Linders Hochzeitsfete auf Sylt und die Evangelische Kirche als Event-Service

Wenn Finanzminister heiraten… (Foto:ScreenshotYoutube)

Die dreitätige Prunkhochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner auf Sylt löste nicht nur berechtigte Empörung aus, weil sie zu einem Zeitpunkt erfolgte, in dem das ganze Land zum Verzicht, zur Vorbereitung auf Strom- und Gasmangel, zum Frieren aufgerufen wird und sich bald wieder unter Masken die leeren Warenregale betrachten darf. Rauschende Feste, wenn zugleich der Zusammenbruch der Energieversorgung bevorsteht, beweisen die Instinktlosigkeit der politischen Klasse, der jegliche Verbindung zum normalen Leben im Land abhanden gekommen ist.

Besonders ärgerlich ist vor allem wieder einmal die Beteiligung der Evangelischen Kirche am Lindner’schen spätrömisch-dekadenten Spektakel: Diese gab sich willig für eine kirchliche (!) Trauung her – obwohl weder Lindner noch seine Angetraute überhaupt Kirchenmitglieder sind. Damit hat sich die EKD selbst zu einer Art Eventveranstalter degradiert, einer folkloristischen Wedding-Planning-Organisation auf Vegas-Niveau, die keinerlei Bezug zu Glaubensinhalten, Traditionen oder auch nur einem Minimalbekenntnis mehr herstellt, wenn sie ihre Pfaffen den Ehebund besiegeln lässt.

Zwiespältige Signale

Tatsächlich sind Christian Lindners Signale, was sein Verhältnis zur Religion betrifft, zumindest ambivalent. Obwohl er aus der Kirche ausgetreten ist, leistete er bei seiner Vereidigung, wie alle FDP-Minister, die religiöse Zusatzformel „So wahr mir Gott helfe“. Auch soll er es gewesen sein, der demonstrativ auf einer kirchlichen Trauung bestanden habe. Dies löste selbst bei der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann Kritik aus: „Weshalb wünschen zwei Menschen eine kirchliche Trauung, die bewusst aus der Kirche ausgetreten sind, ja öffentlich erklärt haben, dass sie sich nicht als Christen verstehen?“, fragte sie. Bei Lindners Hochzeit sei es nicht um christlichen Inhalt, sondern um eine Kulisse gegangen, so Käßmann weiter. Für so etwas aber sollte sich die Kirche nicht hergeben: Gotteshäuser seien Orte, in denen Menschen über Jahrhunderte Freud und Leid vor Gott bringen. „Sie sind durchbetete Räume, die Trost spenden.“ Deren Erhalt werde durch Kirchenmitgliedschaft und ehrenamtliches Engagement ermöglicht.

So richtig man Käßmans Worte finden mag: Sie fordert damit eine kirchliche Glaubwürdigkeit ein, an deren Abschaffung sie selbst jahrelang tatkräftig mitgewirkt hat. Mit ihren ständigen politischen Ein-und Auslassungen, nahezu ausschließlich auf rot-grüner Linie, war Käßmann maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Kirche schon lange nicht mehr als Verkünderin einer über das Irdische hinausweisenden Botschaft wahrgenommen wird, sondern als willige Handlangerin linker Politik, die ihr im Gegenzug den ungestörten Zufluss von Kirchensteuern erhält.

Grüne Aktivisten in der EKD

Ihre Nachfolgerin, die 26-jährige (!) Studentin Anna-Nicole Heinrich, die seit letztem Jahr Präses der Synode der EKD ist, arbeitet natürlich erst recht daran, den religiösen Kern des Christentums noch unkenntlicher und ihre Kirche endgültig zur grünen Vorfeld-NGO zu machen: Letzten September forderte sie: „Wir müssen unsere Klimaschutz-Ziele nochmal nachbessern und vom Kleinen bis ins ganz Große auch ernsthafter umsetzen. Wir dürfen nie zufrieden sein, sonst werden wir das Schlimmste nicht verhindern können.“ Dafür erhielt sie überschwängliches Lob von „Fridays-for-Future”-Trompete Luisa Neubauer, an deren Demonstrationen Heinrich natürlich ebenfalls schon teilnahm.

Heinrich  ließ auch verlauten, dass sie bei ihren vielen Reisen für die EKD „konsequent auf Bus und Bahn“ setze und sich „im Zweifelsfall aufs Fahrrad schwingt, um von A nach B zu kommen.“ Zu den Fragen, die sie umtreiben, gehörten „immer zwei Perspektiven… einmal nach innen, da stellt sich die Frage, wie klimaneutral wir selbst als Kirche sind… und dann nach außen, wenn es etwa darum geht, Menschen, die sich für das Klima engagieren, Orte zu geben, an denen sie Kraft und Hoffnung schöpfen können.“

Kirchenaustritte sind die Quittung

Es ist genau dieser rein politische Aktivismus, für den die Kirchen (auch die katholische) sich bereitwillig hergeben, der immer mehr Menschen abstößt, wie er etwa auch durch die maßgebliche Beteiligung der EKD am illegalen Migranten-Schlepperunwesen durch ein eigenes Rettungsschiff im Mittelmeer, durch bedingungslose Übernahme der im Kern antichristlichen Gender-Ideologie mit ihrer Leugnung der Zweigeschlechtlichkeit und einer katastrophalen Sprachverhunzung, und nicht zuletzt durch die Gutheißung einer geradezu fanatischen Corona-Impfpropaganda zum Vorschein kommt. Die Kirchen konnten es während Corona auch gar nicht abwarten, Gottesdienste zu streichen und ihre Pforten zu schließen, wobei sie teilweise sogar rigider als die staatlichen Lockdown-Agitatoren waren. Dass sich solch ein „zeitgeistversauter” Gesinnungsclub wie die EKD dann auch noch für die Hochzeit zweier Nicht-Mitglieder zur Verfügung stellt, passt ganz ins Bild einer Kirche, die alles Eigenständige schon lange über Bord geworfen hat.

Die Antwort auf diese Beliebigkeit zeigt sich einer Rekordzahl an Kirchenaustritten: 2021 verließen 280.000 Mitglieder die Evangelische Kirche; bei der Katholischen Kirche, die sich weltanschaulich in fast nichts mehr von den Protestanten unterscheidet, waren es sogar 359.000. Kässmanns unbeholfener Versuch, wieder Glaubwürdigkeit herzustellen, kommt also zu spät. Aber wenigstens hatten Lindner und Gemahlin auf Sylt die Party ihres Lebens – mit Gottes Segen.

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8 Kommentare

  1. „Klimaschutz ist eine Menschheitsaufgabe.“ – Christian Lindner (FDP) am 02.09.2021

    „Es wird einen volkswirtschaftlichen Wohlstandsverlust geben. Man kann das übersetzen, dass wir alle ärmer werden.“ – Christian Lindner (FDP) am 07.03.2022

    Für den Klimaschutz sorgt diese dreitägige Hochzeitsfeier auf Sylt sicher, bei der der Bräutigam im schwarzen BMW und die Braut im Porsche Targa. S vor die Kirche fahren und Friedrich Merz, Armin Laschet, Olaf Scholz und Wolfgang Kubicki extra dafür angereist kommen – Merz natürlich mit seinem Privatflugzeug Diamond DA62.

    Und dafür, dass wenigstens die Steuerzahler zuverlässig ärmer werden, sorgen schon die Kosten für den Einsatz von Sicherheitskräften und Polizeiabsperrungen.

    Bei diesen Politikern und bei dieser Evangelischen Kirche ist doch schon längst zusammengewachsen, was zusammen gehört.

  2. Die evangelische Kirche tut wirklich alles, bis auch das letzte Kirchenmitglied ausgetreten ist. Sie ist mit ihrer Anbiederung an den linksgrünen Faschismus dabei von besonderer Bedeutung. Schließlich hat sie ja im Dritten Reich mit der Anbiederung an den nazibraunen Faschismus schon reichlich Erfahrung gesammelt.

    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die Kinder von menstruierenden Männern tauft.

  3. Sehr geehrter Herr Löwengrub, das ist alles richtig, und man muss ihm bei stimmen, könnte es auch noch härter formulieren. Nur der Schluss ist falsch, denn diese Hochzeit stand, nur weil sie in einem Kirchengebäude stattgefunden hat, noch lange nicht unter dem Segen Gottes, nicht einmal unter dem Segen der Kirche, denn soviel ich gehört habe, war gar kein Pfarrer anwesend und hat die Eheleute nach kirchlichem Ritus getraut und eingesegnet, sondern Herr Sloterdijk soll der Festredner gewesen sein. Das Kirchengebäude war also in der Tat nur eine äußere Kulisse, ohne geistliche Bedeutung. Es wurdealso missbraucht. Darum ist es auch vollkommen falsch, wie man überall lesen kann, es hätte sich um eine kirchliche Trauung gehandelt; das nun gerade nicht, und wenn, dann wäre es bei der heutigen Kirche auch kein Segen Gottes, der dort vermittelt worden wäre, denn diese Kirche befindet sich in einem diametralen Widerspruch zum Worte Gottes. Man kann auch unter dem Fluch Gottes heiraten. Und das Gericht Gottes beginnt laut Neuen Testament am Hause Gottes selbst. Des sind wir Zeugen. Hochachtungsvoll, PD Dr. Weber

  4. Wahre christliche Werte passen mit diesen gierigen faschistoiden Machtmenschen überhaupt nicht zusammen. Als Gott hätte ich Blitze ohne Ende züngeln lassen und eine Sintflut über diese Heuchler losgelassen. Aber dieser Gott scheint Ungerechtigkeit dauerhaft zu dulden, warum auch immer.

  5. „Die Kirche“ (Nicht das Christentum) ist schon sehr lange nicht mehr das ,was es sein sollte. Schon früh begann das, nachdem man jahrhunderte lang verfolgt wurde, mit der eigenen Verfolgung der „Heiden“, die man seelenruhig auch killen konnte, wollten sie nicht hören. Machtkämpfe, Einmischung in die Politik, Reichtümer horten, Mißbrauch, Ablasshandel, die Erfindung der Exkumunikation, die Deckung von Verbrechern und Mördern, später die Installation von /w/d, Schwulenhochzeiten, Unterstützung von LGQGTRE$§%&HG Gruppen u.s.w. Gottes Wort wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt und mißinterpretiert.
    Standhaft hätte sie bleiben müssen, demütig und dem Wort der Bibel treu. Aber all das hat sie schon früh verworfen. Diese Kirchenmänner (und was weiß ich noch) sind keine Diener Gottes! In diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, auf der richtigen Seite zu stehen, sei es bei Corona, dem great reset oder dem deep state: Am Ende wird abgerechnet! Und Gott diskutiert nicht mit Grünen! Auch sonst nicht 😉 !

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