Jetzt gerät auch Oliver Pocher in die Mühlen des Coronastaats

Pocher beim Stage-Diving? (Foto:Imago/FutureImage)

Man muss kein Querdenker oder staatsfeindlicher Grundrechtsdemonstrant sein, um das fundamental veränderte Auftreten, die neue habituelle Kaltschnäuzigkeit deutscher Ordnungshüter zu spüren zu bekommen, das seit Corona zum neuen Normal gehört. Das bekam nun auch eine der selbstgefälligsten Gestalten des moribund-niveaulosen deutschen Unterhaltungsgewerbes am eigenen Leib zu spüren, der bisher nicht im sogenannten „Dunstkreis“ renitenter Pandemie-Dissidenten in Erscheinung getreten war: Ausgerechnet Oliver Pocher wurde am gestrigen Abend von der Polizei abgeführt – beim  Überraschungsauftrit im Rahmen eines Konzerts von Pietro Lombardi.

Weil der „Comedian“ Corona-Auflagen missachtet haben soll, griffen die hinzugerufenen Polizisten beim „Strandkorb-Open Air“ im schleswig-holsteinischen Hartenholm rabiat durch – offenbar nur, weil Pocher für einen kurzen Moment die Bühne verlassen hatte und ein „Bad in der Menge“ nehmen wollte. Als er sich im – bizarrerweise ohnehin „geimpft- oder genesenen“ Publikum aufhielt, kamen ruckzuck zwei Beamte auf ihn zu. Von Pochers Beschwichtigungsversuchen („jetzt bleiben Sie mal ganz entspannt!„) wollten die durch Corona in ihrer gefühlten Wichtigkeit landesweit aufgeblühten Sheriffs nichts wissen, stattdessen gelangte schnell der Polizeigriff zu Anwendung. Es war übrigens nicht der erste Corona-Zwischenfall mit einem Künstler bei einem der bundesweit so trendigen „Strandkorb-Open Airs“ – Helge Schneider hatte dort vor zwei Monaten einen Auftritt abgebrochen, Nena hatte ihre Konzerte gleich ganz gecancelt.

Rache für Pochers Comedy-Zumutungen?

Eine Erklärung für das unverhältnismäßig brachiale gestrige Vorgehen könnte natürlich sein, dass die Polizisten den „Komiker“ Pocher, ein Vertreter der Kategorie „personifiziertes Mittelmaß“ im Seichtum der deutschen Fernsehlandschaft, von seinen bisherigen von seinen bisherigen, größtenteils unlustigen TV-Auftritten kannten; sowas kann schon mal Aggressionen schüren. Doch dass manchein Uniformierter, der „hartes Durchgreifen“ vor dem ersten Lockdown nur in seinen Feierabendsphantasien erlebte, dank „epidemischer Lage“ und fortschreitender Gesundheitsapartheid endlich nach Herzenslust zuschlagen oder wenigstens -packen darf, führt zu einer merklichen Enthemmung der Polizei insgesamt. Friedlich protestierende Rentner, im Freien spielende oder rodelnde Kinder und Berliner Demonstranten können in den vergangenen anderthalb Jahren ein Lied davon singen – bei all ihnen handelt es sich um Vorzeigevertreter „kartoffeldeutscher“, käseweißer, eingeborener Normales mit Meldeadresse, Steuer- und Sozialversicherungsnummer, gegen die der harte Max rausgelassen wird (als deren Idealbild Oliver Pocher gelten kann)  – während arabischen Clans, kurdische und türkische Konfliktgruppen, Palästinenser oder vermummten Linksautonomen weiterhin kein Ungemach droht.

Pocher half es auch nichts, dass er mit den Corona-Ordnungshütern fraternisieren wollte und sich als dem „Team Polizei“ zugehörig erklärte. Ob nun ein Bußgeld- oder gar Strafverfahren wegen Corona-Verstoßes und Missachtung der Hygiene- und Abstandsregeln eingeleitet wird, ist noch unklar. Das dürfte allerdings Pochers geringstes Problem sein, wenn er in der öffentlichen Wahrnehmung bald mit Nena oder Xavier Naidoo vergesellschaftet wird. Die Überführung in den Zustand der Vogelfreiheit geht heute schneller, als mancheinem lieb ist.

4 KOMMENTARE

  1. War gestern Abend im Restaurant: Keinerlei 3-G-Regeln, keinerlei Abstände, Bude vollständig besetzt – gerade noch einen Tisch bekommen, Kellner mit Proforma-Mundschutz (demnächst dann hoffentlich auch ohne), ausgelassen-gemütliche Stimmung, Corona? War da was? Inzidenz seit Wochen bei 11.
    Irgendwas läuft da bei euch gewaltig schief. Und es wird euch noch gewaltig auf den Kopf fallen. Hoffentlich dann den Richtigen …

  2. Und noch so ein Artikel. Der clown ist ein Angestellter des Feindes, warum er mit einer einzigen Zeile erwähnt wird ist mir schleierhaft. Kontrolierte Opposition, hat er für den Artikel bezahlt? Egal delegitimiert dieses medium

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