Marcel Fratzscher, das blinde Orakel

Anders als es der Lieblingsökonom deutscher Talkshows sieht, ergibt sich für 2023 ein düsterer Ausblick: Inflationsanstieg und Massenarbeitslosigkeit drohen

Ampel-Hofökonom Fratzscher: Zuverlässige Fehleinschätzungen (Foto:Imago)

Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität in Berlin, vielen als Dauergast in den Nachrichten und Talkshows der öffentlich rechtlichen Medien bekannt, der sich gerne als ökonomischer Visionär sieht, liegt seit Jahren regelmäßig falsch mit seinen ökonomischen Prognosen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist er der Lieblingsökonom des linksgrünen Zeitgeists und scheint als solcher stets darauf bedacht zu sein, dass seine wirtschaftlichen Prognosen mit den Wunschvorstellungen der Regierenden kompatibel sind.

Noch im September 2021, als die coronabedingte Zerstörung der internationalen Lieferketten und das exzessive Gelddrucken der Europäischen Zentralbank bereits für jedermann offensichtlich waren, behauptete Fratzscher unter völliger Fehleinschätzung der Realität auf Twitter: „Eine Inflation von 3 % im Jahr 2021 ist kein Problem für Deutschland, sondern eine willkommene Normalisierung nach einer viel zu schwachen Preisentwicklung von 0,5 % 2020. Auch 2022 sollte sie kein Problem darstellen. Kein Grund also um Ängste zur Inflation zu schüren.” Auch in seinem im März 2022 erschienenen Buch „Geld oder Leben“ prophezeite Fratzscher, dass die Inflation wohl bereits im Jahr 2022 wieder unter die Marke von zwei Prozent fallen werde und 2023 noch weiter sinken würde. Was für eine eklatante Fehleinschätzung!

Warnungen renommierter Kollegen ignoriert

Tatsächlich betrug die offizielle Inflationsrate 2022 bereits mehr als 10 Prozent. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte in Deutschland lagen im Oktober 2022 sogar um 34,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat, und diese sind ein wesentlicher Indikator für die zukünftige Inflation. Aber auch für die Endverbraucher war bereits 2022 in vielen Bereichen die Inflation weitaus höher als die angegebenen 10 Prozent. So waren beispielsweise die Preise für Schweinefleisch 47 Prozent höher als im Oktober 2021, für Käse und Quark mussten 38,3 Prozent, für Milch 36,1 Prozent und für Kaffee 29,1 Prozent mehr bezahlt werden.

Dies lässt für die Zukunft nichts Gutes erwarten, denn auch wenn der Ukrainekrieg (oder die in seiner Folge ergriffenen Sanktionsmaßnahmen gegen Russland) als „Schwarzer Schwan” den Inflationsschub durch exorbitant gestiegene Energiekosten forciert hat, so war ein Großteil der Indikatoren für Preissteigerungen bereits 2021 erkennbar gewesen – und viele renommierte Ökonomen – wie etwa Hans-Werner Sinn als emeritierter Professor der Universität München und früherer Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, oder auch der bekannte Finanzökonom Thomas Mayer – hatten exakt davor gewarnt. Nur Herr Fratzscher glaubte es besser zu wissen als viele seiner Kollegen und ignorierte deren ökonomischen Sachverstand. Jeder andere würde sich nach einer solchen Fehleinschätzung ins stille Kämmerlein zurückziehen oder wenigstens öffentlich eingestehen, dass es mit der eigenen ökonomischen Kompetenz wohl doch nicht so weit her ist, weshalb er sich mit zukünftigen Prognosen besser zurückhalten sollte. So etwas kommt für Fratzscher natürlich nicht in Frage: Er präsentiert sich weiterhin unbeirrt als die personifizierte Wirtschaftskompetenz des Landes und seine Nähe zur Regierung sichert ihm dauerhaft hohe mediale Aufmerksamkeit.

Grundfalsche Prognosen

So prophezeit er nun, dass es im Jahr 2024 zu einer deutlichen Absenkung der Inflation auf drei bis vier Prozent kommen wird. Er begründet das diesmal mit einer sinkenden Nachfrage und der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Eine sinkende Konsumgüternachfrage wird die Inflation allerdings kaum beeinflussen. Die momentane Inflation entsteht ja nicht aufgrund einer heiß gelaufenen Konjunktur, sondern hat ihre wesentliche Ursache darin, dass die durch die Politik der EZB verursachte hohe Geldmenge auf ein knappes Angebot vor allem bei Energie und Vorprodukten der Industrie trifft. An dieser Knappheit wird auch der „Doppel-Wumms” der Scholz’schen Ampel nichts ändern. Im Gegenteil: Die expansive Finanzpolitik der Regierung wird die Inflation weiter anheizen, zumal auch die EZB nur halbherzig versucht, durch Zinserhöhungen gegenzusteuern. Eine Prognose, dass die Inflationsrate sinken oder sich wenigstens nicht weiter erhöhen werde, ist daher nicht überzeugend zu begründen. Hier liegt Fratzscher meines Erachtens erneut falsch.

Im Gegenteil sprechen alle Indikatoren dafür, dass in den nächsten Jahren zumindest zweistellige Inflationsraten zu befürchten sind – vor allem, wenn auch noch eine Lohn-Preis-Spirale hinzukommt. EU-Beamte sind diesbezüglich bereits mit fatalem Beispiel vorangegangen: Sie erhielten umgehend ein Lohnplus von 8,5 Prozent als Inflationsausgleich. Eine Hyperinflation mit monatlichen Inflationsraten von mehr als 50 Prozent mag kurzfristig zwar eher nicht zu erwarten sein, wohl aber wird es zu einer Stagflation kommen, die einige Ökonomen bereits schon jetzt als gegeben sehen. Es handelt sich hierbei um die Situation einer wirtschaftlichen Stagnation verbunden mit einer hohen Inflationsrate. Eine Folge von Stagflation ist häufig eine zunehmende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig stark steigenden Preisen.

Zweckoptimismus in Regierungsdiensten

Selbst Fratzscher hat mittlerweile zugeben müssen, dass die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland mehr als düster sind. So twitterte er am 9. September 2022: „Die deutsche Wirtschaft dürfte nun für 3-4 Quartale und für das gesamte Jahr 2023 schrumpfen. Die Wirtschaft der Eurozone ist auch hart getroffen, aber nicht so stark. Drei der Gründe: höhere Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten, Exporten und globalen Lieferketten.“ Fakt ist, dass Deutschlands Wirtschaft am unteren Ende der Skala des Wirtschaftswachstums aller EU-Staaten angekommen ist und keine Aussicht auf schnelle Besserung besteht. Im Gegenteil: Das Münchner Ifo-Institut erwartet, dass die Entwicklung der Energiepreise zu vermehrten Investitionen im Ausland führen wird. Das bedeutet, dass noch mehr deutsche Unternehmen aus Deutschland abwandern. Dies scheint Fratzscher jedoch nicht weiter zu beunruhigen, denn zeitgleich zu seinen optimistischen Inflationserwartungen stellt er die Prognose auf, dass die Beschäftigung in Deutschland hoch bleiben und die Arbeitslosigkeit nur leicht steigen werde. Eine überzeugende Begründung hierfür bleibt er allerdings schuldig und nachdem er mit seinen bisherigen Prognosen bezüglich der Inflation verkehrt lag, ist zu befürchten, dass er auch bezüglich Arbeitslosenquote und Beschäftigtenzahlen wenig Treffsicherheit beweisen wird.

Es sieht vielmehr danach aus, dass ein „Ketchupflaschen-Effekt” ähnlich wie bei der Inflation eintreten wird: Lange passiert nichts, aber dann kommt die Arbeitslosigkeit mit Wucht. Denn gleich mehrere Faktoren lassen ein Anschnellen der Erwerbslosenquote befürchten: Es ist kaum vorstellbar, dass es genug Energie zu bezahlbaren Preisen geben wird; vor allem nicht, dass dauerhaft genug Gas verfügbar ist. Spätestens im Frühjahr 2023 ist mit einem Gas-Mangel zu rechnen, der Produktionsstillstände in energieintensiven Industrien und Kaskadeneffekte entlang der Produktionsketten auslösen kann. Zumal auch nur wenig Aussicht besteht, dass man im Laufe des Jahres 2023 in der Lage sein wird, die Gasspeicher für den Winter 2023/24 mit bezahlbarem Gas befüllt zu bekommen. Es dürfte kaum möglich sein, Gas in der benötigten Menge zu vertretbaren Preisen kurzfristig von den Weltmärkten zu beziehen, um sie der Industrie zur Verfügung zu stellen.

Auf in die Stagflation

Darüber hinaus existiert eine weltwirtschaftliche Situation, die grundsätzlich Sorgen macht. Die USA, der große Gewinner des Ukrainekriegs, können es sich leisten, die Zinsen immer stärker anzuheben und sie nutzen ihre Standortvorteile zu Ungunsten der deutschen Wirtschaft ohne Zögern aus. Billige Energie, niedrige Steuersätze und eine attraktive Subventionspolitik lassen deutsche Firmen daher mit einer Standortverlagerung liebäugeln – allen voran die BASF, einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Hinzu kommt, dass in China, der zweitgrößten globalen Volkswirtschaft, die anhaltende strikte Lockdown-Politik und deren katastrophale ökonomische Folgen Deutschland als wichtigem Handelspartner ebenfalls stark zusetzen. So ist etwa die Autoproduktion in Deutschland aktuell auf den Stand von 1970 gesunken, vor allem aufgrund fehlender Chips und anderer Teile, die nicht mehr aus China geliefert werden können. Wenn die letzte große Schlüsselindustrie Deutschlands, die Automobilindustrie, kippt, dann wird das zu einer Massenarbeitslosigkeit führen, wie sie Deutschland seit den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr erlebt hat. Wie dramatisch die Situation ist, lässt sich dabei nur erahnen; man muss in jedem Fall eine heftige Rezession mit hohem Arbeitsplatzabbau in Deutschland befürchten.

Und was tut die deutsche Bundesregierung, um ein solches Szenario zu verhindern?
Die Politiker gönnen sich erstmal Diätenerhöhungen und konzentrieren sich lieber auf die Außenpolitik. Mit „Bürgergeld” und Geldspritzen für Schlepperschiffe befeuern sie die illegale Migration immer weiter. Dazu Waffen für die Ukraine, Milliarden Euro Steuergelder werden in Indien, Türkei, Griechenland und verstärkt an alle Länder mit „Klimaschäden“ verteilt; zudem nimmt Deutschland seit Jahren Millionen von Armutsflüchtlingen auf, die mit den eigenen sozial Schwachen um Wohnungen, Jobs, Sozialleistungen und andere Ressourcen konkurrieren. Während die Bevölkerung in Deutschland seit Jahren stark ansteigt, stagniert die Beschäftigtenzahl, da die Zuwanderung vor allem in die Sozialsysteme stattfindet. Bereits jetzt wendet Deutschland mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (!) für Sozialleistungen auf. Die Staatsquote ist innerhalb weniger Jahre auf über 50 Prozent gestiegen, die Staatsschulden kletterten bis Jahresende 2021 auf unvorstellbare 2,3 Billionen Euro – das sind 2.319.000.000.000 Euro und damit 144 Milliarden Euro mehr als noch Ende 2020. Der „Doppel-Wumms” und diverse „Sondervermögen“ dürften im Jahr 2022 diesen Anstieg noch um ein Vielfaches übertreffen.

Unverantwortliche Politik des Geldverjubelns

Diese unverantwortliche Politik des Geldverjubelns auf Kosten der zukünftigen Generationen wird den ökonomischen Abstieg Deutschlands nicht nachhaltig stoppen können, und die Aussichten für 2023 sind sehr düster. Wenn es, wovon auszugehen ist, zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen wird und die Zahl derer, die diesen ganzen Irrsinn finanzieren müssen, weiter kontinuierlich schrumpft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das ganze System unweigerlich kollabiert. Die jetzige Bundesregierung hat in weniger als einem Jahr schon so viele katastrophale Fehlentscheidungen getroffen (ohne sich irgendwelche Fehler einzugestehen!), dass für 2023 kaum mit einer Richtungskorrektur zu rechnen ist. Im Gegenteil.

Man muss daher weiter mit hohen Inflationsraten und einer hohen Arbeitslosigkeit rechnen. Für die verbliebenen Leistungsträger heißt das, dass ihnen die Inflation die Ersparnisse wegfrisst und sie immer höhere Abgaben zahlen müssen, um das System möglichst lange zu finanzieren. Passend dazu scheinen die Pflicht zur Immobiliensteuererklärung bis 31. Januar 2023 und der Zensus 2022 Vorbereitungen für einen Lastenausgleich zu sein, wie es ihn zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg gab, um die Schulden des Staates auf Kosten des Wohlstands der Bevölkerung zu verringern. Es sollte jedem klar sein, dass es demnächst ans Eingemachte geht. Zu befürchten steht, dass am Ende ein Ökosozialismus angestrebt wird, in dem es – wie in jedem Sozialismus – eine politische Kaste gibt, die wie die Maden im Speck lebt, während das verarmte Volk unter der hohen Inflation und steigender Arbeitslosigkeit leidet. So lange, bis es am Ende zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in deutschen Städten (in denen Deutsche schon heute oftmals in der Minderheit sind) kommen wird. Dann ist endlich auch die Wunschvorstellung der Grünen wahr geworden, wie sie Göring-Eckhard im Jahr 2015 so inständig wünschte – dass Deutschland sich drastisch verändern wird. Das schaffen sie tatsächlich, denn eine Mehrheit der Deutschen, die hinter diesem Irrsinn steht, rennt begeistert wie die Lemminge dem Abgrund entgegen.

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5 Kommentare

  1. Dieser Fratzscher ist genau solch ein „Experte“ wie Drosten, Lauterbach, Buechs von der Ethikommission … Das sind willige Hofschranzen, die das von sich geben, was die linksgrünen Blockflöten gern hören wollen.

  2. Reingefallen.

    Der Mann ist nicht unfähig.

    Marcel Fratzscher hat offensichtlich die wohldefinierte Aufgabe, die Bevölkerung so lange über das wahre Ausmaß ALLER von deutschen Regierungen verursachten Katastrophen so lange zu täuschen, bis für sie jede Hilfe zu spät kommt und jede Hoffnung aussichtslos ist.

    „Langfristig wird Deutschland deutlich von Zuwanderung profitieren. Zuwanderer werden einen wichtigen Beitrag leisten, damit dieses Land seinen Wohlstand und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern kann.“ – Marcel Fratzscher, (DIW) am 28.09.2015

    „Nach unseren Berechnungen erwirtschaftet ein Flüchtling nach fünf bis sieben Jahren mehr, als er den Staat kostet… Flüchtlinge schaffen Einkommen, steigern die Unternehmenserträge und erhöhen die Produktivität der Firmen. “ – Marcel Fratzscher (DIW) am 03.11.2015

    Und Millionen zugewanderte Analphabeten später macht er auch jetzt genau so weiter:

    „Die Staatsangehörigkeit kann nicht am Ende der Integration stehen, sondern sie ist ein essentielles Element einer erfolgreichen Integration.“ – Marcel Fratzscher (DIW) am 26.11.2022

    • Weil Medien entscheidend für unser Denken und Handeln sind, macht der Milliardär gerade alles richtig. Niemand darf das Recht haben, den demokratischen Diskurs einzuschränken. Findet Klaus Kelle.

  3. Ein Schaumschläger mit Glaskugel, deren grüne Flecken mit Geld übertüncht werden. Er stellt sich mit stolz geschwellter Brust der Öffentlichkeit und meint, seine Wahrheit, die er mit Löffeln verschluckt hat, sei die einzig Wahre. Gehört auf die selbe Stufe der Besserwisserei wie L…….ch, Dr….n und Konsorten.

  4. Fratzscher, der Name passt zum Gesicht und Intellekt. Wenn die Leute tatsächlich so viel Ahnung hätten, müssten sie keine Prognosen abgeben und Bücher schreiben, sondern könnten locker spekulieren. Der ist nur Narrativ-Sprachrohr der Wirtschaft.

    Was zudem alle vergessen, ohne Migration, ca. 3 Mio netto seit 2015, wäre das hiesige Wirtschaftswachstum schon dauerhaft im Minus. Die essen, trinken, heizen, telefonieren, gehen zum Arzt, brauchen Wohnungen usw. und heizen damit zusätzlich durch Nachfrage die Inflation an.

    Weshalb natürlich auch die Industrie für Einwanderung ist…billige Arbeitskräfte, Verdrängungswettbewerb und mehr Konsumenten.

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