
Es gehört zu den aufschlussreichsten Paradoxien der Gegenwart, dass in einer Zeit maximaler Informationsverfügbarkeit das Interesse an Nachrichten schwindet. Noch nie war die Welt so präsent – und zugleich so fern. Was in den Studien – zuletzt dem „Reuters Institute Digital News Report 2025“ mit dem Hamburger Hans-Bredow-Institut als deutschem Partner – nüchtern als „News Avoidance“ beschrieben wird, ist in Wahrheit mehr als ein medienpsychologisches Phänomen. Es ist ein Symptom. Und wie jedes Symptom verweist es auf eine tieferliegende Störung. 71 Prozent der Befragten geben an, zumindest gelegentlich Nachrichten bewusst zu vermeiden. Die Gründe wirken auf den ersten Blick banal: schlechte Stimmung, Überforderung, zu viele Krisen. Doch diese Erklärungen greifen zu kurz. Sie beschreiben die Oberfläche, nicht die Ursache. Denn niemand würde sich dauerhaft von etwas abwenden, das von ihm als sinnvoll, relevant, redlich und wahrhaftig erlebt wird. Nachrichtenvermeidung ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern von Entfremdung.
Ein zentraler Befund der Studien ist nämlich die wachsende Diskrepanz zwischen medial vermittelter und persönlich erlebter Realität. Viele Menschen haben das Gefühl, dass „die Welt in den Medien anders dargestellt wird, als sie sie selbst erleben“, so Projektmanagerin Anke Gehrmann sibyllinisch gegenüber der dpa. Dieser Satz ist von größerer Tragweite, als es die medienwissenschaftliche Sprache vermuten lässt: Er markiert einen Bruch im Vertrauen. Denn Journalismus lebt von der stillschweigenden Voraussetzung, dass er Wirklichkeit abbildet – nicht vollständig, aber doch nachvollziehbar. Wenn diese Voraussetzung erodiert, verliert er seine Legitimation. Die Folge ist nicht notwendigerweise offene Ablehnung, sondern ein leiser Rückzug. Man schaltet nicht mehr ein, nicht aus Protest, sondern aus Desinteresse.
Überlastung als Vorwand
Gerade jüngere Menschen formulieren dies offen: Nachrichten erscheinen ihnen „nicht relevant“ oder „nicht anschlussfähig“. Dies ist keine intellektuelle Schwäche, sondern ein Urteil. Ein Urteil darüber, dass die angebotenen Inhalte ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr treffen. In diesem Sinne ist Nachrichtenvermeidung eine Form impliziter Kritik – präziser als viele Leitartikel. Häufig wird die Nachrichtenmüdigkeit mit der schieren Menge an Informationen erklärt. 24/7-Beschallung, Push-Nachrichten, permanente Krisenmeldungen – all das ist zweifellos real. Doch auch hier gilt: Quantität allein erzeugt keine Abkehr. Menschen sind durchaus in der Lage, große Informationsmengen zu verarbeiten, wenn sie ihnen sinnvoll erscheinen.
Die Erschöpfung ist daher weniger eine Folge der Menge als der Struktur. Nachrichten folgen zunehmend einem Muster aus Negativität, Wiederholung und moralischer Zuspitzung. Konflikte dominieren, Lösungen bleiben randständig, Perspektiven verengen sich. Das erzeugt nicht nur emotionale Belastung, sondern auch kognitive Sättigung.
Der Mensch reagiert darauf nicht (nur) mit innerer Rebellion oder dem „Lügenpresse“-Vorwurf, sondern vor allem mit Selektion: Er zieht sich zurück, dosiert, filtert. Das ist kein Defizit, sondern ein Schutzmechanismus. Die vielbeschworene „News Avoidance“ ist in diesem Sinne ein Ausdruck von Selbstbehauptung: Man entzieht sich einem Strom, der als sinnentleert erlebt wird.
Die stille Kritik an den Medien
Besonders aufschlussreich ist, dass Nachrichtenvermeidung selten total ist. Die meisten Menschen informieren sich weiterhin – nur eben anders. Sie wählen gezielt die Themen, Quellen und Zeitpunkte. Sie lesen weniger, aber selektiver: Alternative Medien, vertrauenswürdigere Formate, unabhängige Podcasts oder Videokanäle. Dies widerspricht der gängigen These, es handle sich um kategorische Medienabstinenz oder eine Abkehr von Informationen an sich. Vielmehr ist es eine Abkehr von bestimmten Formen der Vermittlung. Der klassische Journalismus verliert nicht deshalb an Bedeutung, weil die Welt uninteressanter geworden wäre – sondern weil seine Darstellungsmuster an Überzeugungskraft eingebüßt haben. Hier liegt der eigentliche Kern der Krise: Viele Medien haben ihre Rolle als glaubwürdige Vermittler teilweise oder ganz verspielt. Nicht durch einzelne Fehler, sondern durch strukturelle Entwicklungen – Gleichförmigkeit, moralische Aufladung, Distanz zur Lebensrealität breiter Bevölkerungsschichten.
Wenn Menschen sagen, sie könnten „mit den Informationen nichts anfangen“, dann ist das keine intellektuelle Kapitulation, sondern ein Ausdruck von Skepsis gegenüber einem Angebot, das seine Anschlussfähigkeit verloren hat. Die Antwort vieler Medienakteure lautet nun: mehr „konstruktiver Journalismus“, mehr Lösungen, mehr positive Perspektiven. Das klingt plausibel – verfehlt aber den Kern. Denn das Problem liegt nicht primär im Tonfall, sondern im Vertrauen. Ein Journalismus, der zusätzlich zu Problemen auch Lösungen präsentiert, kann Orientierung bieten. Doch sobald diese Lösungen als normativ gesetzt erscheinen, droht ein neuer Verlust an Glaubwürdigkeit. Der Übergang von Berichterstattung zu pädagogischer Anleitung ist fließend. Die Gefahr besteht darin, dass Journalismus nicht mehr als offener Raum der Information ver-standen wird, sondern als Instrument zur Erzeugung bestimmter Haltungen. Genau das verstärkt jene Entfremdung, die er eigentlich überwinden will.
Nachrichtenvermeidung als Rationalität
Aus rechtsintellektueller Perspektive lässt sich das Phänomen daher anders deuten: nicht als Krise der Bürger, sondern als Krise der Medien. Der Rückzug von Nachrichten ist kein Zeichen von Desinformation, sondern oft ein Ausdruck von Urteilskraft. Menschen spüren, wenn Informationen ihre Lebenswirklichkeit verfehlen, wenn sie repetitiv, verzerrt oder überladen sind. Und sie haben einen Sensus dafür, dass man ihnen eine andere Realität verkauft als die von ihnen selbst erlebte, und ab wann man sie zu erziehen oder zu bevormunden versuchten. Sie reagieren darauf mit Distanz – nicht aus Ignoranz, sondern aus Rationalität. Das bedeutet nicht, dass Nachrichtenvermeidung unproblematisch wäre. Sie kann tatsächlich zu Informationsdefiziten führen und anfällig für einseitige Perspektiven machen. Doch die Verantwortung dafür liegt nicht allein beim Publikum. Sie liegt auch bei einem Mediensystem, das seine Anschlussfähigkeit verloren hat.
Die Debatte über „News Avoidance“ wird häufig als pädagogische Herausforderung formuliert: Wie bringt man die Menschen zurück zu den Nachrichten? Die bessere Frage lautet: Wie bringt man die Nachrichten zurück zu den Menschen? Solange Medien die eigene Perspektive für die Realität halten, wird die Distanz wachsen. Erst wenn sie wieder als glaubwürdige Vermittler auftreten – differenziert, plural, anschlussfähig –, kann Vertrauen zurückkehren. Nachrichtenvermeidung ist daher keine Anomalie, sondern ein Warnzeichen und ein Signal dafür, dass die Beziehung zwischen Öffentlichkeit und Medien neu justiert werden muss. Wer dieses Signal als bloße Schwäche des Publikums missversteht, wird es nicht beheben – sondern verstärken.
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10 Kommentare
@Nachrichtenvermeidung und Vertrauensverlust in etablierte Medien
ja – nur spielt das keine ‚rolle, so lange Militär, Polizei und Justiz dem Regime folgen ! Und die haben allen Grund dazu, denn sie sind bei vielen Verbrechen der Politik Komplize – wenn sie aus der Politik nicht mehr gedeckt werden, dann sind Corona-Richter und Corona-Staatsanwälte, Corona-Polizeiführer und Polizisten und auch die Generäle und Spritzen-Mediziner des Militärs ihren Job verdient los.
Und das wissen sie auch -deshalb werden sie das Terror-Regime weiter stützen – auf die Interessen des Volkes braucht in dieser Konstellation keine Rücksicht genommen zu werden – wie ein Minister das kommentierte !
Das einzige, was sie behindern müssen ist die Vernetzung der Bürger, damit diese sich nicht zusammenrotten – dann kann man auch die Auszählergebnisse der „Wahlen“ ohne Anfangsverdacht zu lassen und braucht nichts u überprüfen.
Nicht umsonst ist die Stimmabgabe geheim und gesetzlich geschützt – man stelle sich vor, die Auszählung erbringt 60% Blockpartei, und die Wähler posten dann ihre Stimmabgabe mit 90% AFD !
Das wäre doch spaßig zu sehen, wie sie sich da die Erklärung aus den Fingern saugen, wenn die Bundeswahlleiterin keinen Anfangsverdacht auf Wahlfälschung erkennen kann !
Meinungsfreiheit
Der blinde Fleck der AfD
Wer „den aktuellen deutschen Staat“ beleidigt, soll bestraft werden – so fordert es die AfD Sachsen-Anhalt. Hat die Partei nichts aus ihrer Erfahrung mit der „Delegitimierung des Staates“ gelernt?
https://www.welt.de/debatte/plus69e73545b6150a5f72a95da9/meinungsfreiheit-der-blinde-fleck-der-afd.html
Nun, wer z.B. diesen völlig geistesgestörten & abartigen linksgrünen Gendermüll der etablierten Jaucheschleudern auch nur einen Satz lang erträgt, hat selbst schon eine reichliche Macke.
Insofern ist die Ignoranz dieser Umerziehungspropaganda reinster Selbstschutz.
Schön übrigens wenn „die Menschen“ nach jahrzehntelanger (seit imerhin nun ca 30 Jahren Internetzeiten auch für jeden offensichtlichen) Dauerverblödung tatsächlich jetzt doch anfangen „zu fühlen“, daß hier von den Medien ein ganzes Paralleluniversum vorgesetzt wird, was mit der Lebenswirklichkeit so reineweg gar nichts zu tun hat.
Bravo und Ärmel weiter hochkrempeln 80% Dummvolk 😢
Deswegen vertreiben die Linken mainstream Medien mit Nazi-Methoden die wenigen freien, unabhängigen Medien in unserer “ Diktatur neueren Typs“,. genannt „unsere Demokratie“…
1 Beispiel:
die Vertreibungskampagne „Nein zu Nius“ ist ein Krieg gegen Pressefreiheit
und trotzdem klatschen Journalisten
https://apollo-news.net/die-vertreibungskampagne-nein-zu-nius-ist-ein-krieg-gegen-pressefreiheit-und-trotzdem-klatschen-journalisten/
Das Paradoxon der Gegenwart löst sich von selbst auf wenn man anstelle der Quantität die Qualität der heutigen Informationsflut ansieht.
Nur weil an jeder Ecke Dönerbude & McDarmreiz locken hat sich die Ernährung schließlich auch nicht verbessert.
dummgefickte hirnlose Kapitalbediener wie der Kriegstreiber bei der Bild der jetzt in die Rüstung gegangen ist zeigen , wessen Interessen durch Lügen, Fake News etc. bedient werden.
Diesen gesamten Dreck sollte man sich nicht antun da 97% gelogen sind, Regierungsschwanzlutscherartikel um die Drecksbande in Berlin zu legitimieren und der doofdeutsche Michel glaubt den Schwachsinn.
Wie Rockefeller einst sagte “ wir müssen solange Lügen bis uns keiner mehr gl.aubt, dann können wir auch die Wahrheit sagen“.Das gilt auch für „Wahlumfragen“
Hinzu kommen die ÖR Terrorsender, ein überbezahlter Haufen von Knalltüten die genau wissen, wenn sie Kritik äußern ist Schluss mit lustig.Und die werden auch noch vom „Verfassungsgericht“ legitimiert.
Und wenn ich an die Scheiße denke die vor dem von den USA provozierten Ukrainekrieg gelabert wurde sollte man nur die Hugenbergpresse vor dem 1.Weltkrieg lesen.
Diese Drecksbanden stürzen die Völker ins Unglück, gedeckt von der Politik und jetzt auch noch von der justiz.
Und dann die Vorabendserien in denen der gesamte Dreck der Regierung unterschwellig legitimiert wird durch Begriffsverdrehungen wie Rente für Beamte, eine Kaste die überversorgt, staatsfeindlich handelt und eine PENSION kassiert von denen ein Bürger der diesen „Staat“ durch Zwangsabgabern finmanzieren muss nur träumen kann.
Wir sind im Pauperimus angekommen, aber das merkt ja keiner bis er selber die Wassersuppe aus der Tüte frißt.
Lügenmärchen des Tages:
Klimamodelle liefern heute angeblich sehr präzise Ergebnisse.
https://www.focus.de/earth/der-grosse-irrtum-ueber-klimamodelle-sie-sind-praeziser-denn-je_cb6c8af3-7703-4a50-a7b7-21d852238f73.html
Drecksäcke, hört auf zu lügen und man hört euch wieder zu, aber der „Regierung“ in den Ukrainehintern zu kriechen ist kontraproduktiv.
Otto Doofdeutscher wird aber nichts merken und euch weiter wählen.
Uwe Rapolder hat den eigentlichen Grund für den Vertrauensverlust in einem anderen Artikel benannt: https://ansage.org/ich-habe-es-satt-2/
Tatsächlich ist selbst der Wetterbericht mittlerweile durchgängig eine Indoktrinationsveranstaltung („KLIMA!!!!!“), und darin genauso grundverlogen, wie sogar Unterhaltungssendungen a la „Tatort“, wo die Konstellation der Beteiligten mittlerweile durchgängig denselben politischen Narrativen entspricht, die man auch in der Werbung serviert bekommt, wo der Durchschnittskunde eben schwarz und der Böse der weisse Nazi ist.
Auf den „Privaten“ läuft im Grunde exakt derselbe Dreck, dazwischen in Serie vollkommen beknackte Shows, in denen sich „Realitystars“ (oft bizarre Gesellschaftswracks) im verbalen Dauerclinch bei Kindergeburtstagsspielen um irgendwelche Siegprämien mobben. Man ist eigentlich ständig animiert zu fordern, ob nicht bitte irgendwer endlich die Löwen in die Arena einlassen mag, um dem ein Ende zu setzen.
Den Höhepunkt des medialen Schauspiels setzen eigentlich unpolitische Infotainment-Sendungen mit den immerselben Hirnwäsche-Botschaften (a.k.a „Narrativen“, präsentiert durch vermeintlich wissenschaftlich qualifizierte Erkläronkel oder Tussis mit multiplem Quotenhintergrund. Die zahlreichen Laberrunden mit angeblichen Experten, tatsächlich Mietmäulern, die dann wieder exakt dieselben Narrative auch wortreich wieder runterbeten, sind dann meist schon derart unterirdisch, angefangen bei den Moderatoren, dass die nur unter einer Überdosis Valium zu ertragen wären.
Nein, der Grund der Entfremdung ist NICHT, dass die Glotze an der eigenen Lebenswirklichkeit vorbeisendet. Sondern dass das dort Versendete durchgängig verlogen-toxischer Politsondermüll mit Hirnwäscheabsicht ist.
In seinem Sessel, behaglich dumm, sitzt schweigend das deutsche TV Publikum!
….und lässt sich abends gern berieseln.
Die höchste Geistesleistung ist das Pausen Pieseln.
„Bitte waschen sie ihre Hände, ihr Gehirn waschen wir!“
…für die Gehirnwäsche durch Radio und TV zahlen die Deutschen
dafür…(GEZ) Gehirnwäsche durch diese Staatssender seit über 70 Jahren!!