Ideologische Fortschrittsverweigerung

Science-Fiction? Nur wenn sie keine Gegenwartsdogmen verletzt (Symbolbild:Imago)

Dächten die Menschen schon immer so wie unser Freund Mario Sixtus, wären wir heute nicht in der Lage, uns im Internet darüber aufzuregen: Es gäbe nämlich keins. Wenn Steinzeitmensch „Grmpf” herausgefunden hatte, dass beim Aufeinanderschlagen bestimmter Steine Funken entstehen, mit denen man selbst Feuer machen kann, wäre sicher so ein Mario gekommen und hätte es ihm als Blödsinn ausgeredet – ebenso das Rad („Du bist doch nur zu faul zum Tragen!„):

(Screenshot:Twitter)

Selbst wenn es uns gelungen wäre, uns trotzdem zivilisatorisch weiterzuhangeln, stünde immer eine Kreativitätsbremse bereit, die nicht aus ernster Besorgnis über die möglichen Folgen einer Erfindung, sondern aus schierer Arroganz außergewöhnliche Ideen ausgebremst hätte. „Professor Fleming, werfen Sie gefälligst diese verschimmelte Petrischale weg! Es ist doch Humbug, da was draus machen zu wollen!”.

Es geht hier nicht um kritische Distanz zum Machbaren – die durchaus angebracht ist, wenn Forschung etwa sensible Bereiche der Ethik berührt, so wie das zum Beispiel in manchen Bereichen der Gentechnik der Fall ist. Dort ist es vollkommen legitim, sich auch als Nicht-Genetiker einzumischen und zu fragen, wo das noch hinführen mag. Wie uns die Diskussion um die mRNA-Impfstoffe gezeigt hat, halten sich Sixtus & Co. eben dort aber nicht nur dezent zurück, sondern bringen Kritiker sofort zum Schweigen: Schwurbler! Nazis! Die Wissenschaftler wissen schon, was sie tun! Ganz Ähnliches erleben wir beim Thema Klimawandel: Jeder von der gewünschten Richtung abweichende Forschungsansatz wird lächerlich gemacht oder ignoriert, wie zum Beispiel der Einfluss von Sonnenaktivität auf unser Klima. Da die meisten Journalisten genau wie der Durchschnittsbürger wissenschaftliche Laien sind, ist die Stoßrichtung deutlich: Es geht wieder einmal um die Diskurshoheit. Da darf man dem Bürger schon einmal vorschreiben, welchen Wissenschaftler er ernst nehmen darf. Man beurteilt es einfach nach der richtigen Haltung – denn die Forschungsergebnisse sind einem Herrn Sixtus ebenso ein Buch mit sieben Siegeln wie uns.

Es geht um die Diskurshoheit

Es ist schon allerhand von dem Realität geworden, was anderen einst als Spinnerei erschien. Manche populärwissenschaftlichen Magazine – das meine ich nicht abwertend! – tragen regelmäßig die Aussagen von Firmenchefs zusammen, die sich mit ihren Prognosen enorm verschätzt haben; so etwa der Geschäftsführer von IBM, der sich nicht vorstellen konnte, das irgendwann einmal auch in privaten Haushalten Computer stehen – er war einfach von den riesigen Anlagen seiner Zeit ausgegangen. Allerdings ist die Verachtung für Zukunftsvisionen auch so eine Spezialität links-grüner Klimaretter, denen beim Gedanken an den Weltuntergang durch Erderwärmung Schauer wohligen Gruselns über den Rücken laufen: Der Triumph eines „Wir haben schon immer davor gewarnt!” ist in ihren Tagträumen einfach glorreicher als die mühselige Kleinarbeit kluger Köpfen, die an Lösungen für kommende Probleme zur Abwendung eben der Horrorszenarien tüfteln.

Letztens sah ich mir die französische Serie „Dream the Future“ von 2015 an. Natürlich war auch darin eine Folge dem Klimawandel gewidmet; aber anstatt in düstere Prognosen zu verfallen, zeigte man darin auch Ideen aus aller Welt zu einer Städtearchitektur, die viel Grün einbindet, um nicht nur das Leben in der Stadt angenehmer zu machen, sondern auch die Luft zu verbessern. Ein japanischer Agrargroßhändler hat schon jetzt seine Firmenzentrale in Tokio nach diesem Konzept umbauen lassen: Der Salat in der Kantine wächst im eigenen Haus und die Mitarbeiter dürfen sich auch mal was pflücken. Letztens sah ich einen Bericht aus Deutschland, wonach eine mittelständische Firma Ähnliches anbietet. Aber selbst in der Parteizentrale der Grünen wachsen noch keine Tomaten; das ist den selbsternannten Weltenrettern wohl zu unglamourös.

Statt grüner Städte sollen wir kahle Flächen mit Windkraftanlagen bekommen; noch nicht einmal vor dem hessischen Märchenwald macht der Wahn halt. Ich weiß nicht, was Herr Sixtus im Bereich der Energieerzeugung als „Science-Fiction” bezeichnet – den Fusionsreaktor eventuell? Der steckt tatsächlich noch in den Kinderschuhen, aber darin wird er auch steckenbleiben, wenn man daran nicht weiterforscht. Irgendwann, in ein paar Jahren, werden die Chinesen stolz einen funktionierenden Prototypen präsentieren, nachdem sie uns schon im Bereich der Kernkraft überholt haben.

Sozialer Wohnungsbau in Windradmasten

Geduld und Beharrlichkeit sind in Deutschland diesbezüglich nicht mehr gefragt: Wir bauen das, was zwar nur unzulänglich funktioniert, aber dafür nicht merkwürdig leuchtet, lieber eine Nummer größer. Dann funktioniert es zwar noch immer unzulänglich – sieht aber imposanter aus. Und deshalb bauen wir dann noch mehr davon.

Bald wird wahrscheinlich die Idee aufkommen, in den Masten von Windrädern sozialen Wohnungsbau unterzubringen. Man kann darin zwar die Fenster nicht öffnen, weil das ständige „Wusch-Wusch-Wusch“ einen in den Wahnsinn triebe und die Möbel samt ihrer Besitzer hinausgesogen würden; aber irgendwie muss man den Platzmangel schließlich ausgleichen. Das Eigenheim ist out, Familie sowieso, deshalb legt man ausgerechnet jenen, die gern freiwillig mit Solaranlagen für sich selbst sorgen würden, auch noch bürokratische Hürden in den Weg. Es muss – bitteschön! – alles hübsch zentralisiert und gigantomanisch ablaufen. Auch wenn die natürlichste CO2-Vernichtungsmaschine – der Baum – dafür weichen muss.

Da wünscht man sich ein bisschen mehr Science-Fiction und weniger reale Dystopie. Meine Theorie ist ohnehin, dass bei manchen Menschen die Abneigung gegen das Fantastische nicht darin begründet liegt, dass sie einfach kein Interesse daran haben (was ein vollkommen legitimer Grund wäre). Vielmehr neigen sie zu ideologischer Engstirnigkeit – wie ein Inquisitor, der höllische Angst vor Ketzern hegt. Schließlich können sich Fantasiebegabte nicht nur Technisches erträumen, sondern auch eine Zukunft, in der die Ideologen das Sagen haben. Und wenn das letzte Windrad verrostet ist, wird vielleicht niemand mehr da sein, der ein neues bauen kann, weil unsere Gesellschaft nur noch aus Genderforschern besteht. Solange uns das Geld nicht ausgeht, können wir schließlich von Nachbarländern Strom kaufen. Der ist dann auch grüner als der eigene. Versprochen!

7 Kommentare

  1. Die linksgrüne faschistische Ideologie, genau wie damals die nazibraune faschistische Ideologie, hat bei großen Teilen der Bevölkerung bereits Fuß gefasst.

    Aber der deutsche Michel mit seiner über Augen und Ohren gezogenen Zipfelmütze merkt so etwas nicht.

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  2. Aus dem Buch der Weisheit des Herrschens :
    Macht bedeutet nicht, irgend etwas zu tun!
    Macht bedeutet zu verhindern, daß andere etwas tun !

  3. Drollig. Die Fortschritts- und/oder Kreativitätsbremsen gibt es hierzulande massenhaft.

  4. Es gibt Leute, die studieren irgendwas für irgendwas. Weil das dann keiner braucht, werden extra
    Berufsbilder dafür geschaffen und hoch besoldet. Diese sogeannte Arbeit ist eigentlich nix, reine heiße Luft! Bezahlt werden sie von Steuergeldern, die von ca. 20 % der Gesamtbevölkerung mit den Händen erarbeitet werden. Das ist Schmarotzertum auf ganz hohem Niveau, staatlich gefördert. Und genau diese Leute nehmen sich soooo verdammt wichtig, dass wir genau deswegen in der Scheiße sitzen.

  5. Ich frage mich schon lange, warum man nicht mal ein paar der neuartigen, in Deutschland entwickelten Thorium-Flüssigsalzreaktoren baut. Die Grünen verhinderns!

    Dabei gibt es viel mehr Thorium als Uran, das Zeug strahlt nicht lange und Kernschmelzen sind (aufgrund der Technik) ausgeschlossen. Ist sicher und unproblematisch. Prototyp wird jetzt in Kanada gebaut, weil die Grünen wieder mit dem Lastenrad zurück ins Mittelalter wollen. Indem übrigens Frauen, um sie vor zu grossen Härten zu bewahren, sich meist um Heim und Herd kümmerten.

    Liebe Grünen: Der Feminismus bedarf einer warmen Wohnung mit Spül und Waschmaschine, sonst funktioniert er nicht. Ist es ein Glück, dass die Grünen mit ihren Steckenpferden alles kaputtmachen, was sie ermöglicht hat?

  6. Ich denke, man muss schon sehr aufpassen selbst bei der Überschrift. Was ist ideologische Fortschrittsverweigerung? Der ganze Text gibt dazu keine Antwort. Kann er auch nicht weil der Inhalt eigentlich ausdrückt das es um wissenschaftlichen Fortschritt und dem Umgang damit geht. Das aber sind zwei unterschiedliche Themen, die auch erst einmal wissenschaftlich betrachtet werden sollten. Und da gibt es auch in diesem Text selbst zu viele wenn und aber. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir die Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft näher erläutern und daraus die Schlüsse ziehen die notwendig wären. Auch hier gilt die Ausbeutung auf Kosten des anderen wird uns alle zerstören.

  7. Der Sixtus als Autodidakt hat sich im Labyrinth des für ihn Unbegreiflichen verirrt!
    Zukunft ist Nutzung der unbegrenzten Erdwärme, auch zur Synthese von langkettigen Kohlenwasserstoffen. Energie ist nur in dieser Form einfach und ungefährlich speicherbar, verteilbar und nutzbar. Das durch deren Nutzung entstehende CO2 ist durch Fe-Düngung der Ozeane dort in Biomasse umgesetzt senkbar und nutzbar. Nebenbei explodieren die Fischbestände. Das wäre eine aus Deutschland stammende intelligente Lösung des Energie- und Erderwämungsproblems.
    Alles nicht umsetzbar, nicht mal diskutierbar wegen grünem Antikapitalismus und naturwissenschaftlichem Analphabetismus, gepaart mit eindimensionaler und uninspirierter intellektueller Sklerose!

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