Holocaustverharmlosung, Belehrung, Bedrohung: Die kaputte Welt des “Lachmachers” Mario Adrion

Holocaustverharmlosung, Belehrung, Bedrohung: Die kaputte Welt des “Lachmachers” Mario Adrion

Kurz vor dem Hirntod? Youtuber und “Komiker“ Mario Adrion (Foto:Imago)

Der Komiker Mario Adrion ist in Alpirsbach im Schwarzwald aufgewachsen, nur wenige Kilometer entfernt von Freudenstadt. Gut, ich habe keine Ahnung, wo Alpirsbach, geschweige denn wo dieses Freudenstadt genau liegt, klar, irgendwo in Baden-Württemberg wohl – was aber auch gar nichts zur Sache tut, denn ich wusste bis eben auch nicht, wer zum Teufel Mario Adrion sein soll. Ohnehin finde ich, dass mit Kay Ray die Welt der Comedians mit ausreichend Witz und Humor abgedeckt ist. Dieser Adrion jedenfalls begann seine Karriere als Model: Mit 18 Jahren zog er aus dem Dorf, das keiner kennt, in die USA, lief bei Fashion-Weeks in New York und Mailand, erschien in der “Vogue” und war unter anderem Juror bei “Germany’s Next Topmodel”. Später wechselte er ins Comedy-Gewerbe, zog nach Los Angeles, baute sich eine beachtliche Social-Media-Followerschaft auf und wurde als “Stand-up-Comedian” bekannt; letzteres vor allem deshalb, weil er beim Darling aller woken Medienschaffenden Jimmy Kimmel im US-Fernsehen zu Gast war. Was seiner Biographie wohl zusätzlichen Pep verlieh: Im Alter von 21 Jahren soll Adrion während eines Modeljobs in Asien (und auf Ketamin) von einem einflussreichen Mann aus der Modebranche vergewaltigt worden sein.

Inzwischen ist er mit einer Jüdin verheiratet – und genau das scheint ihm offenbar auf krude Art das Gefühl von einer Art Narrenfreiheit zu geben, weshalb er sich mit antisemitischen Stereotypen und Entgleisungen nicht zurückhalten zu müssen meint. Anders jedenfalls ist der unterirdische Tweet nicht zu erklären, den Adrion jetzt ironiefrei auf X absonderte: “When Jewish people say they learned from the Holocaust, I didn’t realize that meant they learned how to recreate it. Supposed to be a warning, not a blueprint, Israel.” Sinngemäß auf Deutsch: “Wenn jüdische bislang Menschen sagen, sie hätten aus dem Holocaust gelernt, war mir nicht klar, dass sie damit eigentlich meinten, sie hätten gelernt ihn nachzumachen. Eigentlich sollte er eine Warnung sein, keine Handlungsanleitung, Israel“)

Mario Adrion spricht für viele

Nachdem man den intuitiven Ekel abgelegt hat, der sich beim Lesen einer solchen Abartigkeit einstellt, steht man zwangsläufig vor der Herausforderung, was man damit anfangen soll. Adrions Unterstellung, man könne aus der Shoah lernen, ist ungefähr so abwegig wie diesem Lachmacher zu unterstellen, er hätte aus seiner eigenen Vergewaltigung gefälligst zu lernen, kein Ketamin zu konsumieren (obgleich das keine üble Idee wäre). Nein, der Holocaust war kein Bildungsereignis und auch kein Hochschulstudium, aus dem Juden und auch die anderen Randgruppen, die systematisch vernichtet wurden, auch nur irgendetwas „mitnehmen“ konnten. Beim Holocaust und den Höllenlagern handelt es sich um das schlimmste industriell organisierte Menschheitsverbrechen, das diese Spezies bislang hervorgebracht hat. Man muss schon ein sehr degeneriertes Moralverständnis haben, zu glauben, dass Juden daraus auch nur irgendetwas hätten lernen müssen. Wenn, hätten die Täter daraus zu lernen. Aber genau darum geht es Adrion ja: Um Täter-Opfer-Umkehr der übelsten Sorte.

Denn dass Adrion nur einen Halbsatz weiter die militärische Reaktion Israels auf die tägliche Vernichtungsbedrohung eben mit dem Holocaust vergleicht, indem er schreibt, der jüdische Staat wolle diesen nachbilden, lässt tief blicken. Es zeigt vor allem, dass dieses Alpirsbacher A(a)s anscheinend sehr viel aus der Geschichte gelernt hat – nämlich die viel zitierte Weisheit von Zvi Rex: “Die Deutschen werden den Juden den Holocaust nie verzeihen.” No further comment needed. Eigentlich sollte uns dieser Hanswurst aus Dingenskirchen ganz egal sein. Das Ding ist aber, dass er erstens leider gar keine so kleine Nummer ist (zumindest in den USA nicht), und dass er zweitens geradezu prototypisch dafür steht, wie viele im Westen und gerade in Deutschland heute denken: Sie wollen Juden belehren, wie sie sich nach dem größten Vernichtungsversuch der Geschichte verdammt gefälligst zu verhalten haben – nämlich so, wie es sich die neuen Herrenmenschen vorstellen: servil, wehrlos und allseits bereit für den nächsten Vernichtungsversuch. Das allerdings wird nicht geschehen, auch wenn es sich Leute wie Adrion vermutlich wünschen.

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4 Kommentare

  1. Das schlimmste, industriell organisierte Menschheitsverbrechen, das diese Spezies bislang hervorgebracht hat, war die Pseudo-Pandemie mit der aufgenötigten „Impfung“.

  2. Trotz aller Kontroversen beeindruckt Mario Adrion immer wieder durch seinen Mut, neue Wege zu gehen. Sein Werdegang vom Model zum Comedian zeigt, wie vielseitig und kreativ er ist. Besonders bemerkenswert ist, wie offen er über persönliche Erfahrungen spricht und daraus Stärke zieht. Man spürt, dass er sich nicht scheut, Grenzen auszutesten, um Diskussionen anzuregen und Menschen zum Nachdenken zu bringen. Genau diese Mischung aus Authentizität, Humor und Risikobereitschaft macht ihn zu einer spannenden Persönlichkeit im Entertainment‑Bereich.

  3. Hmm. Der ist doch in Deutschland eher unbedeutend. Wie kommt unser hasserfüllter Autor überhaupt dazu, ihn zur Zielscheibe machen zu wollen? Vielleicht, weil Mario Adrion in Israel vor ausverkaufen Häusern auftritt.

    Verräterisch erscheint die rassistische Überzeugung des Autors, das alles hätte viel mit Deutschland oder den Deutschen zu tun. Im Westen sinkt derzeit vermutlich nirgendwo der Stern Israels schneller als in den USA. Und jetzt ratet mal, wo Mario Adrion lebt.

  4. Moin
    In China ist gerade ein Sack Reis umgefallen. Und stopft das hiesige Sommerloch zuverlässig …
    mfg

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