Montag, 22. April 2024
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Nicht erst 2070, sondern sofort: Bahn investiert notgedrungen in mehr “Sicherheit”

Nicht erst 2070, sondern sofort: Bahn investiert notgedrungen in mehr “Sicherheit”

Die “Zukunftsbahn” hat schon in der Gegenwart genug Probleme (Foto:Imago)

Man hat sich ja schon dran gewöhnt, dass die große Politik in absurden Zeiträumen denkt; so muss etwa die globale Durchschnittstemperatur in vielen Jahrzehnten als Grund dafür herhalten, die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen von heute radikal umzukrempeln. Die Verschiebung der Umsetzung des “Deutschlandtakts”, der das Bahnfahren ursprünglich einmal attraktiver, weil pünktlicher machen sollte, eben mal um ein halbes Jahrhundert ins Jahr 2070 zeugt von derselben Tendenz zum Irrealen. Das Ganze erklärt man dann einfach noch passend zum “Jahrhundertprojekt” (so der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer), und schon gibt die Verlegung eines einst prioritären Vorhabens auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zumindest begrifflich Sinn.

Andere aktuelle Entscheidungen der Deutschen Bahn sind weniger Jahrhundertprojekte, sondern ganz in der schnöden Gegenwart verwurzelt: Die Erhöhung der Spitzengehälter des DB-Managements um 14 Prozent duldet natürlich keinen Aufschub – und, wohl aus der Not geboren, eine andere Maßnahme ebenso nicht: Wie der Konzern bekannt gibt, sollen die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft werden. An der neuen gesellschaftlichen Realität des politisch von oben dauerbeglückten Deutschlands kommt auch die Bahn nicht länger vorbei, deshalb will sie ihre eigenen Mitarbeiter “besser gegen Übergriffe” schützen. Schon seit einigen Wochen trugen im Zuge eines Testprojekts die Kundenbetreuer auf der Schwarzwaldbahn Bodycams, und erste Untersuchungen zeigten nun, dass sich “sowohl das Zugpersonal als auch Reisende damit sicherer fühlen”, teilt die Bahn heute mit. Dass selbst auf einer idyllischen Provinzstrecke inzwischen Sicherheitsbedenken seitens der Fahrgäste bestehen, spricht für sich. Nun ist die Ausweitung des Tests auf weitere Regionen geplant.

Mehr Videos und Deeskalationstraining

Zudem, so berichtet “dts”, sei die Bahn bereits mit Aufgabenträgern und Ländern in Gesprächen, um möglichst eine flächendeckende Ausrüstung mit Sicherheitstechnik sowie mehr Sicherheitspersonal zu erreichen. Ein weiterer Fokus liege auf der besseren Ausbildung. Für 20.000 Bahnmitarbeiter im Kundenkontakt gehörten Deeskalationstrainings zur regelmäßigen Fortbildung. Die Schulungen würden nochmals speziell auf die aktuellen Konfliktschwerpunkte angepasst und ausgeweitet. Auch die Videoüberwachung soll nach Bahn-Angaben weiterhin einen Schwerpunkt bilden. Aktuell betreibt die Bahn etwa 9.000 Videokameras auf ihren Bahnhöfen, bis 2024 soll diese Zahl auf 11.000 erhöht werden. Fast 50.000 Kameras haben die Innenräume von fast drei Viertel aller Nahverkehrs- und S-Bahnzüge im Blick. Die Bahn gibt bislang mehr als 180 Millionen Euro jährlich für die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitern aus. Täglich seien rund 4.300 Sicherheitskräfte der Bahn unterwegs, neben 5.500 Beamten der Bundespolizei.

Dennoch konnten all diese Maßnahmen bislang nicht verhindern, dass die Zahlen der Straftaten im Bahnumfeld von Rekord zu Rekord eilen, von denen Messer-Attacken in Zügen nur die spektakulärsten Fälle darstellen. Insgesamt mehr als 23.000 Gewaltdelikte stellte die Bundespolizei nach eigenen Angaben 2022 an deutschen Bahnhöfen und in Zügen fest. Alleine 3.138 Fälle betrafen Übergriffe auf die eigenen Mitarbeiter. Nun hat man anscheinend geschnallt, dass diese Entwicklung ungleich wichtiger ist als das Erreichen der “Klima-Ziele”, als die Abbildung der “bunten diversen Gesellschaft” in der eigenen Außenwerbung oder das grüne Anpinseln von ICE-Waggons. Einzig auf die Verbesserung der Pünktlichkeit müssen die Fahrgäste eben noch etwas warten. Bis 2070 – wenn sie bis dahin nicht zu Tode bereichert wurden.

8 Antworten

  1. @BAHN INVESTIERT
    ehrlich ?
    Wieviel davon geht denn in Bestechungen und Korruption, und wie groß ist der Rest, der wirklich in Material geht ? In absoluten und relativen Zahlen!
    Und was davon wird in Wirklichkeit zur Überwachung der “Kunden” benutzt – Stichwort Gesichtserkennung und sonstige Bewegungsprofile zur Ergänzung der Impf-Status-Kontrollen und Überwachung und was das Regime sonst noch behauptet ?
    Wie wollen die überhaupt noch fahren, wenn in einigen Jahren – und vermutlich, bevor diese “Investitionen” umgesetzt sind – auf der einen Seite Stromausfälle und Blackouts zur neuen Normalität werden und auf der anderen Seite die Bahn nur noch mit Strom “Klima-neutral” fahren will ?
    https://ansage.org/studie-warnt-ab-2025-werden-grosse-stromausfaelle-zur-normalitaet/

  2. Deeskalationstraining!? In arabisch?? Zugbegleiter verbeamten und bewaffnen! Oder die Bundeswehr, die ja jetzt im Inneren auch eingesetzt werden kann, in die Züge und Bahnhöfe schicken. Über alles andere wird seitens der Täter nur gelacht! Das Bewerfen mit Wattebällchen ist, wie der Gebrauch des Wortes”mutmaßlich”, lediglich ein Verdummungsversuch.

  3. Wenn die Kamera die Attacke eine irren “Goldstücks” minutiös aufnimmt, hilft das dem Opfer in der Situation auch nix.
    ES LEBE DIE AUFKLÄRUNG
    Völlig hirnrissig!

    Rolf

    1. Und danach auch nicht, denn der Täter ist krank im Kopf und bekommt immer wieder Bewährung oder geht in die Klapse.
      Das Opfer hingegen muss damit selber fertig werden.

      Termine bei den Psychiatern bekommt man derzeit so in ca. 2 Jahren. Oh Mann …

  4. “Aktuell betreibt die Bahn etwa 9.000 Videokameras auf ihren Bahnhöfen, bis 2024 soll diese Zahl auf 11.000 erhöht werden. Fast 50.000 Kameras haben die Innenräume von fast drei Viertel aller Nahverkehrs- und S-Bahnzüge im Blick.”

    Und ich kenne noch Zeiten, da gab es davon null.
    War auch nicht nötig, da Deutsche unter Deutschen unterwegs waren, die friedlich von A nach B fuhren und dann auch wieder zurück.

    Ich muss irgendwas verpasst haben.

  5. Wäre natürlich interessant zu erfahren wodurch sich die Fahrgäste sicherer fühlen wenn das Personal eine bodycam trägt ?