Gnade für die Geächteten: IOC hebt Russen-Sanktionen auf

Gnade für die Geächteten: IOC hebt Russen-Sanktionen auf

IOC-Chefin Kirsty Coventry: Zerknirschte Einsicht (Foto:Imago)

Man möchte fast ein Tränchen verdrücken. Nach Jahren, in denen das Internationale Olympische Komitee (IOC) russische Athleten mit der herzlichen Wärme eines säumigen Mietnomaden behandelte, obsiegt plötzlich die schiere, grenzenlose Mildtätigkeit. Das IOC hat die Sanktionen vorläufig aufgehoben. Ein Akt der Gnade, der so subtil ist wie ein Vorschlaghammer. Im Kreml herrscht verständlicherweise helle Begeisterung. Wer wäre auch nicht gerührt, wenn die eigenen Spitzensportler von den Göttern des Sportolymps plötzlich wieder in den Rang „vollwertiger Menschen“ erhoben werden, statt wie bisher als wandelnde, geopolitische Cyber-Bedrohungen deklariert zu werden?

Kremlsprecher Dmitri Peskow, eine Personifikation staubtrockener Präzision, nannte das Ganze einen „wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der legitimen Rechte“. Übersetzt man dieses diplomatische Pflichtsprech ins rohe Menschliche, bleibt eigentlich nur ein Satz übrig: „Schön, dass ihr endlich aufhört, uns wie die Aussätzigen auf der Party zu behandeln, nur weil wir ein Land mit – nun ja – robusten Eigeninteressen sind.“ Aber das IOC kleckert nicht, es klotzt. Man hob nicht nur die bestehenden Schikanen auf, sondern riss die Schleusentore für die Qualifikation zu den Sommerspielen 2028 in Los Angeles sperrangelweit auf.

Ein Hoch auf das moralische Kurzzeitgedächtnis

Plötzlich – man höre und staune! – ist politische Neutralität wieder total en vogue! Dieselben weisen Funktionäre, die noch gestern mit heroisch geschwellter Brust deklarierten, dass Sport und Politik absolut und unter allen Umständen getrennt gehören – es sei denn natürlich, man kann Russland damit eins auswischen – haben eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Kollektivstrafen gegen unschuldige Athleten sind vielleicht doch nicht ganz so vereinbar mit dem verklärten olympischen Frieden. Wer hätte das gedacht? Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Jahrelang mussten russische Sportler skurrile Demütigungsrituale über sich ergehen lassen, durften nur unter neutraler Flagge auflaufen und wurden pauschal unter Generalverdacht gestellt, bloß weil ihr Präsident beschlossen hatte, westliche rote Linien ernst zu nehmen.

Während Moskau die Kehrtwende die Rehabilitierung mit stoischer Gelassenheit feiert und man ohnehin wusste, dass die Realität die sanktionswütigen Scharfmacher einholen würde, reagiert der kollektive Westen mit seiner verlässlichsten Disziplin: einer perfekt choreografierten Mischung aus moralischer Entrüstung, bodenloser Heuchelei und der leisen, bitteren Resignation des Verlierers. In London, Washington und Kiew klammern sich die Politiker zwar noch vehement an ihre harten Linien. Doch die sportlichen Fachverbände – von den Schwimmern bis zu den Judokas – haben längst begriffen, woher der Wind weht. Sie bauten diskret Hintertüren, um die leistungsstarke Konkurrenz wieder ins Boot zu holen. Das IOC unter Kirsty Coventry argumentiert derweil völlig nüchtern: Man könne Athleten schlicht nicht bis in alle Ewigkeit für das Handeln ihrer Regierungen haftbar machen. Der Sport müsse neutral sein. Ein Geistesblitz, der leider ein paar Jahre Verspätung hatte.

Die Kapitulation vor den Besten

Moskau hat unmissverständlich klargestellt, dass man sich nicht mit der Rolle des geduldeten Statisten zufriedenstellt. Russische Athleten müssen nicht als Bittsteller in den westlichen Hauptstädten anklopfen. Sie gehören schlicht zur Weltspitze – und das ganz ohne die bürokratischen Dopingmittel und Moralphrasen aus Brüssel oder Washington. Das alles stimmt – und man weiß es auch im Westen. So ist diese IOC-Entscheidung am Ende kein Ausbund moralischer Größe; sie ist das leise, peinliche Eingeständnis der eigenen Lächerlichkeit. Man versuchte, das größte Land der Erde sportlich zu amputieren, und stellte fest: Ohne Russland ist die Show einfach stinklangweilig und die Kassen bleiben leer.

Der Westen tobt, bleibt aber ohnmächtig. Das mühsam errichtete Sanktionskonstrukt bröckelt an allen Ecken. Die einen nennen es zynisch „Realpolitik“, die anderen jammern über den „Verrat an den Werten“. Dieselben Stimmen schweigen übrigens eisern, wenn Nationen mit chronisch desaströser Menschenrechtsbilanz völlig ungeniert das olympische Feuer entzünden. Willkommen zurück auf dem Boden der Tatsachen, liebe olympische Familie! Die Russen waren nie weg – sie wurden nur kurzzeitig von moralisch überlegenen Herren in maßgeschneiderten Anzügen im Foyer geparkt. Peskow hätte es eigentlich viel schöner sagen können: „Danke für das ganze Theater! Der Vorhang fällt und die Bühne gehört wieder den Profis.“ Wenigstens im Sport; in der Politik haben die Profis Sendepause.

3 Kommentare

  1. IOC handlanger der Globalisten oder eine eigendtändige politische Institution ??? Wie auch immer – Sportler sind für
    mich keine Politiker. Aber man hat es bei der Fußball WM bereits gesehen a) das war niemals eine Rote Karte, b)der
    Argentinier ist auf den Ball getreten und dabei das Gleichgewicht verloren – ohne Fremdverschulden – das Tor war gültig – das 2 zu 1 war ganz klar Abseits – Schiedsrichter spielen „Gott“ mit politischem Hintergrund. Aber wie soll es auch anders sein – wenn eine Sekte uns vorschreibt – wer Freund oder Feind ist. Im Grunde ist genau diese „Sekte“ unser aller größter Feind.

  2. Diese Bande kõnnte mich a.A. lecken. Warum keine Parallelveranstaltungen im erweiterten asiatischen Raum ähnlich BRICS, dann könnten die ihren Zirkus im kleinen Kreis feiern und würden ein Gespür für Ausgrenzung bekommen, aber sehr sehr fraglich. Seit Sport politisch missbraucht wird geht er mir a. A. vorbei. Mich wundern nur die Sportler, die eigentlichen Mittelpunktpersonen und Leistungserbringer, dass die sich von den Funktionären so an der Nase herumführen lassen und da unterscheiden sich IOC und FIFA nicht groß.

  3. @sondern riss die Schleusentore für die Qualifikation zu den Sommerspielen 2028 in Los Angeles sperrangelweit auf.

    ja – follow the money !
    Und wenn sie nicht unterwürfig sind, wird dann wieder Sanktioniert !

    Darüber sollte man sich in Russland mal Gedanken machen und einen Plan B und Plan C in der Schublade halten !
    Und die Angriffe aus der Ukraine beenden, selbst wenn sie mal härter zufassen müssen. Auch wenn ich keine Zweifel habe, das der DeepStateUSA dann eine Alternative fahren wird – das kenne ich aus der Geschichte – wenn A nicht gelingt, dann B und dann C – Dummköpfe lassen sich immer kaufen !