Montag, 22. April 2024
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“I see very black for you“

“I see very black for you“

Sprache als zeitgeistlicher Setzkasten (Symbolbild:Pixabay)

Einer der beiden Heroen und Titanen der deutschen Klassik war Johann Wolfgang von Goethe. Er schuf nicht nur in Marmor gemeißelte Lyrik, Dramen und Prosatexte, nein, er veröffentlichte auch Unmengen von geistes- und naturwissenschaftlichen Sachtexten. Seine Farbenlehre und die richtungsweisende Entdeckung des menschlichen Zwischenkieferknochens zeugen von dieser Ebene seines Schaffens. Dazu kommen unter anderen auch viele polittheoretische Schriften und Schriften über Kommunikation und Sprache. In seinen posthum veröffentlichten “Maximen und Reflexionen“ finden wir folgenden Satz: “Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern daß sie es verschlingt.

In verschiedenen Epochen unserer Geschichte wurden verschiedene “Fremd”-sprachen betont und deren Beherrschung und Benutzung als “Bildung“ mißverstanden. Dies führte nach einiger verstrichener Zeit zu durchaus lustigen Stilblüten, bei denen sich Frau Historia den Bauch vor Lachen halten musste. Oftmals kennen wir die daraus entstandenen Wörter, aber nicht deren fremdsprachliche Herkunft. Johann Joachim Neumann (plattdeutsch Niemann oder Niegemann) folgte 1620 einer sprachlichen Mode und graezisierte seinen Namen in “Johann Joachim Neander“. Sein Enkel, Joachim Neander, wurde einer der ganz großen Kirchenlieddichter (“Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“). In Düsseldorf mündet ein kleiner Bach namens Düssel in den Rhein. Kurz vor Düsseldorf bildete dieser Bach eine romantische Klamm, die “Düsselklamm am Rabenstein“ im sogenannten Düsseltal. Als Joachim Neander Lehrer in Düsseldorf war, zog er sich gerne in diese romantische Klamm zurück, um dort zu dichten.

Von Düsseldorf zu Neandertal

150 Jahre nach seinem Tod beschloss der Rat der Stadt Düsseldorf, ihm zu Ehren, sein geliebtes Düsseltal in “Neandertal“ umzubenennen. Dreizehn Jahre nach der Umbenennung fand man bei umfangreichen Baumaßnahmen in diesem Tal die Knochen eines Urzeitmenschen. Man stelle sich vor, Joachim Neander wäre nie nach Düsseldorf gekommen, dann hieße der “Neandertaler“ von Anfang an “Düsseltaler“.
Jahre später wurde von der Führungsschicht als äußeres Zeichen von Weltoffenheit und Bildung das Französische als neue Modesprache auserkoren. Dies bereicherte unsere Sprache mit so wunderschönen Ausdrücken wie “Fisimatenten“ (während der Besetzung des Rheinlandes in Folge der Französischen Revolution sollen deutsche Mädchen von französischen Soldaten in ihre Zelte eingeladen worden seien: „Visitez ma tente! “ = “Besuche mein Zelt!”), “mutterseelenallein“ (“moi tout seul-allein“ = “Ich ganz alleine, allein”) “Muckefuck“ (“mocca faux“ = “falscher Kaffee”), “Koffer“ – und im Norddeutschen auch den “Deetz“ (für tête = Kopf)– wenn meine Großmutter sich gewählt ausdrücken wollte, sprach sie vom “Trottoir“ – nur für “gewöhnliche“ Menschen benutzte sie den “Bürgersteig“…

Und jetzt ist es halt das amerikanisch geprägte Englisch, was von der herrschenden Klasse und ihren Domestiken aus der Werbewirtschaft für Weltoffenheit und Bildung gehalten wird. Wir können uns entspannt zurücklehnen, wenn wir all die radegebrochenen amerikanischen Ausdrücke in den aufgeplusterten Kreisen betrachten. Ich bin mir sicher, dass sich einige tatsächlich halten werden – die meisten jedoch werden wohl sinnenstellend assimiliert werden und unsere Sprache bereichern.

Belustigtes Zurücklehnen

Das findet schon heute statt: Public viewing heißt ja bekanntlich eigentlich “öffentliche Leichen(be)schau“ – wir verstehen jedoch gemeinsames öffentliche Ansehen von Sport- oder Kulturgroßereignissen darunter. Das “Handy“ ist ein Gerät, das kein Amerikaner (“mobile phone”) oder Engländer (“cellphone”) gedanklich mit einem Handy verbindet.

Es gibt eine nette Anekdote von Chris Howland zum Thema deutsche Sprache: Er kam als Soldat zum Ende des 2. Weltkrieges nach Köln, lernte dort seine Frau kennen und blieb. Sein bester Freund und Kamerad ging bald wieder nach England zurück. Erst zehn lange Jahre später sollten sich die beiden Freunde wieder in Köln treffen, wo Chris Howland mittlerweile Karriere als Sänger und Moderator gemacht hatte. Zusammen mit seinem Freund ging er durch das wieder aufgebaute Köln und der fragte ihn irgendwann unvermittelt: “Sag mal, wie kannst Du es bei diesen verrückten Deutschen aushalten? Die haben an allen Ecken Geschäfte für Sprenkelärsche!“ – “Hä?” – “Was für Geschäfte für Sprenkelärsche meinst Du denn?“ Nach der nächsten Kreuzung wurde sein Kamerad fündig und Chris Howland las dort, nachdem sein Kamerad triumphierend auf das Firmenschild zeigte: “Sparkasse“! diese Anekdote hat er in vielen Talkshows immer wieder erzählt, weil er zu dem Zeitpunkt bereits “deutsch“ gedacht habe und ihm die direkte wortwörtliche Übersetzung gar nicht in den Sinn gekommen wäre. Wir sollten uns belustigt zurücklehnen, wenn uns aus der Werbung wieder einmal ein “feel the future – act with electric agility“ oder ein “we build a better tomorrow“ entgegenblökt. Seien wir gespannt, was daraus wird …

7 Antworten

  1. https://youtu.be/xDPYVn9SIyQ

    „Daran zerbricht jetzt die Regierung! Neuwahlen im April?“
    28.03.2023

    Neuwahlen sind zwingend erforderlich und ich würde es im Sinne des deutschen Volkes begrüßen.
    Wir müssen die Grünen raus bekommen !

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  2. schöne Anekdote mit dem Neandertaler, danke für diesen Hinweis! Das erinnert mich, daß der Schmetterling seinen Namen daher hat, daß damals die Milch abends aufs Fensterbrett gestellt wurde, damit sich der Rahm von ihr trennt, genannt damals Schmetter. Und die Motten ließen sich gern nachts dann darauf nieder um zu trinken. Deswegen heißen sie im Englischen auch Butterfly, denn dort auf der Insel haben es die Leute, wie auch das Getier es ebenso gehandhabt wie hier.

  3. die neuen nazi-wolfgang goethe sind die volldeppen die sich auf die strasse kleben und deutschland in den sumpf der ewigen verblödeten begleiten….
    soweit ist deutschland fertig und verseucht von dummheit…
    was mich aber am meisten stört ist die tatsache dass keiner der kleberdeppen überfahren wird…
    das gibt zu denken… sind wir wirklich alle verblödet… goethe würde sich im grabe umdrehen wenn er seine nachfolger sehen würde und…..
    mit welchem scheiß sie sich wichtig machen und beifall erhaschen…
    dumm dümmer saudumm deutsch….weil auch die

  4. Der Autor des Artikels, Herr Quintilian, hat nur mehrere Dinge vergessen zu erwähnen, die heute anders sind, als “früher”.

    Seit 1945 Dauerbesatzung
    Seit 1961 Umvolkung
    Seit den 68ern + §218 (1975) Geburtenrate auf Selbstmord
    In schon umgevolkten Gebieten übernehmen die wenigen verbliebenen dt. Kinder das Stammeldeutsch der Fremden und die linken Leerer (ohne “h” finden das so richtig gut und modern).

    Der Wahnsinn endet daher nicht irgendwann mit der Rückkehr zur Normalität, sondern irgendwann gibt es einfach keine Deutschen mehr und die Fremden sprechen ihre Heimatsprachen. Zeitweise wird das Stammeldeutsch, mit seinem kräftig reduzierten Wortschatz / Ausdruckmöglichkeit / Bestimmtheit der Aussage, noch als Lingua franca verwendet, aber das läuft sich bis 2100 so richtig tot, weil bis dahin nur noch 20 Mio ethnische Deutsche existieren werden (sofern es keine gewaltsamen Ereignisse gibt, die das noch weiter verringern).

    Sie wollen das verhindern?
    1. USA so richtig raus, insbesondere auch Hollywood (und Co.)
    2. 10 bis 20 Mio Invasoren zurück nach Südland, Mauer 2000 um das Land, damit keine weiteren reinkommen
    3. Dt. Kinder sind nötig, 3 oder mehr pro Frau
    4. Gesetzliche Ahndung der Verwendung dieser Deppensprache, bis die ausgelöscht ist. Lehrer die Lehrer sind und keine BRD-verblödeten, marxistischen Leerer, damit sie entsprechend unterrichten können (“Wir haben 5000 Geschlechter” wird durch anspruchsvolle Diktate in Hochdeutsch ersetzt, in denen die Errungenschaften des Kaiserreichs beschrieben werden (z.B.)).
    5. 1-4 sind im Rahmen der BRD UNMÖGLICH!

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  5. Solche interessant-kurzweiligen Artikel sind in Zeiten wie dieser wichtiger denn je. Danke vielmals für diesen kleinen Lichtblick zwischendurch.

  6. Vor einiger Zeit las ich, daß die ‘Yuppies’ in Berlin sich selbst als Deutsche untereinander in Englisch (oder was sie darunter verstehen) unterhalten würden, denn das sei doch so weltmännisch und inklusiv.
    ‘Public Viewing’ als öffentliche Leichenschau trifft doch genau den Kern, denn was die Deutsche Nationalmannschaft bei der letzten WM abgeliefert hat, könnte auch von Toten stammen. Hätten dann die deutschen Zuschauer Buhrufe folgen lassen, wäre das wohl schon Leichenschändung gewesen.

  7. Mit der französischen Sprache hatte ich ein imho bemerkenswertes Erlebnis. Im Studium saß da ein ewiger Student im 30. Semester im Labor herum. Der war der faulste Student, den ich je gesehen habe, im Labor zu pennen war normal für den. Für ihn habe ich mir den Spitznamen “Fuffu” ausgedacht, der von von allen übernommen wurde, der passte gut zu dem. Viel später habe ich dann erfahren, dass “Fuffu inne Birne” in Norddeutschland ein Ausdruck für Menschen ist, die etwas weich in der Birne sind. Fuffu ist dem französischen “foufou” entlehnt, das genau das bedeutet, Matsch in der Birne. Ich kam eine ganze Weile lang nicht aus dem Stauen heraus. Mein Herr Urgroßvater war Luxemburger, vielleicht deshalb, aber “foufou” hat Oma nie gesagt.