Hamburg ist die größte Provinzstadt der Welt

Hamburg ist die größte Provinzstadt der Welt

Peter Tschentscher (SPD) und Katharina Fegebank (Grüne) in der Hamburger Bürgerschaft (Foto:Imago)

Hamburg kann man guten Gewissens als nordisch nobel bezeichnen. Die Dichte der herrschaftlichen Prachtvillen reicht zwar nicht an die der Brauereien in der Fränkischen Schweiz heran, aber dennoch sieht gefühlt jedes zweite Haus, so weit das Auge reicht, so aus wie das Domizil der Hörbuchpäpstin Heikedine Körting: Prächtig, ehrfürchtig, von sich, respektive der Aura des hanseatischen Adels ergriffen und auf eine besondere Art aristokratisch-autoritär. In dieser Stadt wählten am vergangenen Sonntag 1,91 Millionen Menschen die Zusammensetzung der Bürgerschaft.

Da ich gerade von Lübeck in Richtung Berlin unterwegs war, richtete ich mir einen zweitägigen Aufenthalt in Hamburg ein. Ziel: mit meinem lieben Freund Bijan die eine oder andere Wahlparty zu sprengen. Wir begannen bei der AfD, die ganz und gar von der Polizei abgeschirmt wurde. Mit Eintrag auf der Gästeliste kommt man dann doch in den inneren Zirkel und schließlich in das Gebäude. Ein Flens später warteten wir gemeinsam mit den Spitzen der Hamburger AfD auf das Ergebnis. Ein NDR-Journalist war auch zugegen.

Manipulativer „Journalismus“

Was dann passiert ist, fällt eindeutig unter die Kategorie Fake-News: Unten auf der Straße – inzwischen hatte sich der Antifa-Mob formiert – erzählt die ARD-Kollegin, dass aufgrund der 7,5 Prozent “die Stimmung schlecht” gewesen sei und die Köpfe der Anwesenden hingen. Das Problem daran: Es ist schlicht gelogen. Möglich, dass sich der eine oder andere ein höheres Ergebnis gewünscht hätte – aber schlecht war die Atmosphäre mit minutenlangem Applaus absolut nicht. Doch um die Fake-News noch sattelfester in den ARD-Bericht einzubauen, schnitt der Sender noch einen anderen Ton auf das Bild, damit der gemeine Zuschauer das Märchen glaubt, die Stimmung sei mies gewesen. Hierbei handelt es sich sogar um einen Deep-Fake der besonders perfiden Art: Der Konsument hat keine Möglichkeit zu verifizieren, was ihm da aufgetischt wird.

Fast jedes Mal, wenn ich die Arbeit meiner ÖRR-Kollegen live mitverfolge, beobachte ich, wie manipulativ hier gearbeitet wird. Ob der sogenannte Journalist des ZDF einem “Fridays-for-Future”-Aktivisten am Rande einer Demo die Fragen vorher vorlegt – mit Antwortmöglichkeiten –, oder ob ein völlig verzerrter Beitrag über den Bürgergipfel im vergangenen Jahr ausgestrahlt wird, oder nun der Deep-Fake von Hamburg: Manchmal kann ich die Leute verstehen, die „Lügenpresse“ skandieren. Auch wenn es nicht meine Wortwahl ist und die Pauschalität (immerhin lesen Sie hier gerade sauberen Journalismus) inkorrekt ist, braucht sich kein ÖRR-Journo zu wundern, warum er bei gewissen Veranstaltungen nicht mehr eingeladen wird.

Pankow ist mir näher als Eppendorf

Dieselben Medienschaffenden beklagen dann, Veranstaltungen der AfD seien intransparent und womöglich hätte die Partei etwas zu verbergen. Diese unaufrichtige, weil verlogene Attitüde wird den Damen und Herren von ARD und Konsorten früher oder später auf die Füße fallen. Denn Journalismus lebt vom Vertrauen, und der öffentlich-rechtliche Rundfunk verspielt mit solchen Ungeheuerlichkeiten eben jenes notwendige Vertrauen, das es braucht, um sich überhaupt erst in der Lage zu sehen, guten Journalismus zu machen.

Später ging es dann noch zur Wahlparty der SPD. Ein Foto mit dem alten und neuen Ersten Bürgermeister, dann ein Foto mit dem alten und neuen Innensenator, Andi „Pimmelgate“ Grote, ein Streitgespräch mit einem SPD-Polizisten über die Gabe von Brechmitteln, die der damalige Innensenator Olaf Scholz befohlen hatte, woran ein 23-Jähriger getötet wurde. Hamburg ist schön – „traumschön“, würde Johannes Kahrs sagen. Das Ding ist: Seine Politiker haben das Format provinzieller Hobby-Kommunalpolitiker, müssen aber Landespolitik machen.

Reife Leistung

Die Hansestadt ist damit wahrscheinlich die größte Provinzstadt der Welt und hat mit dem inzwischen verstorbenen Jan Fedder den Prototypen des guten Bullen – oder „Udl“, –  in ihrem Herzen. Doch auch der Schauspieler aus dem „Großstadtrevier“ kann mir weder mein Engagement gegen Polizeigewalt nehmen noch die Tatsache, dass Tschentscher weitere fünf Jahre regiert, der Mann, der zu Corona-Zeiten mit seinen faschistoiden Maßnahmen zeitweise sogar Markus Söder übertroffen hat. Das ist eine reife Leistung.

Und so ist mir Pankow irgendwie dann doch näher als Eppendorf. Doch ich komme wieder: Irgendwer muss ja nach dem Rechten sehen! Der Rechte schaut also nach dem (oder den) Rechten. Hamburg bleibt nordisch nobel und die größte Provinzstadt. Doch am Ende ist es wie überall: Ein Ort bleibt bloß räumliche Materie, die erst dann zu einem besonderen Platz mutiert, wenn sie besondere Menschen beherbergt. Unter diesem Gesichtspunkt ist Hamburg noch lange nicht verloren.

9 Kommentare

  1. Dummheit bleibt leider auch in Hamburg in der Familie. Die ist mittlerweile riesengroß und macht alles kaputt.

  2. Hamburg ist das nicht die Stadt wo man dem Mittelstand und darüber einen Stock in den Hintern geschoben hat damit die recht steif bleiben. Auch ist deren Aussprache recht hochbeinig und arrogant.
    Empfinde ich jedenfalls.

  3. Habe mein halbes Leben im Hamburg verbracht und alles in allem eine gute Zeit gehabt und viele Freundschaften gepflegt…Und man konnte in den 80 gern und 90 igern richtig gutes Geld im Norden verdienen…
    Die rasante Gentrifizierung , der schwarzrotgrüne Politsumpf , die offenen Grenzen und letztlich Corona haben das Klima dort für mich vergiftet …Vom Tor zur Welt zu den Toren der Welt ..Und ja ,provinziell und bieder ist es auch irgendwie…genau wie der Rest Deutschlands….trotz der ganzen Einwanderer ….
    Es mangelt ganz klar vielerorts an Esprit , Lebensfreude und Lebensmut , Optimismus und Zusammenhalt…
    Die massenhaft importierte Ideologie ,die sich Religion nennt , trägt dazu sicher auch wenig bis gar nichts bei….

  4. Politischer Aschermittwoch: Söder schickt Migrations-Mahnruf an SPD: „Schaut euch eure Ergebnisse mal an“
    Söder schoss zudem gegen AfD-Politiker Matthias Helferich. Dieser hatte sich zuvor als „das freundlichste Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet.
    https://www.focus.de/politik/deutschland/bayern/politischer-aschermittwoch-soeder-schickt-migrations-mahnruf-an-spd-schaut-euch-eure-ergebnisse-mal-an_id_260755479.html

    Politischer Aschermittwoch: „Hässlichste Fresse der Geschichte“: Söder kontert NS-Statement von AfD-Mann
    https://www.focus.de/politik/deutschland/politischer-aschermittwoch-haesslichste-fresse-der-geschichte-soeder-kontert-ns-statement-von-afd-mann_id_260755454.html

    Söder sollte sich an der eigenen Nase fassen und die eigenen „Naaattsiiii-Granden“ in der CDU/CSU anschauen
    Die verbalen Entgleisungen von deutschlandhassenden CDU/CSU Politikern bleiben seltsamerweiser immer ungeahndet und werden strafrechtlich nicht verfolgt.
    https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/kiesewetter-benimmt-sich-daneben-100.html

    https://www.maennersache.de/markus-soeder-imitiert-adolf-hitler-in-bierzelt-90623.html

    Nur bei der AFD wird ständig nach jedem kleinsten Strohhalm
    gesucht, um denen irgendetwas anzuhängen (Siehe Spruch von Höcke „Alles für Deutschland“).

  5. eine Wahl bei der man als linker mit 10 stimmen von SPD,grüne,ehemalige sed
    und so fort alles wählen kann hat eine AFD keine Chance über 10% zu kommen denn CDU kann als konservativer Wähler niemand mehr wählen. mfg.

  6. hahahahagagagaaaaaaaa ich zitiere: …die Arbeit meiner ÖRR Kollegen.. hahahagagaaaaaaaaa. sind die auch alle ungelernt, bzw abgebrochenes Studium Studenten, bzw versicherungsmakler u leben auf muttis kosten??
    geil

    grüße