Im Hippiestaat Deutschland kommt der Strom aus der Steckdose

Green Blackout State (Symbolbild:Shutterstock)

Als Nicht-Weidelianerin gebe ich es nur ungern zu: „Hippiestaat“ ist wirklich eine passende Bezeichnung für das, was in Deutschland gerade passiert. Man muss nur einmal die Augen schließen und sich die Damen und Herren der Bundesregierung – mitsamt der zugehörigen Abgeordneten – in Schlaghosen und Batikhemden ausmalen und ihre Worte in die Betroffenheitssprache übersetzen, über die sich damals schon lustig gemacht wurde. Wem es schwer fällt, der stelle sich einfach vor, Udo Lindenberg wäre Merkels Pressesprecher:
Ey, hört mal zu Leute: Der Atomsch… gibt mir voll die bad vibrations. Und Kohlekraftwerke machen mir negative Gefühle. Wegen der Luft und dem CO2 und so. Ich steh voll auf Windkraft, Alter, hatte schon als Kind so’n Ding auf’m Balkon. Da bläst der Wind dran und dann dreht sich das flitzeflitz und treibt die E-Gitarre von dem Rolf an, meinem Gitarristen. Unsere Musik fetzt voll auch ohne Atom.

Langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen, ob wir eines Abends im Dunkeln sitzen werden. Vielleicht zunächst, weil Strom für Normalbürger zu teuer wird. Nach der Impf-Zweiklassen-Gesellschaft wird es – nun geht mir gerade wieder die Fantasie durch – dann eine Strom-Zweiklassen-Gesellschaft geben. Der nächste Bestechungsversuch wird dann keine Bratwurst mehr sein, sondern ein Gutschein für fünf Stunden Strom während der Fußball-Weltmeisterschaft – aber bitte gut einteilen! Das ist vielleicht ganz praktisch so, da die angestrebte totale Umstellung auf Wind- und Sonnenenergie wohl keine flächendeckende Versorgung mehr garantieren kann.

Das Schlimme daran: Deutschland hat für den Fall der drohenden Energieverknappung keinen Plan B in der Tasche, der das (Wind-)Rad kurzfristig wieder zurückdrehen könnte und macht sich energietechnisch letztlich vollkommen abhängig vom Wohlwollen der europäischen Nachbarländer. Um sich dann doch mit Atomstrom versorgen zu lassen, aber immerhin liegt das moralische Problem dann nicht mehr vor der eigenen Haustür. Das Prinzip kennen wir von der Elektromobilität: Für die Gewinnung der Akkurohstoffe schuften in Afrika Kinder und wird in Südamerika die Natur ruiniert – aber darüber schauen auch diejenigen gern hinweg, die schon beim Stichwort „Einwanderungsgesetz“ moralische Schnappatmung bekommen.

Kein Plan B bei Energieverknappung

Bereitet mir der Gedanke an die Risiken der Kernenergiegewinnung – inklusive der Entstehung von radioaktivem Abfall – Sorgen? Ja – denn ich gehöre zur Generation Tschernobyl, und dieser Reaktorunfall bewegt noch heute die Gemüter, auch wenn die technischen Standards in Deutschland sich meilenweit von denen in der ehemaligen Sowjetunion unterscheiden. Auch dass Kohlekraftwerke nicht unbedingt den saubersten Strom erzeugen, braucht man mir als Ruhrpottkind nicht zu erzählen. In den Achtzigern bot man dafür einen ähnlichen Lösungsansatz an wie heute die Freunde der E-Mobilität: Man baute einfach die Schornsteine höher, damit sich alles unauffällig verteilte.

Das mag alles unschön sein, und alle Sachargumente vermögen vor allem die Emotionen rund um „schmutzige“ Energiegewinnung nicht auszuräumen. Verfechter der Kernenergiegewinnung argumentieren oft mit technischen Details und Sicherheitsstatistiken – aber das muss bei Menschen, die sich bei „Rache der Natur“-Filmen und Dokumentationen wohlig gruseln, unweigerlich auf taube Ohren stoßen: Es gibt seit 1945 eine ausufernde Popkultur rund um das Thema Radioaktivität, die ihr Bild in der Öffentlichkeit prägt. Immerhin wärmen auch die Grünen jedes Jahr die Legende auf, in Japan wären Tausende aufgrund der Havarie von Fukushima gestorben. In jedem Jahr werden sie korrigiert, denn sowohl die Toten als auch die Havarie waren durch den verheerenden Tsunami verursacht – nur um im nächsten Jahr die Geschichte wieder neu in die Welt zu setzen.

Es ist paradox: Generation Smartphone (und Fridays for Future) stürzt sich zwar begeistert auf jede Neuerung in der Telekommunikationstechnik, kommt aber nicht auf die Idee, dass Lösungen für sauberere Energiegewinnung ebenfalls durch technischen Fortschritt erlangt werden könnten. Die Erfinder des Dual-Fluid-Reaktors haben es in Deutschland längst aufgegeben, für ihr Konzept zu werben und ihren Firmensitz nach Kanada verlegt. Moderne, müllvermeidende und sichere Reaktortechnik ist in Deutschland schwerer zu vermarkten als schimmeliges Brot.

Nichts Niedliches ist an Windkraft

Das ganze Land ist auf Windkraft fixiert, als handele es sich dabei um die netten, bunten Rädchen, die auf dem Balkon im Blumenkasten stecken. An realen Windkraftanlagen ist aber nichts Niedliches, denn um überhaupt einen gewissen Ertrag zu erzielen, werden diese Anlagen immer höher und ausladender gebaut. Ein daneben geparktes Auto nimmt sich wie Spielzeug aus, für das Fundament sind Unmengen von Beton nötig und darüber, welche Schadstoffe in der Anlage verbaut sind, mag man gar nicht nachdenken. Kurzum: In Deutschland fehlt sogar jede technische Kreativität für die angepriesene „nachhaltige“ Energiegewinnung. Lokale Lösungen, die umweltfreundlich sind, wie etwa Mikrowasserkraftwerke, sind ebenfalls kein Thema in Politik und Medien. Hat man vielleicht Angst, die Betreiber könnten zu autonom werden? Oder ist es gedankliche Faulheit: Es muss eine Lösung für alle her! Nur nicht zu viel Forscherdrang!

Auch der Gedanke an Technik kann emotional positiv aufgeladen werden – aber den Deutschen ist hier jeder „sense of wonder“ komplett verloren gegangen. Und das, obwohl wir eine Kanzlerin haben, die selbst Naturwissenschaftlerin ist. In der Corona-Krise wurde uns das oft genug aufs Butterbrot geschmiert, um undemokratische Entscheidungen zu legitimieren („Sie wird sich schon was dabei gedacht haben! Sie ist schließlich Physikerin!„) – was allerdings die Energiewende angeht, agiert sie wie eine grüne Populistin und lässt sich von Stimmungen treiben. Sie weiß genau, dass es im Falle der Kernenergie weitaus schwieriger geworden wäre, unbeliebte Entscheidungen zu treffen (und den Grünen Wähler am konservativen Rand wegzuschnappen).

Haben sich eigentlich die Hippies darüber Gedanken gemacht, unter welchen Umständen ihre Batikhemden hergestellt wurden? Wahrscheinlich nicht. Ebenso wenig, wie sich Merkel um den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Stromversorgung Sorgen macht.

5 KOMMENTARE

  1. Ich kann es nicht mehr hören, wenn man Frau Merkel als Physikerin bezeichnet. Herr Schäuble ist Jurist. Ihc würde ihm nicht einmal ein Mandat, mich in einer Verkehrsunfallsache zu vertreten, geben. Beide haben den Beruf gewechselt und in die Politik gegangen. Hier spielt die zu Ende gedachte Sache keine Rolle, entscheidend sind Emotionen. Dabei folgt man am besten den Modetrends. Abschaltung Atom- und Kohlekraftwerke, Klima. Dass Vorsprung in Wissenschaft und Forschung für Deutschland als als rohstoffarmes Land essentiell ist, gerät in Vergessenheit. Rumänin steht in Sachen Digitalisierung besser da als Deutschland, das in Europa auf dem vorletzten Platz vor Albanien liegt. Estland ist einer der am weitesten Fortgeschrittenen. Da hat sich wohl ein Politiker um die Sache wirklich gekümmert und nicht nur von der Sache geredet. Bei uns ist das anders, wichtig sind emotional aufgeladene Schulstreiks und Umweltaktionen. Dass dies auf Dauer so weitergehen kann, müsste eigentlich jedem einleuchten.

  2. Nach dem vielen Pot, der damals geraucht wurde, kam das jähe Erwachen über Vietnam und Watergate.
    Genauso wird es unseren Stromhippies gehen, wenn aus der Steckdose kein Strom mehr für Smartphone und Tablet kommt. Leider haben wir dann unsere Kraftwerke schon abgerissen und stehen ganz schön dumm da, wenn wir unsere energietechnisch klügeren Nachbarn anpumpen müssen. Es ist nun mal
    kein Ei oder eine Tasse Mehl sondern die Existenz unserer Gesellschaft die hier auf dem Spiel steht!

  3. Ich bin nicht sicher, dass die echten Hippies von damals so beknackt waren wie die von heute. Die damaligen waren bekifft, stoned und sie plädierten für Liebe für alle, nicht nur für bestimmte Gruppen, oder Ethnien, oder Rassen, oder was auch immer.

  4. Also, das mit dem „bekifft“ kann so nicht stimmen ! Ich kann nur aus eigener, über vier Jahrzehnte langer, Erfahrung sagen, ich würde NIE auf die Idee kommen Wälder platt zu machen für WKA`S ! Unsere Wälder sind unsere Wasserspeicher, das haben wir schon in der dritten Klasse Grundschule gelernt. Die Grünen und Einige von SPD und CDU scheinen da in der Schule krank gewesen zu sein, als dieser Stoff durchgenommen wurde ! Schaut Euch den Soonwald im Hundsrück an, dann wißt ihr, was passiert, wenn man grüne Umweltminister schalten und walten läßt ! Vom ehemaligen Naturpark “ Soonwald “ ist nichts mehr übrig ! Da stehen über 150 Anlagen und Neue sollen noch hinzukommen ( das ist der Stand unserer Studienenfahrt dorthin von vor 10 Jahren ). Laut Anwohner müssen diese mit Schattenschlag und Infraschall leben, der auch gesundheitsschädlich ist. Hinzu kommt, daß die Grundstücke und Häuser niemand mehr geschenkt haben will ! Wenn mann bedenkt, daß die Zufahrtswege zu den jeweiligen Baustellen breit sein müssen wie Bundesstraßen und ein Fundament aus ca. 1600 T Stahlbeton besteht, kann man sich vorstellen, wie dieser “ Naturpark “ heute aussieht ! Wenn es nach den Grünen ginge, würden ALLE unsere Höhenzüge so aussehen – voller Windmühlen , aber dafür ohne Bäume ! Die Grünen sind der größte Zerstörer unserer Umwelt !
    Und wie sieht der Plan B der Grünen aus, wenn über 1000 Windräder kein Wind weht ? – Dann bauen wir eben NOCH 1000 ! !

  5. Das mit den „Bekifften“ geht mir allmählich auf den Sack wie Gelaber von „Geflüchteten“ oder Gendersprech.
    Zu meiner Zeit an der Uni hatten wir „gedopt“ wie die Weltmeister, die allermeisten sind heute Ingenieure oder so geworden, durchweg eher (liberal-)konservativ und glückliche Mamas und Papas.
    Bei den „Grünen“ und Konsorten tippe ich ohnehin eher auf sonst verteufelte Chemie (Koks, Meth etc.), so bekloppt wie die sind, kann man mit Hasch und Marihuana kaum werden.
    Merke: Nur die wenigsten Althippies wurden politgrün, die meisten sind wohl ganz aus der Phase raus oder wandten sich dann durchaus „braun“ zu nennenden Blut-und-Boden-Sichtweisen zu.

    Daß Jugendliche von Cannabisprodukten ferngehalten werden sollten, steht natürlich außer Zweifel, so wie die auch keinen Schnaps trinken sollten.

    Ansonsten sehr guter Artikel, „Ansage!“ hat bei mir Lesezeichen sicher.

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