Ludwigshafen und der schleichende BASF-Wegzug: Das Ende einer Wohlstands-Ära

Ludwigshafen und der schleichende BASF-Wegzug: Das Ende einer Wohlstands-Ära

BASF-Stammsitz Ludwigshafen: Die Zukunft liegt nicht mehr in Deutschland (Foto:Imago)

Während der Kanzler in Belem grüne Tropenromantikpredigt und Milliarden verspricht, die er gar nicht hat, korrigieren die Wirtschaftsweisen schon wieder das Wachstum nach unten. Statt 1,3 Prozent bleiben ganze 0,9 Prozent, wovon 0,3 Prozent allein durch Feiertage auf Wochenenden zustande kommen. Ein viertes Rezessionsjahr steht bevor – bei 174 Milliarden Euro neuen Schulden und einem Kanzler, der ernsthaft glaubt, Wirtschaftspolitik sei vor allem ein PR-Format: Die Wirtschaft ist nicht das Problem, sagt Merz. Richtig, das Problem ist die Politik!

Denn während hierzulande über Regenwald, CO2-Budgets und BlackRock-Renditen gestritten wird, handelt die Industrie längst: Die BASF hat begonnen, ihr neues Verbundwerk im südchinesischen Zhanjiang hochzufahren. 8,7 Milliarden Euro Investitionen sin des offiziell – im Endeffekt wohl eher 20 Milliarden, wenn alles steht. Es wird erstmal nur das drittgrößte BASF-Werk weltweit sein, nach Ludwigshafen und Antwerpen – aber das erste dieser Größe, das eben nicht mehr in Europa steht. Und das ist kein Zufall, sondern Kalkül. Denn die neue Produktionsstätte in China ist keine Außenstelle; es ist die Zukunft. In Zhanjiang wird produziert – nicht palavert. Dort gibt es alles, woran es in Deutschland mangelt: bezahlbare Energie, Rohstoffe, rasche Genehmigungen und Arbeitskräfte, die tatsächlich arbeiten wollen. Kein Baustopp, kein Homeoffice, keine moralischen Vorlesungen vor der Frühschicht! Dort zählen Effizienz, nicht Befindlichkeit.

Schicksal längst besiegelt

Ludwigshafen dagegen ist Geschichte. Noch läuft dort der Betrieb – aber es ist die Verwaltung eines allmählichen Rückzugs. Wenn Zhanjiang erst einmal auf Volllast fährt, werden logischerweise Aufträge aus “Hochkosten-Werken” (wie eben vor allem am Stammsitz) zunehmend in das Niedrigkostenwerk nach China verlagert. Ludwigshafen bleibt übrig für die Resteverwertung. Man wird das natürlich nicht offen sagen und schon gar nicht verkünden;
das wäre schlecht für die Aktie. Doch betriebswirtschaftlich ist das Schicksal längst besiegelt. Denn Produktion wandert immer dorthin, wo sie sich rechnet. Und rechnet sie sich noch in Deutschland, mit sechsmal so hohen Energiepreisen, mit Genehmigungsverfahren, die Jahre dauern, mit Arbeitszeiten, die nur im Tarifvertrag, aber nicht in der Realität flexibel sind? Nein.

Die Eigentümer wissen das. Die Aktionäre wissen das. Und sie freuen sich: Es winken durch die Verlagerung ins industriefreundliche Ausland höhere Renditen, geringere Kosten, ein wachsender Absatzmarkt. Das Kapital hat längst seine neuen Standorte gefunden. Deutschland gehört nicht mehr dazu. Zurück bleiben die, die nichts verlagern können: Die Arbeiter, die Familien, die Städte, deren Wohlstand “am Schornstein hängt”, wie man früher sagte.
Sie zahlen den Preis für eine Politik, die glaubt, man könne Industriepolitik durch wohlklingende Absichtserklärungen ersetzen. Doch in der globalen Realität gilt nur ein Gesetz: Wer zu teuer produziert, verliert. Wer nicht mehr wettbewerbsfähig ist, ist erledigt. Ludwigshafen wird verschwinden, Antwerpen wird folgen: Europa wird zu einem großflächigen Museumspark der Industriegeschichte. Und wenn in Zhanjiang die Schornsteine dampfen, wird man sich in Deutschland trösten: „Es war doch nur ein Standortwechsel!“ In der Tat: Der Standortwechsel ins 21. Jahrhundert. Nur leider ohne uns.

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12 Antworten

  1. Die ehemalige sogenannte demokratische SPD Bürgermeisterin hat sich frühzeitig aus dem Staube gemacht! Hat noch durch ein kriminelles Fehlverhalten die Wahl eines vernünftigen Bürgermeisters verhindert und bekommt jetzt sicherlich eine dicke Pension fürs Scheitern!

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  2. „Zurück bleiben die, die nichts verlagern können: Die Arbeiter, die Familien, … Sie zahlen den Preis für eine Politik, die glaubt, man könne Industriepolitik durch wohlklingende Absichtserklärungen ersetzen. “ (Zitatende)
    Da ich davon ausgehe, dass die Zehntausende, die finanziell an BASF hängen, mehrheitlich so gewählt haben wie der Rest der Republik, hält sich mein Mitleid in eben diesen Grenzen.
    Die Leute haben doch bekommen, was sie gewählt haben. Wenn die jetzt betröppelt aus der Wäsche kucken, sollen die sich mal klar machen, wie blöd sie waren (und wahrscheinlich immer noch sind).

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  3. Gibt es die BASF in 20 Jahren noch ? Ich bezweifle das. Der noch größte (?) Chemiestandort der Welt, in welchem mit dem Haber-Bosch Verfahren (seit 1913 dort laufend) das global älteste immer noch auf dem demselben Prinzip fußende Syntheseverfahren (Ammoniaksynthese aus Stickstoff und Wasserstoff) abläuft, wird sich innerhalb des kommenden Vierteljahrhunderts mit Sicherheit komplett aus Deutschland verabschieden. Für dieses Verfahren erhielt der geniale Chemiker Fritz Haber (1869 – 1934) im Jahr 1918 und der geniale Ingenieur Carl Bosch (1874 – 1940) im Jahr 1931 den Nobelpreis für Chemie. Was würden heute beide zu dieser Entwicklung sagen ? Vielleicht erlebt das BASF-Gelände als möglicher „UNESCO industriell-chemischer Freizeitpark“ eine neue Bestimmung ähnlich derjenigen der Völklinger Hütte. Was die dafür verantwortlichen Herren Merz und Klingbeil anbetrifft, frage ich mich fast stündlich, wie es solche Nullen und Versager auf der ganzen Linie bis zum Abitur geschafft haben.

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  4. vielleicht könnte man später in den leeren hallen eine gestörte kinderbuch ganzjahres ausstellung abhalten… der oberkasper und seine deppen… tolles buch von habeck leider nicht … ist er schon weggesperrt mit bährbock zusammen… volksvermögen-vernichter sind wohl staatlich geschützt… man hört so wenig herr staatsanwalt… wie kommts… alice erlöse uns von allen politidioten und denkverweigerern…

  5. BASF wird nicht die einzige Firma bleiben, die Deutschland den Rücken kehrt. Bayer, Ford etc. werden folgen – dank einer völlig idiotischen Energiepolitik. Günstige und vor allem zuverlässige Energie ist das A und O in einem Industrieland. Der Chef von BASF hat kurz nach Beginn des Krieges in der Ukraine davor gewarnt, auf billiges Gas aus Russland zu verzichten, weil die Kosten sonst nicht mehr stemmbar sind. Wollte das einer hören? Nein, man hat ja der Ampel und Robert vertraut. Und jetzt jammert man rum.

  6. Jetzt wird dem Michel eingehämmert, der Russe will uns überfallen!
    Nur was sollte der Russe mit einem Land, was in den totalen Untergang fährt? Ablenkung, weil die etablierten Politiker ihre Flucht vorbereiten!

  7. In Ludwigshafen war auch noch nie aufgrund des Firmensitzes einer BASF etwas „golden“!
    Die Mannheimer wollten einst keine „badische“ Fabrik in ihrem Bezirk – ohne zu bedenken, dass der damals noch übliche Gestank dann dank des überwiegenden Westwindes doch genau nach Mannheim getreiben wurde. Doch auch diese kurisose Kurzsichtigkeit ist nur noch Schnee von vorgestern.

    Die Stadt war schon immer ärmlich und eine schlichte „Arbeiterstadt“. Ich weiß nicht, wieviel Steuern die BASF überhaupt in Ludwigshafen gezahlt hat, aber gesehen hat man davon schon seit Jahrzehnten nichts.

    Natürlich ändert das nichts an der Misere der deutschen und offensichtlich gewollten „Wanderungspolitik“ – Firmen raus aus Deutschland, Sozialempfänger und Kulturfremde rein nach Deutschland.

  8. Die Leute haben sich mehrheitlich entschieden, in Zukunft von Bürgergeld zu leben und ihr Talent nicht mehr zu Verfügung zu stellen.

    Es ist das Ziel, Deutschland in ein Land von Bürgergeldempfängern zu machen, um sie zu brechen ! Denn diese Leute werden dann ihres Lebenssinnes beraubt, was dann zu Drogenmissbrauch, Spielsucht führt !

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