KI-Aufrüstung: Atombombe für jedermann

KI-Aufrüstung: Atombombe für jedermann

Deep Fakes: Grenzenlose Mittel erlauben grenzenlose Täuschung (Symbolbild:Pixabay)

Künstliche Intelligenz liefert in zunehmendem Maße lustige Videos in den sozialen Netzwerken (und auch Sendern wie dem ZDF), in denen nicht nur Eisbären oder Säuglinge über Quantenchromodynamik diskutieren, sondern auch Personen des öffentlichen Lebens auftauchen und irgendwelchen Schmarrn von sich geben. In der Regel ist es leicht zu erkennen, dass sich da ein Hobby-AI-Anwender, der sich eine Nvidia A100 leisten kann (Kostenpunkt rund 12.000 Euro) einen Scherz erlaubt hat (beim ZDF ist das anscheinend auf eine RTX3060 begrenzt gewesen, trotz unerschöpflicher Zwangsgelder), oder eine Beleidigung der gefakten Person, oder eine Verleumdung. Oder alles zusammen. Die KI erlaubt es zwar, das Äußere von Personen zu imitieren oder deren Stimme nachzumachen, aber da sie die darzustellende Szene selbst erfinden muss, baut sie zwangsweise leicht Unstimmigkeiten ein – und zwar umso mehr, auf je weniger Trainingsmaterial sie zurückgreifen kann. Da passen dann mal manche Worte nicht, die Arthritis in den Fingern ist plötzlich verschwunden oder irgendwo ist ein Pickel, den die Person zuvor nie hatte.

Manchmal sind die Sachen recht gut, aber eine genaue Analyse des Materials – und nicht nur oberflächliches Hinschauen – verrät in Details den Fake. Oder die dargestellte Szene passt so überhaupt nicht zur bekannten Vita des Betreffenden oder widerspricht seinen grundsätzlichen und hinlänglich bekannten Positionen. Ebenfalls fliegen Fälschungen auf, wenn man eine andere KI nach Mustern suchen lässt und diese anschließend bekannt gibt, dass das Gesehene “mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit” ein Fake ist.

Professionelle Akteure: Deep Fakes ganz anderer Dimension

Was aber, wenn wirklich professionelle Akteure dahinter stecken, die ganz andere Fähigkeiten mitbringen? Wie zum Beispiel Rechenzentren, die Zugang zu massiver Rechenleistung (mit vielen High-End-GPUs) über lange Zeiträume bieten? Oder über riesige Datenmengen über die Zielperson als hochwertiges KI-Trainingsmaterial  verfügen und nutzbar machen können – Interviews, O-Töne, Reden, Pressekonferenzen, Fotos und Videos –, in einem Umfang, den oft nur Geheimdienste oder große Konzerne unauffällig beschaffen können? Wenn ganze Expertenteams zum Einsatz kommen, die nicht nur aus KI-Spezialisten, sondern auch Grafikdesignern, Tontechnikern, Regisseuren und Psychologen bestehen, die genau wissen, wie man die größte Wirkung erzielt?

Solche Deep Fakes lassen sich dann ab einem gewissen Punkt so gut wie nicht mehr entlarven. Sie kosten zwar einige Millionen – aber für einen Milliardär oder einen Konzern, für den Milliardenumsätze auf dem Spiel stehen, sind dies überschaubare Nebenkosten; von Geheimdiensten einmal ganz abgesehen. Ein Beispiel: Konzern A möchte etwas durchsetzen, Politiker B spielt nicht mit – und schon erscheint ein Fake-Video, dass ihn zum Rücktritt zwingt oder seine Wahl verhindert. Und die genannten Akteure besitzen nicht nur die Fähigkeiten, Deep Fakes zu erzeugen, sondern sich auch perfekt zu tarnen, so dass ihre Urheberschaft nicht direkt nachgewiesen werden kann.

Präventive Gegenmaßnahmen

Wie lässt sich das verhindern? Die nüchterne Antwort: Man kann es nicht verhindern, ohne zu den gleichen Maßnahmen zu greifen. Wer in der Lage ist, sich ein solches Deep-Fake-Team leisten zu können (vielleicht nicht ganz so perfekt, aber wenn die Fälschung nach einiger Zeit auffällt, ist der Schaden schon angerichtet und meist nicht mehr reparabel, weshalb man auch mit begrenztem Aufwand schon zum Zuge kommt), tut gut daran, sich auch ein Analyseteam zu leisten, das die potentiellen Feinde ausfindig macht: Wer könnte einem ans Bein pinkeln wollen? Gegen den inszeniert man dann womöglich präventiv eigene Deep Fakes.

Wir haben hier einen durchaus mit der Atombombe vergleichbaren spieltheoretischen Fall: Man hat welche, aber verzichtet – zumindest formell – auf einen Präventivschlag. Zugleich besitzt man die Fähigkeit zur massiven Vergeltung, sollte der Gegner als erstes zuschlagen; man muss den oder die Gegner nur davon überzeugen, dass man dazu in der Lage ist (“Zweitschlagfähigkeit”) – ihn diesem Fall also beispielsweise durch harmlose Deep Fakes, die demonstrieren: Schaut her, wir verfügen über die notwendige Technologie! – gegebenenfalls auch nur über vertrauliche Kanäle. Natürlich ist KI allerdings um einiges leichter zu haben als eine echte Atombombe. Letztere können sich nur Staaten leisten; KI-Bomben hingegen auch Konzerne oder Milliardäre. Also wird hier der Kreis der Mitspieler sehr viel größer.

Grenzen der Analogie

Zwar ist die KI-Bombe relativ preiswert, aber sie ist auch hochindividuell: eine KI-Bombe gegen Konzern A ist nicht geeignet, Milliardär B zu schaden. Man benötigt also nicht nur eine Abteilung, die die Fakes baut, sondern auch eine, die ständig analysiert, wer als Gegner in Frage kommt und was man gegen ihn konstruieren kann. Und die Fake-Abteilung muss zusätzlich ständig Updates produzieren, weil der Skandal von 2024 im Jahr 2027 schon Schnee von gestern ist. Da ist man trotz Wohlfeilheit der KI vermutlich schnell bei Summen, die für Unternehmen eine ähnliche anteilige Dimension wie der Verteidigungshaushalten von Staaten – etliche Prozent des Umsatzes – ausmachen können. Siemens hat beispielsweise einen Jahresumsatz von rund 80 Milliarden Euro; in Prozent wären 800 Millionen Euro. Damit ließe sich schon eine Menge “deepfaken”.

Und noch eine Neuerung gibt es dabei: wenn ein Land gegen ein anderes eine Atombombe einsetzt, ist die Herkunft nicht zu leugnen. Konzern A hingegen kann einen KI-Angriff auf Konzern B sehr wohl so aussehen lassen, als käme er von Konzern C – und sich anschließend ruhig zurücklehnen und zuschauen, wie sich beide an die Gurgel gehen. Wir stehen noch ganz am Anfang solcher Machenschaften und Möglichkeiten – oder doch nicht? Hat vielleicht der eine oder andere Konzern oder Milliardär diese KI-Superwaffen schon längst im digitalen Safe? Er muss Politiker A ja nicht gleich plattmachen; es reicht, dass er ihm klar macht, dass er dazu jederzeit in der Lage ist, sollte er nicht spuren. Willkommen in der Welt der realen Science Fiction! Die eine oder andere neue Serie oder auch ein ganzer Film nehmen solche Entwicklungen schon vorweg… oder liefern vielleicht schon einen Blick auf eine längst bestehende verdeckte Realität?

7 Kommentare

  1. Die KI ist genauso dumm wie die Menscheit, die sie erschaffen hat. Deshalb spricht man ja auch von künstlicher Intelligenz, natürliche Intelligenz kann man von der Menscheit nicht erwarten. Ein Rechensystem, dass sich standig verbessertn will und dazu nur die Daten aus dem Internet zieht – was anderes hat das System nicht. Die reale Welt bleibt aussen vor. Wie lange kann das gut gehen?

    1. Nein, ist sie nicht wenn sie neurologisch ist.
      Leute ohne Kenntnis der Informatik sehen das vielleicht ein bisschen schwarz-weiß , ich jedenfalls nicht aus gutem Grund.

      Die Gefahren die hier beschrieben werden sind absolut real und werden noch viel gefährlicher, je weiter die KI fortschreitet.
      Nicht vergessen: künstliche Intelligenz heißt lernfähige Intelligenz!

  2. Diese ganze digitale Welt mit Smartphone und Apps ist nichts weiter als die freiwillige Fußfessel wo Sicherheitsbehörden und Großkonzerne alles bequem auswerten wie jeder einzelne Besitzer tickt mit Nöten und Ängsten. Seit ungefähr 2010 werden Telefonate, SMS, E-Mails und Social-Media-Verbindungen 2Jahre als Vorratsdaten von allen Nutzern abgespeichert. So kann jeder Einzelne bequem durchleuchtet werden wo er verkehrt und was er tut. Seht euch nur mal das Telefonüberwachungsgesetz an , angeblich wird es nur bei schweren Straftaten angewendet für drei Monate und kann dann auch verlängert werden. Es ist nur feiner Blütenduft auf Beruhigungspapier dem Grundgesetz und STGB um dem Durchschnittsbürger das Gefühl zu geben das gegen Terroristen und organisierte Kriminalität vorgegangen wird. Großer Pustekuchen es ist nur Illusion und komischerweise gibt es Mafia-Clans, Islamisten und Extremisten bis jetzt auch wenn mal paar große Fische dingfest gemacht werden mit Medienspektakel. Staatsfeind ist jeder Einzige für die Herrscherklasse. Es reichen schon im legalen Rahmen Äußerungen und Aktivitäten aus um überwacht zu werden. Bei strafrechtlichen Wutäußerungen gegen Fremde oder Politiker da kann das SEK schnell am Bett stehen. Spitzel sowie Provokateure vom VS und Demokratieprojekten haben grünes Licht um besonders mit den drei Zauberzahlen 86,90 und 130 um sich zu werfen wo schon ein Gefällt-Mir-Klick ausreicht für ein Verfahren. VORSICHT!!! Hilfreiche Literatur ist der Rechtsratgeber für Dissidenten und Aktivisten. Beim hauseigenem Sturmzeichenverlag, PC-Records oder Druck18 ist er erhältlich. GEBT DER SCHLAPPHUT-MAFIA KEINE CHANCE!!! WIDERSTAND JETZT ERST RECHT!!!

  3. Wo habt Ihr G<eschichte studiert..:-)

    Spätens seid Rajavik.. .. War so mit der Wichtisgste Punkt..

    Top der Gesamten Verhandlungen..

    Gegenseitiger Verzicht auf den Nuklearen ErstSchlag..

    Der aus NatoSicht NIE zur DiskussionStand..

    Häte der WarschauerPakt gerne gehabt..:-)

    Drehte sich NIEMALS um ZweitSchlagsFähigkeit..

    Sondern immr nur einzig und Allein.. .. Umd die Erstschlagsfähigkeit..:-)

    Wo habt Ihr Geschichte Erlernt..:-)

    Im ÖRR der 1980iger..

    Angelika Unterlauf..:-)

    Aktuella Kamera.. Damals auch Bekannt.. Als Heute.. Heute Journal.. Oder TagesSchau.. bzw TagesThemen..

    Angelika Unterlauf.. .. Dmals durchaus was.. Mehr als Hübsch..:-)

    Wer will schon die Ausagen so einer Hübschen Anzweifeln..:-)

  4. Die Atombomben-Analogie ist doch an den Haaren herbeigezogen. Verfeindete politische Kräfte lassen sich doch nicht davon von Angriffen abhalten, dass der Gegner ähnliche propagandistische Mittel einsetzen könnte.
    Ein Problem sehe ich allerdings darin, dass Videoaufnahmen von Missständen und Missetaten ihre Wirkung verlieren, weil man sie als KI-generiert abtun kann und sie in der Flut von KI-generierten Fake-Videos untergehen.

  5. Münchner Sicherheitskonferenz – die vergiftete Liebeserklärung der USA
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=146411

    Die Amis sind mitten unter uns – aber Merz und Co. schwadronieren von einem „zerrütteten transatlantischen Verhältnis“
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=146328

    Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 und die Simulation der europäischen Souveränität – Teil 1: von der Rhetorik in München bis zur Logistik in Ulm
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=146435