
Kurz vor Weihnachten berichteten spanische Zeitungen und einige Online-Publikationen über einen Doppelmord im Urlaubsort El Pinet in der spanischen Provinz Alicante. Drei Deutsche hatten das Ferienhaus eines Freundes aufgesucht, um eine Hinweisen auf eine mögliche Hausbesetzung zu prüfen. Ob sie konkrete Anhaltspunkte dafür hatten oder nur routinemäßig nach dem Rechten sehen wollten, geht aus den Berichten nicht hervor. Jedenfalls wurden zwei von den Hausbesetzern mit äußerster Brutalität erschlagen, einer schwer verletzt. Schusswaffen wurden nicht eingesetzt. Es wird auch nicht erwähnt, warum der Hauseigentümer nicht selbst unter den Opfern war; aus der Berichterstattung drängt sich die Vermutung auf, dass er zum Zeitpunkt der Tat nicht in Spanien war.
Die verschiedenen Quellen stimmen beim Sachverhalt ziemlich überein. Nur der deutsche Nachrichtensender “n-tv” schreibt zurückhaltend: „Als mögliches Tatmotiv prüfen die Ermittler unter anderem einen Streit um die Nutzung des Hauses…” Natürlich gibt es zwischen Hauseigentümern und Hausbesetzern zwangsläufig “Meinungsverschiedenheiten über die Nutzung”. Öffentlich-rechtliche Sender aus Deutschland berichteten bisher aber nicht über dieses Problem. Der Verfasser, der selbst in Spanien lebt, hat keine weiteren Informationen zu dem Vorfall und will dazu nicht spekulieren. Er möchte den Vorfall aber zum Anlass nehmen, über die generellen Hintergründe des Hausbesetzerproblems in Spanien zu berichten. Auch der Bürgermeister von Elche, Pablo Ruz von der Volkspartei, betonte gegenüber der überregionalen Tageszeitung „El Mundo“ (auf deutsch: “Die Welt”) die Notwendigkeit der Schaffung einer eigenen Anti-Hausbesetzungseinheit bei der Polizei im regional zuständigen Elche, zu dessen Gemeindegebiet El Pinet gehört. Dies deutet auf ein gravierendes Problem hin; der Vorfall kann also kein Einzelfall sein.
Viele Leerstände, wenig Vermietung
Bereits am 6. August 2025 berichte der Verfasser hier über die Verwerfungen auf dem spanischen Wohnungsmarkt. Nach Feststellungen des Nationalen Statistikinstituts wurden zum Stichtag in ganz Spanien 4.769.944 nicht genutzte Wohnungen gezählt, was 17,9 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes entsprach. Nur 2.983.619 Wohnungen oder 11,2 Prozent waren vermietet. In der Autonomen Region Valencia, in der Elche liegt, waren es 606.879 ungenutzte Wohnungen oder 18,5 Prozent des Bestandes. Hier waren 286.129 Wohnungen (8,7 Prozent) vermietet. In der Gemeinde Elche waren 12.816 Wohnungen (11 Prozent) ungenutzt. Zahlen zu den vermieten Wohnungen hatte die Statistik auf der Ebene der Gemeinden nicht veröffentlicht.
Das Missverhältnis lässt sich damit erklären, dass in den 1960er und 70er Jahren der Soziale Wohnungsbau im franquistischen Spanien mit der Förderung junger Familien verbunden wurde: Ihnen wurden zinslose oder zinsgünstige Darlehen zum Kauf von Sozialwohnungen gewährt. Diese wurden inzwischen häufig vererbt, doch Erben hatten bereits selbst Wohneigentum geschaffen. Das spanische Mietrecht ist sehr mieterfreundlich und für die vielen privaten Eigentümer ist eine Vermietung wegen der damit verbundenen Risiken keine Option; stattdessen beabsichtigen sie vielfach, die Wohnungen zu verkaufen. Deshalb stehen sie vielfach leer. Auch darüber hat der Verfasser am 7. April 2025 hier berichtet. Die spanische Linkspartei, die an der Regierung beteiligt ist, fordert weitere Eingriffe in den schon überregulierten Markt, um die Eigentümer zu einer verlustbringenden Vermietung leerstehender Wohnungen zu zwingen. In diesem Kontext werden auch ausländerfeindliche Demonstrationen organisiert und Ausländer, die unvermietete Wohnungen und Häuser kaufen, zu Sündenböcken gemacht. Weil die Ausländer nur – im Überfluss vorhandene – leere Wohnungen kaufen, wird aber keinem Mieter nach einem Verkauf gekündigt.
Geduldete Hausbesetzerszene
Im Umfeld der spanischen Linkspartei gibt es – ähnlich wie auch in Deutschland – auch eine politisch motivierte Hausbesetzerszene, die vor dem Hintergrund ihrer politischen Forderungen leerstehende Wohnungen und Häuser eigenmächtig “enteignet”. Dabei werden Ausländer bevorzugte Opfer und ihre Ferienhäuser bevorzugte Zielobjekte. Im Windschatten dieser Szene suchen oft auch andere Akteure eine billige Wohnung. Die Polizei hat vor dem Hintergrund der schlechten Rechtsposition der Hausbesitzer diese Rechtsbrüche lange Zeit sehr zurückhaltend verfolgt. Die Hausbesetzungen galten etwa als “geduldet”, wenn der Hausfriedensbruch nicht innerhalb von 24 Stunden angezeigt wurde; nach dieser absurd kurzen Frist wurden die betroffenen Hausbesitzer auf eine kostenintensive und langwierige Räumungsklage verwiesen. Diese dauerte Jahre – und bis dahin die besetzten Häuser renovierungsbedürftig.
Am 3. April dieses Jahres trat dann ein Gesetz in Kraft, das die Rechte der Eigentümer gegenüber illegalen Hausbesetzern stärken sollte – wenn auch nur geringfügig: So wurde die genannte Frist nun auf 72 Stunden verlängert. Bei einer zweiwöchigen Urlaubsreise müssen also die Nachbarn noch immer schriftlich bevollmächtigt werden, eine Hausbesetzung im Namen der Wohnungseigentümer anzuzeigen. Immerhin gab es weitere Besserungen: Wer den Hausbesetzern als Eigentümer zuvor Strom und Wasser sperrte, wurde wegen Nötigung (!) strafrechtlich verfolgt; nunmehr haben 60 Richter öffentlich erklärt, dass sie einem Urteil des Provinzgerichts Barcelona folgen und die Sperren fortan als Notwehr anerkennen wollen. Außerdem werden nach der Gesetzesänderung nun Schnellgerichte geschaffen, damit innerhalb von 15 Tagen ein Räumungsurteil ergehen kann. Doch auch gegen diese minimalen Änderungen hat das Umfeld der Linkspartei demonstriert.
Die irreführende Darstellung der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland
Die Morde von El Pinet wurden nach dem jetzigen Kenntnisstand nicht von politisch-motivierten Besetzern begangen; es steht aber zu vermuten, dass sich die Täter durch die spanische Rechtslage und die bisherige Toleranz der Polizei ermutigt gefühlt haben. Die Aussage des Bürgermeisters gegenüber “El Mundo” war eine eindringliche Forderung nach einem echten Kurswechsel. Denn auch die Gesetzesform löst das Problem nicht. So könnten die Täter etwa immer noch behaupten, sich mehr als 72 Stunden in dem Haus aufgehalten zu haben – und somit ihren Widerstand gegen den Rausschmiss als Notwehr darstellen.
Die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland haben die ausländerfeindlichen Demonstrationen in Spanien – trotz oder gerade wegen deren dezidiert antideutscher Haltung – bisher eher wohlwollend kommentiert. Das vermieterfeindliche Mietrecht, die vielen leerstehenden Wohnungen und die Hausbesetzerproblematik wurden dabei nicht erwähnt. Das gilt nicht nur für Nachrichtensendungen, sondern auch für Reportagen. Gegen die ARD-Sendung ,,Weltspiegel – Wer rettet Mallorca“ vom 30. Juni 2025, die diese an Desinformation grenzende Lückenhaftigkeit der Darstellung mustergültig bewies, hat der Verfasser deshalb Programmbeschwerde beim “Hessischen Rundfunk” erhoben (hier findet sich der entsprechende Schriftwechsel zu dem Fall).
Es traf ja nicht die Falschen…?
Über die Gründe der Nichtberichterstattung über die Morde kann man nur spekulieren; Zurückhaltung wegen der Weihnachtsfeiertage kann man ausschließen. Ebenso kann man davon ausgehen, dass die Redaktionen über die Morde von El Pinet durchaus aufrichtig entsetzt waren. Die Ausblendung und Vermeidung des Themas deutet eher darauf hin, dass man erst noch nach einer redaktionelle Linie suchen muss. Wahrscheinlich wird jeder Zusammenhang mit den ausländerfeindlichen, deutschenfeindlichen Protesten bestritten. Mit Blick auf die vom Verfasser beanstandete “Weltspiegel”-Dokumentation, die zwischen den Zeilen die ausländischen Immobilienkäufer zur Sündenböcken für den Mangel an Mietwohnungen zu machen versuchte hat, wird beim ÖRR wohl jeder Zusammenhang geleugnet werden.
Auch wenn nicht ernsthaft anzunehmen ist, dass die Täter von El Pinet die damalige “Weltspiegel“-Sendung gesehen haben, hat ihnen offenbar jedes Unrechtsbewusstsein gefehlt, als sie deutsche Eigentümer eigenmächtig entgegneten und den neu erworbenen Besitz sodann mit Gewalt zu verteidigen bereit waren. Die Toten gehörten ja schließlich zu den ausgemachten Sündenböcken. Vielleicht ist es kein übertriebener Optimismus, dass einzelne ÖRR-Journalisten – vielleicht sogar die Auslandskorrespondenten in Madrid? – einmal kurz nachdenken, ob sie nicht vielleicht eine Entwicklung gefeiert haben, die zu dieser Gewalteskalation geführt oder zumindest beigetragen hat. Dass dieser Nachdenkprozess zu einer veränderten Einstellung führt, ist indes eher unrealistisch.
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5 Antworten
Die eigentümer- und vermieterfeindliche Gesetzgebung gipfelt darin, dass der spanische Staat den Vermietern die Kündigung des Mietvertrages untersagt, wenn die Mieter in Mietrückstand kommen beispielsweise durch Wegfall von Einkommen. So verlagert der Staat soziale Risiken und Kosten auf die Wohnungseigentümer, die zudem dann die Nebenkosten tragen müssen, da Strom, Wasser, Gas nicht abgestellt werden dürfen, weil es im Falle eine Sperrung man sich wegen einer Nötigung strafbar machen würde. Die desaströse spanische Wohnungspolitik wird komplett auf dem Rücken derer ausgetragen, die eigentlich Wohnraum schaffen. Die Wohnungsknappheit wird nicht zuletzt auch aufgrund eines erheblichen Zuwachses der Bevölkerung durch unkontrollierte Zuwanderung
verursacht.
Ich gebe zwar in dem, was Sie schreiben, recht, aber es gibt dennoch ein Aber:
Hier geht es um das Eindringen in fremdes Immobilien-Eigentum und widerrechtliche Besetzung desselben, mitfolgend niemals zu rechtfertigender Mord an zwei Menschen.
Fakt ist jedenfalls, dass diese neu geschaffene 72-Std.-Frist zwischen „eigenmächtig rechtmäßiger“ Inbesitznahme und berechtigter Notwehr entscheiden soll.
Das ist ja vollkommen absurd und zeugt von einem Rechtsverständnis, dass sich einem die Zehennägel aufrollen.
Andererseits zeigen aber auch die ausländer- bzw. deutschfeindlichen Demos, dass – wie auch teils in anderen Ländern – der Massentourismus von Einheimischen oftmals als Plage empfunden wird, was ich zumindest nachvollziehen kann.
Aber der Fall ist dennoch krass. Wie brutal und mit krimineller Energie ausgestattet muss man sein, zwei Menschen zu töten und einen schwer zu verletzten, nach einem offensichtlich unrechtmäßien, vorgängigen Handeln der Täter selbst, als Anlass oder Grund der Tat ?!
In allen Ländern, wo Linke in der Regierung sitzen, herrschen Chaos und Spaltung. Das zieht sich wie ein Muster durch Europa.
In Berlin arbeitet man schon an ähnlichen Verhältnissen hierzulande.