
Es gibt diese Momente, in denen die Popkultur ein Ereignis so groß macht, dass es fast schon nach einem ironischen Echo verlangt. Genau so ein Echo hallte 2017 durch die deutschen Kioske, als “MAD” mit der Comic-Parodie „Silly“ die Geschichte von „Sully“ in ein groteskes Zerrbild verwandelte.
Während Clint Eastwood mit “Sully“ ein filmisches Denkmal für den Helden vom Hudson errichtete, spießte das Satiremagazin die Glorie des Dramas auf und brachte alles ins Kippeln, was sich zuvor so feierlich aufgerichtet hatte.
„Silly“ statt „Sully“
Der Titel ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise ging: Aus „Sully“ wurde „Silly“. Dick DeBartolo, einer der langjährigen Wortakrobaten des Magazins, schrieb die Vorlage, und Tom Richmond setzte sie mit seinem spitzbübischen Strich um. Auf sechs Seiten tobte sich die Parodie aus und verdrehte das Drama um Captain Chesley „Sully“ Sullenberger ins Lächerliche. Die ernsten Pressekonferenzen wurden zu absurden Medienspektakeln, das Cockpit mutierte zum technischen Kuriositätenkabinett und die mediale Heldenverehrung kippte ins Überbordende.
Besonders treffsicher war die Überzeichnung der Flugzeit. Sechs Minuten dauerte der reale Flug von LaGuardia bis zur Notwasserung, doch in „Silly“ dehnte sich dieser kurze Zeitraum endlos aus. Panel um Panel wurde das Unvermeidliche in die Länge gezogen, als wollte die Satire selbst beweisen, dass man aus sechs Minuten auch einen ganzen Film oder eben ein halbes Heft machen kann.
Eigene Tradition
Damit knüpfte “MAD” nahtlos an eine eigene Tradition an, denn das Heft hatte schon in den 1970ern die „Airport“-Katastrophenfilme mit bissigen Titeln wie „Airplot“ verhöhnt. „Silly“ war also nicht nur eine Einzelaktion, sondern ein später Nachfolger einer ganzen Reihe von Luftfahrt-Parodien, die schon längst zum festen Bestandteil der DNA von “MAD” gehörten.
Interessanterweise greifen heute auch digitale Spiele ähnliche Themen auf, allerdings in ganz anderer Form. Aviator Spiele in den besten Online Casinos erfreuen sich etwa wachsender Beliebtheit, weil sie mit dem Nervenkitzel eines bevorstehenden Flugzeugabsturzes arbeiten. Spieler müssen dabei voraussagen, wann das virtuelle Flugzeug abstürzt und entscheiden, ob sie rechtzeitig aussteigen oder ihr Risiko weiterlaufen lassen. Dieses Spielprinzip verbindet Spannung mit einem Hauch von Katastrophenfilm und zeigt, wie stark das Motiv Fliegen und Absturz auch abseits von Parodie und Kino seinen Reiz behalten hat.
Was geschah wirklich am Hudson River?
Um die Wirkung der Parodie zu verstehen, hilft ein Blick zurück in den Januar 2009. US-Airways Flug 1549 startete am 15. Januar vom New Yorker LaGuardia Airport. Nur wenige Minuten nach dem Abheben traf eine Gruppe Kanadagänse die Maschine, beide Triebwerke fielen fast vollständig aus. An Bord saßen 150 Passagiere und 5 Crewmitglieder, und mit einem Mal war aus einem Routineflug ein Kampf um Leben und Tod geworden.
Captain Chesley „Sully“ Sullenberger und sein Co-Pilot Jeff Skiles hatten Sekunden, um die Situation einzuschätzen. Eine Rückkehr nach LaGuardia war ausgeschlossen, alternative Flughäfen ebenfalls außer Reichweite. Also entschied Sullenberger, das Flugzeug auf dem Hudson River zu wassern. Eine Entscheidung, die in der Ausbildung kaum jemand geprobt hat, geschweige denn in der Realität durchführen musste. Doch das Unfassbare gelang: Der Airbus A320 setzte auf dem Fluss auf, alle Insassen überlebten, und die Bilder der Evakuierung über die Flügel gingen um die Welt.
Mehr als ein klassisches Katastrophendrama
Clint Eastwood griff die Geschichte 2016 auf und inszenierte sie als Film, der weit mehr sein wollte als ein reines Katastrophenspektakel. Mit Tom Hanks in der Hauptrolle als Sully und Aaron Eckhart als Co-Pilot Skiles brachte Eastwood einen Film ins Kino, der die Balance zwischen Dramatik und Introspektion hielt. Statt den Absturz mit Effekten auszuschlachten, stellte er die psychologische Nachwirkung ins Zentrum. Die Struktur war ungewöhnlich. Nicht die Notwasserung selbst war der Höhepunkt, sondern die vielen Schattierungen danach: Albträume, in denen Sully brennende Flugzeuge in die Hochhäuser von Manhattan stürzen sah, der Medienrummel, der ihn auf ein Podest stellte, und die Behördenanhörungen, die seine Entscheidung infrage stellten.
Eastwood nahm das Genre, das seit Jahrzehnten von Explosionen und Panik lebt, und verpasste ihm eine leise, nachdenkliche Note. Hanks verkörperte keinen Superhelden, sondern einen Mann, der im Zentrum einer Ausnahmegeschichte stand und dennoch unter dem Druck litt, diesem Mythos gerecht zu werden.
Wo Eastwood übertreibt
Genau an dieser Stelle setzte auch Kritik an. Im Film wirkt die NTSB, die amerikanische Transportsicherheitsbehörde, wie ein Tribunal, das den Piloten beinahe zum Schuldigen machen will. Auf der Leinwand tritt die Behörde als Gegenspieler auf, fast so, als sei Sully ein Angeklagter und nicht ein Held. In der Realität jedoch beschrieben die Beteiligten die Untersuchung als sachlich, respektvoll und professionell. Niemand habe versucht, Sully an den Pranger zu stellen.
Eastwood verschärfte die Gegensätze, um Spannung zu erzeugen. Die Simulatorversuche, die scheinbar zeigten, dass eine Rückkehr zum Flughafen möglich gewesen wäre, wurden als nahezu wasserdichte Gegenbeweise inszeniert. Doch der entscheidende Aspekt, menschliche Reaktionszeit, wurde im Film zwar thematisiert, aber lange nicht so nüchtern wie im echten Bericht behandelt. So blieb bei vielen Zuschauern der Eindruck, Sully habe um Anerkennung kämpfen müssen, obwohl er in Wirklichkeit von Beginn an respektiert wurde. Für den Film funktionierte dieser dramaturgische Kniff, doch er entfernte sich damit spürbar von der nüchternen Realität.
Das Genre der Flug- und Katastrophenfilme im Wandel
Filme über Flugzeuge und Katastrophen bedienen sich seit jeher ähnlicher Muster. Im Zentrum steht meist eine existenzielle Bedrohung, die ein Flugzeug zur Todesfalle macht. Rundherum entfalten sich persönliche Dramen, die Crew ringt um Kontrolle, Passagiere geraten in Panik und am Ende triumphieren oft Mut, Technik und Teamarbeit. Die 1970er Jahre brachten mit „Airport“ eine ganze Welle von Produktionen hervor, die den Katastrophenfilm salonfähig machten. Kaum war ein Teil abgedreht, folgte schon der nächste: „Airport 1975“, „Airport ’77“ oder „The Concorde … Airport ’79“. Dieses Genre war ein Kassenschlager, aber auch ein gefundenes Fressen für Parodisten. Nicht zufällig erschien 1980 „Airplane!“ mit Leslie Nielsen, die ultimative Satire auf all diese Fliegerdramen, die mit Slapstick und Absurdität alles auf die Spitze trieb.
Später verschob sich die Perspektive. „Flight“ von 2012 mit Denzel Washington etwa beginnt mit einem spektakulären Crash, doch danach geht es weniger um Technik als um die moralischen Abgründe eines Piloten mit Alkoholproblem. „Sully“ steht diesem Film diametral gegenüber: Hier geht es um einen makellosen Profi, der trotz traumatischer Nachwirkungen nicht an seiner Integrität zweifeln lässt. Und auch im Horrorbereich haben Flugzeuge ihren Platz gefunden, man denke nur an „Final Destination“, in dem ein Flugzeugabsturz zum Auftakt einer tödlichen Schicksalskette wird. Das Flugzeug bleibt also ein Symbol – mal für technologische Ohnmacht, mal für menschliche Größe, mal für den blanken Horror.
Warum gerade “MAD”?
Dass sich damals ausgerechnet “MAD” dieses Stoffes annahm, verwundert kaum: Wo ein überhöhter Mythos entsteht, da lauert die Satire schon mit gespitztem Stift. Ein Film, der einen Piloten beinahe zum Heiligen stilisiert, bot die perfekte Projektionsfläche.
Die Archetypen waren klar: der Held, die prüfende Instanz, das sensationshungrige Publikum. Daraus ließ sich eine Parodie formen, die all das pathetische Pathos zurück auf den Boden der Albernheit holte.
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11 Antworten
Sehr schön zusammengefasst!
Als nächstes folgt eine Inhaltsangabe über den letzten Film von Asterix und Obelix?
ich traff Sully 2x in FRA Transit auf seinem Weg ins Cockpit,kann sagen,selten einen mit 4 Streifen gesprochen der so ruhig in sich selber ruht. Bewundere ihn noch heute,bin froh ihn gesehen und kurz gesprochen zu haben.
Übrigens habe ich auch mal einen lustigen Film gesehen. Da ging es um Leute, die auf einer Insel gestrandet waren:
Killigan“s Island.
😂
außerdem:
Fußballverein TSG Hoffenheim startet politische Säuberung gegen die AfD?! – Ein Aufruf zur Gegenwehr
https://journalistenwatch.com/2025/08/29/fussballverein-tsg-hoffenheim-startet-politische-saeuberung-gegen-die-afd-ein-aufruf-zur-gegenwehr
„MAD“ heutzutage ist eine Zumutung! (Gibt´s das überhaupt noch?)
Ich habe das Magazin in den 80gern gern und oft gelesen.
Damals hatte die Zeitung Biss! Mit Storys wie „Du weißt, dass du Ausländer bist, wenn…!“ und ähnlichem wurde parodiert, was ansonsten ernst sein sollte.
Das lag auch an der Arbeit von Feuerstein, dem nichts und Niemand heilig war.
Ich habe es geliebt!
Danach fiel mir irgendwann eine Ausgabe in den 2000ern in die Hände.
Was ich dort zu lesen bekam, verursachte mir Brechreiz! (würg!)
Sowas von mitleidig konform und harmlos hatte ich lange nicht gesehen und ich schämte mich für die neuen Macher.
Genauso war es übrigens bei „Sturmtruppen“.
Das spricht mir aus der Seele. Auch ich habe die MAD Hefte in den 70gern und 80gern geliebt. Ich hab heute noch viele davon im Schrank. Irgendwann hab ich dann mal eines der neueren Hefte in die Hand bekommen. Quietschbunt und verkrampft bemüht irgendwie lustig zu sein. Zum abgewöhnen! Ich glaube, die haben die Dinger dann auch Irgendwann eingestellt.
Über die MAD-Parodie von Top Gun habe ich mich damals köstlich amüsiert. Der Film selbst war primitive Propaganda.
Was ist MAD?
An einem Tag auf der Brücke:
http://tosommerfugle.blogspot.com/2012/05/ingen-skal-d-alene.html
Und vieles mehr.
Humor ist ein extrem genauer Gradmesser dafür, was man in einer Geselleschaft sagen darf oder nicht. Sich über Habeck lustigmachen? Da kommt morgens die Polizei. Ja, da staunt man. Die Zone ist nicht so weit weg wie man glaubt. Wenn auf einem Linkentreffen aber über die Erschießung von Gegnern gelacht wird, passiert nix. Der Deutsche hat innerlich die Monarchie nie abgeschafft. Es geht leider nicht um Demokratie, Freiheit oder Gerechtigkeit, sondern immer nur darum, welchem Lager du angehörst. Ist nicht sehr schlau, ist aber so.
Ja und jetzt?
Jetzt sind wir endlich in existenziellen Fragen einen „Quantensprung“ nach vorne geschossen.
Leute – echt – DAS war jetzt sowas von wichtig, sowas von Erkenntnis und singulärer Thematik, dass ich mich wundere, dazu noch mehr Lebenzeit zu vergeuden und einen Komentar verfasse!
In der Schweiz sagen wir zu einem Verfasser solch überflüssig-unsinnigem Zeugs: „Gschponert“ – drehen uns weg und vergessen.