Nach Anchorage

Nach Anchorage

Setzt sich der Konflikt fort – oder folgt auf einen Krieg mit langer Vorgeschichte ein Frieden mit Zukunft? (Collage:Imago)

Was gehen uns eigentlich die Ukrainer an? Aus größerer Entfernung betrachtet ist das Problem, das Kiew mit Moskau hat, eine Sache “unter Russen”. Zwar haben wir in den letzten Jahren gelernt (wenn wir es nicht schon wussten), dass der Ostteil Europas – beziehungsweise der Westteil des russischen Imperiums – schon immer krisenhaft war, weil es dort keine klaren Grenzen gibt und weil die Orientierung der verschiedenen Ethnien, die in diesem Bereich leben, oftmals schwankend war. Gehören sie eher nach Westen oder eher nach Osten? Europäer sind sie allemal.

Und die USA? Was gehen sie eigentlich die Ukrainer an? Dass sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs West- und Mittel-Europa als Brückenkopf im (aus ihrer Sicht) Osten betrachten und dafür gute wirtschaftliche, aber auch militärpolitische Gründe haben, ist unbestreitbar. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR konnten die USA die Schwäche ihres alten Feindes nutzen, um ihren Einfluss weiter nach Osten auszudehnen. Doch in freier Selbstbestimmung der Staaten des Warschauer Pakts erklärte Westbindung an NATO und Richtung EU und USA genügte ihnen nicht; sie wollten auch noch die eher Russland zuneigenden Länder an sich binden. Während der Maidan-Unruhen schürten sie den Konflikt so lange, bis die Ukraine durch die Agitation der Kräfte, die Moskau als “Nazis” bezeichnet, auseinander brach.

Endsieg über Russland, für lau?

Dieser faktische Putsch war die Politik, Obamas, aber vor allem „Joe Bidens“ (aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wer hinter Biden die Strippen zog) . Es zeigte sich dann aber bekanntlich, dass diese Politik den Amerikanern sehr teuer zu stehen kommen sollte und – all ihren Investitionen zum Trotz – nicht zu dem erhofften Ergebnis führte. Trump hat dies ganz klar erkannt und sieht deshalb, da er den großen Krieg mit den Russen nicht riskieren will, keinen Grund, diesen Konflikt weiter zu betreiben. Den Brückenkopf Europa will er sicherlich erhalten – aber die Ukraine gehört eben nicht dazu. Und wenn die Europäer glauben, dass ihre Freiheit wirklich in der Ukraine verteidigt wird, dann müssen sie ihren angemessenen Beitrag dazu selber leisten. Trump hat es oft genug gesagt.

Starke Kräfte in Europa – darunter auch viele zu Kriegstreibern gewandelte ehemalige Pazifisten – scheinen zu glauben, dass sie die Ukrainer bis zu ihrem Sieg unterstützen müssen. Bisher dachten sie offenbar, mithilfe der USA dieses Ziel quasi “für lau” erreichen zu können. Spätestens jetzt, nach Anchorage, ist dies keine Option mehr. Was tun? Für die Rolle des Weltpolizisten ohne die USA sind sie zu schwach und ein “Weiter so” – oder schlimmer noch ein “Mehr vom Selben” – führt nachweislich nicht weiter.

Wäre nicht gar eine Wiederannäherung Kiew an Moskau erstrebenswert?

Und die Ukrainer selbst? Glauben sie wirklich, dass sie mit der EU – einem selbst hochkorrupten, zunehmend übergriffigen Bürokratie-Monster mit gravierenden politischen Defiziten – besser fahren würden als mit dem aktuellen Selenskyi-Regime oder was immer darauf folgt? Wenn man diesen Gedanken weiterführt, könnte man sogar die Frage stellen, ob unter diesem Aspekt nicht eine Wiederannäherung von Kiew an Moskau sogar erstrebenswert wäre, sprich: dass eine Rückkehr in die “Gemeinschaft Unabhängiger Staaten” (GUS), nach dem Modell Weißrussland, den Konflikt lösen könnte?

In diesem Fall müsste die Annexion der vier Ostprovinzen, der Oblaste Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, durch Putin annulliert werden, und dann bräuchte die Ukraine auch keine westlichen Sicherheitsgarantien, deren konkrete Umsetzung – “boots on the ground” – eine faktische NATO-Präsenz und damit die Gefahr eines großen Krieges bedeuten würde. In der Tat, Putin hätte dann alles erreicht, was er wollte – will heißen: Sein “Angriffskrieg“ bliebe ohne Vergeltung. Das Völkerrecht würde sich einmal mehr erweisen als das, was es ist: ein Papiertiger. Für die ganz großen Konflikte taugt es nicht.

Putin ist kein Hitler

Die konsequente Abspaltung der Ukraine vom Russischen Reich war eben keine besonders gute Idee. Der (gescheiterte) Vergleich mit Katalonien, das sich von Spanien lösen wollte, weil eine Minderheit von Lokalchauvinisten dies so wollte, zeigt die prinzipielle Bedenklichkeit solcher Abspaltungsversuche. Es gibt dafür zahlreiche Beispiele. Sowohl Kiew als auch Moskau gehören zu Europa. Das “Europäische Haus” ist keine Schnapsidee. Die zahlreichen kulturellen Gemeinsamkeiten könnten diese Weltregion wieder fruchtbar machen.

Vielleicht braucht das dekadente Alteuropa den Osten noch früher, als wir heute glauben. Das heißt nicht, dass Kriege unter Verwandten ausgeschlossen sind – aber die Vorstellung, dass Putin in wenigen Wochen bis zum Rhein vorstoßen könnte, ist angesichts der äußerst bescheidenen Erfolge alleine nur in einem schmalen Streifen in der Ost-Ukraine nach dreieinhalb Jahren Stellungskrieg absurd. Und Putin ist kein Hitler. Mittel und Westeuropa sind, bei allen Defiziten, mit modernstem Material militärisch hochgerüstet – und das ist gut so. Hier muss man an die Weisheit Willy Brandts erinnern: “Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

13 Antworten

  1. Bitte unbedingt den 4 Min. Beitrag im Österreichischen Fernsehsender oe24 TV ansehen ! !

    In der 2. Hälfte gehts um die Merz‘ sche sog. Kriegstüchtigkeit …

    Und 1 Zitat aus den ersten 2 Min. :

    “ Merz kann höchstens am Katzentisch mitsitzen … und

    grade noch 1 Pfund deutschen Kaffee mitbringen …“

    Youtube

    Friedrich Pinocchio Merz hat seine Wähler verraten 100

    https://www.youtube.com/watch?v=gK4nzKC6oJg

    15
  2. „… viele zu Kriegstreibern gewandelte ehemalige Pazifisten – …“
    Zum Beispiel Jan van Aken. Linkscher. Der sagte heute (Interview bei den ÖRR, Radio), dass Selensky ja von Trump so als kleines Würstchen behandelt worden sei, dagegen Putin! Der Hass Akens auf Putin (und die Russen) stach in Akens Aussage akustisch deutlich hervor. Die Akensche Empörung darüber, dass Trump den Putin nicht steinigen gelassen hatte. Aken ist wohl auch so ein Salon-Militarist geworden.

    12
  3. „dass Putin in wenigen Wochen bis zum Rhein vorstoßen könnte..“
    vor allem was soll er hier ? Regenbogenfahnen abhängen oder Windräder als Kriegsbeute ??
    Nicht mal mehr kluge Köpfe könnte er mitnehmen, die gibts kaum noch.
    Allerdings halte ich diesen Teilsatz für falsch:
    „angesichts der äußerst bescheidenen Erfolge alleine nur in einem schmalen Streifen in der Ost-Ukraine
    nach dreieinhalb Jahren Stellungskrieg absurd…“
    das ist äußerst klug und Ressourcenschonend weil auch zum großen Teil mit Söldnern geführt.
    Ich denke auch das er sich (noch) nicht mit der Nato anlegt. Aber ihn so zu unterschätzen ist gefährlich ?!

    19
  4. Die Ansicht, Putin habe die Absicht, Deutschland einzunehmen, ist abwegig. Es sei denn, unsere Politiker legen alles darauf an – worauf die Erklärung unseres Chefdiplomaten Wadepuhl hindeutet, Russland sei für immer unser Feind – dass Russland sich bedroht fühlen muss. Ob ein Staat tatsächlich bedroht wird (Israel) oder sich nur bedroht fühlt, ist in der Wirkung gleich und kann verheerende Folgen haben. Die Russen werden unsere Rhetorik (Kriegstüchtigkeit, Wadepohl) genau verfolgen und sich für alle Fälle vorbereiten. Daher sollte man wie seinerzeit Egon Bahr einen Kurs der Vernunft einschlagen. Es ist schon traurig, wenn Merz es im Unterschied zu Trump nicht einmal fertig bringt, mit der anderen Seite zu reden. Er hat diplomatisch nichts unternommen, redet aber davon, dass alle Möglichkeiten der Diplomatie ausgeschöpft worden seien. Fazit: Auch außenpolitisch ist Merz eine Fehlbesetzung.

    1. Stimmt, was will Putin hier denn bei uns einnehmen? Ein Land mit kaputter Infrastruktur, vollgepumpt mit illegalen teilweise integrationsunwilligen Versorgungsfordernden aus allen Herren Ländern. Ein Land, dass über keine Bodenschätze verfügt! Russland müsste da erstmals die Brücken renovieren und hier eine gescheite sinnvolle Energieversorgung auf den Weg bringen.
      Was bitteschön wollte Putin mit Deutschland anfangen? Was will man uns damit weiß machen?

      1. Dem Tagesschau guckenden Bratwurstmicheln kann man, wie es aussieht, jeden Blödsinn
        dieser Welt erzählen. Die glauben alles. Das kann man gut an den Kommentaren der Leser
        der Mainstream Medien erkennen. Da stellen sich einem nur noch die Haare zu Berge.

        Corona war ein Intelligenz Test.

  5. „…..In der Tat, Putin hätte dann alles erreicht, was er wollte – will heißen: Sein “Angriffskrieg“ bliebe ohne Vergeltung. Das Völkerrecht würde sich einmal mehr erweisen als das, was es ist: ein Papiertiger. Für die ganz großen Konflikte taugt es nicht….“

    Na, das ist ja mal wieder großer Mist! Sein „Angriffskrieg“ war ja keiner im Sinne von ohne Grund!
    Sollte er noch weitere 14 Jahre zusehen, wie seine Landsleute von den Nazis zusammengeschossen werden?
    Meint ihr, er wusste nicht, was die CI
    A da seit Anno 14 trieb? Sein Geheimdienst ist bestimmt wesenttlich effektiver als unserer, der es nicht auf die Reihe bekommt, das größtte Attentat auf unsere Infrastruktur ever aufzuklären?

    Und,“für ganz große Konflikte…“??
    Waren die Kriege seit dem WW II seitens der U*SA alle völkerechts-konform?
    Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, Sysrien, alles so richtig vom Völkerrecht abgedeckt?
    Oder doch eher aus dem Bereich „Der Stärkere braucht das nicht zu berücksichtigen“?
    Weil es sowieso Niemanden gibt, der die Ami´s davon abhalten konnte?
    Und es waren Viele.
    Bei weitem weniger haben die Russen das versucht. Ja, auch sie haben in Aghanistan etc Schindluder getrieben, aber nicht in dem Maße wie die Amerikaner!
    Schaut euch mal eine Weltkarte an, das genügt!
    Schaut euch an, wo Amerika liegt und dann, wo sie alles Stützpunkte haben auf der Welt.
    Und dann andersherum, die Russen.
    Dann wisst ihr, wer wen hier an die Wand drängt!

  6. „… Und wenn die Europäer glauben, dass ihre Freiheit wirklich in der Ukraine verteidigt wird,.. “

    Das ist doch die allerdreisteste Lüge! Wo und wann hätten den Putin oder russische Politiker denn den Anspruch erhoben oder die Absicht erklärt, gar ganz Europa erobern zu wollen? Wo sollen denn irgendwelche Anzeichen dafür gefunden worden sein?

    Der Grund für den Krieg ist einzig den machtgeilen NATO-Scharfmachern und den westlichen Beutegeiern auf Rohstoffe und Landwirtschaft mit ihrer aggressiven Osterweiterung und einem Selensky zu verdanken, der glaubte, alles Russische in seinem Land auslöschen zu können. Schon das Sprachverbot für Russisch verstieß gegen das Völkerrecht und erst recht die Einstellung von Rentenzahlungen und weitere Schikanen gegen die russisch-stämmigen Ukrainer!
    So war es und nicht anders. Von wegen: „Russischer Angriffskrieg“ – ihr Lügner, Volksverräter und Kriegstreiber!

    Wer, außer dieser verkommenen westlichen Führungs-„Elite“ will denn einen Krieg und nun auch noch die Fortsetzung auf „eigene Kosten“? – Bestimmt nicht die absolute Mehrheit der Völker und nicht diejenigen, die noch alle Tassen im Schrank haben!
    Diese infantilen Macht-Kasper gehören allesamt vor Gericht gestellt!

  7. Na, war eine über Jahrzehnte aufgebaute geopolitische Strategie Rußland dauerhaft an der Westgrenze zu „beschäftigen“ um für die USA beherrschbaren Spielraum in Asien und da besonderst beim Thema China zu schaffen. Hatte ja gelegentlich nen Link zu den „Denkfabriken“ gepostet. Alaska war lange wirklich gut vorbereitet. Man hat zwar auch mal über jeweilige Regierungsflieger der USA und Rußlands in dem jeweiligen anderen Land berichtet (Flightradar) aber offensichtlich nichts dabei gedacht. Das Waffenarsenal der USA nähert sich einem kritischen Bestand, besonderst nach dem Iranthema. Klartext – Waffentechnisch ist für die Ukraine rechnerisch so in 4 Monaten das Licht aus. Trump ist ein knallharter Geschäftsmann und zieht eben die Notbremse. Die Nato ist eben 75% USA. Sicherheitsgarantien für die Ukraine gibt es mehrere Varianten und eine mir unterbreitete wurde noch gar nicht angesprochen. Schaun wir mal und glaubt nicht den Experten. Braucht sich nur Jeder dentollen Verlauf der Berichterstattung anzuschauen. Diese Woche dürfte für Alle noch interessant werden. Mehr verrate ich nicht.

  8. Herr Putin hat ein ähnliches Problem, wie die Israelis. Ein Befreiungsschlag würde zuviele Menschen treffen, die eigentlich zu schützen sind. Das Dilemma mit der Freundschaft, der Humanität, usw.

  9. Dieser Ukraine-Russlandkonflikt ging 2014 mit einer Farbrevolution los wo ausnahmsweise das rechte Lager richtig gut war aus Patrioten bis hin zu NS-Anhängern und da war eben in der Ukraine von Blau-Gelb bis zur Symbolik aus dem Dritten Reich alles erlaubt was auch jetzt noch der Fall ist. Selbst die linke Ampel hat sich nicht gestört und auch kein buntgewaschener Gutmensch das Nazis und Faschisten mit dem Bataillon Azow kämpfen in Europa. Normalerweise hätte der Großteil jubeln müssen aber dank Gehirnwäsche sind alle noch betäubter und merken nicht die einfachsten Dinge im Alltag wie beim C19-Horrormärchen. Solange das Lieblingskind Nr.1 das Auto da ist für 100m Schulweg und Einkaufsbeschaffungen da ist alle in Ordnung. Der zweite Liebling aus Konsum und Unterhaltungsindustrie ist auch sehr wichtig um fein sich mit Waren überwiegend aus Asien zu verwöhnen und um in Glotze sowie Computer sich zu bestrahlen um den Alltag zu vergessen. Millionen Flüchtlinge und Migranten jucken nicht solange sie nicht im Wohnumfeld sind mit ihren Konflikten, zieht aber einer in das Mehrfamilienhaus wo Ruhestörung das geringste Übel ist aus Türen schlagen, lauter Musik und Gerede da ist bei manch einem ein Ozean aus Tränen erreicht und sucht sich eine neue Bleibe mit guter Hoffnung. Wenn das Geld fehlt gibt es Ratenzahlung und Kredit was jahrelang zurückgezahlt werden muss ansonsten gibt es Schulden. Wer dann denn Job verliert der guckt in die Röhre und der Großteil ist nun einmal der demokratisch bis ultralinke Bürger dem es dann beschissen geht in dieser bunten Drückerkolonne. Aus der Geschichte will halt niemand lernen und das Rad dreht sich immer weiter Richtung Hades für unseren gesamten Planeten. mfg