
“Queen Elizabeth” legte zur Melodie „Murga de Panama“ ihre Arme um meinen Hals und suchte Körperkontakt. Sie fand ihn. Den intensivierten wir später auf dem Fußboden einer Hütte zwischen schlafenden Kindern und Erwachsenen. Sie war eine schwarze Schönheit, die beim Straßenkarneval in Panama nach Touristen Ausschau hielt und bei mir fündig wurde. Es war zwar nur für eine Nacht, aber genug, um am nächsten Morgen mit mir einkaufen zu gehen und ihre Familie mit Hähnchen und Cola zu versorgen. In Panama hatte ich auf dem Weg nach Afghanistan Zwischenstation gemacht. Dort wollte ich mir ein Bild machen vom Krieg zwischen den kommunistischen Sowjets und den muslimischen Widerstandskämpfern. Als Major mit Schwerpunkt auf psychologische Kampfführung und Journalist interessierten mich diese Gegensätze.
Meine eigentliche Schicksalsbegegnung aber fand später in Thailand statt: Ein Geistlicher hatte in Deutschland Spendengelder für ein Waisenhaus in Pattaya gesammelt, und ich sollte für die “Waiblinger Kreiszeitung” prüfen, ob das Geld auch richtig angelegt wurde. Als ich auf Father Brennan wartete, lief mir Toom über den Weg. Sie war Aushilfskraft im Waisenhaus. Nachdem ich an meiner Reportage gearbeitet hatte, nahm sie mich mit zu ihrer Familie in Kanchanaburi. Ich traute meinen Augen nicht: Papa, Mama, Schwestern und Kinder teilten sich – ähnlich wie in die Familie von “Queen Elizabeth” in Panama – eine Blechhütte am River Kwai.
Ein Wunder
Als wir am nächsten Morgen mit dem Taxi nach Pattaya zurückfuhren, lief ein Junge weinend hinter uns her. „Määh, Määh, Määh“, erklang es markerschütternd. „Wer ist das?“, wollte ich wissen. „Meine Sonn Num“, antwortete Toom in gebrochenem Deutsch. „Halt!“, gebot ich dem Taxifahrer. „Deinen Sohn nehmen wir mit“, ließ ich keinen Zweifel aufkommen, ihn auf der Straße zurückzulassen. Der Junge war etwa drei Jahre alt und sah zum Gotterbarmen aus: abgefaulte Zähne, Wasserbauch, die Ärmchen nicht viel dicker als ein Daumen. „Er kann nicht sprechen“, verriet mir die Mutter, als ich ihn etwas fragen wollte.
Nach wenigen Tagen musste ich wieder los, aber die Erinnerung an Toom und ihren Sohn ließ mich nicht mehr los. Drei Monate später kehrte ich nach Thailand zurück, um Toom und Num nach Deutschland mitzunehmen. Als ich nach dem langen Flug daheim in Deutschland mit Num in die Badewanne stieg, geschah ein Wunder. Ich drehte den Wasserhahn auf und sagte: „Wasser!“ – „Wasser“, wiederholte Num. „Seife“, schäumte ich ihn ein. „Seife“, sagte Num. Mein Gott, der Junge konnte ja sprechen! Mir kamen die Tränen.
Erfolge als Europa- und Weltmeister
Der Rest ist schnell erzählt. Num kam in den Kindergarten. Ein halbes Jahr später konnte man ihn von den einheimischen Kindern nur noch an der etwas dunkleren Hautfarbe unterscheiden. Der Wasserbauch war weg. Seine Arme hatten jetzt Muskeln. Toom und ich heirateten. Wenig später adoptierte ich Num, der mit richtigem Namen Wiradech hieß. Auf Deutsch bedeutet das „der Willensstarke“. Wiradech wurde deutscher Staatsbürger. Später holte ich auch seinen Cousin Somkhit nach Deutschland. Als ich das Visum für ihn beantragte, ermahnte mich eine thailändische Beamtin: „Versprechen Sie mir bitte, den Jungen nicht der thailändischen Kultur zu entfremden!“ Ich versprach es.
Die beiden kamen aufs Gymnasium und lernten Säbelfechten. Und dort tat sich Wiradech – der inzwischen auf den Namen Willi hörte – hervor: Er wurde acht Mal deutscher Meister, zweimal Weltmeister, einmal Europameister. Eine Südtiroler Zeitung hatte es 1999 auf den Punkt gebracht: „Der Europameister, der aus Thailand kam.“ Zwei Bronzemedaillen bei Olympia in Sydney rundeten das Bild ab.
Gemeinsame Interessen als Schlüssel
Zwischendurch erinnerte ich mich immer wieder an das Versprechen, die Kinder nicht der thailändischen Kultur zu entfremden. Dazu holte ich Onkel Keng als Thai-Lehrer nach Koblenz. Doch kaum in Deutschland angekommen, vergaß er die Zusage, seine Neffen zu unterrichten, und machte lieber das schnelle Geld in der Thai-Community Frankfurt. Ich musste also nach anderen Wegen suchen. An der Akademie für Publizistik in Hamburg hatte ich gelernt, dass man mit fremden Leuten besonders schnell in Kontakt kommt, wenn man gemeinsame Interessen hat. Also suchte ich in Bangkok thailändische Fechter – und schon hatten die beiden die Brücke zurück in ihr Geburtsland geschlagen. Auch hier war der Sport, Wegbereiter zur gelungenen Remigration. Beide betreiben heute an einer Eliteschule in Bangkok eine Fechtakademie.
Als im Jahr 2004 ein Tsunami die Küstenregion um Phuket verwüstete, wurde Willi ins Team der Deutschen Botschaft berufen und half deutschen Touristen im Katastrophengebiet. Später baute er ein zerstörtes Fischerdorf mit 100 Häusern auf. Willi wurde vom deutschen Bundespräsidenten und vom thailändischen Außenminister ausgezeichnet. Er war stets in beiden Kulturen zu Hause.
Gegenseitiger Respekt
All dies und mehr habe ich in meinem Buch „Migration Remigration“ analysiert. Dabei beschreibe ich auch, wie mich mein Vater im Zuge eines Schulprojekts zur Hopfenernte nach Fladbury schickte – mit dem Ziel, Englisch zu lernen. Ein Schlag ins Wasser, denn wir waren dort zwei Dutzend Deutsche, die dasselbe vorhatten. Deutsche unter sich lernen eben kein Englisch, nur weil sie sich in England aufhalten. Und ebenso werden sich Flüchtlinge in Deutschland integrieren, wenn sie unter sich bleiben und keinen Kontakt zu Einheimischen pflegen.
Auf der Flucht vor der Antifa, die mich wegen meiner publizistischen Arbeit verfolgt, lebe ich heute selbst als Migrant bei meinen Kindern in Thailand. Ich habe mich dort zwar nicht “integriert”, aber ich benehme mich und achte die thailändische Kultur. Und wenn es mir hier einmal nicht gefallen sollte, bleibt mir immer noch der Weg zurück in „unsere Demokratie“. Migration und Remigration funktionieren eben nur mit gegenseitigem Respekt. Unsere Regierung sieht das offensichtlich anders. Politiker sollten mein Buch lesen.
Erik Kothny war deutscher Bundeswehrmajor und Journalist beim „Südwestrundfunk“ (SWR). Er betätigt sich als Kolumnist und Buchautor. Sein neuestes Werk „Migration Remigration” ist hier erhältlich.
- Klicken, um auf Telegram zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Klicke, um auf X zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Klicken, um auf WhatsApp zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Klicken, um einem Freund einen Link per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Klicken zum Ausdrucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken









6 Antworten
Merz bricht weiteres Wahlversprechen
Aktuelle BAMF-Zahlen zeigen: Merz‘ Migrationswende nichts als heiße Luft
Während die Regierung von angeblichen Erfolgen schwärmt, sprechen die aktuellen Zahlen eine völlig andere Sprache: Die versprochene Wende in der Migrationspolitik entpuppt sich als politisches Märchen.
„Migrationswende“ im Promille-Bereich
Friedrich Merz kann der unüberschaubaren Liste seiner gebrochenen Wahlversprechen einen weiteren Eintrag hinzufügen, diesmal bei der vielbeschworenen „Migrationswende“. Im Wahlkampf hatte er getönt, er werde am ersten Tag seiner Kanzlerschaft „das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers anweisen, die deutschen Staatsgrenzen zu allen unseren Nachbarn dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen“.
Außer diesem „faktischen Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland für alle“ Personen ohne gültige Einreisedokumente, sollte auch noch „die Zahl der täglichen Abschiebungen“ künftig „deutlich höher werden als die Zahl der täglich illegal Einreisenden“. Dass dieses großspurige Gefasel wie immer nur heiße Luft war, hat sich von Anfang gezeigt und wird nun durch aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigt.
Demnach gab es bis Ende November bereits 106.298 Asylerstanträge, während bis Ende Oktober nur ca. 20.000 Abschiebungen stattfanden. Weiterhin reisen Massen von Asylbewerbern über sichere europäische Drittstaaten nach Deutschland ein und können sicher sein, für immer bleiben und nach fünf Jahren sogar die deutsche Staatsbürgerschaft beanspruchen zu können, obwohl die Anerkennungsquote der Asylanträge nur noch bei 27 Prozent liegt.
Es ist nun auch das 13. Jahr in Folge, in dem es mehr als 100.000 Asylbewerber gab. Die Hauptherkunftsländer waren auch 2025 wieder Syrien, Afghanistan, die Türkei, Somalia und der Irak, obwohl das Assad-Regime in Syrien seit fast einem Jahr gestürzt ist und es keinen Grund für Asyl aus den anderen Ländern gibt, zumindest nicht in einem derartigen Ausmaß.
https://derstatus.at/migration/aktuelle-bamf-zahlen-zeigen-merz-migrationswende-nichts-als-heisse-luft-4461.html
Sind Sie sicher, daß die Zahl anerkannter Asylanträge heute tatsächlich bei 27 % liegt? Zu Beginn der Migration wurden immer Zahlen von unter 1% veröffentlicht! Und trotzdem sprechen Sie von „nur noch 27%“. Wie paßt das zusammen?
Er, der Junge, hatte den Vorteil kein Moslem zu sein wo ständig alte Männer und hysterische Frauen den Kleinen mit Koranversen und religiösem Zwang drangsalieren. Da kann Integration klappen.
Eine gütige Hand zur passenden Zeit und…. Voila!
Man fühlt sich doch gleich so gut dabei.
Nun ja, in Südlandien warten noch geschätzt rund 6 bis 6.5 Milliaden Leute da drauf.
Auf gehts. Oder mal Prioritäten setzen.
:::
2024
Alt und arm: Mit der Rente kaum über die Runden kommen | DW Reporter
…ob die noch am Leben sind?
Vollkommen richtig!
Ohne diese „Religion des Friedens“ wäre die Welt ein weitaus friedlicherer Ort!
Ich kenne jedenfalls keine aggressiveren Menschen als Anhänger dieser „Religion“.
Und ich habe das in Anführungszeichen gesetzt, weil ich nicht sicher bin, ob es überhaupt eine ist, oder einfach eine Anleitung für Leute, die gerne im Jahre 600 gelebt hätten und einfach Niemandem und Jedem gegenüber Toleranz walten lassen , der nicht dazu gehört!
(Wobei sich die „Toleranz“ daran erschöpft , das Andersdenkende Tribut zu zahlen haben wenn sie Glück haben oder vertrieben und getötet werden wenn nicht)
Wie oft müssen wir die selbe Story vom thailändischen Fechterkind noch lesen?
Die Seite wird immer schlechter.
Die Situation wird halt immer schwieriger, wenn man an den Grenzen nicht kontrolliert wer da ins Land kommen will, sondern nur noch alberne Bahn-Fahrscheine.