Mit zweierlei Maß: Wenn Gewalt plötzlich nicht mehr so schlimm ist…

Bombenlegerspäße, die ungeahndet bleiben (Symbolbild:Pixabay)

Mein Klagelied ist kein Neues, aber immer wieder aktuell: Deutschland hat ein Neutralitätsproblem, wenn es um die Einstufung von Worten und Taten geht. Wer auf der „richtigen“ Seite steht, darf von Gewalt gegen Menschen und Sachen träumen, beleidigend, sexistisch und rassistisch werden, man wird es ihm nachsehen oder lediglich milden Tadel üben: „Natürlich ist Gewalt abzulehnen, aber…“ – an dieser Stelle kann der Satz beliebig fortgesetzt werden.

Der „Aktivist” – schon die Wortwahl verharmlost – wollte nur verzweifelt auf den Klimawandel aufmerksam machen, deshalb klebte er seinen Hintern auf die Straße und bremste Arbeitnehmer und eventuell einen Krankenwagen aus. Die „rechte Gefahr” stürzt Antifanten und Antifantösen derart in Seelennot, nur der Steinwurf in die nächste Fensterscheibe kann ihn von seinen Qualen befreien. Und der „Mann”, der in einer beliebigen deutschen Einkaufszone sein Messer schwingt, hat in seiner Heimat gewiss Furchtbarstes erlebt oder kann sich aufgrund seiner Mentalität einfach nicht an den Anblick von arbeitenden Frauen ohne Vollverschleierung gewöhnen. Da muss man doch Verständnis haben! Wer sein Gutmenschen-Diplom mit Auszeichnung bestanden hat, verzeiht sogar Opfer in der eigenen Familie, jetzt nur keinen Hass!

Wenn also Luisa Neubauer über das Sprengen von Pipelines nachdenkt, ist es gewiss nur die Sorge um die Eisbären, die sie dabei umtreibt – nicht etwa ideologische Enthemmung. Auch wenn ich nicht glaube, dass sie tatsächlich schon mit Hilfe eines aus dem Internet heruntergeladenen Bombenbauplans konkret zu Werke schreiten will (bei ihren Mitaktivisten bin ich mir da nicht so sicher), so erstaunt doch die Freimütigkeit, mit der sie darüber spricht. Nun gut, in ihrem Alter hatte ich ebenfalls einige radikalfeministische Ideen, und zum Glück gab es noch kein Internet, welches sie dokumentiert hätte. Der eigentliche Skandal ist dann auch nicht Neubauers Äußerung, sondern die Gelassenheit, mit der die Medien darauf reagieren. Und der Verfassungsschutz, der sich auf völlig legitime Vertreter der gesellschaftlichen Debatte einschießt, wird hier ebenfalls den Teufel tun und tätig werden.

(Screenshot:Twitter)

Mit viel Gegenwind hat Luisa Neubauer also nicht zu rechnen – auch wenn so eine zerstörte Pipeline letztlich keinen einzigen Eisbären rettet, dafür aber manche wirtschaftliche Existenz vernichtet. Keine Reißleine für Luisa! Die Möchtegern-Revoluzzer in den Redaktionen träumen vielleicht selbst davon, mal etwas in die Luft zu jagen und bringen deshalb sehr viel Verständnis auf.

Die dürfen alles – und wir nix!“ mag zwar ein wenig nach Selbstmitleid klingen, hat aber dennoch einen wahren Kern. Denn während sich verschiedene, kleine, aber mit einer Lobby im Rücken kämpfende Gruppen immer größere Freiräume verschaffen, wird der Meinungsfreiheit ihrer Kritiker langsam aber sicher der Hahn zugedreht. Eine künftige Generation von „Aktivisten“ wächst heran, die es als selbstverständlich erachtet, vollkommen freie Bahn für ihre Gesetzesverstöße zu haben. Ob Kampf für das Klima oder gegen Rassismus, jegliche Kurskorrektur wird mit der moralischen Dampfwalze eingeebnet. Ein Betrieb, der seine Produktionsprozesse weiterlaufen ließe, ohne sie hin und wieder einer Prüfung zu unterziehen, würde bald Verluste einfahren. Unsere Aktivisten jedoch sind meist auskömmlich aus Spenden von NGOs oder gar staatlichen Fördergeldern versorgt und müssen auf nichts Rücksicht nehmen – der Laden läuft auch so.

Meinungsfreiheit ist in Deutschland zu einem Luxus geworden, den man sich mittlerweile auch finanziell leisten können muss. Ein Netzwerk von Denunzianten steht bereit, um Menschen bei ihren Arbeitgebern anzuschwärzen, ihnen den akademischen Ruf zu zerstören oder sie als Gewalttäter hochzustilisieren, sollten sie auch nur ansatzweise in einer Telegram-Gruppe verbal auf den Tisch hauen.

Jeder kann zum Terroristen werden – nur nicht Linke und Klimaaktivisten

Der Satz „Ich könnte ihn erwürgen!”, der früher einfach aussagte, auf jemanden stinkwütend zu sein, kann einen heute zum Terroristen werden lassen – auch wenn man nur ein Ventil für die eigene Wut brauchte. Sogar diese Emotion ist nicht mehr erwünscht, wenn sie nicht etwa den Klimawandel betrifft. Es ist ein Element totalitaristischer Systeme, Wut nur auf ausgewählte Feinde zuzulassen, ansonsten gilt der Leitspruch: „Don’t worry, be happy!“ Auch wenn einem die Inflation wortwörtlich die Wurst vom Brot zieht – das sind die Härten, auf die uns Robert Habeck einstimmt.

Der Eisbär, das seelische Wohlbefinden der Transfrau auf dem Klo oder der furchtbare Alltagsrassismus, der offenbar so grauenvoll ist, dass ihn sich eine Menge Migranten mal aus nächster Nähe ansehen möchten: Das sind Probleme, auf die unsere Luisas die einzig richtige Antwort zu wissen glauben – da darf man schon einmal die Methoden eines heiligen Krieges anwenden. Es ist allerdings dreist, uns dies als „lebendige Demokratie“ zu verkaufen. Aber der Politik kann das nur recht sein, hat sie doch derzeit alle Hände voll zu tun, um die Löcher zu stopfen, die sie selbst durch den Lockdown und die Energiewende aufgerissen hat.

Sogar der „Sozialdienst“ soll nun wieder verpflichtend werden – was so schlecht nicht wäre, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Anmutung von Verzweiflung hat; man denke nur an den Pflegenotstand. Die jungen Menschen sollen sich auch für ökologische Projekte anmelden können. Eine gute Idee: Luisa Neubauer und ihre Freundinnen könnten wir eine Weile zu einer Forschungsstation in der Arktis schicken. Ohne Handy natürlich, das stört die Messgeräte. Und dann geht es ab zum Zählen der Eisbären. Die stellen keine kritischen Fragen und fahren keine SUV – das sind echte Ökos. Allerdings werden sie sich wohl weigern, sich mit dem Hintern aus Protest auf ihre Eisschollen zu kleben. Da muss sie dann durch, unsere Luisa.

14 Kommentare

  1. Luisa könnte doch schon mal die noch nicht fertigen Reste von Nordstream2 in die Luft jagen. Nur so zur Übung halt. Vielleicht das Anlegeterminal sofern man/FRau da noch auf sicherem grünländischen Boden steht. Da es sich um eine Aktion gegen die Russen handelt, wird es dann doch sicher noch dafür das Verdienstkreutz erster Klasse am Bendel geben.

      • Herr Precht, vielen Danke für die Info. Hab, bevor ich den Kommentar losgetreten habe, versucht mich über den gegenwärtigen Sachstand zu Nordstream 2 im Netz zu informieren. Auf grünländisch (früher mal Deutsch ohne Gender +cancelculture) war wenig Brauchbares zu finden. Der Rest war ausschließlich in kyrrilisch gehalten. Aber mit Gas in der Pipline wurde die ganze Sache ja noch mehr Spass machen.

  2. Mir ist das schon während der Hasstiraden der Medien gegen Trump aufgefallen. Gegen Trump hatten die Medien gehetzt, verleumdet und Hass verbreitet wie sie wollten. Niemand hatte die Medien gestoppt .
    Auf Twitter gab es sogar einen Hashtag #killtrump. Dort konnten die Menschen ungestört ihre Gewaltfantasien und Mordfantasien gegen Trump verbreiten. Mehr als 4 Jahre lang. Es hat keinen einzigen Politiker hier in Europa und in den USA gestört. Denn Trump ist ja der Böse.
    Gegen den radikalisierten Drohnenkönig wie Obama sind die Gewaltaufrufe dagegen verboten. Weil Obama doch zu den Guten zählt…

  3. Diesen verdammten Rotz Gören gehört ordentlich der Arsch versohlt damit die mal klar denken können und vor allen MÜSSEN die erst mal das ARBEITEN LERNEN bevor die den Rand aufreißen und von Dingen reden von denen die ABSOLUT KEINE AHNUNG haben!!

    • Denen gehört nicht nur der Arsch versohlt. Denen gehört der Arsch „gesprengt“. Ich beziehe mich darauf, dass der 2te Satz sicherlich auch in irgendeinem Buch steht; Jesus Maria nochmal. 😏

  4. Nun ja, im Unrechtsstaat wird Unrecht gesprochen. So wie sich das gehört. Allerdings ist dies eher ein Demokratieproblem als ein Neutralitätsproblem.

    „Demokratie ist Volksherrschaft nur in den Händen eines politischen Volkes, in den Händen eines unerzogenen und unpolitischen Volkes ist sie Vereinsmeierei und kleinbürgerlicher Stammtischkram.“ – Walther Rathenau

  5. Das ist schon seit Jahrzehnten deutscher Usus, alles zu zerklagen und mit erbitterten Widerständen zu blockieren, das irgendeinen positiven Nutzen hätte.
    Großprojekte in DE sind schon seit ewigen Zeiten nahezu undurchführbar, es ist eine regelrechte Industrie, die alles zu Fall bringt.
    Im Umkehrzug wird das, was schadet, mit ebensolcher Erbitterung erklagt und erzwungen, von eben dieser Demonstrationsindustrie begrüßt.
    Autobahnausbau? Um nichts in der Welt! Freiheitsrechte abschaffen? Aber bitte und subito!
    Transrapid? Um Himmels Willen, auf den Schrott mit 30 Jahren Gehirnschmalz genialer Ingenieure und die Patente obendrein noch nach China!
    Windmühlen? Um jeden Preis und am Besten noch in jeden Vorgarten, und wehe es werden Bedenken geäußert! Rechts, rechts, Nazi, Nazi!
    Völlig irres Land, weil völlig irres Volk!

    • “ Völlig irres Land, weil völlig irres Volk!“

      @McCarthyFan

      Nein, viel eher eine völlig irre Regierung bzw. irre gewordene Politiker in den Altparteien. Wenn ich mir die Politiker von der SPD oder den Grünen anschaue, da könnte ich ko…en. In meiner Jugendzeit waren selbst meine Bekannten mit Hauptschulabschluss viel intelligenter und hatten mehr Grips als diese Id…ten im Bundestag.

      Die Opposition wird von diesen Altparteien-Politikern und von ihren Handlangern den Mainstream Medien mit allen erdenklichen Mitteln bekämpft, zersetzt, zerstört und ausgegrenzt. Beispiele: AFD, Piraten, Republikaner…
      Der Spiegel berichtete beispielsweise vor ca. 5 Jahren , dass sehr viele V-leute im
      NPD-BundesVorstand waren. Der Verfassungsschutz hatte diese Partei komplett im Griff.
      Nein, ich bin kein NPD-Wähler. Aber trotzdem es ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was hier abgeht.
      Anderes Beispiel: Die Antifa bekam viele Jahre lang Sold vom Staat für die Durchführung von Massendemos. Darüber berichtete sogar die TAZ.

  6. ZITAT: „Eine gute Idee: Luisa Neubauer und ihre Freundinnen könnten wir eine Weile zu einer Forschungsstation in der Arktis schicken.“

    Da können sie dann den Schnee mit Dash waschen, denn Dash wäscht so weiß, weißer geht’s nicht. Dieser weiße Schnee reflektiert noch mehr Sonnenlicht, es wird in der Arktis noch kälter, und Neubauer & Friends können ihr Mütchen noch stärker kühlen.

    • So Blinsen wie die Neubauer bekommen dann einen Persilschein,
      um aus XY-Gründen keine weiße Wäsche waschen zu müssen….

  7. Ich hoffe ein paar jung, kräftige Nigerianer, die ihre Zukunftshoffnungen in diese Pipeline legen, bringen Madame Neubauer ihre Meinungen zu deren Plänen argumentativ näher.

  8. Zitat SWR: „Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erntet mit seinem Vorschlag eines sozialen Pflichtjahrs für junge Menschen überwiegend Kritik. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) sieht darin „einen Eingriff in die individuelle Freiheit eines jeden Jugendlichen“. Junge Menschen hätten unter der Corona-Pandemie besonders gelitten. Auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) versichert, „eine Dienstpflicht wird es mit uns nicht geben“.“ Ende Zitat Das Zitat von Lisa Paus spricht Bände! Lieber Verfassungsschutz, mit meiner nachfolgenden Meinung dürft ihr mich nun auf eure Beobachtungsliste setzen: Die Grünen wollen keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, das ist nämlich ein arbeitsscheuer und inkompetenter Haufen. Seien wir mal ehrlich: Das deutsche Volk gehört mehrheitlich auf die Couch! Ein Volk, das in seiner dunkelsten Zeit der Geschichte Buch über Massenmorde geführt hat, kann eigentlich nicht ganz zurechnungsfähig sein. Vorsicht, Sippenhaft: Warum sollte die strukturelle Herangehensweise bei der „Bearbeitung“ anderer Sachverhalte durch die Nachfahren von solchen Killer-Buchhaltern sich dermaßen von denen der Urgroßeltern unterschieden? Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Mehrheit ist nun mal Mehrheit.

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