Grünes Glück im Lastenstrampler: Baerbocks „Mobilitätsgarantie“

Abgestiegen: Annalena Baerbock (Foto:Imago)

Auf einem Netzmeme, das dieser Tage zirkuliert, sind übereinander zwei Fotos abgebildet, die jeweils die unterschiedlichsten Zukunftvisionen der Mobilität in Deutschland und China im Jahr 2021 sinnfällig illustrieren: Unten der über 600 Stundenkilometer schnelle Magnetschwebe-Hochgeschwindigkeitszug, der vor zwei Monaten in der ostchinesischen Provinz Shandong vorgestellt wurde. Oben ein gerade von Angela Merkel und Regierungsmitgliedern ehrfürchtig bestauntes Lastenfahrrad. Auf den Punkt: Während der entfesselte Wirtschaftsdrache, jahrzehntelang Entwicklungsstaat, zur Größe früherer Epochen zurückfindet und nach der Devise „zurück in die Zukunft“ handelt, heißt es in Deutschland „zurück in die Vergangenheit„, präzise: zurück in die Steinzeit.

Denn das haben weder die Klimakids noch die CO2-Reduktionsfetischisten in den Berliner (und Brüsseler) Planungsbüros kapiert: Selbst wenn Deutschland morgen auf totale Nullemission herunterfährt, sich komplett deindustrialisiert sowie deelektrifiziert und wir alle klimaneutral in Höhlen hausen, dann verändert dies an der weiteren Entwicklung des Weltklimas nicht die Bohne. Nicht nur weil Deutschlands emissiver Beitrag im globalen Maßstab praktisch vernachlässigbar ist, sondern weil auch niemand bei unserem grünen Geistertanz mitmachen will. Absurd und geradezu drollig mutet der Wahn der „Einer-muss-ja-den-Anfang-machen“- und „Wir haben eine Vorreiterrolle“-Avantgardisten an, der Rest der Welt werde ausgerechnet einem Staat bei der grünen Weltenrettung folgen, der es nicht einmal schafft, die eigenen Bürger vor Hochwasser zu warnen und in dem schon heute ohne ausländische Kohle- und Atomstromimporte alle Lichter ausgehen würden; soviel übrigens zum Thema Nachhaltigkeit.

Zurück in die Steinzeit

Grüne Politik vertraut blind auf das weltweit hohe Ansehen, auf den guten Ruf eines Deutschlands, der lange vor den Grünen aufgebaut wurde, jedoch durch ihr Wirken, wo immer sie Regierungsverantwortung trugen, effektiv zerstört wurde. Schon deshalb muss Arbeitnehmern, Unternehmern und Investoren in diesem Land bange werden, wenn nun die Grünen unter ihrer Spitzenkandidatin Annalena Baerbock, im Angesicht ihrer fast sicheren nächsten Regierungsbeteiligung, „Garantien“ abgibt und Versprechungen macht: Baerbock verkündet nun schon ab der kommenden Legislaturperiode eine „Mobilitätsgarantie für alle„. Darunter sind jedoch nicht etwa individuelle Mobilität oder ein Bekenntnis zu Automobilität zu verstehen – sondern zu öffentlichen Verkehrsmittel. Es brauche „gut ausgebaute Regionalbahnen und einen starken Öffentlichen Nahverkehr„, so Baerbock gestern zur „taz„. Und dann erzählt Klein-Annalena, wie sie sich ihren Traum von Bus und Bahn für jedermann vorstellt: „An jedem Ort in Deutschland mit mindestens 500 Einwohnern“ müsse zwischen 6 und 22 Uhr „mindestens einmal in der Stunde ein Bus oder eine Bahn fahren.“ Hierzu müsse der Bund den Ländern eine „höhere Finanzierung des ÖPNV“ zur Verfügung stellen. Das Geld dafür soll er sich vermutlich notfalls drucken.

Das also soll dann der Ausgleich für die demnächst auf weit über 2 Euro pro Liter schießenden Spritpreise sein. Welch ein Zynismus: Erst nimmt man den Bürgern ihre Fortbewegungsmittel, dann zwingt man sie in den sozialistischen Pendelverkehr. Hat die Frau einmal die CO2-Bilanz dieses Vorhabens gegengerechnet, ganz abgesehen von völlig unrealistischen finanziellen und infrastrukturellen Herausforderungen eines solchen Plans? Wieviele Busse mehr müssten über Deutschlands Straßen rollen, die dann zwangsläufig noch sehr lange mit Diesel und nicht Elektrostrom betrieben werden müssen? In ländlichen Regionen, wo Kleinstgemeinden ohne Bahnanbindung oft mehr als 10 Kilometer voneinander entfernt liegen, dürften sich Berufstätige dann darauf einstellen, nach dem Bummelbahn-Prinzip stundenlang über die Dörfer zu schippern, um irgendwann zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen.

Heillos entrückte Abgehobenheit

Es müsse ja, so Baerbock, nicht gleich „überall der große Gelenkbus“ fahren, denn: „Kleinbusse oder Sammeltaxis tun’s ja oft auch.“ Oder vielleicht Lastenfahrräder? Die Wiederkehr der Rikschas? Anscheinend glaubt Baerbock selbst nicht daran, dass ihr Vorhaben flächendeckend Wirklichkeit werden kann – wie ihr folgender Vergleich zeigt: „Ebenso wie der Staat dafür sorgen muss, dass es überall gute Schulen und schnelles Internet gibt, muss er auch für gute Mobilität sorgen.“ Dann ist ja gut, da es in der Fläche bis heute weder das eine noch das andere – gute Schulen noch Hispeed-Internet – in diesem Land gibt.

Die einzige reale Mobilitätsgarantie ist im Jahr 2021, und auch noch für viele Jahre, das Auto, konkret: der Diesel. Und solange keine grundlastgewährleistende klimaneutrale Alternative zu „grünen“ Energieformen gefunden ist (diese könnte allenfalls die Atomkraft bieten), mit der der aberwitzige Bedarf der dirigistisch durchgepeitschten Elektromobilität gedeckt werden kann, wird dies auch noch lange so bleiben – es sei denn, Deutschland gewöhnt sich schonmal an Kutsche, Einspänner oder Lastenstrampler.

Die Forderung Annalena Baerbocks, die selbst als Schülersprecherkandidatin überfordert wäre, ist ein weiterer beeindruckender Beweis für die längst jeder Lebenswirklichkeit der deutschen Normalbevölkerung heillos entrückte Abgehobenheit urbaner, großstädtischer, wohlstandsverwahrloster Eliten, die ihr politisches Engagement nicht als Dienst am Bürger, sondern als Selbstverwirklichungstrip zur Auslebung ihrer Experimentierfreudigkeit auf Kosten der Allgemeinheit erleben.

4 KOMMENTARE

  1. So tief, wie die Dame den Sattel eingestellt hat, wird sie da nicht all zu weit fahren können bis zu den Wadenkrämpfen.
    Aber mit Panikmaske wird ihr wohl schon vorher die Puste ausgehen.

  2. Tja, Annalenchen, schöne Vorstellung, schrammt aber leider wieder mal „haarscharf“ an der Realität vorbei. Nur ein Beispiel aus unserer Gemeinde: Wir sind 5 Ortschaften, die zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen sind. Unser Hauptort hat direkte Verbindung zur Auto, und zur Eisenbahn. Hier gibt es auch Supermärkte und ein Ärztezentrum. Die anderen sind zwischen 2 und 5 Kilometer entfernt im Hinterland. Keine Geschäfte, außer einem Bäcker, keine Ärzte, die Busse fahren hier nur alle 2 (? ) Stunden, und die Bahn ist auch weit weg. Über U, oder Straßenbahn brauchen wir uns bei 9000 Einwohnern auch nicht zu unterhalten. Auch gibt es Höhenunterschiede von ca. 100 m zwischen den Orten, was das Einkaufen mit dem Lastenfahrrad, vielleicht noch mit den Kiddies, zur wahren Freude machen würde ! Und, wie gesagt, unser Hauptort hat Anbindungen, aber je tiefer man in den Spessart oder Vogelsberg vordringt, desto spärlicher werden die Angebote, was ÖNF angeht. Da ist man dann schon auf seine Karre angewiesen.
    Also, Annalenchen, mal raus aus Berlin, und rein in die Abgeschiedenheit der Deutschen Mittelgebirge, und dann mal versuchen, mit dem Lastenfahrrad zum nächsten Supermarkt und vollbeladen mit Einkäufen zurück !
    Viel Spaß bei dieser Realo – Erfahrung !

  3. Gigantisch bekloppt, wie unser greiser Altvater sagen würde, man stelle sich etwa die Müllabfuhr vor mit Lastenfahrrad oder eine Betonlieferung zum Bau dringend benötigter Wohnungen… Leute, wählt alles. Aber wählt nicht solchen völlig unrealistischen Dünnsinn.

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