Haltungsnote Eins plus: Heike Makatsch und die Vielfalt

Heike Makatsch (Foto:Imago)

Das neue Verständnis von Vielfalt, demzufolge die moderne Gesellschaft einem möglichst streng gequotelten Mix verschiedener Identitäten und Merkmalsträger zu entsprechen hat, gemäß politisch-woker Rezeptur nach Geschlecht, Hautfarbe bzw. Pigmentierung, Abstammung, Religion, Alter und weiteren Oberflächlichkeiten, die in einer aufgeklärten Welt längst keine Rolle mehr spielen sollten: Für deutsche Kulturschaffende gehört es in diesen Tagen nicht nur zur weltanschaulichen Grundausrichtung, sondern ist auch zwingende Berufs- und Karrierevoraussetzung; in dieser Hinsicht mindestens ebenso wichtig wie der Impfpass und Distanzierungsnoten von Querdenkern.

Die „moderne Zuwanderungsgesellschaft“, jene begriffliche Endstufe eines xenophilen Wahns, der sich mit nationalem Selbsthass verpaart, ist längst zur fixen Idee eines elitären Milieus der Kreativen geworden. Die streng positiv-rassistische Brille auf der Nase, legen Schauspieler, Künstler und Feuilletonisten heute ihren Betrachtungsschwerpunkt mit derselben Inbrunst auf Exotik und „Diversität“, mit der sich ihre Vorgänger drei Generationen früher, in Zeiten der Reichskulturkammer, auf arische Reinrassigkeit fixierten: Immer stramm auf dem Kurs der Mehrheitsgesellschaft (ehemals „Volksgemeinschaft“), konform zur Erwartungshaltung der tragenden Institutionen und der vorherrschenden Narrative oder Ideologien.

Positivrassistische Brille auf der Nase

Gelegentliche Haltungsbekundungen erweisen sich damals wie heute als nützlich und überlebenswichtig, um sich das systemische Wohlgefallen der dominierenden Seilschaften zu erhalten und das TÜV-Siegel der moralischen Unbedenklichkeit von Zeit zu Zeit zu erneuern. Für künftige Jobs, Aufträge und Engagements kann so etwas, gerade in Zeiten von „#allesdichtmachen“ oder „#allesaufdentisch„, Wunder wirken. Wer will schon enden wie Nena oder Jan-Josef Liefers. Selbst in Lockdown-Zeiten mussten die servilsten Domestiken der „Zivilgesellschaft“ keinen Hunger leiden. Der Linksstaat lässt seine Vasallen nicht im Stich.

Wie man es im besten Deutschland aller Zeiten des Jahres 2021 clever und richtig anstellt, das beweist aktuell Heike Makatsch: Passend vor ihrer Rückkehr zum Mainzer „Tatort“ als „Ellen Berlinger“ attestiert sie der deutschen TV-Branche, beim Thema Diversität „auf dem richtigem Weg“ zu sein. Kürzlich sei ihr beim Deutschen Filmpreis wieder aufgefallen, so Makatsch, „wie ernst das Thema Diversität da genommen wurde„. Dies habe sie „positiv überrascht„. Denn, so die Schauspielerin wörtlich: „Es war eine Freude, dass Menschen, die nicht dem deutschen Stereotyp entsprechen, auf der Bühne standen und gezeigt haben, wie sie unsere Film- und Kulturlandschaft bereichern.“ Gut gebrüllt, LöwIn… Haltungnote 1 mit Sternchen! Wenn dafür nicht noch ein paar mehr Hauptrollen drin sind.

Geht es noch selbstentlarvender? Wer alleine schon vom „deutschen Stereotyp“ spricht und das in möglichst pejorativer, ja abfälliger Form, reproduziert damit dieselbe absurd vordergründige, etikettierende und schubladenhafte Sichtweise auf Menschen, die gemeinhin den angeblich allgegenwärtig lauernden völkischen Rechtsextremen und Rassisten vorgeworfen wird. Er kommt lediglich zu anderen Bewertungen – eben ganz nach jeweiligem Gusto des Zeitgeistes. Die schauderhaften Stanzen und Schablonen, in denen Makatsch („Ich laufe auch öfters bei Fridays For Future mit„) zu denken scheint, offenbaren eine Mixtur aus Realitätsverweigerung und klischeehaften Vorurteilen von anno dunnemals. Anscheinend ist diese Schauspielerin bei ihrer politischen Sozialisation in den frühen 1980er Jahren stehengeblieben, wenn sie ernsthaft äußert, man wolle heute „nicht nur das vorgelebt bekommen, was sich die Christliche Union mal unter Familie vorgestellt hat„.

Neue Familienbilder

Keine Sorge, Heike: Wir bekommen bereits Tag für Tag das genaue Gegenteil davon vorgelebt, und dieser Trend wird sich fortsetzen: Großfamilien, traditionelle Rollenbilder mit treuen, unterwürfigen und bedeckten Frauen, tagtägliche (Gruppen-)Vergewaltigungen, gelegentlich der eine oder andere „Ehrenmord“ – und dazwischen bunte Tupfer von aggressiv vermarkteter Transidentität und Queerness. Denn leider bildet sich die neue „Vielfalt“ nicht nur in Potemkinschen Blasen und Gesinnungsnabelschau-Happenings ab, wie etwa Parties des Deutschen Filmpreises oder Deutschen Fernsehpreises, auf denen sich die konformistische Créme feiert – wenn sie sich nicht gerade an den Zitzen der Filmförderung oder öffentlich-rechtlichen Zwangsgebühren sattsaugt. Sondern sie begegnet uns in ganz anderer, aufschlussreicherer Weise: In den Niederungen des realen Lebens (auch wenn die selbstbeweihräuchernde linksintellektuelle Bohéme mit diesen eher weniger Berührungspunkte hat).

Wer sich die von Makatsch bejubelte „Diversität unseres Alltags“ auf der Frankfurter Zeil, im Görlitzer Park, am Saarbrücker Saarufer, in der Stuttgarter Innenstadt oder in den clankontrollierten No-Go-Areas des Ruhrgebiets antut, erhält eine etwas andere Sicht auf „das ganze Spektrum des menschlichen Lebens und der Möglichkeiten, wie eine Biografie ablaufen kann“ (Makatsch). Aus dem Paralleluniversum der künstlerischen Haltungs-Brahmanen heraus, deren Karriere umso steiler verläuft, je lauter sie für Buntheit, Seenotrettung und Klimaradikalismus klappern, ist der Blick darauf zum Glück verstellt.

4 KOMMENTARE

  1. Der (selbstgegebene) Begriff „Kulturschaffende“ sagt alles. Den gaben sich – ansonsten als „Künstler“ agierende – Gutmenschen in Deutschland bisher drei mal:
    Im Aufruf an das deutsche Volk „unseren jungen Reichskanzler Adolf Hitler“ zu unterstützen, in der DDR, um ihre Unterstützung der Ausbürgerung Biermanns zu bekunden und heute, um sich der Regierung anzudienen.

  2. Merkels leni Riefenstahl…Nur mit null Talent. Ausser natürlich den undiversen Blondschopf und Titten in die Kamera halten. Diese Kreatur denkt doch tatsächlich, dass der strunzlangweilige tatort und anderer ÖR-Kulturdurchfall eine Auszeichnung wäre.

  3. Kein Rückgrat, – nur dazu gehören wollen.
    Nein verurteilen wollte ich sie nicht. Ich bin Rentner, bekomme meine Rente nach 47 Arbeitsjahren monatlich überwiesen, wer für sein täglich Brot noch arbeiten muss hat’s bestimmt nicht einfach, sehe ich bei meinen Kindern. Aber nur mal so Revoluzzern ohne hinter der Sache zu stehen, das geht nach hinten los und wer die Jahre davor in Wolkenkuckucksheim lebte, der kommt zu spät, dem fehlt der Vorspann und der, ist sehr wichtig. Wir sehen gerade zu wie in den vergangenen Jahren bis heute Stück für Stück unsere Kultur zerstört wird.

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