus Plastik werden den Menschen als “ökologische” Alternative verkauft. Doch was niemand sagt, ist: Diese Chemiepampe ist am Ende ungesund und zudem alles andere als “grün”. Es ist an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen.“
https://www.rtl.de/leben/essen-trinken/oeko-test-schockiert-bisphenole-in-fast-allen-pizzakartons-so-gefaehrlich-sind-die-chemikalien-id2057471.html
Tageshöchstwert 45.000-fach überschritten
Öko-Test „sprachlos“ – fast alle Pizzakartons mit bedenklichen Chemikalien belastet!
Erst Konservendosen und Babynahrung, jetzt Pizzakartons.
Die Funde von Bisphenol A in den Verpackungen unserer Lebensmittel häufen sich. Die Chemikalie ist hormonell wirksam, wird als fortpflanzungsschädigend eingestuft und soll schon in kleinen Mengen das Immunsystem beeinträchtigen können. Wie Öko-Test das Risiko in der aktuellen Untersuchung einschätzt, erfahrt ihr im Video.“
Ob das auch für die Pappen bei Bäckereien, wo Kuchen u.a. aufgelegt werden, gilt,
entzieht sich der Kenntnis.
Ob Lebensmittelindustrie oder Zuliefererhersteller, i.d. heutigen Zeit geht es nur noch um
Gewinnmaximierung.
Aufpassen, nachdenken und verweigern ist angesagt.
Nach meinen Erfahrungen reagieren Verbraucherschutz, kommunale Einrichtungen bezüglich von Meldungen m.d. Aufforderung Proben zu entnehmen entweder nur zögerlich oder gar nicht !
Gehst du im Lidl einkaufen, stehst an der Kasse an, auf einmal kommt ein für die Ohren
unsäglich lauter Ton, der einfach nur widerlich ist.
Kassiererinnen müssen sich dann oft am Tag diesem durchdringenden Ton hergeben.
Der Grund ist der, das durch den lauten sehr hohen Intervallton Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht werden soll, das in der Pfandrückgabe von Flaschen, etc. etwas
nicht stimmt.
Es ist wohl ein Fall für die zuständige Arbeitsschutz-Behörde.
Auf dieses unnötige laute Getöse können Kunden und Mitarbeiter gerne verzichten, vielmehr ist es auf Dauer unzumutbar !
Lösung: Mehrere große Rotlichtlampen an der Decke im Verkaufsraum/Lager würden das Problem lösen !
Gilt die – berechtigte – Kritik an denjenigen, die Jugendlichen nicht zutrauen, „mit einem halben Liter Bier verantwortungsvoll umzugehen“ auch für diejenigen, die wegen der halbherzigen Legalisierung von Cannabis den Untergang des Abendlandes herbeiphantasieren?
„Genuss bedeutet Selbstbezug. Alkohol, Tabak, Fleisch, Körperlichkeit – sie verweisen auf ein Eigenleben, das der Kontrolle entgleitet.“
Gilt diese zutreffende Aussage auch dann, wenn man zwischen „Tabak“ und „Fleisch“ noch das Wörtchen „Cannabis“ einfügt?
„Der Bürger aber, so wusste schon der alte Schmitt, ist nicht Objekt der Moral – sondern Subjekt der Entscheidung. Auch der jungen. Auch mit einem Bier in der Hand.“
Stimmt auffallend. Vor allem auch dann, wenn man im letzten Satz das Wort Bier durch „Joint“ ersetzt. Oder etwa nicht?
Diejenigen, die sich weigern, die deutsche Sprache zu erlernen und von unser aller Steuergelder leben und sich vom deutschen Staat pampern lassen, da kann man auch gut und gern davon ausgehen, dass die- oder derjenigen Deutschlern-Resistente/r geistig behindert ist und unter gesetzliche Betreuung gehört und zur Arbeit mit 10 Cent Einkommen je Arbeitsstunde in der Behindertenwerkstatt verdonnert wird. Vielleicht überlegen sich dann doch noch die hergekommenen und im Status der Dauer-Gäste Befindlichen und passen sich in die deutsche Gesellschaft ein. Anderenfalls hat noch jedes Haus wenigstens eine Tür, die unmissverständlich nach draußen führt.
Krankheitsgesellschaft0, denn wir sollen ein Leben lang krank sein ohne zu sterben, so sind die Gewinne der forschenden Pharmaverbrecher garantiert