Hilfe, die AfD wirft mit Wattebäuschen!

Wut und Frust über blaue Unholde (Symbolbild:Pixabay)

Ach, Marie-Agnes! Die verbale Panzerhaubitze unter den deutschen Politikern wird plötzlich sehr sensibel, wenn ihr Unfreundliches entgegenschallt. Während ihre Kollegin relativ gelassen auf die sogenannten AfD-Chatleaks reagieren, feuert Frau Strack-Zimmermann unverzüglich eine volle Breitseite auf die Opposition ab. Offensichtlich haben die Teilnehmer dieser Chats gleich ihre Parteiausweise und Mitgliedsnummern mitgeliefert, so dass sich Frau Strack-Zimmermann ihrer Sache sicher sein kann: Hier sind blaue Unholde am Werk, die so furchtbare Dinge tun, wie Philipp Amthor zu fragen, wann er endlich eingeschult wird. Ein Beispiel eklatanter Menschenverachtung.

Da sitzen AfD-Wähler vor ihren Rechnern, knabbern an ihrem rassistischen Toast Hawaii, und während sie schon den nächsten Wandertag zum Obersalzberg planen, setzen sie noch schnell einen Kommentar bei Telegram ab, der aus Britta Hasselmann Frau Hass-Elmann macht. Das kann selbst einer gestandenen Frau aus dem Vorstand von Rheinmetall Tränen der Demütigung in die Augen treiben. Kein Wunder, dass Marie-Agnes sich für den Export schwerer Waffen in die Ukraine einsetzt. Die werden dort jetzt erst einmal gegen die Russen getestet und anschließend vor den Häusern potenzieller Chatgruppen-Teilnehmer aufgestellt. Ein falsches Wort und es kracht – aber gewaltig!

(Screenshot:Twitter)

Eigentlich sollte man sich über derlei verbale Granaten von Seiten der knallharten FDP-Marie gar nicht mehr aufregen, sie legt sonst gern noch eine Schippe drauf. Nur mit dem ukrainischen Botschafter Andrej Melnijk kann sie gut, nachdem sie mit ihm Kaffee getrunken hat. Das rät sie seinen Gegnern ebenfalls – der arme Mann wird eine kräftige Magenschleimhautentzündung bekommen: so viele Gegner, so viele Tassen Kaffee. Nun beträgt sich Melnijk tatsächlich oft wie eine Abrissbirne, man scheint seelenverwandt. Wer Melnijk aushält, sollte grundsätzlich auch den Mut haben, etwa mit Alice Weidel einen Plausch zu halten. Aber dazu reicht die Courage nicht.

Eigentlich müsste dieses ständige Etikettieren als „braun” und „Nazi” den Beteiligten selbst inzwischen lächerlich vorkommen. Wie weit rechts darf es denn noch sein? Selbst als Wanderer steht man jetzt im Verdacht, auf dem Hakenkreuz-Rundweg zu laufen. Wenn der Reinhardswald demnächst für Windkraftanlagen abgeholzt wird, ist das dann ein Teil des Kampfes gegen Rechts. Eigentlich müsste ein kollektives Gähnen anheben, sobald einmal wieder die Nazi-Keule geschwungen wird, aber in bestimmten Kreisen wirkt sie noch. Die ständigen Vergleiche dienen also der Erzeugung eines „Alle sagen das”-Gefühls, das durch regelmäßige Wiederholung lebendig gehalten wird. Selbst wer diese Methode durchschaut, wird um seines „Rufes“ willen vorsichtig. Prominentestes Beispiel in der AfD selbst war wohl Jörg Meuthen, der es nicht mehr aushielt, als „Geächteter” zu leben.

Inneren Kompass verloren

Das Schlimme daran: Man verliert den inneren Kompass dafür, welche Werte man tatsächlich vertreten möchte und welche man durch Beeinflussung von außen vertreten soll. Steter Tropfen höhlt den Stein – dann spielt man nicht mehr mit den „Schmuddelkindern”. Seltsam, wir halten uns in dieser Beziehung für modern und „von Zwängen befreit” – aber gerade werden wieder gesellschaftliche Zwänge etabliert, die so eng sind wie ein Korsett im 19. Jahrhundert. Und alle lassen sich mehr oder minder freiwillig einschnüren. Umgekehrt neigen viele inzwischen dazu, auch Aussagen zu verteidigen, die sie früher widerlich gefunden hätte. Die Zensurorgie weckt Rebellionsgelüste. So mag es tatsächlich einige Neonazis geben, die sich im Wald zuhause fühlen, aber es trifft eben auf die meisten Wanderer nicht zu. Frei nach Freud: Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre – und der Wanderer einfach jemand, der die Natur liebt.

Was die Chatgruppen angeht: Menschen haben nun einmal das Bedürfnis, sich auch mal richtig auszukotzen, um sich danach besser zu fühlen. Die Fixierung auf angeblich toxische Sprache lässt unsere Wokoharam vollkommen vergessen, dass so etwas manchmal so wichtig ist wie der Gang zur Toilette: Was raus muss, muss raus. Zumal sie sich das Vergnügen ihren eigenen Gegnern gegenüber ungeniert selbst in der Öffentlichkeit gönnen – wie jemand, der seinen Tischnachbarn zum zivilisierten Essen mit Messer und Gabel auffordert, aber selbst mit den Fingern isst und dabei schmatzt und rülpst. Man sollte sich schon selbst an die Regeln halten, bevor man es von anderen einfordert – oder ihn in die braune Tonne stopft.

17 Kommentare

  1. Meuthen war ein U-Boot.
    Wer diesen Quark ,den Strack Zimmermann absondert auch noch glaubt ,dem ist nicht mehr zu helfen.
    Kästner :“Hütet Euch den Kakao ,durch den man Euch zieht auch noch zu trinken!“

  2. Hallo Miriam, mit Sätzen wie:
    Marie-Agnes! Die verbale Panzerhaubitze unter den deutschen Politikern . . .
    Nun beträgt sich Melnijk tatsächlich oft wie eine Abrissbirne, man scheint seelenverwandt. . .
    haben sie meinen Glauben an die Journalist’INNEN‘ gerettet!!

  3. Ich halte es mit Peter Rosegger – „Das Weib an der Macht pflegt sich zu entweiben, und weil es kein Mann sein kann, wird es zum Tyrann“. Seit dem die Weiber über Quote und Liste sich in den Bundestag durch die Hintertür schleichen, ist es dort unerträglich geworden. Wer es noch wagt, einer Debatte zu folgen, hört nur noch wildes, hysterisches Gekeife, unbotmäßige Zwischenrufe – kurz, verbalen Müll, der nicht der Würde des Hauses entspricht. Ähnliches bei Facebook und Twitter. Verzichtbar!

  4. Die AfD ist leider mit wenigen Ausnahmen, z.B. Höcke, nicht progressiv und schlagkräftig genug.
    Sie will wegen der Versagung von staatl. Zuschüssen für die Desiderius-Erasmus-Stiftung
    vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.
    Was soll das, bringt eh nichts, weil das höchste Gericht nicht mehr auf dem Boden des GG
    steht und zum Erfüllungsgehilfen f.d. Regierung verkommen ist.
    Die Entscheidung dieses eigenartigen Gerichtes scheint wohl jetzt schon festzustehen.
    Siehe hierzu auch die letzte Menschen verachtende Entscheidung zur berufsbezogenen „Spritzpflicht“, die mit dem GG vereinbar sein soll.
    Das garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit scheint das Gericht nicht zu interessieren.
    Pfui !

  5. „Eigentlich müsste dieses ständige Etikettieren als „braun” und „Nazi” den Beteiligten selbst inzwischen lächerlich vorkommen. Wie weit rechts darf es denn noch sein?“

    Warum wird eigentlich immer wieder immer noch die linke Propagandalüge artig übernommen, Nationalsozialismus wäre rechts? Was hat Nationalsozialismus mir „rechts“ zu tun? Nationalsozialismus ist links? Er hat mit Sozialismus DAS linke Hauptmerkmal schlechthin und führende Nationalsozialisten sahen den Nationalsozialismus ebenfalls links.

    Zitat Goebbels: „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke. Wir verachten das rechte Besitzbürgertum.“

    • Das sind Nationalsozialisten.
      Das hat nichts mit Sozialismus zu tun.
      Sie sind rechte Linke oder linke Rechte gewesen.

      Die Nationalsozialisten haben dem Bürgertum genommen und den Arbeitern gegeben.
      Die soziale Marktwirtschaft z.B. kam nicht von Erhard, der eine amerikanische Marionette war, wie alle Nachkriegspolitiker. Der Grundstein dafür wurde in der Weimarer Republik gesetzt. Die Nazis haben es zementiert. Erhard bekam sie nicht wieder los. Erst SPD/GRÜNE 1998 haben dann dafür gesorgt.
      Kindergeld ist übrigens auch voll Nazi.
      Ich glaube nicht, dass die, die die Nazis verteufeln, das Kindergeld zurückzahlen, weil es ja voll Nazi ist und das ist böse.

      • Rote Fahne, Genossen, Einheitspartei, Gleichmacherei – hat alles nichts mit Sozialismus zu tun. Wenn man den Sozialisten glaubt – was ich niemandem empfehle – hat irgendwie gar nichts mit dem Sozialismus zu tun. Womöglich ist der Sozialismus nur eine Erfindung seiner Gegner, um Doofe zu enttarnen? 🤔

  6. Und wo sind die Chatgruppen der anderen Parteien, wenn das so nirmal sein soll? Müsste es nach der Logik dieses „Artikels“ doch auch geben.

    • Die SPD ist dafür zu einfallslos, die CDU zu borniert, den Grünen haben die USA; als Dank für langjährige Dienste, ein Spionageabwehrprogramm installiert, das nichts nach draußen schlüpfen lässt, die FDP entsorgt ihren Frust direkt im Bundestag, und für etwaige Chats der Linken interessiert sich keiner.

  7. Seit doch froh, wenn dieses Produkt aus Frankensteins Schwester und Draculas One Night Stand, Strack Zimmermann, so giftet: Dann weiß man, daß man etwas richtig gemacht hat.
    Und an der Erbitterung und Theatralik des Schwingens der Nazikeule, an dem Haßgrad der Einheitsvorwürfe aus linken Satzbaukästen, erkennt man, WIE richtig es war.
    Nur eines steht fest: Ich werde mich vor diesen Schwachköpfen sicher nicht rechtfertigen, ich sei ja nicht dieses oder jenes. Ich bin alles, was die meinen, daß ich es sei.
    Nur juckt mich nicht, was die meinen. Sie sind halt meine Feinde und werden sicher niemals mehr Freunde.

  8. „Man sollte sich schon selbst an die Regeln halten, bevor man es von anderen einfordert – oder ihn in die braune Tonne stopft“ – wobei der Inhalt der braunen Tonne ja immerhin biologisch wertvollen Humus hergibt. Für Strack-Zimmermanns Abfallprodukte bedürfte es schon einer Sondermülldeponie.

  9. Wenn man denkt, man hat den Tiefpunkt der Unwürdigkeit erreicht, kommt die FDP um die Ecke:

    „Wir dürfen der Intoleranz der braunen Ratten nicht länger mit falscher Toleranz begegnen.“ – Sascha Fiek (FDP) über die AfD am 04.12.2016

    „Impfgegner … darf nur, hoffentlich bald, nicht mehr unter die Leute gehen, weil er ein gefährlicher Sozialschädling ist.“ – Rainer Stinner (FDP) am 06.08.2021

    „Wir auf dem Weg zur Abstimmung, um endlich § 219a aus dem StGB kicken zu können.“ – Kristine Lütke (FDP) mit Kopf-ab-Gesten tanzend im Bundestag am 07.02.2022

  10. Das eigentlich Deprimierende an der „AfD-Leaks“-Geschichte ist die Art und Weise, wie die vereinte Sudelpresse der Republik sie propagandistisch auszuschlachten versuchte.
    Auch im Netz, zumindest auf Google, prangten tagelang an erster Stelle zur Suchanfrage „AfD news“ die diesbezüglichen Skandal-Aufmacher, als gäbe es überhaupt nichts Anderes mehr über die angebliche Chaospartei zu berichten. Sie suggerierten, diese skrupellose rechtsradikale Rotte habe die Wähler über Jahre hinweg hinsichtlich ihrer wahren Absichten und Abläufe getäuscht, wobei selbstverständlich davon ausgegangen werden durfte, dass parteiinterne Diskussionsforen eine AfD-spezifische Singularität darstellen.
    Die originale ARD-Dokumentation habe ich inzwischen gesehen – und befand mich anschließend erleichtert, geradezu befreit. Lassen wie den reißerischen Einstieg mit Hintergrundsound aus dem Gruselkino und sinistren Sprecherstimmen mal außen vor – im Verlauf der Sendung kamen mit Fraktionschefin Weidel und Sprecher Brandner zwei der „Hauptangeklagten“ in angemessenem Umfang zu Wort, ein geradezu geschichtsträchtiger Glücksfall.
    Deren Statements markierten denn auch echte Highlights – wie etwa Frau Weidel, konfrontiert mit mehreren nicht unbedingt feinfühligen Kritiken an ihrer Person, statt sich das wohl allseits erwartete gequälte Anstandslächeln abzuringen, ihr Amüsement kaum verbergen konnte, oder Brandners trockener Konter in Sachen „durchs Schlüsselloch gesehen“:
    Reporter (zitiert einen Chat-Post): „Also, bei AKK bekomme ich eine erektile Dysfunktion.“
    Brandner: Wer – Sie? Oder schreibt das jemand?
    Jedem, der den Glauben an real existierende demokratische Teilhabe noch nicht aufgegeben hat, müsste eigentlich das Herz aufgehen angesichts so hoher Konzentrationen an ungeschminkter Authentizität. Hier sind unverkennbar keine aalglatten Apparatschiks am Werk, sondern Menschen mit Fehlern und Schwächen, und wenn jemand aus dieser Chatgruppe stinke-unsympathische Eindrücke hinterlässt, dann sind es jene beiden streitbaren Recken, die, wie man erfährt, inzwischen aus der Partei ausgetreten sind.
    Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster,, wenn ich den öffentlich-rechtlichen „Blick in den Maschinenraum der AfD“ als vorgezogenen Parteitag betrachte? Als Vorentscheidung im Richtungsstreit? Der Schleichpfad „Anbiederung an die Altparteien“ scheint mir nun jedenfalls ein für allemal abgeschnitten.

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