Grüne Säuberung, rote Umerziehung

Der Berliner Heinrichplatz wird zum "Rio-Reiser-Platz" oder: Die große Selbstverleugnung

Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen (l.), „König von Deutschland“ Rio Reiser (Fotos:Domainfree/Wiki,ScreenshotYoutube)

Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen (Rufname „Heinrich“) lebte von 1781 bis 1846 und war unter anderem Großmeister des evangelischen Johanniterordens. Er war der Sohn von König Friedrich Wilhelm II. Ihm zu Ehren wurde am 7. April 1849 der Platz zwischen der Oranienstraße und der Mariannenstraße in Berlin-Kreuzberg Heinrichs-Platz getauft.
Daran änderte weder die Reichsgründung 1871 noch die Abschaffung der Monarchie in der Novemberrevolution 1918 etwas. Lediglich die Schreibweise änderte sich geringfügig. Der Bindestrich verschwand, es wurde der Heinrichsplatz. Auch die NSDAP benannte diesen Platz nicht um. Nach 1945 lag Kreuzberg im äußersten Ost des Westsektors Berlins und entwickelte eine stark links geprägte Kultur. Aber auch die änderte den Namen nicht und so blieb auch im wiedervereinigten Deutschland und wiedervereinigten Land Berlin der Heinrichsplatz erhalten.

Erstmals wurde 2017 – 168 Jahre nach der Benennung zugunsten des preußischen Prinzen – von dem parteiorganisierten Satireverein „Die PARTEI“ der Antrag auf Umbenennung gestellt – in „Arbeitsplatz“. Dieser Scherz-Antrag wurde damals noch mit breiter Mehrheit abgelehnt. Doch die starken linken Foren im politisch grünsten und rotesten aller deutschen Stadtbezirke ließen seither nicht locker, und im Jahre 2018 gab es eine schriftliche Befragung der Anwohner. Im November 2020 entschied dann die Bezirksverordnetenversammlung, den Heinrichsplatz nach dem linken Sänger Rio Reiser (1950-1996, „König von Deutschland”, „Junimond”) umzubenennen. Reiser unterstützte Zeit seines Lebens die politische Linke (auch die radikale der Hausbesetzerszene, man denke an den „Rauch-Haus-Song”).

Geschichte abgeräumt zugunsten eines linken Idols

Aufgrund der Corona-Situation wurde die Umbenennung zunächst ausgesetzt. Doch nun, am vergangenen Sonntag, wurde der altehrwürdige Heinrichsplatz nach 173-jähriger Geschichte zu Grabe getragen – zugunsten eines linksextremen Idols. 173 Jahre alte preußische Geschichte wurden von der linken Bezirksverordnetenversammlung einfach mal so mit dem Radiergummi entfernt – als würde man nichts, aber auch gar nichts seinen Altvorderen – und insbesondere dem preußischen Königreich – verdanken. Es ist eine Säuberungswelle, die derzeit insbesondere durch das linksverwaltete Deutschland fegt, die an dunkle Zeiten in der Geschichte erinnert. Waren es nicht die NSDAP und später die SED, die einen nie dagewesenen Umbenennungswahn pflegten – aus rein idiologischen Gründen?

Nein: Niemand möchte das 19. Jahrhundert in sämtlichen Bereichen auf die heutige Zeit übertragen. Und ja: Über das Preußen und das deutsche Kaiserreich kann man, wie über die Monarchie als solche, durchaus geteilter Meinung sein. Doch auch diese Geschichte ist Teil unseres heutigen Deutschlands. Ein Platz trägt nicht ohne Grund seit fast zwei Jahrhunderten ein und denselben Namen. Diese Geschichte ist ein Teil von uns, sie gehört uns allen, und man kann und darf sie nicht einfach so wegoperieren!

Ein Deutschland ohne Wurzeln

Natürlich kann man Plätze umbenennen. Aber damit raubt man Identität und Geschichte. Und genau das wollen die Linken: Ein Deutschland ohne Wurzeln. Denn ein Deutschland ohne Wurzeln ist kein Deutschland mehr, sondern lediglich ein Territorium. Wer dient wohl eher als Vorbild? Ein christlich engagierter Prinz, der sich wusste zu kleiden und zu verhalten? Oder ein – mit Verlaub – drogensüchtiger Sänger, der sicher irgendwo eine sympathische Art hatte, aber wirklich in jeder Hinsicht die Antithese zu einem geordneten und bürgerlichen Leben darstellte?

Ja, auch Rio Reiser gehört zur deutschen Geschichte. Ja, auch Rio Reiser hat eine Würdigung verdient. Aber tagtäglich entstehen in Deutschland neue Straßen, Wege und Plätze. Und es gibt noch zuhauf „Karl-Marx-Plätze”, dessen Name tatsächlich für eine Richtung steht, die mit jedweder demokratischen Freiheit unvereinbar ist. Für einen „Rio-Reiser-Platz“ gäbe es also sicherlich genügend Platz. Es muss nicht der Platz sein, der 173 Jahre den Namen eines angesehen preußischen Prinzen hochhielt.

Armes, armes Deutschland!

18 Kommentare

  1. Man kann sich für seine Vergangenheit schämen, ändern wird man sie mit solcher „wokeness“ bestimmt nicht!

  2. Die meisten Plätze in deutschen Großstädten kann man sowieso in „Drogenhandelsplatz“ umbenennen….genau wie die meisten Parkanlagen.

  3. Das Ganze ist einfach nur Arbeitsteilung!

    Während Parteioberen so ziemlich machen dürfen, was sie wollen, versagt „demokratie-gemäß“ die innerparteiliche Kritik aus wahltaktischen Gründen: „Geschlossenheit“, die innerparteiliche Standard-Phrase – Kritik oder gar Streit in einer Partei gefällt dem Wähler gar nicht, also unbedingt unterlassen!
    Stattdessen profiliert man sich an der bedeutungslosen Basis, indem man gegen Geschichte, Kultur und Identitäten kämpft. Bei welchem Straßennamen, der sich auf einen Adligen, Politiker oder Feldherrn bezieht, könnte man nicht Bedenken anmelden. Doch Bedenken rechtfertigen keine Löschung, Entfernung, Vernichtung, sondern Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Person.

    An Leserbriefen sieht man dann, was erreicht wird: Über Krieg und Kriegsursachen, Gas und Gasknappheit, Waffenlieferungen und Verhandlungen stehen nicht mehr im Fokus des Interesses und der Emotionen, und werden, wenn doch einmal, dann schnell verdrängt. Stattdessen wird der Name eines Afrikaforschers oder Strategen früherer Zeiten skandalisiert und in den Fokus gerückt. Auch so kann man das Volk beschäftigen. Ob z.B. ein Straßennamen auf eine derartige Person zurückgeht oder nicht, beibehalten oder umbenannt werden müsste/sollte, wird auf einmal zur staatstragenden umfassenden Grundsatzfrage.

    Als Medienspielplatz biete ich z.B. noch Friedrich II. (der Große) oder Bismarck an, die beide jedenfalls Kriege begonnen bzw. initiiert haben.
    Doch wer Straßennamen ändert, Denkmäler schleifen möchte etc. beweist nur, dass er auf einer künstlichen Welle surfen möchte und von Geschichte, ihrer Bedeutung und den Personen herzlich wenig Ahnung hat. Denkmäler mögen der Verklärung gedient haben, aber in anderen Zeiten stehen sie durchaus auch für Bewusstsein und Erinnerung.

    Ein Volk das seine Geschichte vergisst oder dessen Sprache verlorengeht, hört auf zu existieren. Von einigen ist dies gewollt – die anderen sollten sich dagegen wehren.

  4. Danke für die Klarstellung im Schlussabsatz, dass Rio Reiser auch zur Deutschen Geschichte gehört. Rio Reiser war links – zu Zeiten, als das noch nicht Mainstream war – und mithin Element eines Anti-Mainstream.

    Hätte er ohne seinen relativ frühen Tod die notwendige Distanz zur heutigen „Linken“ gefunden? Wir wissen es nicht. Ich schätze nein, er wäre heute aus dem Alter des Widerspruchsgeist hinaus, aber es ist wirklich egal.

    Ich schlage vor, der Artikel ist in der Zielrichtung richtig: richtig ist die Verwerflichkeit der Umbenennung des Platzes; aber falsch in der Begründung: die Umwidmung ist ein Mahnmal des Opportunismus, und damit fügen die Verwaltungsfachkräfte Rio Reiser ein unverdientes Unrecht zu.

    • „Hätte er ohne seinen relativ frühen Tod die notwendige Distanz zur heutigen „Linken“ gefunden?“

      Hat er, so richtig links bis linksradikal war er nie, zu der Zeit war das eben in Berlin angesagt. Später hat er sich lauthals beschwert, dass die linke Szene seine Band wohl gern einlud, aber weder für die Konzerte noch Tonträger bezahlen wollte, was seiner Popularität bei den Roten eher abträglich war. Die linke Szene war so sehr von sich überzeugt, dass sie „dachte“, dass es für Rio Reiser eine Ehre ist, dauerhaft umsonst bei denen aufzutreten. Den Fehler hat der einmal gemacht und schon wurde er zum Standard, typisch links. Gegen Ende seines Lebens hatte er die Nase von der linken Szene gestrichen voll, denn die hat ihn wohl gern gehört aber ebenso ungern dafür bezahlt und von irgendetwas müssen auch Musikanten leben.

  5. Ob er eine Würdigung verdient hat, darüber hab ich meine Zweifel. So berühmt ist Reiser jetzt nicht, dass ein Straßenname angemessen wäre. Meine Kinder kennen den überhaupt nicht, und in 50 Jahren werden die Leute vor dem Schild stehen und fragen: „Rio wer?“
    Dann kommt das wieder weg, und ein anderer wird seinen Platz einnehmen.

    Ich hoffe, es wird dann nicht so ein Bänkelsänger sein, sondern irgendwer, der etwas für das Land oder wenigstens die Stadt getan hat. In Kreuzberg wird man den allerdings eher nicht finden.

    Und ich hoffe, dass eines Tages eine schmutzige, kleine Sackgasse nach einem Grünen benannt werden wird.

    • Dafür braucht`s keine 50 Jahre. Hätte man nicht im Zusammenhang den “ König von Deutschland “ erwähnt, hätte ich erstmal tief im Gedächtnis graben müssen……

    • „Und ich hoffe, dass eines Tages eine schmutzige, kleine Sackgasse nach einem Grünen benannt werden wird.“ Yep, das wäre schön. Und wenn die Grünen uns hier weiter so runterwirtschaften, haben wir in Deutschland auch bald schmutzige Gassen (sowie Straßen und Plätze) genug für den ganzen Sauhaufen.

  6. WOW, ein Baron ??? Sind im WK-I die Menschen um sonst gestorben – um die Freiherren
    abzuschaffen??
    Übrigens Klaus Schwab und so ein Nachkömmling haben die WEF gegründet.

  7. Es ist eine Schande, was hier mittlerweile in Deutschland los ist. Diese linksgrünversiffte „Säuberung“ der Geschichte ist unerträglich.

  8. Vor allem war Reiser der Leadsänger von Ton, Steine, Scherben. Der Band, die zeitweise von der „Kultur“-Staatsministerin Claudia Roth „gemanaged“ wurde (1982 -86).

    Roth und Reiser bewohnten gleichzeitig eine Bauernhaus-WG. Nun denn.

  9. Man muß nur Geduld haben. Ist Deutschland erst abgeschafft, wird man sich in der folgenden Anarchie ganz herzlich um diese Umbenenner kümmern können. Machtausübung ist keine Einbahnstraße und Retourkutschen keine Seltenheit…

  10. „Nein: Niemand möchte das 19. Jahrhundert in sämtlichen Bereichen auf die heutige Zeit übertragen. Und ja: Über das Preußen und das deutsche Kaiserreich kann man, wie über die Monarchie als solche, durchaus geteilter Meinung sein.“

    Wie immer, ständig sieht sich der „konservative“ Depp der BRD genötigt sich zu distanzieren. Eine ekelhafte Krankheit, die aber unheilbar ist, ist so andressiert und kann nicht gelöscht werden.

    Falls mal jemand fragen sollte, warum die anderen, die Marxisten gewonnen haben, es lag auch daran, denn denen ist immer völlig egal, wie hoch die Leichenberge ihrer Vorbilder waren, da wird nicht distanziert, da sind die Reihen der linken Volks-und Landesvernichter fest geschlossen. Halt einer der Bausteine zum Sieg. Nicht das man es euch „konservativen“ Deppen seit Jahrzehnten sagen würde, nutzt halt nur nichts.

    Also, immer eifrig weiter distanzieren!

    Ach ja, eine BRD, die in sämtlichen Bereichen dem 19. Jahrhundert entspräche, hätte Zukunft. Eure Distanziritis-BRD hat keine, die der globalistischen NWO-Linken noch viel weniger.

  11. Niemand thematisiert anscheinend, was dieser Umbenennungswahn wirklich bedeutet:
    Nötigung zu haarsträubendem, teuren Aufwand, die Adressänderungen überall umzusetzen, die Papiere zu ändern, Schilder, Karten, was auch immer.
    Es ist für Betroffene einfach nur unglaublicher Streß, dem sie durch ein paar selbstgerechte, belehrige Dummdeutsche ausgesetzt werden, ohne sich wehren zu können.
    Was maßt sich dieses linke Pack eigentlich an, normalen Leuten diesen Irrsinn aufzubürden?

Kommentarfunktion ist geschlossen.