Manipulation per Wahl-O-Mat: Weder Impfung noch Corona sind Thema

Wahl-O-Mat am Desktop (Foto:Imago/Eibner)

Noch nie war vor einer Bundestagswahl soviel Unentschlossenheit, soviel Ratlosigkeitkeit, soviel Frustration und Perplexität unter den Wahlberechtigten wie bei dieser. Die bis zur inhaltlichen Beliebigkeit reichende, weitestgehende Konturlosigkeit zumindest des „Altparteienkartells“ mit ihrer in vielen Punkten austauschbaren Programmatik erschwert die Wahlentscheidung zusätzlich. Wobei diese für die meisten Deutschen ohnehin nur zwischen besagten etablierten Parteien erfolgen, keinesfalls jedoch die AfD einschließen darf. Die AfD, als inhaltlich einzige fundamentale Opposition, ist erfolgreich außerhalb dieses Overton-Fensters zulässiger Überzeugungsbandbreite gedrängt worden – mit dem Ergebnis, dass sie selbst dann vielen unwählbar erscheint, wenn sie in Sachfragen eigentlich mit ihr einer Meinung sind.

Damit das Wahlvieh gar nicht erst darüber ins Grübeln kommt, weshalb es ausgerechnet bei der Partei keinesfalls ein Kreuz machen darf, deren programmatische Standpunkte es insgeheim mehrheitlich vielleicht sogar gutheißt, wird alles darangesetzt, diese Einsicht erst gar nicht zur Reife zu bringen. Und hierfür kommen mittlerweile dermaßen dreiste Tricks zur Anwendung, dass man als Demokrat – und zwar ganz ungeachtet der eigenen politischen Präferenz, selbst ohne AfD-Sympathie – nur noch staunen kann.

So kommt bei dieser Wahl bekanntlich dem Wahl-O-Mat – und zwar dem „offiziellen“, regierungsamtlichen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) mit seinen 38 Wahlthesen – eine deutlich größere Bedeutung bei der Entscheidungsfindung zu als sonst, da die Zahl der Wechselwähler diesmal aus den eingangs genannten Gründen um ein Vielfaches größer ist als je zuvor. Dass viele Wähler dieses scheinbar nützliche, Objektivität verheißende Instrument bei zur Orientierung oder gleich Willensbildung nutzen, liegt auf der Hand.

Nie gesehenes Super-Framing

Um diesem selbsternannten Anspruch einer Entscheidungshilfe gerecht zu werden, wäre es jedoch Mindestvoraussetzung, dass sich unter den 38 Thesen ALLE Politikfelder wiederspiegeln, die die Bevölkerung in ihrem Leben tangieren. Fraglos stehen im Herbst 2021 zwei Konfliktbereiche im Mittelpunkt, die praktisch jeden deutschen Wahlbürger betreffen: Corona(-Maßnahmen) und die Impfung. Was die unterschiedlichen Parteien hierzu fordern, sollte und müsste zwingend die Wahlentscheidung dominieren.

Ausgerechnet zum Thema Corona und Impfung finden sich im Wahl-O-Mat jedoch keine Fragen. In der Thesenauswahl der BpB findet die Pandemie nicht statt, und dafür gibt es einen Grund: Die einzige Partei, die objektiv für einen wirklich fundamentalen Kurswechsel, für eine sofortige Umkehr vom verheerenden Freiheitsberaubungskurs der deutschen Politik seit anderthalb Jahren steht und die zudem noch die Impfung strikt ins freie Ermessen der Bürger stellen möchte, ist die AfD. Es sind Positionen, die von weit mehr Deutschen geteilt werden, als derzeit die AfD wählen würden. Keinesfalls darf deshalb riskiert werden, dass dies beim Wahl-O-Mat-Thesenabgleich zu einer erhöhten Meinungsschnittmenge mit der AfD führt – und diese plötzlich denen wählbar erscheint, deren Zorn über die autoritären Maßnahmen bislang scheinbar keine parteipolitische Kanalisierung hatte.

Die einzigen beiden Fragen des Wahl-O-Maten, die zumindest peripheren tangieren (ohne es bezeichnenderweise zu erwähnen!), sind jene zum Patentschutz der Vakzine zu und Homeoffice-Regeln. KEINE Frage zur Impfpflicht, zu 2G, zu 3G, zur nochmaligen Verlängerung der epidemischen Lage, zu Inzidenzen oder Intensivstationen, zu kommenden Lockdowns, zur Maskenpflicht, zu Schulschließungen, zur digitalen Auskunftspflicht, zur den Nebenwirkungen der Maßnahmen. Wir haben es hier mithin zu tun mit einem Super-Framing nie gesehenen Ausmaßes, indem einfach das seit anderthalb Jahren politikbestimmende – und damit potentiell wahlentscheidende – Hauptthema ausgespart wird.

Intentionale methodische Fehler

Jedes Studie, jede Umfrage und auch jede Wahl ist letztlich nur so gut und aussagekräftig wie die ihr zugrundeliegende Methodik. Durch passgenauen Zuschnitt von Fragen, Antworten (vor allem bei Multiple-Choice, worunter auch der Wahl-O-Mat fällt) und Distraktoren lässt sich das Ergebnis wunschgemäß beeinflussen. Ein bekanntes Beispiel, zu welchen Fehlschlüssen eine einseitige oder methodisch unzulängliche Untersuchung führen kann, ist etwa der „Intelligenztest“. Sowohl der Zahlen-Verbindungs-Test nach Oswald/Raven, der Matrizentest wie auch logik- und sprachorientierte Verfahren sind stark an Bedarfsprofilen und akademischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Industrieländer ausgerichtet und benachteiligen so regelmäßig Menschen aus traditionellen Gemeinschaften, Naturvölkern oder Entwicklungsländern. Sie eignen sich damit zur Scheinfundierung rassistischer Stereotypen, wonach beispielsweise Schwarze weniger intelligent als Weiße wären.

Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim erklärt die Unausgewogenheit des Wahl-O-Mats mit „Auswahlprozessen“: Es werde nach Themen gesucht, bei denen es zwischen den Parteien „die deutlichsten Unterschiede gibt“. Tatsächlich? Wäre dem so, dann hätten Corona und Impfung allerdings ganz oben stehen müssen. Denn hier liegen die Positionen von AfD und Altparteien Lichtjahre auseinander – nicht jedoch eben der Altparteien untereinander, und genau das ist der Punkt: Die AfD wird einfach aus dem demokratischen, „wählbaren“ Spektrum ausgeschlossen. Und schon hat man wunderbaren Konsens, der parteiübergreifend und damit jenseits jeder Wahlentscheidung liegt. Die Volkskammerwahlen lassen grüßen.

8 KOMMENTARE

  1. Ich habe aus Spaß einmal den Wahl-o-mat angeworfen und musste feststellen (lol), dass ich zu mehr als 70% Übereinstimmung mit der AfD habe. Bei mir ist dies nicht verwunderlich, denn ich vertrete „vernünftige“ Meinungen und Ansichten und habe vernünftige und berechtigte Forderungen an diese Pappnasen in der Regierung. Dies ist heutzutage in diesem Hippiestaat rechts. Nun, dann bin ich eine Rechte, was mich nicht ernsthaft belastet. Dass die Fragestellung bei diesem Wahl-o-mat extrem manipulativ ist, wundert auch nicht. Eine echte Hilfe ist er, zumindest für die, die eine Überzeugung haben und selbst zu denken pflegen, nicht.

  2. Daß Crona da kaum vorkommt ist sicher richtig, aber bei mir lag von den aussichtsreichen Parteien die AfD ganz klar vorn – die „Grünen“ belegten erfreulicherweise sogar letzten Platz (hab alle Parteien zur Entscheidung zugelassen).

    Darum keifen viele ja schon, der Wahlomat würde „rechts“ bevorzugen.

  3. Wähle zwischen Pest und Cholera! Auch die AFD hat bei der wichtigen abstimmung über Infektionsschutzgesetz/Verlängerung der Notlage einfach 11 Stimmen nicht abgegeben. Da war der Urlaub oder die Lobbyarbeit wichtiger als seine Stimme abzugeben. ALLE deutschen Politiker stehen bei mir auf einer Stufe mit Kakerlaken bis sie mir persönlich das Gegenteil beweisen. Aber egal … ich habe rechtzeitig reagiert und ziehe gerade um ins muslim/migrantenfreie konservativ regierte Ausland … und überlege ob ich nicht zum Abschied noch einer rrg Regierung meine Stimme geben soll damit der Niedergang Deutschlands nicht ganz so lange dauert.

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