
Jean-Remy von Matt hat sich blamiert. Für einen Auftritt bei “Nius” – wohlgemerkt in eigener Sache, zur Vorstellung seines neuen Buches – hat er sich öffentlich entschuldigt. Wie ein Schuljunge erklärte er, er habe nicht gewusst, „für was dieses Medium steht“. Die ganzen Termine hätte sein Verlag gemacht und er wusste gar nicht, wo er da hingeht. Für mich ist das ein trauriger Tiefpunkt eines Mannes, der einmal eine Legende war. Denn in der Sendung duzt er Reichelt.
Als junger Werber habe ich zu ihm aufgeschaut. Jean-Remy von Matt war nicht einfach nur ein Werber; er war eine Kreativ-Ikone. Er stand für Kampagnen, die Geschichte geschrieben haben: „Geiz ist geil“ für Saturn, „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ für die Kreissparkassen, „BILD dir Deine Meinung“ für die “Bild”-Zeitung. Das waren nicht nur Claims. Das waren kulturelle Marker, die jeder kannte. Von Matt verkörperte Mut, Witz und ein feines Gespür für den Zeitgeist. Umso ernüchternder ist es zu sehen, wie dieser Mann mit 72 Jahren vor dem links-woken Mainstream einknickt. Statt zu seiner Entscheidung zu stehen und zu sagen: „Ja, ich spreche auch mit Medien, die außerhalb des engen Meinungskorridor des Hamburger Linksmilieus liegen“, knickt er ein. Ausgerechnet er, der in der Werbung gerne provozierte, polarisierte und Grenzen verschob. Das ist feige. Und es ist ein Verrat an der eigenen Arbeit der letzten Jahrzehnte.
Kumpanei mit dem linksextremen Milieu
Wenn sich Jean-Remy von Matt schon entschuldigen will, dann besser für seine Kungelei mit dem “Spiegel”: Im Jahr 2023 stellte von Matt in seiner Agentur den früheren “Spiegel”-Skandal-“Journalisten“ Claas Relotius ein, der über Jahre frei erfundene Geschichten und tendenziöse Kampagnen mit politischer Schlagseite geschrieben hatte, was bei deren Aufdeckung in den berüchtigten Relotius-Skandal mündete. Die Kumpanei mit dem linksextremen Milieu um den “Spiegel” herum war kein einmaliger Ausrutscher: Jung von Matt war bei der letzten Bundestagswahl auch die Lead-Agentur von Bündnis90/Die Grünen.
Man kann ein Linker sein und trotzdem Rückgrat haben. Doch die peinliche Art, mit der von Matt sich jetzt windet und wendet, sich herausredet: Die ist entwürdigend. Was bleibt, ist das Bild einer Werbelegende, die es nicht mal schafft, dem linken Establishment um sich herum ein „macht mal halblang!“ zu erwidern, wenn dieses wieder mal völlig übers Ziel hinausschießt. Jean-Remy von Matt hätte als freier Geist abtreten können. Stattdessen verabschiedet er sich als jämmerlich angepasster, ängstlicher Mitläufer.
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7 Antworten
Auch ich habe als junge Werberin ehrfürchtig auf seine Kampagnen geschaut. Aber die damalige Werbelandschaft mit ihren erfolgreichen Agenturen und wegweisenden Werbern ist definitiv vorbei. Sehr bedauerlich, wenn man das nicht erkennt und irgendwie noch immer im Rampenlicht rumturnen will. Warum genießt er nicht seinen Reichtum und schweigt?
Tolles Sujet. Sachkundiger und entschiedener Petr Bystron!
ZITAT: „Stattdessen verabschiedet er sich als jämmerlich angepasster, ängstlicher Mitläufer.“
Und die ernüchternste Erkenntnis lautet: So war der schon immer. Das ist seinen Fan-Boys & Girls nur nie so aufgefallen wie jetzt. Und die Supererkenntnis lautet: Der ist nicht allein. Das Land ist voll mit Menschen, von denen man früher viel gehalten hat und deren Armseligkeit man erst in diesen Zeiten richtig erkennt. Das ist das einzig Positive an diesen miesen Zeiten.
Exakt. Man gibt doch Courage, Rückgrat etc. nicht mit 72 ab… total absurd, das wäre.
Herr Bystron sieht das anders als ich. Er glaubt, ich hätte Kampagnen wie „Geiz ist geil“ nicht als widerlich empfunden.
Kein Systemling, aber ein Bückling. Ohne Bücklinge keine Systemlinge. Ohne Systemlinge kein System.
Das Einzehntelgesetz
Schon Moses hatte ein Problem,
als er zog auf die Wanderschaft.
Für neun von zehn war es bequem,
auszuharren in der Knechtschaft.
Schlägt man den Bogen der Legenden
bis hinein in uns’re Zeit,
den Staat der Linken zu beenden,
war nur ein kleiner Teil bereit.
So ist die Masse unentschlossen,
zum Hammerdasein nicht geprägt,
sie liegt dann auf den Ambossen,
als weiches Teil, auf das man schlägt.
Denn es scheint ein Gesetz zu geben,
Rebellen sind es immer wenig,
nur wenige nach Freiheit streben,
die Masse ist stets untertänig.
Das Gesetz hat noch ’ne andre Seite,
wenn wenige der Macht nicht weichen,
sich mutig aufstellen zum Streite,
sind’s die, die oftmals viel erreichen.
Den Mächtigen im deutschen Land
und denen, die der Macht anhängen,
ist das Gesetz sehr wohl bekannt,
der Grund, weshalb sie Mut bedrängen.
Bedrängen die, die sich nicht bücken
unter rotgrünes Machtgejohle,
sind die, die man nicht kann beglücken
mit Klima, Gender, weg mit der Kohle.
Dass ihnen sitzt die Angst im Nacken,
erkennt man, wie sie reagieren,
verständlich ihre Hetzattacken
auf die paar, die die Macht quittieren.
Hat man das Gesetz erkannt,
kann man das Votum nicht vertreiben,
ist man bei denen mit Verstand
oder will Bücker bleiben.
Ist halt ein professioneller Werbefuzzi, der orientiert sich immer daran wo das meiste Geld zu holen ist, da hält man schön die Klappe damit die Aufträge weiter reinkommen, sonst kann er seine Agentur abwickeln. Wenn der schon für die Grünen in der letzten Bundestagswahl die Werbung entwickelt hat, das sagt doch schon alles. Ob der vor 30 Jahren mal hippe Firmen-Kampagnen entwickelt hat interessiert doch keinen mehr, irgendwann ist der Glanz vorbei, da muss man schauen wie die Kohle bis zur Rente reinkommt, so wie früher läuft das heute nicht mehr wo Leute noch über revolutionäre Werbespots reden, die nimmt keiner mehr wahr, alles war schon da, nach einer Woche vergessen. So ne Kampagne für Parteien bringt sicher sehr viel Geld, da plappert man gerne nach dem Mund des politisch „richtigen“ Lagers.