Neue Ungerechtigkeiten: „Energiepreisbremse” hilft vor allem Deutschen in den Städten

Fernwärmekraftwerk: Vor allem in größeren urbanen Ballungsräumen bevorzugte Heizquelle (Foto:Imago)

Wie jede teilplanwirtschaftliche, staatliche Gießkannen-, Sub- und Interventionspolitik bringt auch die gegenwärtige Maßnahmen-Kurpfuscherei der Bundesregierung zur Bewältigung der hausgemachten Energiekrise stets nur neue Probleme hervor – und fördert nicht nur absehbar Misswirtschaft, Missbrauch und Abzocke durch skrupellose Profiteure, sondern schafft auch Ungerechtigkeiten an anderer Stelle. So warnen Experten nun davor, dass die staatlichen Energiepreisbremsen den Stadt-Land-Gegensatz in Deutschland weiter vergrößern und die Benachteiligung des ländlichen Raums deutlich verstärken werden. Denn von den vermeintlich segensreichen Hilfen profitieren vor allem die privaten Haushalte in den Städten – während auf dem Land kaum Entlastungseffekte eintreten.

Herausgefunden hat dies eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die die „Rheinische Post” heute berichtet. Demnach kommen die Preisbremsen einer weitaus größeren Zahl von Haushalten im unteren und mittleren Einkommenssegment zugute als solchen mit statistisch höheren Einkommen – und weil der Studie zufolge in Städten mit 500.000 Einwohnern und mehr über 30 Prozent der Haushalte mit Fernwärme heizen, profitieren sie deutlich stärker von den Entlastungen als die Menschen in Regionen von weniger als 5.000 Einwohnern pro Kommunaleinheit, wo diese Heizungsart sehr selten bis gar nicht verbreitet ist. Umgekehrt sieht es bei den Energieträgern Holz und Pellets, Heizöl und alternativen Energieträgern aus, die verstärkt in weniger dicht besiedelten Regionen anzutreffen sind.

Verschiedene Eigenheimquoten

Erdgas, darauf weist auch „dts Nachrichtenagentur” hin, ist der typische Energieträger für Menschen in Städten zwischen 20.000 und 500.000 Einwohnern: Im Durchschnitt haben hier mehr als 50 Prozent der Haushalte eine Gasheizung. Mithilfe von Daten des Sozioökonomischen Panels am IW konnten die IW-Forscher auch Einkommensverteilungseffekte der Energiehilfen der Bundesregierung ermitteln: Gemäß der Selbstauskünfte der Haushalte im Jahr 2020 gaben 44 Prozent unter ihnen an, eine Gasheizung zu nutzen; 22 Prozent heizen mit Heizöl, rund 14 Prozent mit Fernwärme. „Die Heizungsarten sind jedoch keineswegs homogen verteilt: Während das mittlere bedarfsgewichtete Nettoeinkommen von Personen mit Fernwärmeheizung im Jahr 2019 bei rund 1.797 Euro im Monat lag, verfügten Personen mit Gasheizung im Mittel über 2.208 Euro und Personen, die mit Energieträgern wie Holz, Pellets, Umwelt-, Solar- oder Abluftwärme heizten, über rund 2.356 Euro”, heißt es in der Studie.

Hingegen fänden sich Fernwärmeheizungen deutlich häufiger bei Haushalten mit geringen Einkommen, Heizölsysteme verstärkt im mittleren Einkommensbereich, Haushalte mit Gasheizung durchaus auch im oberen Bereich der Einkommensverteilung. Von denjenigen, die zu den oberen zehn Prozent der Einkommensverteilung zählen, heizen 54,8 Prozent mit Gas. „Rund 19 Prozent der oberen zehn Prozent heizen mit Heizöl, nur neun Prozent mit Fernwärme”, so die Studie. Das Institut stellt zudem die durchschnittlichen Eigentumsverhältnisse und Wohnungsgrößen von Haushalten der jeweiligen Heizarten dar. Unter Fernwärmehaushalten liege die Eigentumsquote bei weniger als 17 Prozent, während diese bei Haushalten, die vorrangig mit Holz oder Pellets heizten, bei über 70 Prozent liege.

Geld für die, die es am wenigsten bräuchten

Auch unter Heizölhaushalten sei die Eigentumsquote mit rund 56 Prozent überdurchschnittlich hoch: „Während Wohnungen mit Heizölheizung im Durchschnitt knapp 108 Quadratmeter groß sind, liegt die durchschnittliche Größe bei Wohnungen mit Fernwärme bei 73 Quadratmeter (bei Gasheizungen durchschnittlich knapp 101 Quadratmeter). Wohnungen oder Häuser, in denen hauptsächlich mit Holz/Pellets geheizt wird, sind im Durchschnitt sogar knapp 123 Quadratmeter groß.

Zwar hat die Ampel, in einem von womöglich zahllosen notwendig werdenden „Nachbesserungsschritten”, nun kurz vor Weihnachten hektisch auch noch spezielle Hilfen für Haushalte mit Heizöl- und Pelletheizungen beschlossen (diese können einkommensunabhängig und rückwirkend auf Antrag bis zu 2.000 Euro Zuschuss erhalten, wenn sie nachweisen können, dass sich ihre Heizkosten 2022 verdoppelt haben); da aber vor allem Haushalte mit höheren Einkommen und mit Privateigentum mit Heizöl oder Pellets heizten, dürften auch hier wieder, so die Studie, substanzielle Teile der Hilfen an Haushalte fließen, die die höheren Belastungen problemlos „auch ohne staatliche Zuschüsse tragen könnten”, kritisiert das IW. An den prognostizierten Effekten zeigt sich einmal mehr mustergültig: Wann immer der Staat versucht, segensreich einzugreifen und die Bürger am Markt vorbei zu „entlasten”, sorgt er für neue Ungleichbehandlungen. Eine wirklich verantwortungsbewusste und nachhaltige Politik würde auf die positiven Selbstheilungs- und Ausgleichskräfte des freien Marktes setzen – und für sein Funktionieren die Rahmenbedingungen schaffen. Bezogen auf die Energiewirtschaft bedeutet das: Mehr Wettbewerb zu gleichen Bedingungen, ohne ideologische Bekämpfung oder Benachteiligung von Energiesorten – und vor allem das Ende einer zerstörerischen Sanktionspolitik, die überhaupt erst die Gaskrise und Preisexplosion verursacht hat.

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4 Kommentare

  1. „Demnach kommen die Preisbremsen einer weitaus größeren Zahl von Haushalten im unteren und mittleren Einkommenssegment zugute als solchen mit statistisch höheren Einkommen“
    Typisch, dass die wieder nichts schnallen. Es sollen doch gerade die abgezockt werden, die noch etwas haben! OWN NOTHING, ist das Endziel und soll bis 2030 erreicht werden.

  2. Da geht der Feind, also das, was unter dem Märchennamen „Regierung“ läuft hin, macht alles, was möglich ist, um die Verhältnisse zu schaffen, wie sie jetzt sind.
    Um ein wenig „guter Bulle-böser Bulle“ zu spielen, noch so ein Murks, wie irgendwelche Preisbremsen, die es eh nicht gibt.
    Und, was läuft?
    Nein, es wird nicht sofort der Feind verbal in der Luft zerrissen, warum er das überhaupt macht, sondern daran rumgemäkelt, wem jetzt ein Cent mehr oder weniger geschont wird dabei. Und es werden dabei alle möglichen, irren Regeln und Anlagenwirrwarr bemüht.
    Sozialistischer Wahnsinn in Tüten!
    Dieser ganze Regulativwahnsinn, samt dem gesamten Geschwätzesmoloch, gehört in den Kübel und die Junta in den Kerker.
    Nix noch winseln, warum kriegt der jetzt mehr als ich! Alle gemeinsam auf sie mit Gebrüll.
    Kein Links, kein Rechts, kein Differenzieren und erst recht nicht fachsimpeln über Nuancen. Dagegen, schert Euch zum Teufel, schiebt Euch Eure gesamten sozialistischen Auswüchse irgendwohin!
    Aber nein: Hilfe, der bekommt einen Cent mehr, da muß nachgebessert werden… Bitten an die Junta.
    Ja, sicher, so geht Opposition in DE!

  3. Prof. Hans-Werner Sinn: „Rentenalter heraufsetzen, um die Flüchtlinge zu ernähren“
    https://www.berlinjournal.biz/professor-sinn-rentenalter-heraufsetzen-um-die-fluechtlinge-zu-ernaehren/

    „Gute Einnahmelage“
    Gesetzliche Rentenversicherung erwartet Milliardenüberschuss

    „Ein Grund ist aktuell auch die Corona-Pandemie, die zu einem Anstieg der Sterblichkeit gerade bei älteren Menschen geführt hat.“ Der Haushalt der Rentenversicherung liege aktuell bei mehr als 350 Milliarden Euro.

    https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/id_100103048/gesetzliche-rentenversicherung-erwartet-milliardenueberschuss-.html

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