Heutige Sonnenfinsternis: Über Deutschland nur partiell, aber dennoch magisch

Heutige Sonnenfinsternis: Über Deutschland nur partiell, aber dennoch magisch

Nostalgischer Rückblick aus gegebenem Anlasss: Aufnahme der totalen Sonnenfinsternis vom 11.7.1991 in Mexiko – mit Korona, rötlichen Protuberanzen und Sternen. Selbst die Oberflächenstruktur des Mondes ist im zentralen Schwarz zu erahnen. So grandios sehen wir es heute Abend von hier aus leider nicht… (Foto:Schneidereit)

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – wenn, dann trifft diese sprichwörtliche Weisheit wohl besonders auf das heute Abend stattfindende astronomische Schauspiel zu: Eine totale Sonnenfinsternis steht kurz bevor – ein Ereignis, das es nicht zu verpassen gilt. Doch auch wenn wir als Hiergebliebene und nicht nach Grönland, Island oder Spanien Gereiste uns leider nur mit einer partiellen Finsternis zufriedengeben müssen, dürfte sie dennoch atemberaubend anzuschauen sein. Beginnen wird es, je nach Ortslage, hierzulande gegen 19.15 Uhr, wenn der Mond sich langsam vor die Sonne schiebt. Um etwa 20.11 Uhr ist der Höhepunkt mit einer maximalen Bedeckung von rund. 86 Prozent, bevor die Sonne, noch immer als Sichel verfinstert, gegen 20.41 Uhr am Westhorizont untergeht. Dieser Zeitpunkt wird höchstwahrscheinlich am beeindruckendsten werden.

Was die Thematik angeht, bin ich ja – quasi alles Astronomische seit meinem 14. Lebensjahr maximal aufsaugend – nicht gänzlich unbeleckt: Meine erste Sonnenfinsternis-Expedition trat ich 1987 ins kasachische Alma Ata an – gemeinsam mit Mitgliedern der Jenaer Sternwarte. Mein Foto davon erschien kurz darauf auf dem Titel der bedeutendsten astronomischen Fachzeitschrift des damaligen Ostdeutschlands „Die Sterne“ (Jahrgangsnummer 64 / 1988, Heft 1). Es war mein erstes Titelbild überhaupt – was bei einem damals 19-Jährigen schon für etwas Gänsehaut sorgte. Im Juli 1991 ging es dann mit einem Team der Sternwarte Frankfurt/Main gen Mexiko: An der Südspitze der Baja California erlebten wir am 11. Juli, zur Mittagszeit im Zenit, die wohl spektakulärste totale Sonnenfinsternis der modernen Astronomiegeschichte und unserer Ära – mit einer Totalitätsdauer von 6 Minuten und 54 Sekunden. Erst im Jahr 2150 wird es eine noch längere geben. All das Fernrohr-Equipment um den halben Globus zu schleppen hat sich damals gelohnt: Mein Mexiko-Sonnenfinsternisbild erschien dann ebenfalls auf dem Titel des Magazins „Die Sterne“ (Jahrgangsnummer 68 / 1992, Heft 2).

Absolute Ehrfurcht

Die persönlichen Eindrücke zu schildern, jene gewohnte Welt-Wahrnehmung komplett verändernde Erfahrung, die ein zur Mittagszeit in Schwärze überwölbtes Land im menschlichen Empfinden für immer hinterlässt – es würde hier zu weit führen. Doch in Kürze: was geschieht da eigentlich bei einer totalen Finsternis? Die inneren Planeten sowie die hellsten Sterne erscheinen am Mittagshimmel. Die Sonnenkorona wird sichtbar und glüht geisterhaft um ein tiefschwarzes Loch. Die Temperatur fällt. Vögel und Landtiere schweigen. Rötliche Dämmerung erscheint 360 Grad um den gesamten Horizont. Die Welt wird schlagartig düster und still. Absolute Ehrfurcht setzt ein. Jeder, der es einmal erlebte, weiß, wovon ich spreche. Allen, die es noch nie erlebten, empfehle ich eindringlich, einmal in ihrem irdischen Dasein eine totale Sonnenfinsternis zu erfahren. Dafür lohnt es sich, auch ans andere Ende der Welt zu reisen – und sei es auch nur für jene 4 oder 5 Minuten.

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Für heute ist hier in unseren heimischen Breiten jedenfalls allerbestes Wetter angesagt. Verpasst das Ereignis nicht – auch wenn wir’s von deutschen Gefilden aus nur als partielle Finsternis sehen können. Wichtig dabei: NICHT mit ungeschützten Augen in die Sonne sehen! Nutzt beispielsweise ein Stück jener gold-silbrigen Rettungsfolie zum Durchschauen, das funktioniert recht passabel. Diese Methode – sowie auch die durchaus nutzbaren Schweißerbrillen – sollte man allerdings bitte nicht über mehrere Minuten hinweg, sondern immer nur kurz nutzen. Noch besser sind definitiv die vielfach erhältlichen Schutzbrillen. Und, absolut zu beachten: KEINE Ferngläser ohne Schutzfilter verwenden! Ihr verbrennt Eure Augen sonst sofort und irreparabel. In diesem Sinne: Genießt es – am besten draußen, live und nicht im Fernsehen, am Rechner oder auf dem Smartphone. Das ist Astronomie zum Anfassen! Das ist Naturschönheit! Das ist einer jener besonderen Momente, die man nicht verstreichen lassen darf!

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9 Kommentare

  1. „… wenn der Mond sich langsam vor die Sonne schiebt.“

    Denkfehler!
    Nichts und niemand kann sich selbst schieben.
    😜

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    1
    1. Gewachsene Sprache ist eben manchmal unlogisch.

      Wenn sich der Mond nicht mehr vor die Sonne schieben darf, dann dürfen wir uns auch nicht mehr verschlucken etc (um nur ein Beispiel zu nennen).

  2. Den ganzen Hype um die Sonnenfinsternis kann ich nicht verstehen. Schon gar nicht die Aufregung darüber und das schier endlose Gelaber von allen Seiten.
    Manche Leute sind sogar dermaßen verrückt danach, daß sie im Flugzeug dem Ereignis hinterher sausen.
    (Kopfschüttel)

    Habe 1999 die Sonnenfinsternis miterlebt. Nach einigen Minuten war sie vorüber.
    „So, what?“ 😎

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    1. Dasselbe bei mir. Als vor einigen Jahrzehnten die totale Sonnenfinsternis im Stuttgarter Raum sichtbar war, hätte es mich nur zwei Stunden Fahrtzeit mit dem Auto gekostet. Ich habe statt dessen weiter nördlich einfach gearbeitet wie sonst.
      Menschen, die meinen, das sei etwas Besonderes, sind in meinen Augen lächerliche Zeitgenossen.

    2. Nimmt man halt als Anlass. 24 waren wir am Eriesee, das Wetter spielte bei der Finsternis mit. Es war die klassische USA Reise, NY nebst Türmen, Washington, CN Tower, Niagara Fälle. Heute sind wir auf Malle, da muss man nichts zu sagen. Sonne und Mond haben auch okkulte Bedeutung, egal wie man zur wissenschaftlichen Erklärung steht, ob man den Mond nun für einen Felsen im All hält oder nicht. All die Zufälle, die das Leben ermöglichen. Auch noch der, dass Sonne und Mond am Himmel ggf. exakt die passende Größe haben… Da liegt die Faszination, ob man sich dessen bewusst ist, oder nicht.

  3. Die Sonnenfinsternis von 1999 habe ich noch bestens in Erinnerung. Obwohl vom Verstand her betrachtet keine Gefahr bestand, fand ich das Ereignis doch gruselig, denn es machte mir sehr bewußt, wie stark wir trotz all unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse von größeren Gesetzmäßigkeiten abhängen als jenen der Erde. Ohne die Sonne ginge auf der Erde überhaupt nichts (mehr).

    Ihr damaliges Erleben der Sonnenfinsternis in Mexiko hätte mich deshalb sehr interessiert, Herr Schneidereit, denn Sie haben die seltene Begabung, emotionale Erfahrungen per Sprache zu transportieren. Ich denke dabei nicht nur, aber ganz besonders an Ihren allerersten Artikel bei Ansage!. Die Atmosphäre, die Sie damals durch Ihren Artikel transportierten, ist mir noch heute so präsent wie nach dem ersten Lesen.

  4. Die Sonnenfinsternis von 1999 habe ich noch bestens in Erinnerung. Obwohl vom Verstand her betrachtet keine Gefahr bestand, fand ich das Ereignis doch gruselig, denn es machte mir sehr bewußt, wie stark wir trotz all unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse von größeren Gesetzmäßigkeiten abhängen als jenen der Erde. Ohne die Sonne ginge auf der Erde überhaupt nichts (mehr).

    Ihr damaliges Erleben der Sonnenfinsternis in Mexiko hätte mich deshalb sehr interessiert, Herr Schneidereit, denn Sie haben die seltene Begabung, emotionale Erfahrungen per Sprache zu transportieren. Ich denke dabei nicht nur, aber ganz besonders an Ihren allerersten Artikel bei Ansage!. Die Atmosphäre, die Sie damals durch Ihren Artikel transportierten, ist mir noch heute so präsent wie nach dem ersten Lesen.

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