
Wenn die ”Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ) über Tolkien schreibt, klingt das 2026 wie ein Verfassungsschutzgutachten. Unter der Überschrift „Faszination für Fantasy als Fanatismus“ wird da „Der Herr der Ringe“ zum „Idealbuch neurechter Deutung“ erklärt. Die Beweisführung ist simpel: Georgia Meloni nennt ein Festival „Atreju“ – eigentlich keine Figur Tolkiens, sondern Michael Endes in “Die unendliche Geschichte”, aber irgendwo weht eine Gondor-Flagge; David Engels gibt ein konservatives Tolkien-Buch heraus. Also muss Mittelerde politisch kontaminiert sein. Begeisterung wird zum Verdachtsmoment, Lektüre zum Gesinnungsakt. Auffällig ist vor allem das, was der FAZ-Autor, der Duisburger Literaturwissenschaftler Markus Steinmayr, weglässt: Er belegt zwar mit viel Fleiß, dass Rechte Tolkien mögen – eine Binsenweisheit –, unterschlägt aber, dass die Tolkien-Rezeption heute ein globales Großereignis ist: von links, von rechts, von christlich, queer, esoterisch bis bürgerlich. Wer darüber schweigt, betreibt keine Analyse, sondern Zonenverbot.
Zur Erinnerung: Fantasy – so beschreibt es die Theologin Ulrike Treusch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) – ist eine Spielart der Literatur, in der übernatürliche Mächte real sind, die aber ausdrücklich im Modus der Fiktion gehalten ist. Der Leser weiß, dass Mittelerde nicht existiert, und nutzt die erfundene Welt, um Fragen nach Gut und Böse, Versuchung, Schuld und Erlösung durchzuspielen – ohne weltanschaulichen Zwang. Mythos mit Augenzwinkern. Für manche ist es auch Eskapismus, sich in ein mythische Welt zu flüchten. Das ist das Gegenteil von Fanatismus. Gerade diese Offenheit blendet Steinmayr aus. Aus Motiven wie Heimat, Opfer, Königtum macht er „anthropologische Indizien“ für autoritäre Politik. Was Menschen seit Jahrtausenden in Geschichten bewegt – Treue, Verrat, Mut der Schwachen –, wird plötzlich als „neurechte Codesprache“ gelesen. Königtum? Protofaschismus! Volk? Volksgemeinschaft! Opfermut? Märtyrertum!
Literaturgeschichte als Gefahrengebiet
Wer so argumentiert, erklärt ganze Bereiche der abendländischen Literaturgeschichte zum Gefahrengebiet. Dabei reicht ein Blick über den Tellerrand: Konservative Autoren wie Engels lesen Tolkien als christlichen, abendländischen Mythenvorrat. Man muss das nicht teilen, aber es ist eine offene, argumentierende Lektüre, kein Geheimbund. Die britische Tolkien Society veranstaltet Tagungen über „Tolkien and Diversity“, diskutiert schwarze Elben und queere Lesarten – progressiver geht es kaum. Amazons „Rings of Power“ löst gleichzeitig rechte Shitstorms und linke Jubelchöre aus. Und in der Ukraine wird Russland als „Mordor“ verspottet, russische Soldaten als „Orks“; keiner käme hier auf die Idee, Tolkien deshalb zum lehrbuchhaften Verteidiger des ukrainischen Nationalismus zu erklären.
Und dann ist da noch die große, stille Mehrheit der Fans: Zehntausende pilgern zu den „Tolkien-Tagen“ am Niederrhein, hören Vorträge, musizieren, grillen im Elben- oder Ork-Kostüm. Pen-and-Paper-Runden von Studenten, ITlern oder Pfarrern spielen „The One Ring“, Online-Spieler laufen in „The Lord of the Rings Online“ Frodos Weg nach Mordor nach. Podcasts wie „TolkCast“ oder „Tolkien in 5 Minuten“ diskutieren Sprache, Theologie, Verfilmungen – von der Plauderrunde bis zur philologischen Detailarbeit. Diese Landschaft ist alles, nerdig, chaotisch, gelehrt, albern – aber ganz sicher kein monolithischer „neurechter Resonanzraum“. Der FAZ-Vorwurf verfehlt damit gleich dreifach das Ziel: Erstens verwechselt er Möglichkeit mit Notwendigkeit. Natürlich kann man Tolkien politisch lesen – konservativ, liberal, links; aber aus der Tatsache, dass eine Gruppe das tut, folgt nicht, dass das Werk in ihrem Besitz ist. Schiller wird nicht zum Terrorpaten, weil sich vielleicht einmal eine Bande auf seine „Räuber“ berufen hat.
Politisierung oder politische Richtung
Zweitens arbeitet der Artikel mit einem doppelten Standard. Wenn linke Bewegungen „Die Tribute von Panem“ als Kapitalismus-Kritik feiern oder Feministinnen „Game of Thrones“ uminterpretieren, heißt das „kreative Aneignung“. Wenn Rechte Tolkien zitieren, ist es plötzlich „Fanatismus“. Das Problem scheint weniger die Politisierung zu sein als die falsche politische, sprich ideologische, Richtung. Und drittens pathologisiert Steinmayr Sehnsüchte, die schlichtweg menschlich sind: nach Heimat, nach einer Ordnung, in der Gut und Böse noch unterscheidbar sind, nach Figuren, die für Treue, Opfer, Königtum stehen. Dass konservative Leser sich davon angesprochen fühlen, ist normal – und kein Symptom einer Krankheit. Verdächtig ist hier eher ein Diskurs, der solche Motive nur noch als Vorstufe des Faschismus kennt.
Aus konservativer Sicht geht es daher nicht darum, Tolkien zur Parteiliteratur zu machen. Im Gegenteil: Gerade wer seine mythische und religiöse Tiefe ernstnimmt, wird sie gegen alle politischen Vereinnahmungen verteidigen – gegen identitäre wie gegen woke. Mythische Literatur ist kein Rekrutierungsinstrument, sondern Resonanzraum. Wer diesen Raum prophylaktisch zur „neurechten Zone“ erklärt, traut den Lesern nicht über den Weg. Er ersetzt Kritik durch Gesinnungskontrolle. Mittelerde, Narnia, Phantásien sind keine Parteizentralen, sondern Prüfstände unserer eigenen Wünsche nach Gerechtigkeit und Ordnung. Wer sie nur noch unter Sicherheitsaspekten liest, verrät damit vor allem eines: sein Misstrauen gegenüber der Mündigkeit des Publikums – und seine Angst vor Geschichten, die größer sind als der tagespolitische Kulturkampf.
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6 Antworten
Nun, ich bin ja bekanntlich rechts.
( Nein, Nein! “ Ich bin kein“ Rechtsextremer“ , dann nennt mich halt konservativ oder Patriot 🤷♂️)
Allerdings war ich nie ein Tolkien-fan und werde auch keiner werden. Ich bin generell kein Rollenspieler oder begeistere mich für die Welt der Elben, Elfen und Orks.
Kann ich nicht ändern ich finde andere Themen interessanter.
Nur, das bescheuerte an der heutigen linken Bevölkerung , die glaubt die klügste und weiseste Bevölkerung zu sein, die es je in der Menschengeschichte gegeben hat , während wahrscheinlich das Gegenteil stimmt, meint heute, sie müsse alles und jeden aus der Vergangenheit mit den Augen Der heutigen Zeit betrachten und auch zu beurteilen.
Das ist aber unmöglich und völlig falsch, da sich die Menschheit eben entwickelt hat und durch die Zeit der Aufklärung manche Dinge heute ganz anders sieht als z.B vor 500, vor 1000 Jahren oder sogar noch viel früher!
Man kann in die Aussagen von berühmten Philosophen , z.B der Griechen , nicht heutige Weltbilder hineininterpretieren!
Man kann Kriege und Handlungen nicht mit heutigen Maßstäben beurteilen!
Und deswegen ist es auch müßig Tolkiens Geschichten heute in solche Schemata zu pressen!
Oder nachträglich Dinge zu politisieren, die mit Politik eigentlich nichts zu tun hatten.
Anstatt sich Sorgen zu machen , dass Deutschland im Augenblick unweigerlich in alte Verhaltensweisen zurückkehrt, nur mit umgekehrten Vorzeichen, haben diese linken Idioten nichts besseres zu tun , als sich an historischen Gegebenheiten oder Literatur abzuarbeiten!
Das da draußen gerade wieder eine „SA“ unterwegs ist , die Kritiker und Mahner unbarmherzig niederknüppeln möchte, da draußen eine „Politik“ gemacht wird , die sich absolut gegen das eigene Volk richtet und es gleichzeitig finanziell ausbluten lässt , die das Land ruiniert und unbescholtene Bürger wegen Nichtigkeiten verfolgen lässt, das nun zum zweiten Mal nach dem Ahrtal sichtbar wird , wie wenig die eigenen Leute in Berlin wert sind , während die Invasoren kostenlos und gefeiert in Luxushotels wohnen, das alles und jedes mittlerweile unter Zwang und Strafe steht und diese Schraube unaufhörlich angezogen wird, haben diese Kreaturen nichts anderes im Sinn, als sich an Themen abzuarbeiten, die überhaupt nicht mit Politik zu tun haben oder hatten!
Oh ja! Die Menschen haben recht! Es entwickelt sich wieder ein Nazistaat.
Aber die Nazis sind diesmal nicht die Rechten (falls sie damals rechts waren), sondern Diejenigen, die sich für die „Guten“ halten!
SIE haben uns Millionen von Antisemiten ins Land geholt!
Sie lassen zu, dass Juden in diesem Land wieder Angst haben müssen!
Sie stürmen Veranstaltungen in Universitäten wenn Ihnen das Thema nicht gefällt!
Und mit Sicherheit würden sie auch liebend gerne wieder Bücher verbrennen deren Inhalt Ihnen nicht gefällt!
Also sollten sie mal in den Spiegel blicken und sich fragen, wer die wahren „Nahzis“ heute sind!
Es wird nicht mehr dasselbe System sein wie es damals existierte , das wäre auch zu auffällig und zu einfach , aber die Mechanismen sind dieselben!
Es herrscht Angst, Denunziantentum, und eine gewisse Lust der Linken, Menschen, die ihr Land lieben, in Angst und Schrecken zu versetzen, zu ruinieren , mundtot zu machen und… Tja… Wenn die Entwicklung so weitergeht dann wissen wir ziemlich genau wohin das führen wird.
Sie werden es anders machen.
Sie können heute keine Menschen mehr in Güterwaggons stopfen und in den Osten verfrachten , denn der einzige Osten den wir noch haben ist der vernünftige, dafür gibt es aber heute ganz andere Möglichkeiten und Mittel.
„Pandemie“ z.B und ein „Medikament“ dagegen , wäre nur so ein Gedankenspiel…
Das war damals schon eine großartige Gelegenheit, die „Querulanten“ und „Schwubler“ ( ich hasse dieses bescheuerte Wort!) zu identifizieren und teilweise schon damals zu ruinieren.
Man provoziert das Volk so lange mit immer widerlicheren Methoden , bis man die „weißen “ Schafe endgültig von den schwarzen „gesäubert“ hat, denen, die vor Wut Ihre Schnauze einfach nicht halten können und dadurch leider immer wieder offenbaren wie Sie denken.
Danach kommt dann nur noch die letzte Phase der großen Angst , wo sich die letzten Patrioten, oder einfach nur anständigen Menschen, gar nicht mehr trauen wird irgendetwas nicht konformes von sich zu geben , weder in Wort, Schrift noch sonst wie.
Weil sie sonst das gleiches Schicksal ereilen wird , nur auf andere Weise , wie es in der Geschichte schon vorgekommen ist.
Und die Zahl derer, die sich für die „Guten“ halten , schwindet meiner Meinung nach und wird ersetzt Durch Diejenigen , die die „Guten“ nur noch spielen.
Weil es eine Rolle ist , in der sie sich gefallen, auch wenn Sie wissen dass sie eigentlich dieselben sind, die sie zu bekämpfen vorgegeben haben!
Nur so nebenbei, J.R.R.Tolkien und C.S.Lewis waren eng befreundet wer sich die Muehe macht und das Silmarillion liest, wird etwas mehr ueber Mittelerde erfahren und vielleicht etwas von der Schoepfungsgeschichte verstehen, die sich dann in Stufen wie der Fall von Gondolin etc etc der Aufloesung von Morgoth/Melkor und schliesslich mit dem Hobbit und der Ringe-Triologie endet.
Daraus „rechts“ oder „links“ zu konstruieren ist Narren vorbehalten, koennte man theoretisieren.
Gleichzeitig müssen wir aber auch weiterhin den linken Kulturmarxismus ertragen, der nur Schwachsinn, Geschmacklosigkeiten, politische Verwirrtheit und andere Hirnscheiße hervorbringt! Schon alleine die pathologischen Privatsender sind ein abschreckendes Beispiel dafür, wie planmäßige Verdummung läuft!
Im Gegensatz zu den meisten anderen Phantasieweltepen nimmt bei Tolkien das Wandern in imposanter Umgebung und die Kameradschaft dabei einen erheblichen Raum ein. Ob es das ist was den Gesinnungswächtern in Wirklichkeit aufstößt?
Da gibt es keine mit den üblichen, primitiven und unkreativen Graffities beschmierten Wände. Das ist es womöglich. 🙂
Wenn schon Tolkien seit Jahren solche Kritik von links erfährt, wie muß dann erst Richard Wagner angefeindet werden, aus dessen Ring Tolkien einige des besten Ideen übernommen hat.