In Kroatien ist die Welt noch in Ordnung

Eindrücke von einem Kurzurlaub im (noch) anderen Europa

Über den Dächern von Dubrovnik: Glückliches Kroatien (Symbolbild:Pixabay)

Wir waren gut beraten, mit dem PKW nach Kroatien fahren. Fliegen bedeutet neuerdings, dreimal so lange am Flughafen wartend zusammengepfercht zu sein als in der Luft, wo es ebenfalls eng zugeht. Und das Gepäck ist dabei und landet nicht in einem anderen Land (wie mir das schon passiert ist). Was negativ zu Buche schlägt: die Autobahnmaut in Österreich, Slowenien und Kroatien. Und einige Tunnels kosten noch extra. Warum fahren die Bewohner dieser Länder auf unseren Autobahnen eigentlich gratis? Ach ja, wir Deutsche sind ja nicht auf sowas wie Geld angewiesen; wir gelten als die Reichsten Europas, bei uns ist jeder sein eigener Oligarch. Dafür war aber der Sprit in Slowenien günstig. Vielleicht mit der Quersubventionierung, mit den eingenommenen Autobahngebühren kommen sie mit einer kleineren Mineralölsteuer aus? Das wäre eventuell ja auch eine Option für Deutschland – natürlich nicht mit dieser Regierung.

Baustellen säumten die Reiseroute – wobei diese in Deutschland ihren Namen kaum verdienen. Denn auf vielen ist vom Bauen nicht viel zu sehen, die Baumaschinen stehen oft herum, ohne bewegt zu werden. Ebenso sieht man nur wenige Bauarbeiter, dafür umso mehr Schilder, Schilder und nochmals Schilder. Hat man diese hinter sich, fragt man sich, wozu man die Geschwindigkeit dermaßen reduzieren soll und wieder unnötigen Sprit beim Beschleunigen braucht.

Keine Verschleierte, Kirchtürme statt Minarette

Wohltuend: Während einer ganzen Woche habe ich nur eine Verschleierte gesehen. In meiner baden-württembergischen Heimat hingegen kann man kaum noch durch eine beliebige Straße fahren, ohne solche anzutreffen – und jede Zweite von ihnen schiebt einen Kinderwagen – in denen unsere künftigen Fachkräfte heranwachsen? Das ist keine zufällige Beobachtung, wie dieser Link zeigt. Obwohl Kroatien mit Bosnien-Herzegowina ein halb muslimisches Nachbarland hat, beträgt der muslimische Bevölkerungsanteil nur 1,5 Prozent, rund 63.000. Das sind weniger Muslime als bei uns alleine in manch einer Großstadt. Das Bild Kroatiens ist von Kirchtürmen venezianischen Baustils geprägt – nicht von den 2.000 Minaretten der 2.750 Moscheen bei uns in Deutschland. Unsere Bevölkerungsdichte beträgt mehr als das Dreifache der dortigen, aber der muslimische Anteil mindestens das Fünffache.

Unsere Erfahrungen im Hotel waren positiv. Wir wurden bestens bedient, Personalmangel gibt es dort offensichtlich keinen. Was folgende Gründe haben könnte: Zum einen saugt die Asylindustrie, anders als bei uns, kein wertvolles Arbeitspotenzial auf. Zum anderen beträgt der Ausländeranteil in Kroatien nur 2,45 Prozent – und keine 13 Prozent wie bei uns (Tendenz stark zunehmend), die insgesamt eine signifikant geringere Erwerbsquote aufweisen. Die „Logik“ der deutschen Politik ging nicht auf: Denn je mehr Ausländer gerufen wurden, desto größer wurde der Arbeitskräftemangel. In Kroatien scheint es auch keine übermäßige Krankenquote zu geben wie bei uns: Die Menschen dort sind mit 55,1 Prozent Impfquote nicht annähernd so impfgeil wie bei uns mit 76,2 Prozent Durchgespritzten. Was Folgen für die Arbeitsfähigkeit hat, denn bekanntlich folgte dem Impfen und Boostern (also der „Impfwelle”) unweigerlich die Krankenwelle. An der Spitze standen dabei Atemwegserkrankungen – durch Covid selbst (die Krankheit, vor der die Impfung schützen sollte). Die Ungeimpften wurden von der Omikron-Variante weniger heimgesucht. Deutschland hat mit seiner hohen Impfquote bisher 26,5 Prozent „Infizierte“ zu beklagen – Kroatien nur 10,8 Prozent. Auch ist die Maskerade ist dort nicht annähernd so ausgeprägt wie bei uns: Die kostenlos bereitgestellten Masken am Eingang des Hotelrestaurants blieben liegen. Dagegen hoffen die Hotels (und Busunternehmen) bei uns für ihre vorauseilende FFP2-Pflicht wohl auf einen fünften Stern.

Währungsbeitritt zur Unzeit

Im Gespräch mit einem Kroaten beklagte dieser die hohe Verschuldung seines Landes: 11.726 Euro pro Kopf sind es. Lieber Mann, sagte ich zu ihm, wenn ihr bald den Euro habt, werden es schnell mehr sein! Wir in Deutschland schlagen euch zwar nicht immer im Fußball, aber dafür um Längen bei den Schulden: Wir verzeichnen nämlich 27.900 Euro pro Kopf. Der „Tagesspiegel” schiebt das auf „Corona“ – als ob dieses Virus neben Infektionen auch Schulden verursachen könnte. Ihr Kroaten werdet euch bald dem Schuldendurchschnitt von 28.500 Euro in Europa nähern; blickt mal hinüber auf das Euro-Land am andern Ufer der Adria und schaut, wie das dort gemacht wird! Ausgerechnet in einer Zeit, da der Euro den Bach heruntergeht, beglückt man Kroatien nun mit dieser Gemeinschaftswährung. Die dortigen Preise werden steigen; ob das Land aber dann noch ein attraktives Urlaubsland bleiben wird?

Als wir auf der Rückfahrt die Grenze zu Slowenien passierten, musste zuerst nur der Fahrer seinen Ausweis vorlegen, am nächsten Kontrollpunkt jedoch alle drei Insassen des PKW. Eine illegale Einreise wäre zumindest ohne weiteres nicht möglich gewesen. Bei der Überquerung der deutschen Grenze erfolgte bekanntlich keinerlei Kontrolle – unser Land steht gewolltermaßen offen wie ein Scheunentor. Das wissen natürlich besonders die zu uns strömenden „Fachkräfte“.

Von E-Auto bis Unkrautjäten

Auf der Heimfahrt dann ein Halt an einer Raststätte mit zehn Tesla-Ladesäulen. Zwei waren belegt und eines der E-Gefährte (kommt das Wort etwa von „Gefahr”?) gab beim Aufladen furchteinflößende Geräusche von sich. Ich ließ mich aufklären, dass etwa zehn Minuten nach Beginn des Schnellladevorgangs ein Gebläse aktiviert werden muss, damit die Batterien nicht überhitzen; das bedeutet also: ein Teil des Stroms wird gleich wieder verplempert. Das ist etwa so, als wenn man tankt und anschießende ein paar Liter Sprit übers Auto laufen lässt. Vielleicht falsch gedacht – aber wahrscheinlich denken Tesla-Fahrer noch falscher.

Deutschland hat fertig“, dachte ich mir erneut, als ich wieder zu Hause ankam. Die Straßen meines Heimatstädtchens sind gesäumt von bis zu einem Meter hohem Unkraut. Ein Kontrast zum sauberen und gepflegten Kroatien. Warum können sich nicht die Merkelgäste nützlich machen, wenn wir für Bauhofbeschäftigte kein Geld mehr haben? Und dann fand ich in meiner Post auch noch einen Erinnerungsbrief vom „Zensus“ vor: Ich wurde aufgefordert, zu einer Ferienwohnung Angaben zu machen, die mir seit zwei Jahren nicht mehr gehört. Der Staat ist trotz oder wegen der Umstellung auf das Elektronische Grundbuch nicht mehr in der Lage, einen Eigentumswechsel zeitnah zu erfassen.

Die Hoffnung auf ein besseres Deutschland nach Merkel hat sich leider nicht erfüllt. Das ist ja auch schwer – denn schon Ex-Bundespräsident Joachim Gauck räsonierte einst vom besten Deutschland, das wir je hatten, was dann von Steinmeier wiederholt wurde. Und das Beste lässt sich halt schwerlich noch besser machen! Doch Sarkasmus beiseite: Deutschland ist wirklich bald am Ende.

 

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5 Kommentare

  1. Dass Kroatien dem Euro beitritt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ausgerechnet in der Zeit, in der das Ende der „Fehlkonstruktion“ (Roger Köppel) naht, lassen sich die Kroaten dieses ‚Falschgeld‘ aufschwatzen, unverständlich.

  2. So könnte Deutschland vorankommen:

    Alle politisch aufsteigenswillige Kräfte vom Landesvorsitz, Abgeordneten in Bund oder Land, die keine 3-jährige Berufspraxis (mit oder ohne Studium) vorweisen können oder einen sonstigen qualifizierten Eignungsnachweis führen können, machen ein einjähriges Berufspraktikum im Ausland und berichten dann über ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen. Das ist keine Diskriminierung: Altersgrenzen haben wir auch.

    Eine politisch unabhängige Prüfungskommission bewertet die Abschlussarbeiten und entscheidet über die „Zulassung zur Praktischen Politik“ – mit Diplom. In Zukunft sitzen dann nur noch ausreichend geprüfte Fachkräfte in den Parlamenten und Regierungen. Und die haben dann auf einmal Argumente und Ansichten – da fällt dir glatt das Smartphone aus der Hand!

    Schon Goethe sagte: Reisen bildet! Neuerdings darf man aber auch sagen: Zu viel herumreisen verblödet!

    Ein Blick ins Ausland verschafft oft ungeahnte Erkenntnisse. Ich bin heilfroh, dass mein Kabelanbieter auf meine beschränkte Aufnahmekapazitäten Rücksicht nimmt und aus diesen Ländern erst gar keine Sender auf meinen Bildschirm lässt: Österreich, Schweiz, Frankreich, Holland, England, Dänemark, Polen undund.
    Nur mal Nachrichten oder so. Alles müsste ja wirklich nicht sein!

    Europa hurra, hurra!!! – Aber meinen Enkeln kann ich so nicht mal vorführen, wie Englisch, Französisch oder Schweizerisch klingt … Es genügt ja auch, wenn sie schon in der Schule keine Fremdsprache richtig lernen!

  3. Schöner Bericht. Kann ich auch persönlich so unterschreiben. Wir waren vor vier Wochen auch in Kroatien. Eine Oase, wenn man aus 2022-Dummland kommt. Der „Aufprall“ bei der Rückkehr kann in tiefen Depressionen enden…

  4. Kleiner Hinweis: Der Ausländeranteil von 13% stimmt so nicht, da muss man noch die 25% der Deutschen zurechnen, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Also kommen auf 60 Millionen Deutsche, 20 Millionen Ausländer mit deutschem Pass und 10 Millionen Ausländer (noch) ohne deutschen Pass.

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