
Wie viel „Haltung“ darf eine Paartherapeutin haben? Diese Frage stellt sich beim aktuellen “Welt”-Artikel von Elke Naters unmittelbar. Die Autorin tritt öffentlich als “Expertin”, Kolumnistin und Mentorin für Paare auf; ihr Text über „Männer in Partnerschaften“ wird im Gestus fachlicher Autorität präsentiert, nicht als bloß subjektive Glosse. Wer so schreibt, beansprucht therapeutische Deutungshoheit – und muss sich an professionellen Maßstäben messen lassen: Ergebnisoffenheit, Neutralität, methodische Begründung. Genau an diesen Punkten bricht der Text in sich zusammen. Naters erzählt die Geschichte von Lisa, 50, kinderlos und seit 17 Jahren mit Jon verheiratet, beide Freiberufler. Lisa klagt darüber, dass „alle“ Frauen sich von ihren Männern trennen wollten, und findet es „anstrengend, das Leben alleine zu meistern“ – während sie zugleich die Freiheit genießt, keine Kinder zu haben. Jon wiederum habe „patriarchale Strukturen verinnerlicht“, mache ein „Riesending“ daraus, wenn er sich im Haushalt oder mit den Kindern (gemeint sind hier offenbar andere Konstellationen) engagiere, erwarte Lob und erkenne ihre unsichtbare Organisationsarbeit nicht an.
Die Diagnose der Autorin: Beziehungen funktionierten heute nur noch, wenn Männer ihre Karriere in den Hintergrund drängten, die ihrer Frauen unterstützten und sich „zurückstellen“ könnten. „Wer das nicht kapiert, der bleibt alleine!“ Später wird Jon mit einem Alkoholiker verglichen, der vier Bier am Tag trinkt und glaubt, „kein Problem zu haben, weil es alle tun“. Am Ende rät Naters Lisa zu einer „Haltung“: Sie solle schlicht arbeiten, wann immer sie wolle, Aufträge annehmen, ohne sich zu rechtfertigen – ob Jon zurechtkomme oder nicht, sei nicht ihr Problem. Das ist eine klare, normativ aufgeladene Botschaft: Die gute Beziehung ist allein die, in der der Mann primär Unterstützer der weiblichen Selbstverwirklichung ist. Wer das nicht versteht, „bleibt alleine“. Genau hier wird die Differenz zwischen Therapie und Aktivismus sichtbar. Paartherapie – in welcher Schule auch immer – beginnt bei den beiden konkreten Menschen. Sie fragt: Welche Erwartungen haben beide? Welche biographischen Prägungen bringen sie mit? Welche Muster haben sich etabliert, welche Bedürfnisse bleiben unsichtbar? Und: Wollen beide überhaupt dasselbe? Naters dagegen beginnt nicht beim Paar, sondern bei ihrem Weltbild.
Therapie arbeitet nicht vom Weltbild der Therapeutin aus
Die Rollen sind von vornherein verteilt: Der Mann repräsentiert „patriarchale Strukturen“, die Frau das berechtigte Emanzipationsbegehren. Der Konflikt besteht darin, dass der Mann nicht genug „unterstützt“. Die Geschichte dient nicht der Erkenntnis, sondern der Illustration einer These. Die Schlussfolgerung steht, bevor der Fall erzählt ist: Männer haben sich zurückzunehmen; Frauen haben Vorrang. Was wie Analyse daherkommt, ist moralische Sortierung. Damit bewegt sich der Text außerhalb jeder therapeutischen Ethik. Eine Therapeutin darf kein Beziehungsmodell zur Norm erheben und es Paaren überstülpen. Sie darf keine Seite moralisch priorisieren. Und sie darf vor allem nicht den eigenen Geschlechtercode als „objektive Voraussetzung“ gelingender Partnerschaft ausgeben.
Die zentrale normative Setzung lautet: „Beziehungen funktionieren nur noch, wenn die Männer sich zurückstellen können und es als ihre Aufgabe sehen, ihre Frauen zu unterstützen. So wie wir Frauen das über Generationen für die Männer getan haben.“ Hier kippt der Text endgültig aus der therapeutischen in die aktivistische Sphäre. Aus einem legitimen Wunsch – Männer sollen sich für das Leben ihrer Partnerin interessieren – wird eine historische Rechnung: Jahrhunderte weiblicher Anpassung sollen durch männliche Selbstzurücknahme kompensiert werden. Partnerschaft wird zur Bühne eines Geschlechterkriegs, auf der „Patriarchatsschulden“ abgetragen werden.
Der „neue Mann“ als Pflichtfigur
Spätestens hier entpuppt sich Naters als Feministin. Denn konservativ betrachtet ist das eine doppelte Reduktion: Der Mann wird auf die Rolle des Unterstützers verkürzt, als sei sein eigenes Lebensprojekt nur noch Material weiblicher Selbstverwirklichung. Und die Frau wird auf die Rolle der permanent Benachteiligten fixiert, selbst dann, wenn sie – wie Lisa – kinderlos, hochqualifiziert, beruflich erfolgreich und materiell abgesichert lebt. Das eigentliche Paar verschwindet hinter dem großen Schema Täter-Opfer. Signifikant ist der Satz: „Kinder zu haben ist eine wunderbare Sache, aber für die wenigsten Frauen eine ausreichende Lebensaufgabe.“ Das klingt modern und differenziert – ist aber in seinem Unterton eindeutig: Mutterschaft wird zur nostalgischen Option, die „für die wenigsten“ tauge. Dahinter steht ein neues Dogma: Die wirklich emanzipierte Frau definiert sich primär über Erwerbsarbeit; Kinder sind Ergänzung, nicht Zentrum.
Konservative Kritik wendet sich nicht gegen berufstätige Mütter. Sie fragt aber: Darf eine Gesellschaft noch anerkennen, dass es Frauen gibt, für die Mutterschaft – und damit Familienarbeit – tatsächlich eine tragende Lebensaufgabe ist? Oder werden solche Frauen automatisch in die Ecke der „Tradwives“ gestellt, einer angeblich exotischen Spezies, deren Lebensform man nur noch ironisch erträgt? Spiegelbildlich wird die Versorgerrolle des Mannes pathologisiert. Der Satz „Ich mache das alles für meine Familie“ eines Mannes, der viel arbeitet, sei eine „Lüge“, schreibt Naters; er erzähle sie sich selbst. Auch hier gilt: Ja, Arbeit kann Flucht sein; sie kann aber auch Ausdruck einer Verantwortung sein, die Männer historisch und biographisch real übernehmen – oftmals unter hohem Druck. Wer diese Ambivalenz leugnet, macht aus Verantwortung ein psychisches Defizit.
Beziehung als Einbahnstraße
Naters droht Männern: „Wer das nicht kapiert, der bleibt alleine.“ Das ist keine Analyse, sondern ein moralischer Bannspruch. Systemisch betrachtet gilt die Logik jedoch in beide Richtungen: Wenn ein Mann die Bedürfnisse seiner Partnerin konsequent ignoriert, wenn er sie als Staffage seines Lebens führt, wird die Beziehung zerbrechen – darin sind sich konservative wie feministische Stimmen einig. Aber umgekehrt gilt: Wenn eine Frau Kinder primär als Belastung wahrnimmt, die Verantwortung für Fürsorge weitgehend an den Mann delegieren möchte und jeden Kompromiss als Verrat an der eigenen Selbstverwirklichung liest, dann hat auch diese Konstellation geringe Chancen auf Dauer. Nicht weil „die Frau schlecht“ wäre, sondern weil Beziehung kein Einwegmodell ist. Wer aus Partnerschaft eine Bühne des eigenen Projekts macht, produziert zwangsläufig Alleinsein – egal, welchem Geschlecht er angehört.
Eine echte Therapeutin würde dieses Spiegelverhältnis betonen. Sie würde beide Seiten mit der Frage konfrontieren, was sie geben und was sie verlangen. Naters hingegen nutzt das Bild nur gegen Männer. Konservative Kritik zielt hier nicht auf eine Rückkehr in die 1950er Jahre. Sie zielt auf etwas anderes: auf die Freiheit zu unterschiedlichen Lebensentwürfen, auch zu konservativen. Echte Emanzipation bedeutet, dass Frauen nicht gezwungen sind, zu Männern in Nadelstreifen zu werden. Sie dürfen ihre Kinder gerne selbst erziehen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Sie dürfen Karrieren verfolgen – aber sie dürfen sie auch zugunsten von Familie relativieren, ohne deshalb als „internalisierte Patriarchatsopfer“ zu gelten. Eine Kultur, die Mutterschaft nur noch als Randoption neben dem „eigentlichen“ Leben in Projekten und Selbstverwirklichung betrachtet, verengt die weibliche Existenz auf eine männlich codierte Erwerbsbiographie. Sie verwechselt Gleichwertigkeit mit Gleichförmigkeit.
Therapeutische Maske, aktivistische Stimme
Der gefährlichste Punkt an Naters‘ “Welt”-Text sind darum nicht seine feministischen Reflexe (die findet man heute überall), sondern die therapeutische Maske, in der sie auftreten. Naters schreibt nicht als „Aktivistin“, sondern als gefühlte Expertin für Paare. Doch sie hat – zumindest soweit dem Leser ersichtlich – keinerlei akademische oder therapeutische Ausbildung in diesem Bereich. Kein Psychologiestudium, keine systemische Ausbildung, keine therapeutische Zertifizierung, keine klinische Qualifikation, keine nachweisbare methodische Schulung. Die Grundlage ihrer Tätigkeit ist nicht Wissenschaft, sondern persönliche Erfahrung und erzählerische Selbstdeutung. Unter diesen Bedingungen trägt der irreführende Begriff „Paartherapeutin“ bereits die Gefahr einer Etikettentäuschung in sich. Damit steht ihr Text exemplarisch für eine Tendenz unserer Zeit: Lebensberatung, Coaching, „Mentoring“ verschmelzen mit politischer Agenda – und jeder maßt sie sich an, der einen Standpunkt bezieht. Was früher klar getrennt war – Therapie als geschützter Raum, Politik als Streit um Werte – wird hier vermengt. Paare suchen Orientierung – und bekommen Ideologie im Gewand vorgeblicher Expertise. Der Verdacht liegt nahe, dass der Fall samt der Protagonisten Lisa und Jon komplett erfunden ist.
Der konservative Einwand ist nüchtern: Beziehungen scheitern selten daran, dass jemand zu wenig feministische Theorie gelesen hat. Sie scheitern an Egoismus, an Respektlosigkeit, an Bindungsunfähigkeit – auf beiden Seiten. Wer den Männern allein die Schuld zuschiebt und die eigene Weltanschauung zur therapeutischen Wahrheit erhebt, trägt nicht zur Heilung, sondern zur weiteren Vergiftung des Geschlechterverhältnisses bei. Naters Fazit „Wer das nicht kapiert, der bleibt alleine“ ist kein Beitrag zur Paartherapie. Er ist ein Stück feministischer Aktivismus, das sich die Autorität der Therapeutin leiht, ohne die dazugehörige Neutralität zu besitzen. Konservative Kritik muss das benennen – nicht um Frauen zurück an den Herd zu wünschen, sondern um die Freiheit zu verteidigen, Familie und Geschlecht anders zu denken als es der aktuelle publizistische Mainstream vorsieht. Wer das nicht kapiert, bleibt früher oder später wirklich alleine – und zwar mit seiner Ideologie.
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9 Antworten
Ein sehr kluger Text, eine lohnende Lektüre. Besonders wohltuend ist der sachliche und zugleich scharfe, aber nicht ungezügelte Ton. Ich kann mir auch eine noch schärfere Klinge vorstellen, besonders angesichts desselben massenhaft auftretenden Phänomens unter Journalisten, Objektivität gegen Aktivismus, gegen Haltung und Agitation zu tauschen. Auch hier gilt: wer das nicht kapiert, bleibt allein – oder eben nur in seiner Blase.
Paartherapie geht nicht weil der die Therapeut/in immer ein Geschlecht hat und niemals neutral sein kann. Frauen haben eine Art Netzwerk aufgebaut wo die Männer keinen Zugang zu haben und somit auch fast immer im Hintertreffen sind. Reagieren die Männer um sich zu wehren, je nach Charakter, sind sie die Bösewichter. Ich hatte Erfolg in dem ich die Methoden der Frauen anwandte. Damit waren die machtlos.
Ich habe erlebt und gesehen wie Frauen die Männer lächerlich machen, austricksen und unterdrückten, ja sogar in den Tod trieben. Da konkreter aus der Wirklichkeit zu werden würde ein kleinen Roman ergeben und den Rahmen hier sprengen.
Der Furzmeister meint dazu: „Pffrrz!“
Es besteht ein generelles Problem mit Therapeuten alle Couleur.
Der Anteil an Wählern, die verstanden haben, liegt vielleicht bei 15- 20%, diese wählen aus Überzeugung AfD, der Rest wählt sie tatsächlich noch aus Protest; im Familienkreis sprach letztens jemand von „Notwehr“, nicht von „Überzeugung“, die AfD zu wählen.
Die Anteil von Therapeuten identischer Meinung liegt aber weit, sehr weit darunter, alle Verbände sind stramm auf Regierungslinie.
Wie soll ein Vertrauensverhältnis zu einem Therapeuten aufgebaut werden, wenn Sie als Patient in ein Sprechzimmer mit Regenbogengirlanden kommen, der Therapeut seiner unbeschränkten multikulturellen und Mundnasenschutzbedeckung Begeisterung freien Lauf läßt und Sie, mit ihrem 12 Jahre Bart, nach Ihrem Geschlecht fragt?
Das funktioniert nicht. In beide Richtungen.
Demnach sind normaldenkende Menschen, dank der langjährigen Hetze und Tabuisierung ihrer Meinung und damit ihrer Person, von psychologischer Hilfe defacto ausgeschlossen.
Außer Sie haben das Glück, einen normaldenkenden Therapeuten zu finden.
Dabei kann ich nur viel Erfolg wünschen!
Das Endergebnis der hier zutage tretenden Ideologie kann man mittlerweile in etlichen Ländern des „Wertewestens“ in Form ganzer Bewegungen freiwillig partnerloser Männer betrachten. Was früher bei Al Bundy mit „No mam“ noch Satire war, ist heutzutage ernstgemeinte Realität – und unmittelbere Folge des Feminismus.
Ist aber den Damen auch wieder nicht recht, ergo rrrrääächts. Denn irgendwer sollte ja schon den Versorger spielen und fürs Wohlfühlen ab und zu den Kuschelbären. Blöd nur, wenn man die alle mit seinen Ansprüchen und Allüren schon mit seinem äusseren Auftreten in die Flucht geschlagen hat.
Wo kommt der Schwachsinn her ? Aus derselben Ecke wie viele andere Familien- und fortpflanzungsfeindliche Entwicklungen, nämlich aus den „Thinktanks“ der Oligarchen, die Familie schon in den 50ern als Widerstandskeim und Hindernis gegen ihre Weltmachtsfantasien identifizierten, und obendrein das Postulat der globalen Überbevölkerung seit 150 Jahren manisch betreiben. Und ALLES fördern, was Familien, gesellschaftlichen Zusammenhalt und normale Fortpflanzung angreift und zersetzt.
Die Frontfigur dieser Machenschaft, Soros, finanziert nicht aus Gutmenschentum Homosexuellen-Bewegungen, Feminismus, „Open Borders und Migration“, etc. Sondern aus genau gegenteiligem Grund, wie Elon Musk mal treffend feststellte.
Wenn Mann bereits Glück in der Liebe hatte und mit sich selbst im Reinen ist, kann das (freiwillig) „alleine bleiben“ auch eine unbeschwerte, freie Zeit sein 😃.
Ganz anders formuliert!
Wenn Frauen solche unerfüllbaren
Forderungen stellen, werden sie
allein bleiben.
3 x 7 ergibt = Feinen Sand‘!!!
Alleine bleiben ist doch durchaus eine sehr gute Alternative zur Gefangenschaft in einer sogenannten Beziehung nach Modell Naters.
Und ich kapiere tatsächlich nicht, wie eine Beziehung mit starrem Rollenbild, in der die Frau immer macht, was sie will und der Mann sich immer unterzuordnen hat, funktionieren soll. Also – alleine bleiben, bevor ich mich auf sowas einlasse.
Dazu brauche ich aber keinen Naters mit seinen absurden und überkommenen Ansichten von starren Rollenbildern.
Der physikalische Beweis: Ehe Feministininen beginnen zu denken, hört Scheiße auf zu stinken..meine Erfahrung.