Deutschlands Landkreise wollen ebenfalls zurück zur Atomkraft

Pro-Atom Klimaschutz -Demo am AKW Philippsburg (Symbolbild:Imago)

Je dichter die Entscheidungsebene bei der Basis und damit der ungeschminkten Wirklichkeit angesiedelt ist, umso ausgeprägter die Bereitschaft, ohne Scheuklappen und Schubladendenken pragmatisch zu denken und Realpolitik einzufordern. Bürgermeister und Landräte haben daher nicht nur weitaus offeneres Ohr für die tatsächlichen Sorgen ihrer Mitmenschen, sie sehen die Auswirkungen des von den höheren Gebietskörperschaften in Land, Bund, EU oder global angerichtete Desasters auch mit eigenen Augen. Wer mit den Bürgern tagtäglich zu tun hat und nicht abgehoben regiert, sondern die Bodenhaftung bewahrt hat, dem erschließt sich die vollkommene destruktive Hirnrissigkeit des Regierungshandelns im fernen Berlin nicht mehr ansatzweise, und der fordert banale und basale Vernunft von denen ein, die offensichtlich von allen guten Geistern verlassen sind.

Dies vermutlich ist der Grund, warum nun auch die deutschen Landkreise dafür plädieren, stillgelegte Kernkraftwerke wieder hochfahren und eine „umfassende Verlängerung der Atomlaufzeiten” einzufordern. In einem Positionspapier, über das Zeitungen der Funke-Mediengruppe heute berichten, redet der Deutsche Landkreistag einem „befristeten Weiterbetrieb der noch in Betrieb befindlichen beziehungsweise stillgelegten, aber noch nicht zurückgebauten” deutschen AKW das Wort. Es ist eine spektakuläre und frontale Breitseite gegen die dilettierende dogmatische Ampel-Politik, die trotz drohender Blackouts und explodierender Stromkosten am ideologiegetriebenen Atomausstieg trotzig festhält und die letzten drei Kraftwerke in nicht einmal 13 Wochen dichtmachen will.

Ködern mit „Klimaschutzzielen“

Da vor allem die Kreise in der Fläche selbst das Dilemma der Energieversorger vor Ort ausbaden müssen und den Zusammenbruch der lokalen Wirtschaft mitansehen, packt die Landräte anscheinend nun die nackte Panik. Deshalb bestehen sie darauf (und zwar über einen lediglich befristeten „Streckbetrieb“ hinaus, bei dem die Restbrennstoffkapazitäten aufgebraucht werden), dass die Ampel unverzüglich die atomrechtlichen Voraussetzungen dafür herstellt,  die AKWs auch über eine längere, tunlichst unbefristete Zeitspanne „in den kommenden Jahren” weiterbetrieben werden könnten. Dabei zerpflücken die Kreise auch die grüne Atommüll-Argumentation: Die Herausforderung, ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu finden, werde durch einen „beschränkten Weiterbetrieb einiger Kernkraftwerke nicht erschwert„, heißt es in dem Papier. Landkreistagspräsident Reinhard Sager erklärte laut „dts“, es wäre sowohl mit Blick auf die „Klimaschutzziele” als auch auf die „europäischen und internationalen Klimaschutzanstrengungen” ein falsches Zeichen, das vorhandene Potenzial der deutschen Kernkraftwerke ungenutzt zu lassen.

Die mit ihr Geduld am Ende angelangten Landkreise fordern in deutlichen Worten zudem von Habeck & Co. ein, endlich das zu tun, was eigentlich ihre genuine Pflicht und Zuständigkeit wäre – für bezahlbare Energien und eine und verlässliche Energiesicherheit zu sorgen. Der Bund müsse endlich ein Gesamtkonzept zur Energieversorgung vorlegen: „Bürger und Betriebe können die steigenden Kosten für Gas und Strom sowie die hohe Inflation vielfach nicht mehr tragen“, so Sager. „Deshalb sollte der Staat am Anfang der Energie-Lieferkette eingreifen, durch einen Preisdeckel bei Gas und Strom und durch eine Senkung der Abgaben und Steuern für Energie auf das europäische Minimum.

Besser Subventionen als Gasumlage

Zugleich riefen die  Landkreise Habeck auf, seine Pläne für eine Gasumlage aufzugeben, weil diese kein zielgerichtetes Instrument zur wirksamen Stützung von finanziell betroffenen Energieunternehmen sei. Damit wiederholen sie die Kritik des Koalitionspartner FDP, der heute hart mit Habecks lobbyistischem Gasumlage-Gestümpere ins Gericht geht.

Statt der Umlage sei es sinnvoller, wirksamer und unbürokratisch, wenn der Bund – wo immer nötig – einzelne bedürftige Energieunternehmen durch Subventionen und Notfallhilfen entlaste, so die Autoren des Positionspapiers. Leider kommen, bei aller Direkt- und Offenheit, natürlich auch die Landkreise nicht ohne das übliche Bekenntnis zu „Erneuerbaren“ und „grüner Nachhaltigkeit“ aus: Im Rahmen des von Habeck eingeforderten Gesamtenergiekonzepts müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien „beschleunigt” werden. Dafür stellen die Landkreise sogar den Denkmalschutz zur Disposition. So könnten Auf Millionen Dächern könnten noch viel mehr Solaranlagen installiert werden“, sinniert Sager, der auch Landrat des Landkreises Ostholstein ist, und ergänzt laut „dts”: „Dabei gehören auch behindernde Regelungen des Denkmalschutzes auf den Prüfstand. Wir brauchen seitens der Politik ein klares Zeichen für solche Anlagen, damit mehr Energie schnell erzeugt werden kann.“ Vielleicht will man sich mit dieser „grünen” Perspektive und demonstrativen Entschlossenheit, parallel zur Atomkraft auch Solarstrom stärker zu nutzen, Habeck ja gewogener stimmen. Fakt ist: Die Grünen stehen nach der Erklärung der Landkreise noch mehr mit dem Rücken zur Wand als bisher schon.

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9 Kommentare

  1. Überschrift: „Deutschlands Landkreise wollen ebenfalls zurück zur Atomkraft“
    Wenn das stimmt, dann ist in den Landkreisen mit großer Dummheit gewählt worden bei der letzten Bundestagswahl.
    Ist die Bevölkerung wirklich in diesem Ausmaß dumm? Ich befürchte: Ja! Dies gepaart mit der geschichtlich erwiesenen, großen Leidensfähigkeit dieser Bevölkerung bedeutet: Die Leute werden mit ihren dummen Entscheidungen leben müssen.

  2. Alles Grüner Mist:

    „Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim II werden jeweils voraussichtlich zwischen 480.000 und 720.000 Kilowattstunden Strom pro Tag verbrauchen, wenn sie – wie geplant – ab Januar 2023 nur noch bereitstehen sollen, um eine ‚Abrufbarkeit als Reserve‘ zu ermöglichen.“

    „AKWs brauchen in Reserve bis zu 720.000 Kilowattstunden pro Tag“
    https://www.mmnews.de/wirtschaft/187679-akws-brauchen-in-reserve-bis-zu-720-000-kilowattstunden-pro-tag

    Eines Tages wird die Farbe Grün den gleichen Beigeschmack haben, wie heute die Farbe Braun.

  3. @ZURÜCK ZUR ATOMKRAFT
    Wer soll die bedienen ?
    Deutsche können das nicht sein – die „Wissenschaftler“ können eher Namen tanzen und wissen wie Bordell geht – aber atomare Hochtechnologie können die genauso gut wie Habeck Wirtschaft !
    Und das ist ja nicht aktuell – die MINT-Wissenschaften werden ja schon seit Kohl bekämpft – ich habe da eher Sicherheitsbedenken – und Russen oder Nordkoreaner als bedienungspersonal werden wir wohl eher nicht bekommen !
    Das Land ist politisch, wirtschaftlich und sozial erledigt – da braucht es nicht noch eine flächendeckende Verstrahlung.
    Obwohl – die scheint mir auch unvermeidlich, wenn ich an die Atommüllverklappung in Asse denke – ein Überbleibsel der Kanzlerin der herzen aus ihrer Zeit als Umweltministerin!
    Ich bin ja glücklicherweise schon 66 Jahre alt und mache mir darüber keine Gedanken mehr – ansonsten würde ich mich doch noch Spritzen lassen in der Hoffnung, schneller zu sterben !

  4. Die können gern versuchen, die stillgelegten Kernkraftwerke ans Netz zu bringen, die große Frage lautet allerdings: mit wem? Arbeitslose haben wir wohl mehr als genug, es wäre sicher ein spannendes Experiment, den seit einem Jahr arbeitslosen Vater der rumänischen Großfamilie unter mir dort auf dem Leitstand arbeiten zu lassen oder die Flüchtlinge aus Dingstan vom Häuserblock gegenüber, die seit Jahren gezwungen sind, von H4 in der geschenkten Wohnung zu leben. Das Experiment muss dann auch funktionieren, denn andere Experten gibt es nicht mehr, sie werden weder ausgebildet noch irgendwo beschäftigt, außer in den restlichen drei KKW, die so gut wie geplättet sind. Auch die weltweit führende Forschung zur friedlichen Nutzung der Nuklearenergie wurde schon vor über 20 Jahren von Rot/Grün komplett ausradiert, eine regelrechte Nuklearentnazifizierung.
    Man könnte höchstens noch entsprechend qualifizierte ausländische Arbeitnehmer abwerben, aber das Problem ist, das sind lauter intelligente, gutbezahlte Leute und die müssten einen Hirntripper haben, um nach Deutschland zu kommen. Von einem bedeutenden Teil des Volkes verhasst und verachtet, mit einer Zukunft als Sozialstaatskanonenfutter.

  5. Eins ist klar; alle Flüchtlinge in Deutschland werden im Winter in warmen Räumen sitzen, und sie brauchen sich um die Heizkosten etc. keine Sorgen zu machen.

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