Mittwoch, 24. April 2024
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Kulturmarxismus: Auch Agatha Christie wird politisch korrekt umgeschrieben

Kulturmarxismus: Auch Agatha Christie wird politisch korrekt umgeschrieben

Rotiert im Grab: Agatha Christie (Foto:Imago)

Offenbar können weder Vernunft noch Kritik noch der geringste Respekt vor der künstlerischen Leistung großer Autoren die entfesselten woken Kulturzerstörer in ihrem Wahn stoppen: Nun sollen auch noch die Romane der legendären Krimi-Autorin Agatha Christie kultursensibel verhunzt werden, weil es einige Irre so wollen. Mehreren ihrer Romane wurde diese Verstümmelung bereits angetan. Angebliche Beleidigungen und sonstige anstößige Passagen wurden „überarbeitet“ – also im woken Sinne umgeschrieben oder ganz gestrichen.

Konkret waren die zwischen 1920 und 1976 entstanden Romane mit den Hauptfiguren Hercule Poirot oder Miss Marple betroffen. Laut Verlag sei das Ziel der Zensuraktion gewesen, die Werke von Sprache und Beschreibungen zu befreien, die das moderne Publikum als anstößig empfinde. Es sind jedoch nicht die Leser, sondern lediglich einige wenige Fanatiker und Freiheitsfeinde, die sich anmaßen, in Büchern oder Filmen herumzupfuschen, um das Publikum vor dem zu bewahren, was einem selbst nicht gefällt. Dies ist die Mentalität aller Zensoren.

“Weiße Zähne” gecancelt

Wie lächerlich und zugleich tragisch diese fortschreitende Entwicklung ist, zeigt sich bei der näheren Betrachtung, an welchen Stellen die beauftragten „Sensitivity Reader“ sich vergangen haben: Aus dem Roman „Karibische Affäre“ von 1964 wurde Miss Marples Nachdenken über die „wunderbaren weißen Zähne“ eines Hotelangestellten entfernt. Ihr Debütroman „Das fehlende Glied in der Kette“ von 1920 wurde von Hercule Poirots Kommentar befreit, jemand sei „ein Jude, natürlich“.

Die nächste Stufe dieses Wahnsinns wäre dann wohl, Gemälde umzumalen, die Darstellungen enthalten, die man für unangebracht hält. Doch die Grande Dame der britischen Kriminalliteratur ist nicht das einzige Opfer der politisch korrekten Umdichtung: Vor Agatha Christie traf es kürzlich bereits ihre Schriftstellerkollegen Roald Dahl und James-Bond-Erfinder Ian Fleming. Früher wurden Bücher als Ganzes verbrannt; heute schreibt man sie einfach um. Die Frage ist, was kulturell das größere Verbrechen darstellt.

29 Antworten

    1. Lach. Schreiben Sie so etwas lieber nicht. Sie wissen doch, daß der Verfassungssch(m)utz hier mitliest. Am Ende greifen ‘die’ Ihre Vorschläge noch auf.

  1. Zustimmung. Bloß: Was hat das alles mit “Marxismus” und folglich mit Marx zu tun? Der hätte wohl für den “Wokismus” in Gänze nichts als beißenden Spott übrig gehabt…

    1. Ratschlag: sich einfach einmal mit dem Begriff Kulturmarxismus auseinandersetzen. Dann erklärt sich die Frage von selbst.

      1. Danke. Hab’s getan. Ist also ein politischer Kampfbegriff mit der Qualität eines Schimpfwortes und hat mit Marx wirklich nichts zu tun, verwendet aber seinen Namen in der Erwartung, dass das negative Assoziationen auslöst. Ich nenne das “Missbrauch”. Nicht wirklich ernst zu nehmen. Aber vermutlich ist man heute gut beraten, die schlechte Angewohnheit, irgendetwas ernst zu nehmen, aufzugeben…

  2. Literatur wird dann wertvoll, wenn sie die Epoche ihrer Entstehung mit all ihren persönlichen und gesellschaftlichen Spezifika möglichst umfassend und tiefgreifend darstellt – und damit zu einem Weltkulturerbe wird, das nachfolgenden Generationen hilft, nicht nur vergangene Epochen, sondern auch die aus ihnen entstandene Gegenwart besser zu verstehen.

    Wie ungebildet, ja wie primitiv muss man sein, um das alles zerstören zu wollen.

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  3. Es ist auch die Umschreibung unserer Geschichte, weil es den Umgang / das Verständnis in der Zeit verändert. ZB gibt es Autoren, die ein komplett falsches Judenbild des alten Deutschland haben und dieses ahnungslos weiterreichen (etwa wie eine C Epidemie; wenn es genug glauben, wird es wahr). Liest man aber ein Buch aus der Zeit oder Erinnerungen eines alten Recken, der die Zeit durchlebte, muß man zu anderen Schlüssen kommen.
    Wir lasen mal den Faust und da erklärte mein Deutschlehrer “Fräulein” meint von Adel sein. [“Bin nicht Fräulein bin nicht schön, muß ungeleit nach Hause geh’n.”] Man muß die Dinge in ihrer Zeit verstehen und wenn man das tut, lernt man obendrauf etwas über die eigene.

    So spielte sich vor bald hundert Jahren dieses in der Reichsbank ab. Die lockere und etwas frotzelnde Art zeigt mir ein entspanntes, freundschaftliches und vertrauensvolles Kollegenverhältnis.
    “Um Gottes Willen Goldschmidt”, ermunterte ich ihn, “behalten Sie Ruhe. Situationen wie die augenblickliche können nicht mit jüdischer Geschäftstätigkeit, sondern nur mit arischem Sitzfleisch gemeistert werden.“ Wir kamen über den ersten Kurseinbruch mit diesem arischen Sitzfleisch auch ganz gut hinweg. Die einsetzende Geldentwertung trieb die Wertpapierkurse bald wieder in die Höhe. – aus 76 Jahre meines Lebens, S. 217 – Dr. Hjalmar Schacht

    Trotzdem stand Hjalmar als Angeklagter (und Freigesprochener) in Nürnberg. Man nennt ihn heute noch Hitlers Bankier. Ich habe seine Bücher verschlungen und enorm dabei gelernt. Und wenn Ihr aufgepaßt habt, kam zuerst wohl ein Crash, dann aber trieben zuviele Lagarde Euronen die Kurse wieder hoch.

  4. Für den Fall, dass die “woken” Irren tatsächlich anfangen “Gemälde umzumalen, die Darstellungen enthalten, die man für unangebracht hält”, ist festzuhalten, dass sie sich damit endgültig dahingehend geoutet haben, dass es sich um eine (pseudo)religiöse Bewegung handelt. Das Vorgehen würde doch dann allzu peinlich an auf Betreiben der Kirche mit dem berühmt-berüchtigten Feigenblatt versehene Bilder und Statuen erinnern.

  5. Die Umschreibung und Umdeutung von Werken ist ein typisch aus DDR Zeiten stammendes Relikt. Beim Studium im Deutschunterricht kam schon mal in der Pause die Frage auf ob man nicht bald Genosse Goethe sagen muss. Die Umbenennung von Straßen war schon eine Selbstverständlichkeit dabei war nur die Sozialistische Einstellung ausschlaggebend und nicht die sonstige moralische Einstellung.

  6. das sollten sie aber auf dem Einband festhalten – wie die Pferde in der Pizza !
    Dann kann jeder selbst entscheiden, um er gegendert und politisch korrekt lesen will – oder doch lieber spannend !
    Aber ich vermute, daß die ganzen Umschreiber, deren Merkmal des ist, selbst nichts auf die beine zu bekommen, nicht markieren werden, was sie da umformulieren!

  7. Gott sei Dank gibt es noch alte Bücher und Filme.

    Wer sich das antun möchte, bitte schön. Das traurige ist, viele merken
    gar nicht wie sie manipuliert und gehirngewaschen werden.

  8. Wie weit soll dieser Wahnsinn noch gehen? Bin begeisterter Agatha-Christie-Fan. Diese Herrschaften, die diese Bücher umschreiben wollen sind vielleicht nicht mal des Lesens mächtig!!! Es lebe die Freiheit!

    1. Eigentlich ist es gleichgültig (ugs. ‘wurscht’), ob man es als Faschismus oder Kommunismus bezeichnet, denn diese beiden totalitären Bewegungen sind zwei Seiten derselben Münze.

  9. Zuerst wurden die Geschichtsbücher umgeschrieben.
    Jetzt sind die Romane dran.
    Das Internet wird ja schon seit Jahren zensiert auf Teufel komm raus.
    Rede- und Denkverbote haben wir auch schon.
    Bald werden wieder Umerziehungslager eingerichtet werden.
    Für all diejenigen, die sich durch oben genannte Massnahmen immer noch nicht vom selber denken abhalten lassen.
    Und sollten auch die nicht ausreichen, geht es wegen Meinungsverbrechen vors Erschießungskommando.

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    1. Und wenn Elon Musks Gehirnchip in nicht allzu ferner Zukunft Pflicht wird, reichen schon Gedankenverbrechen.

  10. Welcher Sinn haben diese faschistische Handlungen (anders kann man das nicht nennen)?Ich sehe keinen, weil keiner so spricht, abgesehen von diesen Bekloppten.Ich vermute das diese Spinner von Sorros, Gates, die Grüne Brut bezahlt werden.

  11. Dass Romane umgeschrieben werden, weil es nicht in die jeweilige Ideologie gepasst hat, ist ja nichts Neues. Und nichts Neues ist es zudem, dass es vor allem sozialistische, kollektivistische Systeme waren und sind, die mit der natürlichen Sprache Probleme haben.

    Ein Beispiel.

    Vor über 20 Jahren las ich das Buch von Turgenjew: Väter und Söhne. Ein hervorragendes Buch. Dort sagt an einer Stelle der Protagonist Basarow: EIN MANN ERZIEHT SICH SELBST. Dieser Satz mit seiner kraftvollen Aussage war in einigen Systemen aus ideologischen Gründen nicht möglich, da der Feminismus Bestandteil der Linksfaschisten ist, und so wurde daraus: EIN MENSCH ERZIEHT SICH SELBST.

    Wer den Roman kennt, weiß, dass Turgenjew bereits damals den Feminismus kritisiert hat. Sein Protagonist Basarow verkörpert diese berechtigte Kritik. Er unterscheidet klar Mann und Frau, biologisch wie gesellschaftlich, sozial. Sein Satz EIN MANN ERZIEHT SICH SELBST macht Sinn. Nicht aber EIN MENSCH ERZIEHT SICH SELBST.

    Selbst wenn ein Schriftsteller noch so falsch liegen mag, was bei Turgenjew nicht zutrifft, ist es die Künstlerfreiheit, die respektiert zu werden hat. Und ein Künstler wird immer geprägt durch seine Zeit, wird sie nie vollends abstreifen können, weshalb die Nachwelt damit zurecht zu kommen hat. Aber das kann sie nur, wenn sie geistig reif ist. Aber das sind Menschen in kollektivistischen Systeme nicht, zumindest nicht die Verbrecher, die sie eingeführt haben und die Mitläufer, die sich daran beteiligen, diese Systeme zu schützen.

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    1. Mir ist es egal ob sich ein Mann oder ein Mensch selbst erzieht.
      Allerdings finde ich, dass niemand das Recht hat unser Kulturgut nach seinen Launen zu ändern oder zu eliminieren.

      1. “Mir ist es egal ob sich ein Mann oder ein Mensch selbst erzieht.”

        Deshalb hat Turgenjew das Buch geschrieben, und nicht du, diesen Satz dem Protagonisten in den Mund gelegt.

        Weil der Begriff Menschen auch die Weiber mit einbezieht, aber Weiber sich nicht selbst erziehen können. Könnten sie es, würden sie sich nicht ständig als Opfer hinstellen und brav der feministischen Ideologie hinterherlaufen, was jede zu tun pflegt, wenn es darum geht, die Vorteile der “feministischen” Justiz in Anspruch zu nehmen. Auch die, die angeblich gaaaanz selbständig sind.

        Bücher sind mehr als nur Kulturgüter, sie sind oftmals kritische Stimmen aus der Vergangenheit. Deshalb werden sie von den Schwachen, was Ideologen, Religiöse, Kollektivisten sind, vehement bekämpft.

    1. Meines Erachtens waren die verboten. was mir mal durch ein Missverständnis eine Buchdruckerin sagte. Ich meinte Meyers Konversationslexikon neu binden.

      1. Dass die Werke Karl Mays in der DDR verboten waren, stimmt nicht. Richtig ist, dass sie eine Zeitlang nicht verlegt wurden. Das änderte sich in den 80er Jahren. Da wurden sie als “nationales Kulturerbe” (Karl May war Sachse) entdeckt und es gab sogar eine vielbändige Ausgabe seiner Werke. Umgeschrieben wurden sie bestimmt nicht, denn das alles spielte sich öffentlich ab und es wäre rausgekommen. Man wollte die Bücher ja auch exportieren. Ob es Textveränderungen gab, kann ich nicht beurteilen, denn ich habe als Erwachsener sowas nicht mehr gelesen. In Radebeul bei Dresden gab und gibt es ein Karl-May-Museum in der sogen. Villa Bärenfett, dem einstigen Wohnhaus des Schriftstellers. Übrigens war die Kürzung/Veränderung von Texten keine Spezialität der DDR. In der BRD wurde sie u.a. eifrig bei der Synchronisation von ausländischen Filmen praktiziert, z.B. Cabaret. Seit ich BRD-Bürger bin ist die Umschreibung von Theaterstücken (“Regietheater”) so etwas wie ein Volkssport. Ob das rechtlich okay ist, muss wohl im Einzelfall entschieden werden. Was im Namen der Wokeness mit dem Werk Agatha Christies geschehen soll ist schlicht eine Sauerei, denn die damit zu transportierende Ideologie liegt dieser Autorin wohl Lichtjahre fern…

  12. Dazu passt doch vorzüglich, dass König Lear in Bads Hersfeld jetzt von einer Frau gespielt wird und die woken Schwachmaten sind begeistert.
    Es soll einen neuen interessanter Blick auf das Geschehen bringen.

    Aber so schlimm ist das alles ja nicht. Die Bibel ist bekanntlich auch mehrmals umgeschrieben worden, weil sich irgendwelche Kirchenfürsten Vorteile daraus versprachen.

    1. Also wenn schon, dann hätte man einen
      ‘Transmann’ nehmen müssen. Das wäre politisch korrekt und würde Shakespeares Werk nicht allzusehr verhunzen. Bad Hersfeld, wie tief bist du gesunken! Könnten sie es, würden die Mauern der Stiftsruine vor tosendem Gelächter widerhallen.

  13. Das wäre das Ende jeglicher Literaturwissenschaft. Bereits die neue Rechtschreibung (Doppel-S statt ß u.s.w.) macht das Werk für den Studenten unbrauchbar. Historisch-kritische Werkausgaben wird es dann zukünftig nicht mehr geben.