Iran: Eine historische Lektion kurz vor 12

Iran: Eine historische Lektion kurz vor 12

Wiederholt Trump im Iran die Fehler der Vergangenheit und lässt sich wie all seine Vorgänger vom MIC irreleiten? (Foto:Imago)

Am 27. April veröffentlichte der Autor hier auf Ansage! unter dem Titel “Die iranische Brudernation und ihre Unterdrücker” eine Bewertung der Militäroperation im Iran, die nur dann von Erfolg gekrönt sein kann, wenn am Ende eine echte Befreiung des iranischen Volkes in Selbstbestimmung und Würde steht. Der Beitrag schloss mit der Feststellung, dass es nun an der Trump-Regierung liegt, dem Freiheitswillen der Iraner Geltung zu verschaffen und damit den weltweiten Trend gegen Freiheit und Autonomie umzukehren. Diese Trendumkehr setzt allerdings voraus, dass die dauerhafte Stärkung der demokratischen Idee als überfälliges Projekt erkannt und umgesetzt wird. Dieses umfasst ein ganzes Paket von Einzelschritten, unter denen die Befreiung der Iraner überhaupt keine vorrangige Dringlichkeit hatte. Insbesondere hätte eine wesentlich effektivere Kontrolle und Demokratisierung des westlichen Sicherheitsapparats aus Militär und Geheimdiensten vorausgehen müssen. Hier hat sich ein autoritärer Staat im Staate entwickelt, der seine mangelnde Effizienz in kontraproduktiven Militäreinsätzen hinreichend nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt.

Das chronische Versagen auf der psychologischen Ebene, nämlich im Umgang mit der betreffenden Landesbevölkerung einschließlich ihrer korrupten Politiker, blieb jedoch im Westen außerhalb der Wahrnehmung. Im unkritischen Ambiente der Medienberichterstattung konnte der Militärisch-Industrielle Komplex (MIC) das Ziel eines “Staates im Staat” – in den USA und Großbritannien mit eigener Militärgerichtsbarkeit – stetig ausbauen. Wenn die CIA erhebliche Anteile ihres riesigen Budgets in die schönfärbende Präsentation amerikanischer Militäraktionen durch ihr Office of Public Relations steckt, bedeutet das eine mit Steuergeldern finanzierte Fehlorientierung der ganzen westlichen Zivilisation von inzwischen überlebensbedrohlichen Ausmaßen. Schon allein diese Informationsmanipulation untergräbt die Prinzipien und Werte, die da angeblich militärisch verteidigt werden. Sie beweist damit, dass diese mit ganz anderen Mitteln zu verteidigen sind, nämlich mit rationalen Argumenten und durch authentisches Vorbild auf dem korrekten Weg. Militär und Geheimdienste schirmen ihre Aktivitäten bereits seit dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg ohne hinreichende demokratische Kontrolle hinter einer – eigentlich  verfassungswidrigen – Militärzensur ab.

Maximierung der Selbstbeschädigung

Der Geheimhaltungskult um das wahre Gesicht westlicher Militäreinsätze wird mit einer gebetsmühlenartig vorgetragenen Besorgnis um die nationale Sicherheit begründet. Da wird übersehen, dass immer stärkere militärische Anstrengungen in einem psychologisch verdrehten Ambiente nicht größere Sicherheit bringen, sondern Maximierung der Selbstbeschädigung. Die Reputation der USA als Ordnungsmacht war bereits vor Trumps zweitem Amtsturnus stark ramponiert. Diejenige Israels wurde dagegen erst im Verlaufe des Gaza-Krieges von der Netanyahu-Regierung förmlich in den Boden gestampft. Nichts bedroht die Sicherheit westlicher Nationen mehr als kontraproduktive Aktivitäten, die sich hinter ihrem Rücken abspielen und daher, statt sofort abgestellt zu werden, jahrzehntelang weiterlaufen und sich steigern. Ohne Zweifel trifft die Hamas-Terroristen, die ihre Angriffe aus dicht bebauten Wohngebieten heraus vortragen, die übergeordnete Verantwortung für die dadurch bei Gegenschlägen unvermeidbaren Zivilopfer – ein Aspekt, den die Medienberichterstattung systematisch ignoriert. Aber die israelische Antwort auf diese antihumanitäre Kriegsführung ignoriert ebenfalls humanitäre Prinzipien. Und sie ignoriert die Erfahrungen aus den kontraproduktiven amerikanischen Militäreinsätzen in den rund 70 Jahren seit dem Vietnamkrieg. Im Gegenteil systematisiert die israelische Militärstrategie nach der sogenannten Dahiya-Doktrin den humanitätswidrigen Umgang mit der gegnerischen Bevölkerung, indem eine gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur und Wohngebiete (nach vorheriger Evakuierungsaufforderung) stattfindet, sobald von diesen heraus geschossen wird.

Auch an dieser Eskalation antihumanitärer und zugleich selbstzerstörerischer Praktiken trifft die Medien des Mainstream eine erhebliche Mitschuld. Seit dem 7. Oktober 2023 hat keine (!) der großen europäischen oder US-amerikanischen Nachrichtenagenturen die klar definierte Dahiya-Doktrin auch nur einmal thematisiert, die Strategie, deren humanitäre Auswirkungen über zwei Jahre lang den Schwerpunkt der globalen Medienberichterstattung dargestellt haben. Wegen dieser Informationsfilterung und der unzulänglichen demokratischen Kontrolle sind dringend abzustellende Praktiken des westlichen Sicherheitsapparats fast immer erst nachträglich ans Licht gekommen. Und selbst dann sind aus diesen Fehlern keine Lehren gezogen worden. Das betrifft unter anderem die exzessive Erhebung von Daten durch NSA und CIA sowie die Tendenzen letzterer zur Informationsverfälschung wie vor beiden Irakkriegen. Noch schwerer wiegt die hinter dem Betrug der eigenen Nation erkennbare demokratie- und rechtsstaatsferne Einstellung. Diese trat unter anderem im extrem unfairen Umgang mit Whistleblowern wie Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning zu Tage. Letztere wurde für ihren Idealismus zu 35 Jahren Haft verurteilt, im Vollzug gequält und nur auf öffentlichen Druck hin begnadigt.

Große Gefahr schwerster Fehlentscheidungen

2013 bemerkte sie in ihrem Verteidigungsplädoyer zu den von ihr geleakten Dokumenten über die humanitätswidrige Behandlung von Zivilisten und gefangenen Milizionären im Irakkrieg: “I believed that if the public, particularly the American public, could see this information, it could spark a debate about foreign policy and the wars in Iraq and Afghanistan. It might cause society to reconsider the need to engage in counterterrorism operations that ignore the human cost to the local populations” (auf Deutsch: “Ich glaubte, dass diese Information eine Debatte über Außenpolitik und die Kriege im Irak und Afghanistan auslösen könnte, wenn die Öffentlichkeit, insbesondere die amerikanische Öffentlichkeit, diese zu sehen bekäme. Die Debatte könnte die Gesellschaft dazu bewegen, die Notwendigkeit solcher Terrorbekämpfungseinsätze zu überdenken, welche die menschlichen Kosten unter den lokalen Bewohnern missachten”). Mit diesem Statement übertraf Chelsea Manning die Vertreter der Anklage, des Gerichts sowie die militärische und politische Führung in ihrem Verantwortungsbewusstsein für die tatsächliche nationale Sicherheit um Welten.

Hätte jene breite gesellschaftliche Debatte und Infragestellung stattgefunden, die Chelsea Menning unter größtem Einsatz hatte anstoßen wollen, läge jetzt im Irankrieg nicht eine dermaßen große Gefahr schwerster Fehlentscheidungen vor. In dieser Notlage geht es nicht um die zweitrangige Frage, ob man für oder gegen Donald Trump ist, sondern um die Einsicht, dass der voreilig und plump militaristisch aufgezogene (und bei Fortsetzung ins Desaster führende) Ansatz einer Befreiung der iranischen Nation jetzt auf weitgehend gewaltfreie Weise zu Ende gebracht werden muss – es sei denn, dass schon die bloße Androhung zur Beendigung des Spannungszustandes führt (siehe hier). Es gilt jetzt extrem wachsam zu sein und nicht auf neueste Vorschläge aus Militärkreisen hereinzufallen, die in die seit dem Vietnamkrieg bekannte kontraproduktive Richtung fehlleiten („United States Central Command has prepared a plan for a “short and powerful” wave of strikes, likely including the Islamic Republic’s key infrastructure, in hopes of breaking the stalemate in the talks…“, siehe hier). Nicht Teile der Schlüsselinfrastruktur der Islamischen Republik – also der iranischen Nation – bilden rationale Ziele, sondern die Schaltstellen und Kommunikationsmittel des islamistischen Regimes. Oder muss eine Geisel etwa erst vergewaltigt werden, bevor sie aus der Hand von Terroristen befreit werden kann?

6 Kommentare

  1. die meisten würden das gar nicht verstehen aber wir haben doch Maischberger und Mioska für die Wahrheiten im Superdoofenblödelland

    1. Sehr geehrter Herr Hamann,

      es ist ja vieles schön und gut was Sie hier im Artikel sagen; besonders charmant finde ich die Lanze, welche Sie für die Whistleblowerin Chelsea Manning brechen…

      Aber was hätte nun die Regierung Netanyahu nach dem Hamas-Angriff vom 7.10.23 militärisch-politisch eigentlich anders machen können?
      Meinen Sie etwa – „Es ist Krieg, und keiner geht hin“ ?

      Und warum hat diese von Ihnen ausgemachte und beklagte „Strategie, deren humanitäre Auswirkungen über zwei Jahre lang den Schwerpunkt der globalen Medienberichterstattung dargestellt haben“ – eigentlich über zwei Jahre lang den Schwerpunkt der globalen Medienberichterstattung dargestellt – und jetzt plötzlich nicht mehr?

      Hat das vielleicht mit einer Änderung der globalen Medienfinanzierung durch das Emirat Katar zu tun, welches sich plötzlich, seit dem Anfang des Iran-Kriegs, als (Zwangs-) Verbündeter auf der Seite Israels wiederfindet?
      Oder vielleicht damit, daß unsere deutschdominierte EU das Thema nicht mehr als mediale Ablenkung von deren vollständig humanitärer und, weil Stellvertreterkrieg, auch vollständig völkerrechtkonformer Weiterführung des bereits seit über 4 Jahre andauernden, sinnlosen und viel umfangreicheren Schlachtens und Verstümmelns unschuldiger Soldaten in der Ukraine benötigt?

  2. Trump ist die größte Enttäuschung der letzten Jahre obwohl er anständige Ansätze hatte wie eine Mauer nach Mexico zu bauen um illegale Übertritte zu verhindern. Die Antifa als Terrororganisation einzustufen war lobenswert was sich auf unserem Grund& Boden kein Politiker oder Minister nur zudenken wagt. Zölle auf amerikanische Firmen zu erheben die billig im Ausland produzieren das ist ausgezeichnet, doch mein Entschluss nach dem Angriff auf den Iran steht fest. Die drei antideutschen Rachepläne Kalergis, van Hootons und Morgenthaus laufen auf voller Fahrt in dem in erster Linie Flüchtlinge nach Europa gebracht werden die dann im Weltselbstbedienungsladen BRD landen. Besonders im geilen Westen der Republik können dann blitzschnell Kalifate stehen und die islamische Revolution beginnt. Komischerweise auch Ungarn hat jetzt eine liberale Regierung nur das dann viele NATO-Truppen gegen Moskau stationiert werden können. Alles ist geplant von Washington aus wie immer und gerade jetzt in Budapest wird eine Regenbogenministerin ernannt. Bissl bei der Weltpolizei hat man diesen Wahnsinn von Soros beschnitten aber er gedeiht weiter auf unserem alten Kontinent. Was auch sehr auffällig ist das niemand mehr gegen Trump poltert wie vor seiner Machtübernahme. Naja alles ist gesteuert mit der Medienmafia und die Meute vergisst wenn man sie nicht daran erinnert solange das Eigenwohl aus Arbeit, Mindestlohn, Kredit und Auto NOCH stimmt. Sobald mancherorts Halbmond und der Koran mit der Scharia den Alltag bestimmen da ist Schluss mit lustig für manch Schlafhamster da schon bei Ruhestörung ein Ozean voller Tränen ausbricht. Allen linksgewaschenen Gutmenschen und Tuntifas wünsche ich Flüchtlinge und Neubürger mit morgenländischen Wurzeln als Nachbarn da sie sehr tolerant sind zu Frauen und Homosexualität. Wer nicht hören will der muss fühlen;-)

  3. Nirgends wird soviel gelogen wie im Krieg, nach der Jagd und VOR WAHLEN!!!!….Die Gescheite EURO Elite Geisselt lieber das eigene Volk. Sie halten an den Sanktionen wie ein Sturer Esel an der vorgehängten Karotte fest, dabei wäre es einfach einmal über den eigenen Schatten zu springen und mit Putin Frieden zu schliessen und die Sanktionen aufheben. Das macht dann die AFD!!!

    Die EU-Elite hält nicht nur an den Sanktionen fest, sondern schiebt Selenskyj noch Milliarden hinten rein, damit er mit seinen Drohnen die russische Energie-Infrastruktur maximal beschädigen kann. Hauptsache, die Energiekrise nimmt groteske Züge an und man kann wieder die unsinnige Energiewende propagieren und weitere Billionen damit vernichten. Und dann natürlich die Hände in Unschuld waschen, wenn alles den Bach runtergegangen ist. Fremde Kriege und höhere Macht werden es dann gewesen sein.

    Da man von Natur aus gar nicht so blöd sein kann, wie es die „EU-Elite“ ist, muss also etwas anderes dahinter stecken. Man kann zur Zeit nur spekulieren! Europas Regierungen hätten es in der Hand, den Energieengpass umgehend zu beenden…..Aber sie ziehen es vor, daran festzuhalten, sich in die Abhängigkeit der USA auszuliefern, weil es keine europäischen Regierungen sind. Es sind Handlanger von blackrock. Die EU-Kommission will daran festhalten, keine Energie aus RU mehr zu kaufen, koste es was es wolle. Man will nicht „abhängig“ sein vom zuverlässigsten Lieferanten, sondern zu 96% vom Zollerpresser und Cowboykriegerland hinter dem Ozean.

  4. Die Doppelmoral des Westens
    Russland in der Ukraine oder USA und Israel im Naher Osten, wer führt wo einen „brutalen Angriffskrieg“?
    Ein Vergleich der Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine einerseits und im Iran und Libanon andererseits gibt die Antwort auf die Frage, ob Russland in der Ukraine oder die USA und Israel im Nahen Osten einen „brutalen Angriffskrieg“ führen.
    https://anti-spiegel.ru/2026/russland-in-der-ukraine-oder-usa-und-israel-im-naher-osten-wer-fuehrt-wo-einen-brutalen-angriffskrieg/

  5. Herr Hamann,
    Sie halten ausländische militärische Operationen für legitim, um Demokratie in einem bestimmten Land herzustellen. Es ist scheinheilig.
    Die USA scheren sich nicht um das Schicksal der Iraner, wie auch das Schicksal von
    • Irak
    • Venezuela
    • Syrien
    • Libanon
    • Libyen
    sie nicht interessiert hat. (Liste ist unvollständig.)
    Ihnen geht es darum,
    1, zu bestimmen, wer an wen, zu welchen Konditionen, zu welchem Preis und vor allen Dingen in welcher Währung Öl verkaufen darf,
    2, Israels Interessen zu schützen.
    Und hier, beim zweiten Punkt, bin ich gespalten. Berechtigte Interessen zu schützen wäre legitim, aber hier müsste eine rote Linie gezogen, werden, und jenseits der Linie müssten die USA jede Unterstützung verweigern. Und mit den Groß-Israel Projekten, und dem Umgang mit der palästinensischen Zivilbevölkerung hat Israel die Linie mehrmals überschritten. Aber die Israel-Lobby in den USA ist so stark, dass die Frage niemals erwogen wird.
    Stellen Sie sich mal vor: eine starke militärische Macht käme, um die Amerikaner von der Fed-Diktatur zu befreien.
    Muslimische Staaten und Gesellschaften sind per se undemokratisch. Würde es
    den USA an der Demokratie liegen, würden sie ihr Wort erheben, keine Muslime nach Europa zu lassen, sondern sie zurückzuführen. Machen sie nicht. Demokratie ist ihnen egal. Europa wir untergehen, auch das scheint sie nicht zu stören.
    Aber die Fragestellung – selbstlose ausländische Intervention zum Schutz der heimischen Bevölkerung – ist schon interessant. Ich kenne dafür ein Beispiel aus der Geschichte, als die vietnamesische militärische Intervention 1979 dem Pol Pot Genozid ein Ende gesetzt hat.
    Ansonsten stellen die Großmächte de Frage: Was nützt es mir mehr: Die Diktatur zu dulden, oder die Bevölkerung zu befreien?