
“Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist verurteilt, sie zu wiederholen.” Dieses Zitat George Santayana passt gut zum Kontext dieses Beitrags, in dem es um die Situation Kubas gehen soll. Die Lage Kubas wird oft eindimensional betrachtet: Die einen sehen in Fidel Castros Sozialismus die Hauptursache für das wirtschaftliche Desaster, die anderen verweisen auf das von den USA verhängte Embargo als entscheidenden Faktor.
Doch die Wahrheit ist komplexer. Kubas Geschichte ist geprägt von Fremdbestimmung, interner Misswirtschaft und dem Einfluss globaler Machtkämpfe. Um das heutige Dilemma zu verstehen, muss man sowohl die Zeit vor der Revolution als auch die geopolitischen Spannungen der 1960er Jahre betrachten.
Die Batista-Diktatur: Ein Land im Griff der Mafia und der USA
Vor der kubanischen Revolution 1959 war das Land eng mit den Vereinigten Staaten verflochten – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die Regierung von Fulgencio Batista (1952-1959) war nicht nur eine autoritäre Diktatur, sondern auch eine Marionette Washingtons. Korruption, soziale Ungleichheit und Unterdrückung waren an der Tagesordnung.
Besonders Havanna war ein Paradies für amerikanische Investoren, die dort große Teile der Zuckerindustrie, Banken und Infrastruktur kontrollierten. Gleichzeitig wurde die Stadt zur Vergnügungsmetropole der US-Mafia. Luxushotels, Kasinos und Bordelle florierten, während die Landbevölkerung in bitterer Armut lebte. Die Ungleichheit und die Ausbeutung durch ausländische Akteure schufen den Nährboden für den Widerstand.
Die kubanische Revolution: Ende der Fremdherrschaft – aber zu welchem Preis?
Fidel Castro und seine Guerillabewegung stürzten Batista am 1. Januar 1959. Was als Befreiungsschlag begann, entwickelte sich jedoch bald zu einem sozialistischen Staatsaufbau, der sich zunehmend an der Sowjetunion orientierte. Castros Regierung enteignete Großgrundbesitzer und amerikanische Unternehmen. Die Umverteilung von Land und Ressourcen war zwar sozial gerecht gedacht, führte aber dazu, dass sich Washington umgehend gegen das neue Regime stellte.
Das von den USA verhängte Wirtschaftsembargo 1960 – verschärft 1962 – war eine direkte Reaktion auf diese Enteignungen. Kuba verlor von einem Tag auf den anderen seinen wichtigsten Handelspartner, was gravierende wirtschaftliche Folgen hatte. Importabhängige Industrien brachen zusammen, die Versorgungslage verschlechterte sich rapide. Das Land geriet in eine wirtschaftliche Isolation, aus der es sich nur durch die Hilfe der Sowjetunion retten konnte.
Die Kuba-Krise: Ein Spielball im Kalten Krieg
Die Blockade Kubas durch die USA war nicht nur eine wirtschaftliche Maßnahme, sondern auch Teil eines größeren geopolitischen Konflikts. Im Kalten Krieg war die Insel für die Sowjetunion ein strategischer Vorposten in unmittelbarer Nähe der USA. 1962 eskalierte diese Rivalität in der sogenannten Kuba-Krise:
Die UdSSR stationierte Atomraketen auf Kuba – eine Antwort auf die vorherige Stationierung von US-Raketen in der Türkei. Als US-Präsident John F. Kennedy ein Ultimatum stellte, dass die Raketen entfernt werden müssten, stand die Welt am Rande eines Atomkriegs. Erst nach intensiven Verhandlungen wurde eine Lösung gefunden: Die Sowjetunion zog ihre Raketen ab, während die USA im Gegenzug ihre Raketen aus der Türkei entfernten und zusicherten, Kuba nicht militärisch anzugreifen.
Wirtschaftliche Fehlentscheidungen und das sozialistische System
Zwar überlebte Kuba diese Krise, doch die wirtschaftliche Lage blieb prekär. In den folgenden Jahrzehnten setzte Castro auf eine strikte Planwirtschaft, die wenig Raum für Eigeninitiative oder Innovation ließ. Staatliche Kontrolle über nahezu alle Sektoren führte zu einer ineffizienten Bürokratie und einem chronischen Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs.
Als 1991 die Sowjetunion zerfiel, brach Kubas Wirtschaft erneut zusammen, da die massiven Subventionen aus Moskau wegfielen. Lebensmittelknappheit, Stromausfälle und eine marode Infrastruktur wurden zur Normalität. Ohne ausländische Hilfe und ohne marktwirtschaftliche Reformen konnte sich Kuba nicht erholen.
Eine Verkettung aus Embargo und Systemfehlern
Kuba ist ein Beispiel dafür, wie ein Land zwischen Großmächte geraten und wirtschaftlich stranguliert werden kann. Das Embargo der USA war eine wirtschaftliche Kriegsführung, die Kuba in die Isolation zwang. Gleichzeitig hat Castros Sozialismus mit seinen dogmatischen Strukturen und ineffizienten Wirtschaftsmechanismen die Krise weiter verschärft.
Wäre Kuba ohne das Embargo wirtschaftlich erfolgreicher? Wahrscheinlich ja. Hätte der Sozialismus ohne die externen Sanktionen besser funktioniert? Wahrscheinlich nicht. Die Wahrheit liegt in der Mitte: Die Kombination aus wirtschaftlicher Blockade und einer ineffizienten Planwirtschaft hat das Land in die heutige Misere geführt. Wer also Kubas Situation verstehen will, sollte nicht nur auf den Sozialismus oder nur auf das Embargo blicken – sondern auf beides. Kuba befreite sich aus einer elenden Vergangenheit, geriet jedoch durch äußeren Druck und eine eigene unzulängliche sozialistische Politik in eine neue, allumfassende Misere. Deutschland hingegen, eines der wohlhabendsten Länder der Welt, treibt sich ohne äußeren Zwang sehenden Auges selbst in den Niedergang.
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8 Kommentare
Deutschland wird in naher Zukunft nur noch als Failed State gelten. Unser Ruf ist für alle Zeiten ruiniert, das Land selbst gilt als politisch instabil und mit einem seltenblöden Volk gestraft. Nach der ohnehin schon verhunzten Vita noch so einen Irrlauf, das verkraften wir nicht! Wir müssten eigentlich auf einer ganz anderen Seite stehen, doch diese Einsicht erfolgt vermutlich erst in 60 oder 70 Jahren, wenn schon wieder alles vorbei ist!
@“Deutschland hingegen, eines der wohlhabendsten Länder der Welt, treibt sich ohne äußeren Zwang sehenden Auges selbst in den Niedergang.“
Der Übermut des Wohlstandes hat die Sicht auf die wirklichen Probleme verkleistert.
Gute N8 D.
Kuba, immer noch der Traum etlicher Altstalinisten und vieler Jung-kommunisten/sozialisten.
24.03.2025
Anstieg des Drogenkonsums: Kuba startet landesweite Präventionskampagne
Havanna. Im Kontext der anhaltenden wirtschaftlichen Krise ist der Missbrauch von Drogen im sozialistischen Kuba zu einem zunehmenden Problem geworden. Wie die kubanischen Behörden bekannt gegeben haben, wurden vergangenes Jahr 1.157 Personen wegen Drogenhandels verurteilt und mehr als eine Tonne an Substanzen wie Kokain, Methamphetamin und Cannabinoide sichergestellt. ….
mehr hier
https://amerika21.de/2025/03/274428/anstieg-drogenkonsum-praevention-kuba
Wenn der Fidel das noch erlebt hätte, dann aber….
Kuba 2024/2025 ::: Reise in die Mangelwirtschaft (1/2)
17.01.2025
Reisebericht meiner Kuba-Reise Dezember 2024 bis Januar 2025. Eine Reise die ich nicht empfehlen würde: Stromausfälle und generelle Mangelwirtschaft.
ca 60 min.
Kuba 2024/2025 ::: Es mangelt an allem, ausser Rum und Tabak (2/2)
Teil zwei des Reiseberichts aus Kuba. Weitere Gedanken zu Land und Leuten, Ist-Zustand des Landes.
ca 40 min.
….!!
Das Sozialismus niemals funktionieren wird sollte jedem normal denkenden Menschen bewusst sein. Allerdings nicht den Babler- Linken in Wien und den ROTEN in Berlin. Die leben noch immer in der Utopie einer postkapitalistischen Gesellschaft. Sie sollten alle mal nach Kuba und Venezuela zum Anschauungsunterricht gehen. Die leben dort vom Rost der von den uralten Autos fällt!!! Und genau dort wird uns die Schrott-Ampel in Österreich führen, wenn wir nicht die „Stop“ Taste bei der Wien- Wahl drücken!!!
Der Sozialismus ist im gesamten Ostblock zusammengebrochen und in den letzten sozialistischen Ländern wie Venezuela, Kuba, Nordkorea sind die Lebensverhältnisse katastrophal! Wer weltweit das meiste Erdöl fördert und daher soviel Erdöl hat wie Venezuela,(Benzin ist rationiert!!!) dürfte nie so arm sein! Umso unbegreiflicher ist es, dass der Wertewesten, Deutschland voran, unbedingt die ökosozialistische Transformation will! Die DDR sollte doch warnendes Beispiel genug sein! Um südamerikanisch zu bleiben: Die Welt braucht mehr argentinische Weltmeister wie Milei, der den tiefen Staat mit der „Kettensäge“ reduziert hat und 2/3 der Beamten in den Urwald beurlaubt hat.
Die Kubaner könnten erst mal lernen, ihre eigenen Ressourcen zu entwickeln.
Bildung ist das eine, praktische Fähigkeiten das andere.
Kuba fehlen Düngemittel. Kuba hätte aber im Gegnsatz zu Deutschland Möglichkeiten mit Solarstrom eine eigene Düngemittelproduktion aufzubauen. Eigene Chipfabriken sicher nicht.
Wir sehen, welche Probleme Russland auf diesem Sektor hat, aber auch Deutschland.
Also kleine Länder, aber auch solche, die die Fähigkeiten zur Fertigung der modernsten Produktionsmittel nicht haben, sind auf eine friedliche internationale Kooperation angewiesen.
Wirtschaftssanktionen helfen also keinem Land. Das können wir schon mal festhalten.
Ob die BRICS+ einen Ausweg finden?
Ich bin da noch nicht sicher, aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Gebüsch.
In Europa bestände das Potential für eine neue Kultur, erst recht in der Zusammenarbeit mit Russland, wenn wir nicht die Idioten in Brüssel und den meisten anderen Hauptstädten hätten.
Leider kommt der Autor mit einer historisch falschen Darstellung daher.
Die US-Firmen wurden nicht im Zuge der Revolution enteignet.
Castro war ein Bewunderer der USA, was sich unter anderem darin ausdrückte, dass er sich nach dem Sieg über Batista zunächst an Washington wandte und um Unterstützung bat.
Eisenhower liess Castro abblitzen.
Erst das führte zur Enteignung der amerikanischen Konzerne und Firmen.
Dass Kuba ab diesem Moment eine Schutzmacht brauchte, war die logische Konsequenz.
Da blieb nur die Sowjetunion.
Bis dahin war Fidel Castro alles Andere, aber kein Sozialist oder gar Kommunist.
Seine Mutation zu einem solchen fand auf Grund des für Kuba unvermeidlichen Beitritts ins Lager des Ostblocks statt.
Hätten die USA seinerzeit nicht die Unterstützung versagt, hätte Kuba eine völlig andere Entwicklung genommen.