Freitag, 14. Juni 2024
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Intellektuelles Schwergewicht Ikke Hüftgold reist nicht zum ESC 2023

Intellektuelles Schwergewicht Ikke Hüftgold reist nicht zum ESC 2023

Ikke Hüftgold: Würdiger Repräsentant des zeitgenössischen Deutschlands (Foto:WikiCommons)

Dieser Kelch ging knapp an uns vorüber: Deutschlands Trash-Ikone Ikke Hüftgold reist nun doch nicht zum ESC 2023. „Wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Saufen! Wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Sex! Wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Drogen…“ Und dann alle, zum ewig gleichen Discostampf: „Lalalalalalala…“ Was eigentlich ein Song für den “Bierkönig” auf Malle nachts um halb drei gewesen wäre, ideal für ein sturzbesoffenes Publikum so richtig schön zum Mitgrölen und zum fremdschamwürdigen Sau-Rauslassen, verfehlte nun ganz knapp den Einzug zum diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC). Eine weitere Gelegenheit wurde verpasst, vor der Welt Zeugnis abzulegen, dass Deutschland verdientermaßen als Land der Dichter und Denker gilt.

Ausgerechnet im Brexit-Land Großbritannien, wo der ESC stattfindet, muss heuer also auf die Teilnahme der nächsten grobschlächtigen, teutonischen Witzfigur Hüftgold verzichtet werden. Vielleicht wäre Transen-Pop oder irgendein zurechtoperiertes histrionisches Teeniegirl doch chancenreicher gewesen. Dabei ist es doch schade um Ikke Hüftgold! Denn ähnlich wie bei “Tim Toupet”, “Ingo ohne Flamingo”, der singenden Porno-Queen “Julia Mia” oder dem “Almklausi” bringt hier doch alleine schon der Name die Herzen zum Schmelzen! Noch dazu wirkt seine Frisur stets wie nach der Bierdusche; sein Publikum begrüßt Hüftgold schon mal mit dem Stinkefinger. Tritt man nicht – wie jetzt beim Vorentscheid – mit einem „Lied mit gutem Text“ (siehe oben) an, dann gibt es ja immer noch den „Dicke Titten Kartoffelsalat“, die geistreichen Balladen „Leck die Tussy“ oder „Saufen ist Scheiße, doch wir machen’s trotzdem”, um nur drei Titelbeispiele aus der Feder dieses begnadeten Liedermachers zu nennen. Wegen des Songs „Urensohn“ geriet “Ikke” einst mit dem deutschen Fußballnationalspieler Timo Werner aneinander, der im Text übelst persifliert wird.

Primitivste Vulgärmukke für primitivste Proleten

Natürlich ist es für das nationale Künstlerprekariat fast schon zum Volkssport geworden, das eigene Land auf internationalem Terrain nach Kräften zu blamieren. Der verdiente letzte Platz wäre da zum regelrechten Ritterschlag für die hiesigen Landeshasser und Kulturbanausen geworden; Hüftgold wäre hier in die Fußstapfen solcher Spezialisten wie Guildo Horn oder Stefan Raab (ESC-Beitrag: „Wadde Hadde dude da?“) getreten – wobei diese die Niveaulosigkeit wenigstens noch geradezu liebenswürdig selbstironisch zelebrierten. Ikke Hüftgold hingegen ist “authentisch” – und genau das ist das Problem: Primitivste Vulgärmukke für primitivste Proleten. Insofern lag schon vor dem Songentscheid die Befürchtung nahe, dass das bisherige deutsche ESC-Niveau nochmals um ein Vielfaches unterboten würde.

Und in der Tat: Im goldenen Dress hüpft der Proll von einem Bein aufs andere, dröhnte das Publikum mit einem geistlosen Saufsong zu, während die Begleitband offenbar einen auf Daft Punk machte; stets mit der frohen Botschaft im Gepäck: Wir Deutsche tun keinem mehr was, heute ist kein Blitzkrieg mehr angesagt, sondern kratzende Klobürste; wir sind doch völlig ungefährlich, machen uns liebend gern zum Deppen! Praktisch dabei: Wenn selbst mit der Lupe zu suchende Kleinstaaten kulturell mehr zu bieten haben als die einstige Kulturnation Deutschland, dann muss endgültig niemand mehr stolz auf Schwarz-Rot-Gold sein. Dennoch hatte Hüftgold bei der ARD-Abstimmung am Freitagabend eine frenetische Fangemeinde hinter sich, die den 46-jährigen nur zu gerne im Austragungsort der Beatles-Stadt Liverpool gesehen hätte. So wurde “Matthias Distel” – so der bürgerliche Name des natürlich migrationsverherrlichenden Schlagerbarden – am Ende trotzdem noch Zweiter.

Deutschland als dekadenter Rotzfleck

Man mag ja vom ESC viel halten oder auch nicht; weder das Bewertungssystem noch die künstlerischen Aspekte überzeugen wirklich. Dennoch verfolgten allein im letzten Jahr rund 161 Millionen Menschen aus 34 Ländern den europaweiten Gesangeswettbewerb. Dass gelebte Niveaulosigkeit aber kein Aushängeschild für irgendeine Nation der Welt sein kann, müsste eigentlich jedem normalen Menschen bewusst sein. Was Typen wie Hüftgold hingegen betreiben, ist die pure Anti-Kultur, um dabei nicht nur den krassen Gegenpol zur primär durch die amerikanisch-anglophon definierte internationale moderne Leitkultur zu verkörpern, sondern auch noch nach Kräften die Kulturrelikte des eigenen Landes zu verwässern und zu zerstören. Aller Welt soll klargemacht werden: Deutschland ist verloren (dazu passt dann auch der Name der nunmehrigen Gewinnercombo, die uns “würdig” vertreten darf: “Lord of the Lost”); es ist ein dekadenter Rotzfleck, der sich selbst verachtet und nicht mehr ernst nimmt.

Es hätte auch anders gehen können; selbst Distel alias Hüftgold hätte bei aller Substanzlosigkeit, wenn er denn wollte, mehr zu bieten: Immerhin brachte sein Label “Summerfield Records” vor knapp einem Jahr den absurderweise als “sexistisch” geframten, aber musikalisch sehr eingängigen Partysong „Layla“ von DJ Robin und Schürze heraus. Mit dem traute sich Distel aber natürlich nicht zum ESC-Vorentscheid anzutreten. Von Uren und Huren zu singen ist nämlich politisch ungleich unkorrekter und heikler, als vom Nicht-Sex oder Nicht-Saufen zu singen. Allerdings hat der selbsternannte Stimmungsmacher schon angedroht, im nächsten Jahr wieder mit dabei sein zu wollen; wer weiß, welche Untiefen uns dann erwarten…

Dieser Beitrag erschien auch auf beischneider.

18 Antworten

  1. Die Leute die sowas wählen, haben das Hirn von einer Stubenfliege, anders kann ich mir die Platzierung nicht erklären !

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  2. Unglaublich, was in dieser bekloppten Gesellschaft abgeht. Man kommt sich vor wie in einem Jurassic Park. Nur noch Gehirnamputierte um mich herum. Es ist einfach nur noch zum Kotzen. Warum jubelt man nicht einfach den schon feststehenden Preis an die Ukraine und bejubelt die zum “Gewinner” und fertig ist? Der Rest steht in der Bild – Zeitung.

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  3. Als ob der ausgesuchte Heavy Metal-Song so viel besser wäre. Ich weiß nicht worüber der sogenannten Sänger krächzt, aber seine Schreistimme ist mäßig und er kann auch nicht singen. Scooter konnte das besser oder auch die heutigen Mittelalterrockgruppen, wie Saltatio Mortis unter vielen anderen.

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  4. Auch wenn diese bemitleidenswerte Witzfigur Deutschland nicht beim ESC repräsentieren wird, zeigt die Anzahl derer, die sich dies durch ihre Stimmabgabe gewünscht haben, dass Deutschland sich nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch intellektuell im freien Fall in einen nicht enden wollenden Abgrund befindet …

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  5. Der Preis für den abstoßendsten ESC-Beitrag aller Zeiten geht aber nach wie vor noch nach Österreich!
    Ironie der Geschichte, Conchita will schon lange nicht mehr und als Martin oder wie der wirklich heißt bekannt werden, aber das interessiert ganz exakt niemanden. Und so steht er dann wieder im Frauenkleid auf der Bühne und grämt sich innerlich zu Tode.

    1. “Rex Gildo”-Syndrom

      Die Geister, die ich rief…. aber immerhin hat es sich finanziell bis hierhin ja wohl durchaus gelohnt

  6. Das Niveau der zweitklassigen Künstler und der miserablen Jury
    hat sich auch wieder bei diesem nationalen Auswahlwettbewerb
    deutlich gezeigt.

    Warum wohl treten dort keine Interpreten auf, die bereits im
    Musikgeschäft einen Namen aufweisen können?

    Wage eine Prognose, auch beim nächsten internationalen Wettbewerb wird vorauss. wieder die Ukraine gewinnen, denn
    es geht schon lange nicht mehr um die Künstler-Qualität.
    Diese Veranstaltung hängt das dem Mainstream gefällige und politische weitaus höher.

    Habe mir den Käse der nationalen Auswahl nicht angeschaut und werde den Dreck der Großveranstaltung auch nicht einschalten.

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  7. “… der singenden Porno-Queen “Julia Mia”…”

    Sie heißt wohl ‘Mia Julia’ statt ‘Julia Mia’ – aber das nur der Ordnung halber.

  8. Wie ? Gab’s denn keinen Trans-Halbukrainer*In mit einem Heldenlied im Wettbewerb, der zwingend gewonnen hätte ?