Kohlrouladen-Kokolores: Das ist nicht witzig, Genossen!

Angefeindeter Hobbykoch: Berliner AfD-Abgeordneter Gunnar Lindemann (Foto:Imago)

Die Kohlroulade ist politisch!”, sagt Sören-Malte M., Sprecher der Linksjugend Oer-Erkenschwick. Während Deutschland noch immer unter der Knute der schlimmsten Pandemie seit dem Männerschnupfen ächzt, wird es für Kolumnisten – zu denen ich mich mal selbstbewusst zähle – immer schwerer, ein Thema zu finden, welches nichts mit unserem kleinen virologischen Plagegeist zu tun hat. Da ist man für jede Ausnahme dankbar und froh – und siehe da: Es existierten geheimnisvolle Hinweise auf ein angeblich skandalöses Video des Berliner AfDlers Gunnar Lindemann, der mittlerweile einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Eine riesige Welle der Aufregung rollte durch das Netz – und sie hatte etwas mit Kohlrouladen zu tun. Hatte der ruchlose Mann etwa seine Krautwickel in Hakenkreuz-Form im Bräter arrangiert, gut angebräunt? Oder gar vegetarisch zubereitet, um sie im Falle eines Überraschungsbesuchs des „Führers“ guten Gewissens servieren zu können? Irgendetwas „Faschistisches“ müsste doch dahinterstecken, wenn der Aufruhr solche Ausmaße erreichte! Ich machte mich auf schlimmste Nazi-Kochorgien gefasst… vielleicht hatte Lindemann gar ein Flüchtlingskind durch den Fleischwolf gedreht? Nein, er zeichnet ganz einfach nur verantwortlich für seine eigene Youtube-Reihe „Gunnars Kochstudio”.

Nun ist es mit dem Humor so eine Sache: Nicht jeder mag den gleichen, anderen muss erst durch eingespielte Lacher wie bei der „Heute-Show” angezeigt werden, wie lustig der letzte Witz war. Es soll sogar Menschen geben, die finden Jan Böhmermann amüsant – jedenfalls scheint das ZDF das zu glauben, sonst würde es ihn nicht für das Ausleben seiner schlechten Laune vor Publikum großzügig entlohnen. Schwarzer Humor – wie bei Monty Python – geht heute gar nicht mehr (schon die Farbe ist verdächtig). Manchmal entschlüpft meinem Hirn ein makabrer Gedanke, den ich im ersten Moment unglaublich komisch finde, dann aber doch nicht zu äußern wage, weil man mich dafür politisch korrekt den Krokodilen vorwerfen würde. Leider. Denn spontane Ideen sind meist die lustigsten. Aber immerhin kann man sich noch darauf einigen, dass man es beim Fernsehen tatsächlich mit irgendeiner Form von Humor zu tun hat, auch wenn sie in einem zehnköpfigen Planungsteam politisch korrekt vorgeplant wurde. Wenn jedoch die Realität zur besten Satire wird – zum Beispiel durch die Besetzung von Ministerposten mit richtig schrägen Typen – kann das die Wahrnehmung schon beeinträchtigen: Plötzlich wird auch das eindeutig witzig Gemeinte als todernst wahrgenommen.

Urban Conveniance Cuisine” in einer engen Marzahner Hochhausküche, die Anleitung zum Öffnen einer Konservendose mit der Aufschrift „regionale Küche”, salzige Süßkartoffeln und der Hinweis darauf, dass die Zubereitung des Gerichts auch einem Herd gelänge, der weniger „High Tech“ als der von Lindemann benutzte sei (Modell „im Versandhandel günstig erworben”): Da könnte man schon einmal auf die Idee kommen, dass dieses Kochvideo ein kleines Späßchen war. (Diesen Hinweis hätte Herr Lindemann vielleicht einblenden sollen, denn links der AfD denkt man ja, dass sich deren politisches Personal ohnehin nur von Sauerkraut und Würstchen ernähre, wobei auch Sauerkraut nicht zu verachten ist; aber wer glaubt, Annalena Baerbock sei eine ernstzunehmende Außenministerin, nimmt anscheinend auch sonst alles ernst.) Peinlich sei das, und überhaupt diese Küche! Da mutierten unsere jungen Revolutionäre plötzlich zu „Kind, räum‘ dein Zimmer auf!„-Spießern. Würde ich aus jeder Mücke einen politischen Elefanten machen, könnte ich Lindemann einen revolutionären Coup attestieren: Den Bruch mit dem Zwang, sich als Teil einer glamourösen Wohlstandswelt zu präsentieren und damit ein Zeichen gegen die Entfremdung der politischen Kaste vom „Mann auf der Straße“ zu setzen. So aber fand ich es einfach nur niedlich.

Doch diese Bodenständigkeit und Volksnähe wird von der politischen Konkurrenz und Journalisten der gerechten Seite natürlich mit Argusaugen überwacht. So auch beispielhaft von „Welt”/“N24”-Redakteur Matthias Kamann, der über Lindemanns launige Kochallüren dies twitterte:

(Screenshot:Twitter)

Es gibt nur noch wenige Linke, die einen wirklichen Bezug zum „kleinen Mann”, zu den „einfachen Leuten“ haben – denn diese haben sich der sozialistischen Beglückung mehrfach verweigert. Dennoch verhalten sich unsere Ideologen wie ein Macho-Ehemann: Zwar vergnügt er sich selbst gerne in fremden Betten, betrachtet seine vernachlässigte Gattin aber dennoch als persönliches Eigentum. Wehe, sie wagt einen zaghaften Flirt mit einem anderen – und sei es auch nur, um sich ein wenig aufheitern zu lassen! Dann wird die Gattin diszipliniert, und der harmlose Flirter kann froh sein, wenn er mit dem Leben davon kommt. Bedenkt man zudem, dass selbst Scherze von Ideologen bis aufs kleinste Detail durchkomponiert werden, müssen sie einfach zu dem Schluss kommen, hier seien finstere Absichten im Spiel. Was ich selber denk‘ und tu…

Natürlich verfolgt auch Gunnar Lindemann hier eine politische Taktik – es ist schon ein Körnchen Wahrheit daran, dass er sich als „einfacher Deutscher” präsentiert. Allerdings stammt er tatsächlich aus dem „Milljö“ und ich kann nichts Verwerfliches daran finden, wenn er selbiges thematisiert. Im Gegensatz zu den derzeitigen Ikonen des Ökobewusstseins, die allesamt aus recht wohlhabenden Elternhäusern stammen, ist er mit den echten Problemen der Mehrheit der Bürger vertraut. Hingegen interessiert die Lebenswirklichkeit des „einfachen Deutschen“ die linksgrüne Blase nur wenig bis gar nicht, man trampelt arrogant über seine Ängste um Arbeitsplatz (und damit Sicherung des Lebensunterhaltes) hinweg. Der „Normalo“ ist diesen elitären Kreisen ein wenig peinlich, wahrscheinlich schon deshalb, weil er sich nur ungern vorschreiben lässt, was er zu denken und zu sagen hat – und darin dürfte sich Berlin nicht wesentlich von Duisburg oder Bottrop unterscheiden.

Björn Höcke am Pfannenwender

Warum beklagt man sich also darüber, dass hier ein Publikum angesprochen wird, das man ohnehin selbst höchstens als Wahlzettel-Einwerfer rekrutieren will? Und auch noch wegen einer Kohlroulade, die mittlerweile in den sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit findet als die Peinlichkeiten rund um Baerbocks Israel-Reise? Das ist doch einfach nur noch irre! Aber jetzt politisiere ich selbst – dabei hat das Thema doch nur meine Aufmerksamkeit gefunden, weil ich selbst ein Kochprojekt plane: „Björn & Bulbes: The Erfurt Latkes Chanukka Event” – der Kartoffelpuffer als verbindendes Element deutsch-jüdischer Kultur. Tonnenweise Latkes – zum Schälen der Kartoffeln hat sich Herr Lindemann schließlich qualifiziert. Mit mehreren Säcken voller köstlicher Zwiebeln, nach russischer Art schön dick in Öl schwimmend ausgebraten. Dazu Björn Höcke am Pfannenwender, mit einer kleidsamen „Hier kocht der Chef”-Schürze – das würde sich im Video gut machen!

Und wie in einem alten Zeichentrickfilm würde der Duft gebratener Zwiebeln – von Schlangenbeschwörermusik begleitet – lockend durch die Gänge des Landtags mäandern, auch unter den Türen der Linken hindurch. Dort stelle ich dann eine große Platte der fertigen Latkes als Falle auf und filme heimlich, was passiert: Ist Ideologie tatsächlich mächtiger als Essen? Doch bis das Event realisiert ist, bitte ich meine Mutter erst einmal um die Zubereitung von Kohlrouladen, auf die ich jetzt mächtigen Appetit bekommen habe. Ich nehme auch die „Duisburg Fastfood”-Variante: Einfach Gehacktes, Wirsing und Kartoffelwürfel mit Zwiebeln. Oder ist das dann schon wieder zu populistisch?

7 Kommentare

  1. Es verwundert nicht, dass Kamann, Politikredakteur von „Die Welt“, einer der größten Verbreiter von Hass und Hetze gegen die AfD hier seine Pfoten mit drin hat.

  2. Krieg und Frieden wegen so einer Petitesse. Die Resistance verstopft das Internet.
    Schaun mer mal, wer morgen einen unwichtigen Furz lässt.

  3. Gibt noch jemand was auf das linke Geheule? Dieser Journutten-Schwachkopf versucht da gerade, vermutlich pro Zeile oder gar Wort entlohnt, mit vorgegebenem Thema, irgendetwas herbei zu phantasieren, um eine Art von Story auftragsgerecht einzureichen.
    Wenn man darauf noch etwas gibt, sagt und macht man am Ende gar nichts mehr, weil es nichts gibt, aus dem diese Schreiberhuren nicht irgendetwas erdichten, solange es nur um ihr verordnetes, zeitgeistgerechtes Feindbild geht.
    Im Gegenteil: Nachlegen und immer wieder was draufsetzen ist die einzig angebrachte Reaktion darauf.
    Läßt den Feind kreischen in Pein und den Freund auch, in Jubel, weil man nicht einknickt, wie ein gekochter Spargel.
    Übrigens: Je lauter das linke Gekreische, je voller der Treffer!

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